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Gute Beispiele
Berlin

biffy Berlin - Big Friends for Youngsters e.V.

Seit letztem Jahr vermittelt der Verein biffy Berlin - Big Friends for Youngsters e.V.  in zwei Programmen Patenschaften für geflüchtete Kinder und Jugendlichen. Die Herausforderungen für beide Seiten sind ähnlich wie bei anderen Patenschaftsprogrammen, und dennoch gibt es einige Unterschiede.

Workshop bereitet Patinnen und Paten auf ihre Rolle vor

Mit Händen und Füßen, Hilfssprachen wie Englisch oder Französisch und manchmal auch mit Übersetzungs-Apps laufen die ersten Treffen zwischen den Eltern, Kindern und ihren Patinnen und Paten ab. Zunächst lernen sie sich in der Geschäftsstelle des Vereins kennen, wobei sie von den Mitarbeitenden begleitet werden. Zuvor haben die Patinnen und Paten an einem Workshop teilgenommen, der sie auf ihre Rolle vorbereitet und erklärt, was sie erwartet.

Erwartungen und Grenzen der Patenrolle klären

Auch im weiteren Verlauf der Patenschaft unterstützt biffy Berlin e.V. die Patenschaften.
So bietet der Verein Austauschrunden an, in denen sie untereinander Erfahrungen teilen.
Andrea Brandt ist für die Vermittlung und Begleitung von Patenschaften bei biffy Berlin e.V. zuständig. Sie erklärt, zu welchen Herausforderungen es kommen kann; „Wir geben allen immer mit: Da kommt jemand aus einer anderen Lebenswelt. Das sollte ich als Patin akzeptieren und bin nicht in der Rolle, dessen Situation zu beurteilen. Das kann ich annehmen und wenn mir etwas widerstrebt, kann ich im Aushandlungsprozess eine für beide Seiten akzeptable Vereinbarung finden.“ Für eine 1 zu 1-Patenschaft mit jungen geflüchteten Menschen kommt noch für beide Seiten hinzu, dass sie sich auf einen anderen Kulturkreis einlassen können müssen. „Viele Geflüchtete bleiben zudem häufig unter sich, beziehungsweise haben durch die Art der Unterbringung wenige Möglichkeiten, Kontakt in die hiesige Gesellschaft zu knüpfen. Dadurch werden die Patinnen und Paten zu einer Schlüsselperson, als diejenigen, die ihnen den Zugang zu dieser Gesellschaft öffnen“, so Brandt.
Immer wieder geht es daher auch darum, dass die Erwartungen und die Grenzen der Patenrolle auf beiden Seiten geklärt sind, damit es nicht zu Überforderung und Enttäuschungen kommt. „Uns ist es wichtig, dass uns die Kinder und ihre Paten und Patinnen Rückmeldung geben und sagen, was sie gerade für einen Bedarf haben. Ist ein Kind etwa stark belastet, suchen wir nach einer Lösung. In der Regel sind in den Unterkünften auch Sozialbetreuende, die die Familien und ihre Kinder schon länger kennen. Wenn nötig, können sie dann soziale oder psychologische Betreuung in die Wege leiten“, erklärt Andrea Brandt.

Kindern eine Auszeit vom Alltag verschaffen

In erster Linie geht es allerdings darum, dass die Kinder eine unbeschwerte Zeit verleben und eine Auszeit vom sonst oft belastenden Alltag haben. Mal etwas Anderes erleben, außerhalb der Familien.
Was stärkt sie? Wie können sie gefördert werden? Einmal in der Woche verbringen die Patinnen und Paten einen Nachmittag mit dem Kind, machen einen Ausflug oder gehen ins Kino. Sie können eine stabile Größe im Leben der Kinder werden, daher ist es wichtig, dass sie bereit sind, sich auch längerfristig zu engagieren: „Wir setzen auf langanhaltende Patenschaften und haben in unseren anderen Programmen auch gute Erfahrungen damit gemacht. Über 40 Prozent dauern länger als drei Jahre und mehr, teilweise bis zum Erwachsensein des Patenkindes“, erzählt Brandt.

Wunsch der Paten, sich Zeit für Einzelne zu nehmen

Das Interesse, eine Patenschaft zu übernehmen, ist groß. Auch viele junge Menschen wollen sich gerne engagieren. „Die Bereitschaft war im letzten Jahr konstant hoch“, sagt Brandt. Wenn jemand zu biffy Berlin kommt und gerne eine Patenschaft übernehmen will, schaut der Verein nach Engagementmöglichkeiten in Einrichtungen in der Nähe der möglichen Patinnen und Paten, um lange Wegezeiten zu vermeiden, und fragt andernfalls bei gut erreichbaren Unterkünften nach, ob Kinder und Familien dort Interesse haben. Mitunter haben Patinnen und Paten sich vorher schon in Einrichtungen engagiert, haben bei der Essensausgabe oder der Kleiderkammer geholfen. Daraus ist dann öfter der Wunsch entstanden, die Menschen nicht nur punktuell kennenzulernen, sondern sich wirklich Zeit für Einzelne zu nehmen.

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