Gute Beispiele
NRW

Flüchtlinge mitnehmen

Auf einem Bahnsteig im Ruhrgebiet wartet eine junge Frau auf die Bahn. Ein kleiner blauer Button ist auf ihre Umhängetasche gepinnt, darauf zu sehen ist eine Hand. Der Daumen ist nach oben gestreckt, die anderen Finger halten die Karte, auf der „plus eins“ steht.  Der Button signalisiert, dass sie bei der Aktion „Flüchtlinge mitnehmen“ mitmacht.

Die Idee des Projekts „Flüchtlinge mitnehmen“ ist, dass Ticketinhaber für öffentliche Verkehrsmittel, Geflüchtete auf ihrem Ticket mitfahren lassen. Seit 2015 gibt es das Projekt unter anderem in den Städten Duisburg, Essen, Bochum und Gelsenkirchen.
Auf dem Weg zur Arbeit oder auf der Fahrt zur Uni kann man sich nebenbei ehrenamtlich engagieren. „Es kostete auch nichts – keine zusätzliche Zeit und kein zusätzliches Geld“, erklärt Rebecca Radmacher, Initiatorin des Projekts. „Aus einer einfachen Fahrt könne auch mehr entstehen“, hofft Radmacher. „Ein nettes Gespräch, eine Bekanntschaft oder vielleicht sogar Freundschaft.“

Bei Verständigungsproblemen helfen Mitreisende

Sie engagiert sich seit mehreren Jahren für Geflüchtete. Die Idee zu „Flüchtlinge mitnehmen“ entstand Anfang 2015 während eines Praktikums bei der youngcaritas im Ruhrbistum, mittlerweile arbeitet sie dort als Projektleitung. Sie möchte dabei helfen, die Geflüchteten in die Gesellschaft mitzunehmen und ihnen den Alltag ganz praktisch zu erleichtern.
Sollte es mal zu Verständigungsschwierigkeiten kommen, helfen auch immer wieder Mitreisende. So erzählt Ahmad Omeirate, Projektkoordinator von „Flüchtlinge mitnehmen“: „Auf manchen Fahrten halfen andere Reisende mit Arabischkenntnissen bei der Verständigung, als sie merkten, dass es zu Sprachproblemen kam.“

Buttons können online bestellt werden

Wer sich an der Aktion beteiligen möchte, muss einige Dinge beachten. Die Mitnahme muss vor Fahrantritt abgesprochen werden. Auch sollte der Button nur dann getragen werden, wenn die Ticketbesitzer jemanden mitnehmen können. Genauere Informationen finden Interessierte auf der Seite ihres jeweiligen Verkehrsverbundes, vorerst nur in Nordrhein-Westfalen im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und Rhein-Sieg (VRS).
Der Mitnehmende muss sich während der ganzen Fahrzeit in der Nähe des Mitgenommenen aufhalten. Auch ist eine Mitnahmeabsprache während einer Kontrolle nicht mehr möglich.
Die Buttons können online bestellt oder kostenlos an Abholstationen im Ruhrgebiet abgeholt werden.

Workshops bereiten Freiwillige in der Vernetzungsarbeit vor

Doch wie erfahren Geflüchtete von der Möglichkeit der kostenlosen Mitnahme? Informiert werden sie von ehrenamtlichen Helfern, die vor allem in die Unterkünfte gehen, um das Projekt bekannter zu machen.
Bei Workshops, die von „Flüchtlinge mitnehmen“ durchgeführt werden, werden die Freiwilligen auf die Vernetzungsarbeit in den Unterkünften vorbereitet und zugeteilt. Sie erhalten Info-Materialien, die auch ohne Deutschkenntnisse zu verstehen sind, um den Geflüchteten das Prinzip des Projekts erklären zu können.
Außerdem informieren die Initiatoren Studenten im Ruhrgebiet.

Finanziert wird das Ganze, neben Mitteln der Caritas und des Bistums Essen, durch die Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration Aydan Özoğuz.

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