20.06.2017 Tagung , Frankfurt am Main

Transferforum: Partizipation in der Kommune

Wenn junge Menschen mitbestimmen können, lernen sie, was demokratisches Handeln in der Praxis bedeutet. Das gilt auch für Kinder- und Jugendliche, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. Aufgrund von Flucht-, aber auch von Diskriminierungserfahrungen sowie des oft unsicheren Aufenthaltsstatus haben geflüchtete Jugendliche besondere Herausforderungen zu meistern. Um sich zu beteiligen, benötigen sie Räume, in denen sie ihre Stärken entdecken, ihre Rechte kennenlernen und Selbstwirksamkeit erfahren können. Ihre Umgebung mitgestalten zu können, ist für geflüchtete Jugendliche ein wichtiger Schritt zur Partizipation an gesellschaftlichen Prozessen in Deutschland.

Politische Verantwortliche, Ehrenamtliche und Fachkräfte in den Bereichen Jugend, Bildung und Berufsorientierung benötigen Unterstützung und Kompetenzen, um geflüchtete Jugendliche als Aktive in eigener Sache zu stärken. Inwiefern kann die Partizipation junger Geflüchteter zur Stärkung des Gemeinwesens und einer demokratischen Kultur beitragen? Was brauchen geflüchtete Jugendliche, um vor Ort aktiv zu sein? Wie können gute Beteiligungskonzepte in den Kommunen verankert werden?

Diese und weitere Fragen möchten wir mit Ihnen diskutieren. In Vorträgen und Workshops stellen wir Ihnen gute Beispiele aus der Praxis vor und bieten Ihnen Raum, sich zu informieren, auszutauschen und zu vernetzen.

HINWEIS ZUR ANMELDUNG:
Die Anmeldefrist für die Veranstaltung ist bereits beendet und die Veranstaltung ist komplett ausgebucht. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir leider keine weiteren Anmeldungen mehr aufnehmen können. Wenn Sie per E-Mail über das Erscheinen der Veranstaltungsdokumentation informiert werden möchten, senden Sie gern eine Nachricht mit dem Betreff „Dokumentation“ an transferforum@willkommen-bei-freunden.de

Überblick

Datum

Dienstag, 20. Juni 2017, von 09:00 Uhr bis 16:30 Uhr

Anmeldungen möglich bis

Montag, 12. Juni 2017

Veranstaltungsort

HAUS AM DOM
Bildungs- und Kulturzentrum
Domplatz 3
60311 Frankfurt

Veranstalter

Deutsche Kinder- und Jugendstiftung

Kontakt

Kosten

Die Veranstaltung ist kostenlos. Reise- und Übernachtungskosten tragen die Teilnehmenden.

Dienstag, 20. Juni 2017

09:00 – 09:30 Uhr Ankommen

09:30 – 09:50 Uhr Begrüßung

Begrüßungsworte vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Thomas Heppener, Leiter der Gruppe Demokratie und Vielfalt

Begrüßungsworte vom Land Hessen: Stefan Sydow, Leiter der Abteilung VII „Asyl“ im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration

Gesamtmoderation: Dagmar Gendera, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung


09:50 – 10:50 Uhr Podiumsgespräch

Zum Thema „Partizipation junger Geflüchteter in der Kommune“ tauschen sich u.a. Prof. Dr. Mechthild Wolff (Leiterin des Studiengangs Kinder- und Jugendhilfe an der Hochschule Landshut), Dagmar Sprenger (Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums Kreis Olpe), Avin Mahmoud (Mitglied von Jugendliche ohne Grenzen) und Hanifa Haqani (Geschäftsführerin von Rumi imPuls e.V.) aus.


11:15 – 12:45 Uhr Arbeitsphase I

Fachforum 1: Beteiligung in Gemeinschaftsunterkünften und Jugendhilfeeinrichtungen
Modellprojekte von Plan International Deutschland und dem Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF)

„Gemeinde-Mobilisierer“ nennen sich die jungen Geflüchteten, die sich im Rahmen eines Modellprojekts zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in Hamburger Flüchtlingsunterkünften zusammengetan haben. Gemeinsam entwickelt die Gruppe Aktivitäten im Bereich Freizeit und informelle Bildung für andere Bewohnerinnen und Bewohner in Hamburger Gemeinschaftsunterkünften.

Claudia Meyerhöfer, Projektreferentin für Kinderschutz bei Plan International Deutschland e.V.

Hosna Abbassy, Yahya Iskandarani, Ahmad Rayes, Mitglieder der „Gemeinde-Mobilisierer“


Der BumF e.V. hat ein Projekt zur Partizipation junger Geflüchteter in der stationären Kinder- und Jugendhilfe durchgeführt. Im Dialog mit jungen Geflüchteten und Fachkräften entstand dabei ein Handlungskonzept, das in ausgewählten Modelleinrichtungen umgesetzt und begleitet wurde.

Goran Ekmešcic, Landratsamt Aichach-Friedberg, Bildungsbüro (ehemaliger Mitarbeitender des Projekts „Partizipation junger Flüchtlinge in der stationären Kinder- und Jugendhilfe“ vom BumF e.V.)

Fachforum 2: Junge Geflüchtete organisieren sich selbst
Die Initiative „Jugendliche ohne Grenzen (JOG)“ stellt ihre Arbeit vor

Bereits im Jahr 2005 riefen junge Geflüchtete bundesweit den Zusammenschluss „Jugendliche ohne Grenzen“ ins Leben. Grundsatz ihrer Arbeit ist, dass junge Geflüchteten eine eigene Stimme haben. Über alle Aktionsformen und deren Durchführung entscheiden die Mitglieder der Initiative selbst. Aufgrund der Residenzpflicht veranstalten sie viele lokale Aktionen, um Beteiligung zu ermöglichen. Auch gegen Diskriminierung – insbesondere Rassismus, Faschismus und antimuslimischen Rassismus – vorzugehen gehört zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit.

Avin Mahmoud, Jugendliche ohne Grenzen

Marjona Barakaeva, Jugendliche ohne Grenzen

Fachforum 3: Mitwirkung am Integrationskonzept ermöglichen
Perspektiven junger Geflüchteter einbeziehen

Welche Bedarfe junger Geflüchteter werden gut erkannt, welche übersehen? Was benötigen sie, um aktiv an der Gestaltung ihres Lebensumfelds teilzuhaben? Um passgenaue Angebote zu entwickeln und eine aktive Rolle der Jugendlichen an der Ausgestaltung der Integrationskonzepte zu gewährleisten, ist ihre Perspektive gefragt. Im Fachforum werden zwei Herangehensweisen aufgezeigt: Heide Kröger, Integrationsbeauftragte der Stadt Norderstedt berichtet, wie sie Anregungen junger Geflüchteter im Rahmen eines „Flüchtlingsgipfels eingeholt hat und bei der Umsetzung der Ergebnisse einbezieht. Mitarbeitende der Berliner Senatsverwaltung für Jugend stellen dar, wie eine Erhebung zum Alltag und der Erfahrung Jugendlicher in Gemeinschaftsunterkünften der Ausgangspunkt für einen Beteiligungsprozess ein kann.

Heide Kröger, Integrationsbeauftragte der Stadt Norderstedt, und zwei Teilnehmende des Gipfels

Jutta Weimar, Prozessbegleiterin für das Servicebüro Berlin im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“, u.a. zum Thema Flucht/ Asyl, Migration, Diversity

Kirsten Bagusch-Sauermann, Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (Referatsleiterin UMF)

Bajro Alic, Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie

Workshop 1: Jugend partizipiert: Selbstorganisation von Jugendlichen ermöglichen
Anregungen aus dem Jugendforum Lüneburg von „Jugend für Geflüchtete“ und dem Stadtjugendring Lüneburg e.V.

Um gemeinsam mit jungen Geflüchteten in ihrer Stadt Freizeitaktivitäten zu planen und sich in die Stadt politische einzumischen, haben Jugendliche aus Lüneburg eine eigene Initiative gegründet. Warum ist eine solche Arbeit wertvoll für unsere Gesellschaft? Wie funktioniert ein solcher, selbstorganisierter Austausch einer Jugendinitiative? Welche Methoden helfen den jungen Menschen und wie können die Prozesse begleitet werden? Der Workshop bietet Anregungen, wie die Selbstorganisation und Beteiligung von Jugendlichen mit und ohne Fluchterfahrung vor Ort gezielt unterstützt werden kann.

Thorben Peters, Projektkoordinator der Jugendprojektchallenge des Stadtjugendring Lüneburg e.V.

Julia Thöring, Mitglied von Jugend für Geflüchtete und Initiatorin des Jugendworkshops von Ankunft bis Zukunft

Muhammadi Amad Zaki, Jafar Karimdad und Mohammad Amin Aslan, Mitglieder mit Fluchterfahrung bei Jugend für Geflüchtete

Workshop 2: Kommunale Netzwerke für das Empowerment junger Geflüchteter
Wie die Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen Empowerment-Prozesse befördern kann

Im Kreis Olpe hat sich eine institutionenübergreifende Arbeitsgruppe bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern des Kommunalen Integrationszentrums, des Kreisjugendamtes, des Jugendmigrationsdienstes sowie Einrichtungen freier Träger gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, eine stärkere Jugendbeteiligung von jungen Geflüchteten sowie allen weiteren vor Ort lebenden Jugendlichen zu ermöglichen. Hervorzuheben sind hierbei die Durchführung einer Sommer- und einer Winterwerkstatt zum Empowerment junger Geflüchteter. Im Workshop wird es darum gehen, einen Blick in die Erfahrungschatzkiste der Arbeitsgruppe des Kreis Olpe zu werfen und gemeinsam mit den Teilnehmenden in den Austausch zu gehen, wie Empowerment und Partizipation junger Geflüchteter gelingen kann.

Dagmar Sprenger, Kommunales Integrationszentrum Olpe

Milena und Jochen Butt-Posnik, Prozessbegleiterin und -begleiter f
ür das Servicebüro Köln im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

12:45 – 14:00 Uhr Mittagspause

14:00 – 15:30 Uhr Arbeitsphase II

Fachforum 4: Migrantinnenenorganisationen fördern Integration und Beteiligung
Der Einsatz von Integrationsassistenzen bei MigraMundi e.V.

Der Verein MigraMundi e.V. wurde von Migrantinnen gegründet. Hier arbeiten Frauen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Sprache als Integrationsassistentinnen und Integrationsassistenten. Es verbindet sie ihr Migrationshintergrund und der Gedanke, ihre interkulturellen Kompetenzen für die Gestaltung der Gesellschaft einzubringen. Sie werden als Werte-, Kultur- und Sprachvermittler zwischen migrantischen Zielgruppen und Fachpersonal im Bildungs-, Gesundheits-, Arbeits- und Sozialwesen eingesetzt. Im Fachforum wird sowohl dieses Praxisfeld sowie das weitergehende Engagement der Migrantenorganisationen vorgestellt.


Zsuzsanna Dobos de Prada, MigraMundi e.V.

Dr. Cengiz Deniz, MigraMundi e.V.

Fachforum 5: Empowerment und Beteiligung geflüchteter Frauen
Geflüchtete Frauen und Mädchen machen sich in Berlin Pankow gemeinsam für ihre Bedarfe und Interessen stark

Welche Themen bewegen geflüchtete Frauen und Mädchen bei ihrer Ankunft in Deutschland? Was sind ihre besonderen Bedarfe bei der Unterbringung? In einer Gemeinschaftsunterkunft in Berlin Pankow haben sich geflüchtete Frauen zusammengeschlossen. In Eigenregie setzen sie ein Monitoring-Projekt zur Beschwerdeerhebung in ihrer Unterkunft um, das vom Bezirksamt Pankow gefördert und begleitet wird. Die Expertise der Frauengruppe wird auch von der Senatsverwaltung eingeholt, um die Qualitätsstandards für die Unterbringung zu überarbeiten.

Annika Seibt, Zukunftswerkstatt Heinersdorf, begleitet die Frauengruppe in Berlin Pankow

Rajaa Al Klefawi, Mitglied der Frauengruppe in Berlin Pankow

Fachforum 6: Innovative Wohnformen für Partizipation und Selbstständigkeit
Modellprojekte für einen begleiteten Übergang in die Volljährigkeit und Teilhabe im urbanen Raum

Wie innovatives Wohnen jungen Geflüchteten Teilhabe und Selbstständigkeit ermöglicht, zeigen zwei Modellprojekte, die im Fachforum vorgestellt werden: Durch das Projekt „Willkommen in Saarlouis“ können unbegleitete Geflüchtete auch nach ihrem 18. Geburtstag weiterhin betreut wohnen. Durch die Umstrukturierung ihrer Jugendhilfe gelingt es der kreisangehörigen Gemeinde, volljährige Jugendliche in sogenannten Bildungs- und Orientierungs-WGs zu unterstützen. In Halle entsteht in einem partizipativen Prozess das Habibi House, ein Wohnbungalow für junge Geflüchtete auf dem Designcampus der Burg Giebichenstein. Dieser wird von einem Team aus einheimischen und geflüchteten Engagierten entwickelt und gebaut.

Michael Leinenbach, Sozialplaner und stellv. Amtsleiter, Abteilungsleiter Familien und Soziales im Amt für Familien, Soziales, Schulen und Sport der Stadt Saarlouis und Entwickler des Modellprojekts „Willkommen in Saarlouis“

Laura Pelizzari, Staatlich geprüfte Produktdesignerin, Studentin für Industriedesign an der Burg Giebichenstein und Mitinitiatorin des Projekts „Habibi House“

Monaf Dahdal,
Engagierter im Projekt „Habibi House“

Workshop 3: Vereine für junge Geflüchtete öffnen
Interkulturelle Sensibilisierung als Grundlage für Begegnung und Partizipation

Im örtlichen Sport-, Musik oder Kulturverein mitzuwirken, erleichtert jungen Geflüchteten den Zugang zur deutschen Sprache und ermöglicht Freundschaften mit Jugendlichen aus der Mehrheitsgesellschaft – wichtige erste Schritte zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Was sollten Ehren- und Hauptamtliche in Vereinen wissen, um geflüchtete Jugendliche für die Teilnahme zu begeistern? Elke Heublein führt hierzu Fortbildungen in Vereinen und Verbänden durch. Im Workshop wird sie ihre Erfahrungen weitergeben und die Herausforderungen in der Praxis diskutieren.

Elke Heublein, Gründerin und Trainerin bei Working Between Cultures

Workshop 4: Nachhaltige Beteiligung in der Kommune
Beteiligungsworkshops nutzen, um Sorgen und Wünsche junger Geflüchteter zu erkennen

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hat das Servicebüro Magdeburg Strategien zur Integration und Teilhabe von jungen Geflüchteten entwickelt. Im Fokus stand dabei, die Sichtweisen der kommunalen Verwaltungen mit denen junger Geflüchteter zusammenzubringen. Im Workshop werden Herangehensweisen und Erkenntnisse aus der kommunalen Praxis präsentiert und mit den Teilnehmenden diskutiert. Dabei soll gemeinsam erarbeitet werden, wie Probleme, Wünsche und Zukunftsvorstellungen junger Geflüchteter bei kommunalen Entscheidungen berücksichtigt werden können.

Steffi Otterburg, Programmmitarbeiterin im Servicebüro Magdeburg, „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Jakob Lanman Niese, Kommunalberater
im Servicebüro Magdeburg, „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

15:45 – 16:30 Uhr Abschlussrunde