© CUCULA , Verena Brüning

Gute Beispiele
Berlin

CUCULA - Refugees Company for Crafts and Design

Ein paar Holzbretter, eine Säge, Nägel und ein Hammer. Mehr braucht es nicht, um ein echtes Designstück zu schaffen. Im Berliner Projekt „CUCULA – Refugees Company for Crafts and Design“ bauen junge Geflüchtete Stühle, Betten oder Tische - mit großem Erfolg.

Angefangen hat alles 2013 am Berliner Oranienplatz: Mitarbeiter des „Internationalen JugendKunst- und Kulturhaus Schlesische27“ haben fünf junge Männer aus Westafrika, die dort im Refugeecamp lebten, in ihr Haus zu einem Workshop eingeladen. Zusammen mit den Designern Sebastian Däschle und Corinna Sy erlernten sie hier die Grundlagen des Möbelbaus.
Kurze Zeit später ist daraus Cucula e.V. entstanden, Verein, Werkstatt und Bildungsprogramm in einem. Das Wort cucula stammt aus der Hausa-Sprache, die in West-Zentralafrika gesprochen wird und bedeutet „etwas gemeinsam machen“, aber auch „aufeinander aufpassen“. Und genau darum geht es: der Verein möchte den Geflüchteten konkrete Perspektiven und Unterstützung bieten, sowie Möglichkeiten für eine berufliche Zukunft aufzeigen. Mittelfristig möchte das Team mit Hilfe von Crowdfunding eine gemeinnützige GmbH gründen.

„Cucula-Education“ hilft bei Rechts-und Alltagsfragen

Die Geflüchteten arbeiten heute als Trainees und lernen alles Wichtige über Holzverarbeitung, Konstruktion und Planung. Mit Holz zu arbeiten, selber etwas zu erschaffen, hilft ihnen auch die Erlebnisse auf der Flucht zu verarbeiten. Zwei Tage in der Woche kommen sie in die Werkstatt, den Rest der Woche haben sie Sprach- und Schulunterricht. Das angedockte Education-Projekt hilft außerdem in bürokratischen Angelegenheiten und bei Rechts- und Alltagsfragen.

Erste Schritte Richtung Arbeitsmarkt und selbstbestimmtes Leben

Die Möbel werden nach Plänen des italienischen Designers Enzo Mari gebaut. Mari hatte bereits in den siebziger Jahren in seinem Buch „Autoprogettazione“ Möbelentwürfe zum selber machen veröffentlicht. 40 Jahre später räumt er dem Team nun die Rechte ein, die Entwürfe zu nutzen, nachzubauen und weiterzuentwickeln. Moussa und Maiga, zwei der Trainees haben schon Möbel nach ihren eigenen Entwürfen gebaut. Durch den Verkauf finanziert der Verein die Ausbildungsstipendien der Männer, die wiederum Grundlage für den Antrag auf ein Visum zwecks Ausbildung sind – der erste Schritt Richtung Arbeitsmarkt und selbstbestimmtes Leben.

Möbel spiegeln Erlebnisse der Flucht

Die fünf Geflüchteten sind alle über Lampedusa nach Deutschland gekommen. Die Erfahrungen und Erlebnisse auf ihrer Flucht über das Mittelmeer spiegeln sich auch in den Möbeln wieder. In manchen der Möbel sind die Bretter und Planken der Boote verarbeitet, mit denen viele Geflüchtete die gefährliche Reise über das Mittelmeer gewagt haben. Die Idee dafür hatten die fünf selber. Sebastian Däschle, der Designer meint dazu: „Wir haben erst im Nachhinein verstanden, dass das eigentlich eine Form des Transformierens dieser Katastrophe in eine produktive Zukunft ist.“

Erste Erfolge: Pop-Up-Store und Designmesse

Die Designer und ihr Team sind mit ihrer Idee ziemlich erfolgreich. So präsentierten sie ihre Arbeiten bereits auf  Möbelmessen in Mailand und Eindhoven und auf der Designmesse Cologne Fine Art 2015. Auf der Münchner Maximilianstraße eröffnete Cucula einen Flagship-Pop-Up-Store, um seine handgefertigten Einzelstücke zu präsentieren.

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