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Bundesweit

Kiron University

Keine Zeugnisse im Gepäck, fehlende Sprachkenntnisse und die bürokratischen Hürden machen es für Geflüchtete schwer in Deutschland ein Studium zu beginnen. Allenfalls werden sie als Gasthörer zugelassen. Damit sie dennoch in Deutschland schnell und unbürokratisch ihr Studium fortsetzen oder beginnen können, gründeten zwei junge Berliner die Kiron-University, eine Online-Universität.

Wartezeit sinnvoll überbrücken

Kirollos und Andrew waren beide in Kairo Studenten, bevor sie sich auf die Flucht gemacht haben. Jetzt leben sie seit einiger Zeit Berlin. Nichts lieber wollen sie, als weiter zu studieren. Doch bis sie über die geforderten Papiere aus ihrem Herkunftsland verfügen, können Jahre vergehen. So müssen viele Geflüchtete jahrelang warten. Denn ohne Nachweise und Dokumente – die viele Geflüchtete nicht retten konnten – ist es fast unmöglich an einer Universität zugelassen zu werden.

Hier knüpft die Idee der beiden Kiron-Gründer Markus Kreßler und Vincent Zimmer an: Sie bringen erst die Studierenden und das Wissen, dann diese und die Universitäten zusammen. Geflüchteten soll der Zugang zu Hochschulen erleichtert werden, indem keine Papiere zur Einschreibung verlangt werden und das Studium gratis ist. Die Studiensituation wird digital simuliert. So können die Studierenden per Instant Messenger mit Kommilitonen und Dozenten chatten, Hausaufgaben einreichen und Feedback bekommen.

Räume zum Lernen

Damit die Studierenden nicht immer in ihren Unterkünften lernen müssen, bietet Kiron außerdem sogenannte Study Hubs an, in denen es Internet und auch Computer gibt. Viele Institutionen wie zum Beispiel Bibliotheken stellen Räume zur Verfügung.

Mittlerweile studieren 1.250 Flüchtlinge bei Kiron. Unterrichtssprache ist Englisch. Die Online-Kurse stammen zu 80 Prozent von amerikanischen Universitäten, allerdings produzieren auch immer mehr deutsche Hochschulen offene Online-Kurse. Bisher gibt es fünf Studiengänge: Computerwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Architektur und Intercultural Studies. Das Angebot soll aber noch erweitert werden.

Zusammenarbeit mit Universitäten

Bestehen die Studierenden alle Kurse und sammeln genügend Leistungspunkte, wechseln sie nach 2 Jahren auf eine der 15 deutschen und ausländischen Universitäten, die bereits ihre Kooperation zugesichert haben, darunter die Leuphana Universität in Lüneburg oder die Hochschule Heilbronn. Dort können sie dann einen regulären Abschluss machen.
Diese zwei Jahre haben sie Zeit die nötigen Dokumente und Zeugnisse aus ihrem Heimatland zu besorgen.

Die Kooperation ist nicht nur im Interesse der Geflüchteten. Da deutsche Unis eine hohe Abbruchquote haben, können sie die freien Plätze mit den Kiron-Studenten auffüllen.

Mit Hilfe einer Spenden-Kampagne auf einer Crowdfunding Plattform haben die Gründer die Startfinanzierung gesichert. Mittlerweile werden sie durch die Partnerschaft mit der Schöpflin-Stiftung finanziell für die nächsten drei Jahre unterstützt.

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