© Erwin Fleischmann/Handicap International

Gute Beispiele
München

ComIn

Das Projekt „ComIn“ von „Handicap International e. V.“ unterstützt bereits seit 2003 Geflüchtete mit Behinderung in München. Ziel der Initiative ist es, geflüchteten Menschen, die mit einer Behinderung oder chronischen Krankheit leben, ihre verschiedenen Wege zu erleichtern. Das Motto hierbei ist: Hilfe zur Selbsthilfe.

Samirs Augen sind geschlossen. Langsam gleiten seine Finger über kleine rundliche Erhebungen auf dem Papier. Kurz hält er inne: „Was bedeutet das hier“, fragt er seinen Betreuer. Der Syrer Samir lernt gemeinsam mit einem ehrenamtlichen Helfer die Braille-Schrift. Dies ist eine spezielle Schrift für Blinde und Menschen mit Sehbehinderung. In der Art werden Braille-Kurs vom Münchener Projekt „ComIn“ angeboten.

Sprachkurse, Mobilitätstraining und Werkstattbesuche

Die Initiative unterstützt bereits seit 13 Jahren Geflüchtete mit Behinderung. Neben verschiedenen Sprachkursen bietet das Projekt auch Mobilitätstrainings an. In diesen lernen Menschen mit Behinderung, sich selbstständig mit ihrem Rollstuhl oder einer Sehbeeinträchtigung in München zu bewegen. Hilfsmittel wie Rollstühle oder Blindenstöcke werden dafür ebenfalls bereitgestellt. Zum Angebot von Comin gehören außerdem Alltagsbegleitungen für junge Geflüchtete mit Behinderung. Ein Ziel dabei ist es, die jungen Menschen auf ihrem Weg ins Berufsleben zu unterstützen. Dazu begleiten ehrenamtliche Helfer von Comin junge Geflüchtete mit Behinderung zum Beispiel in Werkstätten und arbeiten dort mit ihnen zusammen. Das Projekt informiert außerdem über vorhandene Fördermöglichkeiten, unterstützt bei Behördengängen und ermöglicht einen Austausch mit anderen Menschen mit und ohne Behinderung.

Lobbyarbeit für Geflüchtete mit Behinderung

Doch das Münchener Projekt unterstützt Geflüchtete mit Behinderung nicht nur durch die direkte Betreuung. Ein weiteres Anliegen der Mitarbeiter und Unterstützerinnen ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit und verschiedener Institutionen, die mit Geflüchteten zusammenarbeiten. Comin führt beispielsweise Gespräche mit Stellen, die Deutschunterricht oder Ausbildungsplätze für geflüchtete Menschen anbieten, um sie über Möglichkeiten der Inklusion von Menschen mit Behinderung zu informieren. Zudem setzt sich der Verein für die Einführung von speziellen Behindertenausweisen für Geflüchtete ein. Diese sollen ihre Rechte weiter stärken.

Starkes Engagement

Die langjährige und erfolgreiche Arbeit von Comin wäre ohne das Engagement vieler Menschen nicht möglich. Jawid ist einer der ehrenamtlichen Unterstützer. Der junge Mann, der selbst aus Afghanistan geflüchtet ist, übernahm beispielsweise die Ferienbetreuung von zwei Jungen mit Behinderung aus dem Irak. Eine andere Unterstützerin begleitete wiederum einen Mann aus dem Kosovo mit einer Sehbehinderung. Mittlerweile besucht der Kosovare selbstständig das Büro von Comin in der Münchener Türkenstraße. Genau darin erkennt man das Ziel aller Angebote: Menschen mit Behinderung dazu befähigen, selbstständig und -bestimmt in Deutschland zu leben.

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