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05.12.2017 - Tag des Ehrenamts Meldungen

Kinderschutzbund findet ehrenamtliche Paten über App

„In unserem Projekt geht es in erster Linie darum, allein nach Deutschland geflüchtete Jugendliche mit einem Beziehungsangebot zu unterstützen - von einer Person, die sich für sie einsetzt und außerhalb von Institutionen steht“, sagt Sevil Dietzel. Sie arbeitet als Fachkraft im Projekt „Patenschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ des Deutschen Kinderschutzbundes in Hamburg. Auch wenn ein Pate einen Jugendlichen nicht gegenüber Behörden, Institutionen oder im Asylverfahren vertritt, ist die Verantwortung in Rahmen einer Patenschaft sehr groß.

Auswahlkriterien für eine ehrenamtliche Patenschaft

Aus diesem Grund führt der Kinderschutzbund im Vorfeld ein Auswahlgespräch mit potenziellen Paten durch. „In dem Einzelgespräch fragen wir nach der Motivation, dem zeitlichen Möglichkeiten eine Patenschaft zu übernehmen und auch nach den Ideen und Vorstellungen der ehrenamtlichen Paten. Erst wenn wir als Fachkräfte zu der Überzeugung gelangen, dass die Person für eine Patenschaft geeignet ist, gehen wir gemeinsam die weiteren Schritte“, erzählt Frau Dietzel.

Beziehungsaufbau als wichtige Basis

Die Basis für eine gelingende Patenschaft ist der Beziehungsaufbau: Je nach Jugendlichem braucht es dafür drei bis sechs Monate. Sevil Dietzel empfiehlt daher am Anfang der Patenschaft ein Treffen pro Woche mit einem ungefähren Zeitaufwand von zwei bis drei Stunde. Ein weiteres Kriterium ist „Empathie und die Bereitschaft, sich gedanklich und emotional in jemanden hineinzuversetzen, der alle Brücken hinter sich abgebrochen hat und in ein kulturell völlig anderes Umfeld gelangt“, sagt Dietzel. Zudem ist ein eintragsfreies erweitertes Führungszeugnis erforderlich. Dieses müssen alle Personen in Deutschland, die mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten, vorweisen.

Austausch mit anderen Paten und Fachkräften

Nachdem jemand eine Patenschaft übernommen hat, ist dieser nicht auf sich alleine gestellt. Jeder Pate wird fachlich durch den Kinderschutzbund begleitet. Dafür gibt es neben Schulungen zu Themen wie Asylrecht und Herkunftsländern auch monatliche Treffen für die Paten im Projekt. In diesen können sich alle untereinander über ihre Erfahrungen austauschen. „Wenn Probleme auftreten“, so Sevil Dietzel, „dann können sich die Paten jederzeit bei uns melden. Wir unterstützen dann immer zeitnah mit Einzelberatungen.“

Bei größeren Problemen wird neu vermittelt

Sofern die Jugendlichen unzufrieden mit ihrem Paten sein sollten, können sie das ihren Bezugspersonen der jeweiligen Jugendhilfeeinrichtung melden. Diese leiten die Beschwerde direkt an die Projektmitarbeitenden des Kinderschutzbundes weiter. „Bisher hatten wir diesen Fall noch nicht. Wir führen nicht nur mit den Ehrenamtlichen Vorgespräche, sondern auch mit den Jugendlichen und ihren Bezugspersonen: So können wir ein relativ sicheres Matching gewährleisten. Wenn dennoch die Chemie zwischen Jugendlichen und Pate nicht passen sollte, vermitteln wir einen neuen Paten“, erzählt Frau Dietzel.

Mit der „Willkommen bei Freunden“-App neue Unterstützer finden

Für das Patenschaftsprojekt ist der Deutsche Kinderschutzbund in Hamburg immer auf der Suche nach neuen Unterstützerinnen und Unterstützern. Dafür nutzt der Verband unter anderem die „Willkommen bei Freunden“-App. Über die Anwendung, die auch als Desktop-Version am Computer genutzt werden kann, können Initiativen der Flüchtlingshilfe konkret ihren Unterstützungsbedarf angeben. Dafür stehen verschiedene Kategorien wie „Sprache und Lernen“ oder „Betreuung und Begleitung“ zur Verfügung. Ehrenamtliche können über dieselben Kategorien angeben, wie sie unterstützen möchten.

„Die App ist ein großer Vorteil, weil es den Kreis der Möglichkeiten erweitert. Da haben wir nur drauf gewartet“, berichtet Sevil Dietzel. „Wir haben bereits eine hervorragende Patin über die App gefunden und empfehlen das Tool gerne weiter.“ Frau Dietzel rät Initiativen, auf Nachrichten von Ehrenamtlichen zeitnah zu antworten. „Das gilt generell für die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich das Interesse sich zu engagieren schnell abnutzt, wenn es mit langen Wartezeiten für die Menschen verbunden ist.“

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