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05.04.2017 Themenreihe „Aus dem Programm”

DaZ in Kiel

In Kiel werden zurzeit mehr als 700 Schülerinnen und Schüler in sogenannten DaZ-Klassen unterrichtet. DaZ steht für Deutsch als Zweitsprache. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche mit wenigen oder gar keinen Deutschkenntnissen schnell ein Sprachniveau zu vermitteln, mit welchem sie gut in der Schule mitarbeiten können. Mittlerweile gibt es 24 DaZ-Standorte mit insgesamt 47 Kursen in Kiel. Jeder dieser Standorte wird durch eine DaZ-Lehrkraft betreut und koordiniert. Außerdem gibt es einen DaZ-Gesamtkoordinator, der unter anderem neue Schülerinnen und Schüler in die verschiedenen Klassen einteilt.

Neue Herausforderungen durch geflüchtete Schülerinnen und Schüler

Vor gut einem Jahr sah das noch anders aus. Anfang 2016 gab es in Kiel acht Standorte mit insgesamt 45 DaZ-Kursen. Jeweils eine Lehrkraft von zwei der acht Standorte war für die gesamte Steuerung verantwortlich. Zusätzlich koordinierten sie den DaZ-Unterricht an den einzelnen Schulen. Das funktionierte solange, bis die Anzahl der Schülerinnen und Schüler durch das Ankommen geflüchteter Kinder und Jugendlicher stark angestiegen ist. Ein Schulleiter suchte daher Unterstützung beim Servicebüro Hamburg im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“.

Bedarf an neuen Strukturen und einheitlichen Lehrplänen

„Das war Anfang April 2016“, erinnert sich Friederike Orth, Leiterin des Servicebüros Hamburg. „Die bestehenden Strukturen waren für die neuen Anforderungen nicht ausgelegt. Besonders herausfordernd war und ist die große Spannweite der sprachlichen Vorerfahrungen der Kinder: Manche sprechen bereits etwas Deutsch oder Englisch, andere wiederum müssen zunächst alphabetisiert werden.“ Zudem gab es Bedarf an standardisierten Unterrichtsmaterialien, einheitlichen Lehrplänen für die verschiedenen Niveaustufen, eine Koordination des Übergangs von DaZ-Klasse in den Regelunterricht und einen regelmäßigen Austausch der DaZ-Lehrkräfte.

Analyseworkshop unterstützte bei Zielformulierung

Das Servicebüro Hamburg unterstützte dabei, gemeinsam einen Weg zu finden, nachhaltig diesen Bedarf zu sichern. Nach ersten vorbereitenden Gesprächen und Planungen wurde im Juli 2016 ein Analyseworkshop durchgeführt. In diesem wurden ausgehend von dem ermittelten Bedarf, konkrete Ziele formuliert und zusammen überlegt, wie man diese erreichen kann. Unter anderem wurde vereinbart, eine offizielle Auftaktveranstaltung zu organisieren und die Ziele in einer gemeinsamen Erklärung festzuhalten. Die vom Servicebüro beauftragte Prozessbegleiterin Melanie Sonneborn übernahm anschließend die weitere Begleitung.

Steuerungsgruppe trifft zentrale Entscheidungen

Über die DaZ-Rahmenbedingungen entscheiden die einzelnen Schulaufsichten und Schulräte sowie das Schulamt in Kiel. „Für eine einheitliche und tragfähige Lösung müssen daher alle gemeinsam an einem Tisch sitzen“, meint Friederike Orth. Durch die Unterstützung von „Willkommen bei Freunden“ hat sich eine Steuerungsgruppe gebildet, die sich einmal im Quartal trifft. Dort werden unter anderem Fragen besprochen wie: Sollen zur Alphabetisierung spezielle Kurse eingerichtet werden? Braucht es eine Art Crash-Kurs zum Einstieg? Oder wie viele Schülerinnen und Schüler werden aktuell in DaZ-Klassen unterrichtet? Mitglieder sind unter anderen: Recai Kurt (DaZ-Gesamtkoordinator Kiel), Schulrätin Barbara Weber (Schulamt Kiel) und Iris Diekelmann (Amt für Schulen). Neben dieser Steuergruppe gibt es ebenfalls ein regelmäßiges Austauschformat für die 24 DaZ-Koordinatorinnen und -koordinatoren.

Wille zur Veränderung muss aus dem Bündnis selbst kommen

Melanie Sonneborn moderiert die regelmäßigen Treffen und sorgt für die notwendige Verbindlichkeit. Doch ohne das Engagement der verantwortlichen Akteure vor Ort geht es nicht. „Frau Weber nimmt eine zentrale Rolle im Prozess ein“, berichtet Friederike Orth. „Als vom Ministerium beauftragte Schulrätin hat sie eine ganz andere Stellung bei ihren Kolleginnen und Kollegen in der Steuerungsgruppe. Es braucht jemanden mit der entsprechenden Entscheidungsgewalt, damit der Prozess am Laufen bleibt.“ Nach einem Jahr der Begleitung durch „Willkommen bei Freunden“ hat sich das Kieler Bündnis viel erarbeitet. „In Kiel wurde eine Struktur gefunden, welche gut funktioniert und sich verfestigt hat. Wichtige Ziele wurden erreicht. Dadurch haben wir eine gute Garantie für den Fortlauf des Prozesses“, erzählt Friederike Orth.

Weitere Zusammenarbeit möglich

Ende 2016 hat die Kieler Schulrätin Barbara Weber das Transferforum von „Willkommen bei Freunden“ in Hannover besucht. Dort lernte sie den Kompetenzcheck für zugewanderte Menschen „komPASS³“ kennen. Dies ist ein handlungsorientiertes Verfahren mit hohem berufspraktischem Bezug, das in Niedersachsen flächendeckend eingesetzt wird. Es kam die Idee, das Modell zunächst als Pilot in Kiel einzusetzen. Dann bestehe die Chance, so Orth, die Lehrkräfte bei diesem Prozess durch Fortbildungen und Workshops zu begleiten und zu unterstützten. Die Zusammenarbeit muss nach dem Ende der Prozessbegleitung also nicht enden. „Ich finde darin liegt ein großer Vorteil des Programms“, sagt Friederike Orth. „Es arbeitet nicht an verschiedenen Inselprojekten, sondern ermöglicht neben der Vernetzung der Akteure vor Ort, ebenso ein Ineinandergreifen der verschiedenen Angebote.“

Kontakt: Friederike Orth

Friederike Orth
+49 (0)40 380 71053-50
hamburg@willkommen-bei-freunden.de
Willkommen bei Freunden, Servicebüro Hamburg

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