29.11.2017 Tagung , Leipzig

Ländliche Räume als Orte der Integration junger Geflüchteter

Aktuell leben in Deutschland so viele geflüchtete junge Menschen in ländlichen Räumen wie nie zuvor. Die Diskussion um die Zukunft der ländlichen Räume wird daher vermehrt auch mit der Integration geflüchteter Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener verknüpft: Welche Bedingungen bieten die ländlichen Räume ihnen, um anzukommen und teilzuhaben? Wie ist es Landkreisen gelungen, jungen Geflüchteten Perspektiven zu eröffnen und sie zu halten? Bietet ihre Zuwanderung den ländlichen Räumen eine Antwort auf Herausforderungen wie den demografischen Wandel? Und welche kommunalen Veränderungsprozesse sind dazu erforderlich?

Im Zentrum der Veranstaltung stehen fünf Themen: dezentrales und gemeinschaftliches Wohnen, Vereine als Orte der Integration, die Ausübung des Islams, Wege in Ausbildung sowie gute Verwaltung. Zu jedem dieser Themen gibt es einen Themenraum mit Fachvorträgen, guten Beispielen aus der Praxis und Zeit für den Erfahrungsaustausch.

HINWEIS ZUR ANMELDUNG: Die Anmeldefrist für die Veranstaltung ist bereits beendet und die Veranstaltung ist komplett ausgebucht. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir leider keine weiteren Anmeldungen mehr aufnehmen können. Wenn Sie per E-Mail über das Erscheinen der Veranstaltungsdokumentation informiert werden möchten, senden Sie gern eine Nachricht mit dem Betreff „Dokumentation“ an transferforum@willkommen-bei-freunden.de

Überblick

Datum

Mittwoch, 29. November 2017, von 09:00 Uhr bis 16:30 Uhr

Anmeldungen möglich bis

Sonntag, 05. November 2017

Veranstaltungsort

KONGRESSHALLE am Zoo Leipzig
Pfaffendorfer Straße 31
04105 Leipzig

Veranstalter

Deutsche Kinder- und Jugendstiftung

Kontakt

Kosten

Die Veranstaltung ist kostenlos. Reise- und Übernachtungskosten tragen die Teilnehmenden.

Mittwoch, 29. November 2017

09:00 – 09:30 Uhr Ankommen

09:30 – 10:15 Uhr Begrüßung

Sera Choi, Stabsstelle Flüchtlingspolitik, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend


10:15 – 11:00 Uhr Keynote: Dr. Oliver Junk, Oberbürgermeister der Stadt Goslar

Dr. Oliver Junk, Oberbürgermeister der Stadt Goslar, sprach sich Ende 2014 für eine verstärkte Aufnahme von Geflüchteten in ländlichen Räumen aus und hob die positiven Auswirkungen für die Integration und die ländliche Demografie hervor. In seiner Keynote berichtet er, wie sich die Situation in Goslar seitdem entwickelt hat und welche guten Konzepte für den ländlichen Raum er sieht. 


11:15 – 13:00 Uhr Arbeit in Themenräumen, Phase I

Bedarfe und Herausforderungen intelligenter Wohnkonzepte
Themenraum: Wohnen in ländlichen Räumen

Eine gute Integration braucht Wohnorte, an denen sich Menschen mit Fluchtgeschichte sicher, wohl und angenommen fühlen. Der Wohnort sollte den Neuzugewanderten den Zugang zu Angeboten der Kommune, die Anbindung an kommunale Unterstützernetzwerke sowie nachbarschaftliche Begegnungen ermöglichen. In der ersten Arbeitsphase des Themenraums „Wohnen in ländlichen Räumen“ stellt Diana Meschter vom Thünen-Institut ihre Forschungsergebnisse zur Wohnsituation von Geflüchteten vor. Anschließend entwickeln die Teilnehmenden in Kleingruppen Ideen, wie kommunale Akteure erfolgreiche Integrationsprozesse durch intelligente Wohnkonzepte befördern können. 

Diana Meschter, Institut für Ländliche Räume, Thünen-Institut

Integration als Teil der Stadt- und Regionalentwicklung
Themenraum: Gute Verwaltung für zukünftige Integration

Der Zuzug von Geflüchteten hat die kommunale Verwaltung in den letzten Jahren vor viele neue Aufgaben gestellt. Im Zuge dessen entwickelten sich innovative Strategien und Projektvorhaben. In Saalfeld entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen der Stadtverwaltung und der IBA Thüringen GmbH das Projekt „Zwischenraum zum Ankommen Saalfeld“. Auf dem Gelände einer alten Kaserne – zwischen Flüchtlingsunterkunft und Wohngebäuden – hat sich ein Netzwerk aus Bewohnerinnen und Bewohnern zusammen mit anderen Aktiven vorgenommen, im Selbstbau neuartige Werk- und Freiräume zu schaffen. Die Brache soll neue Perspektiven und Handlungsoptionen für die alten und neuen Nachbarn, aber auch die Kreativen aus der Region eröffnen.

Hanka Giller, Leiterin des Amts für Jugendarbeit/Sport/Soziales der Stadt Saalfeld
Dr. Bertram Schiffers, Projektleiter, Internationale Bauausstellung Thüringen GmbH
sowie junge Teilnehmende des Projekts „Zwischenraum zum Ankommen in der Stadt Saalfeld“

Junge Geflüchtete und Unternehmen im Gespräch
Themenraum: Gemeinsames Handeln für zukünftige Fachkräfte

Viele junge Menschen mit Fluchtgeschichte zieht es eher in die Städte, wo sie mehr Chancen vermuten. Gleichzeitig fehlt es vielen Unternehmen außerhalb der Ballungsräume an Erfahrung mit der Einstellung von jungen Geflüchteten. In der ersten Arbeitsphase des Themenraums „Gemeinsames Handeln für zukünftige Fachkräfte“ kommen beide ins Gespräch. Junge Geflüchtete berichten von ihrer Ausbildung im ländlichen Raum: Wie haben sie ihren Ausbildungsplatz gefunden? Worin bestehen ihre täglichen Herausforderungen? Und wie sehen ihre Zukunftsperspektiven aus? Im Anschluss erzählt der Geschäftsführer Florian Fritz aus der Unternehmerperspektive. Sein mittelständisches Unternehmen hat als eines der ersten in der Oberlausitz einen jungen Geflüchteten ohne Schulabschluss und ohne Aufenthaltstitel in Ausbildung genommen. Das Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ berichtet von weiteren Erfahrungen, die bundesweit gemacht wurden.

Florian Fritz, Geschäftsführer der Johnson Drehtechnik GmbH Zittau
Max Klasen, Projektreferent Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge
Ali Rezayi, Marcel Attinsoussi, Feras Alali, Rama Alboush, Auszubildende
Margaux Steiger, Hotelleiterin Sebnitzer Hof


Orte der Religionsausübung für Musliminnen und Muslime
Themenraum: Islam in ländlichen Räumen

In einigen ländlichen Regionen Deutschlands lebt in den letzten Jahren erstmals eine relevante Zahl an Musliminnen und Muslimen. Sie möchten vor Ort ihre Religion ausüben und bemühen sich um einen Raum für Zusammenkunft und Gebet. Dadurch entstehen neue Herausforderungen für die Kommunen. Die Kernfrage „Orte zur Religionsausübung schaffen – eine kommunale Aufgabe oder Privatsache?“ wird in einem Salongespräch aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert. Dabei geht es um die Rolle der kommunalen Verwaltung für die Religionsausübung vor Ort ebenso wie um die Verantwortung der Musliminnen und Muslime, das Zusammenleben zu gestalten. Im Anschluss ist Zeit für Diskussion und Erfahrungsaustausch zum Umgang mit dem Wunsch nach Religionsausübung in ländlichen Räumen.

Medine Yilmaz, Büro der Beauftragten für Integration, Migration und Flüchtlinge im Thüringer Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz und weitere Gäste
Erik Alm, Landeskoordinator des Demokratie-Zentrums Sachsen, berät in der sächsischen Koordinierungs- und Beratungsstelle Radikalisierungsprävention (KORA) zum Thema islamistische Radikalisierung

Gelungene Beispiele für Integration in Vereinen
Themenraum: Vereine als Orte der Integration im ländlichen Raum

Vereine sind zentrale Akteure im ländlichen Gemeinwesen. Sie bieten einen niedrigeschwelligen Zugang für sozialen Kontakt und Beteiligung. Gleichzeitig werden Vereine überwiegend von Ehrenamtlichen getragen und ihnen fehlen Ressourcen, um Neuankömmlinge gut einzubeziehen. Wie es dennoch gelingt, jungen Geflüchteten Teilhabe in Vereinen zu ermöglichen, wird in einem Gallery Walk sichtbar. Fünf Vereine stellen vor, wie sie die Integration junger Menschen mit Fluchthintergrund bewerkstelligt haben. In der anschließenden Kleingruppenarbeit stehen die Vertreterinnen und Vertreter der Vereine den Teilnehmenden mit ihrer Erfahrung zur Seite.

Marlene Niesing, Jugendkoordinatorin Villa Lampe Heilbad Heiligenstadt
Hannes Hübner, Vorstand Café Hotspot e.V.
Thomas Ernst, Trainer und umA-Betreuer MSV Eisleben
Dr. Mieste Hotopp-Riecke, .lkj) - Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt e.V., Mitarbeiter im Projekt
„Dehnungsfuge
Torsten Sowada, .lkj) - Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt e.V., Projektleiter des Projekts „Dehnungsfuge

13:00 – 14:00 Uhr Mittagspause

14:00 – 15:45 Uhr Arbeit in Themenräumen, Phase II

Gemeinschaftliches Wohnen von Geflüchteten und Einheimischen
Themenraum: Wohnen in ländlichen Räumen

In der zweiten Arbeitsphase des Themenraums „Wohnen in ländlichen Räumen“ stellt sich das Projekt „Hoffnungshaus Leonberg“ vor. Das Hoffnungshaus ist eine innovative und ganzheitliche Lösung für gelebte Integration. Flüchtlinge und Einheimische leben gemeinsam unter einem Dach und machen aus diesem Ort eine offene Begegnungsstätte, die mit ihren Angeboten in den Sozialraum hineinwirkt. Im Anschluss an die Projektvorstellung erarbeiten die Teilnehmenden in Kleingruppen, was es für ein gemeinschaftliches Wohnkonzept in ihren Kommunen braucht.

Anita Lechler, Referentin der Stiftung Hoffnungsträger
Kinan Aljannan, Bewohner des Hoffnungshauses Leonberg



Die Migrationsagentur: alle kommunalen Angebote aus einer Hand
Themenraum: Gute Verwaltung für zukünftige Integration

Um die verwalterischen Aufgaben der Migration und Integration zukünftig besser zu gestalten, erarbeiteten Kommunen Konzepte, die den Zugang der Zugewanderten zu den kommunalen Angeboten vereinfachen. Im Burgenlandkreis wurde hierfür eine Migrationsagentur als kommunales Aushängeschild für Migrantinnen und Migranten gegründet. Für alle Bedürfnisse, mit denen sie sich an die Verwaltung richten, gibt es zukünftig die Migrationsagentur als zentrale Anlaufstelle. Vertretende aus dem Burgenlandkreis präsentieren das Konzept und den Prozess zu einer kommunalen Migrationsagentur. Anschließend wird in Kleingruppen diskutiert: Wie schaffen wir zugängliche Verwaltungsstrukturen für Neuzugewanderte?

Ulrike Reichert, Integrationskoordinatorin Burgenlandkreis
Dominik Benke, Ramboll Management Consulting

Unterstützungsstrukturen für den Übergang in Ausbildung oder Beruf
Themenraum: Gemeinsames Handeln für zukünftige Fachkräfte

Wie können Landkreise junge neuzugewanderte Menschen systematisch in Ausbildung bringen? Wie kann berücksichtigt werden, dass sie neben ihrer Ausbildung Sprachkurse und andere Angebote aufsuchen – und dabei häufig auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind? Und wie werden Berufsfelder interessant, die in ländlichen Räumen häufiger vorkommen als in der Stadt? Damit junge Geflüchtete und Unternehmen in ländlichen Räumen zueinander finden, braucht es gute unterstützende Strukturen, ein integriertes Vorgehen der Arbeitsverwaltung sowie eine Berufsorientierung, die auch ländliche Berufe in den Blick nimmt. Wie Landkreise den Übergang von der Schule in den Beruf für alle Seiten bestmöglich gestalten können, wird anhand zweier Beispiele im Themenraum beleuchtet. Anschließend diskutieren die Teilnehmenden in Kleingruppen.

Elisabeth Poul, Verein Be-Greifen
Viktoria Behnisch, Verein Be-Greifen
Inka Ludwig, Integrationskoordinatorin Altmarkkreis Salzwedel
Jutta Morr, Leiterin der Koordinierungsstelle Regionales Übergangsmanagement Altmarkkreis Salzwedel

Zum Umgang mit Ängsten, Vorurteilen und Islamfeindlichkeit
Themenraum: Islam in ländlichen Räumen

Neu zugewanderte Muslime treffen bei der Suche nach eigenen Räumen zur Religionsausübung oder bei Gründung eines Vereins oft auf Unverständnis, Vorbehalte oder offene Ablehnung. Der Verein Ufuq e.V. berät als bundesweiter Ansprechpartner Behörden und pädagogische Fachkräfte zu den Themen Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus. In einem praxisnahen Workshop möchte der Verein den Teilnehmenden zeigen, wie sie zum Beispiel mit der ansässigen Bevölkerung oder innerhalb von Behörden in einen konstruktiven Dialog treten und durch transparente Information sowie Begegnung Vorurteile zum Islam und zur Religion abbauen können.

Mirjam Gläser, Ufuq e.V. Fachstelle Berlin gegen Islamfeindlichkeit und Islamismus

Zusammenwirken von Vereinen mit anderen kommunalen Akteuren
Themenraum: Vereine als Orte der Integration im ländlichen Raum

Am Beispiel des „Willkommen bei Freunden“-Bündnisses „Bleib in Bad Sooden-Allendorf“
zeigt sich, wie eine gute Zusammenarbeit von verschiedenen haupt- und ehrenamtlichen Akteuren in der Kommune die Integration von jungen Geflüchteten befördert und welche Netzwerke hierzu aufgebaut und genutzt werden können. In einem anschließenden Input-Vortrag wird diskutiert, wie Hauptamtliche ehrenamtlich Tätige besonders gut unterstützen können, was Ehrenamtliche von Hauptamtlichen lernen können und wie sich die Zusammenarbeit von haupt- und ehrenamtlichen auf Vereine auswirkt.

Lisa Hottenroth, Referentin im Projekt-Team „Bleib in Bad Sooden-Allendorf

16:00 – 16:30 Uhr Abschlussrunde

Präsentation und Diskussion von Kernergebnissen des Transferforums mit Petra Köpping, Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration