© youngcaritas Erzbistum Berlin

Gute Beispiele
Berlin

„Kulturbuddys“

Ein Besuch vom Schloss Charlottenburg oder gemeinsam Fastenbrechen im Ramadan: Junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahre in Berlin mit und ohne Fluchthintergrund teilen ihre Freizeit und Kultur miteinander. Sie sind „Kulturbuddys“. 

Als die youngcaritas Berlin immer mehr Anfragen von jungen Menschen bekam, die sich gerne ehrenamtlich engagieren und mit geflüchteten Gleichaltrigen in Kontakt kommen wollten, entstand die Idee zum Projekt. Es soll den jungen Menschen ermöglichen, sich einerseits am Stadtleben zu beteiligen und andererseits im Austausch mit jungen Ehrenamtlichen spielerisch die Sprache zu lernen. Die jungen Ehrenamtlichen begleiten die geflüchteten Menschen im öffentlichen Raum und teilen ihre Erfahrungen mit den Neu-Berlinern. Gleichzeitig wird die ganze Gruppe in die Auswahl der Aktivitäten miteinbezogen, so dass Ehrenamtliche und Geflüchtete gleichberechtigt entscheiden können.
Judith Wiedenhöft und Elena Liesenfeld, Ansprechpartnerinnen des Projekts „Kulturbuddys“, erzählen von den Anfängen: „Zunächst sind wir in eine von der Caritas betriebene Unterkunft gegangen. Dort haben wir unsere Idee verbreitet. Dass wir junge Leute zusammenbringen wollen, gemeinsam Kultur erleben, ins Museum oder Kino gehen, zusammen kochen oder Ausflüge unternehmen. Danach haben wir die „Kulturbuddys“ auch in anderen Einrichtungen oder Nachbarschaftstreffs vorgestellt.“

Im Dezember 2015 ging es dann richtig los. Mittlerweile sind etwa 60 Kontakte im Email-Verteiler. Je nachdem, was ansteht, kommen zwischen fünfzehn und dreißig junge Leute zu den zweimal in Monat stattfindenden Treffen. Immer wieder kommen neue hinzu oder jemand bringt einen Freund oder eine Freundin mit.
So habe sich die „Kulturbuddys“ an einem der ersten warmen Tage im April 2016 das Schloss Charlottenburg angeguckt, sind gemeinsam im Park spazieren gegangen und haben etwas zur Geschichte erfahren. „Da haben wir richtig gemerkt wie die Gruppe sich immer besser kennenlernt und sich auf die Treffen freut.“

Begegnung auf Augenhöhe

Es geht aber nicht nur darum, den geflüchteten jungen Menschen die Kultur in Deutschland zu vermitteln, sondern auch zu sehen, was sie aus ihren Heimatländern mitbringen, zum Beispiel kulinarisch.
„Im Juni hatten wir das Ramadan Cooking Event. Das heißt, wir haben drei, vier Stunden zusammen gekocht und dann um 21:33 Uhr, als die Sonne unterging, gemeinsam das Fasten gebrochen. Wir haben viel über den Ramadan gelernt, besonders darüber, was er für jeden individuell bedeutet und was seine Beweggründe sind. Da konnten wir alle nochmal gut in Dialog treten, eben auch über Religion, Ethik und Kultur. Das war ein sehr schöner Abend.“, berichtet Wiedenhöft.

Die Macher von „Kulturbuddys“ möchten so wenig wie möglich vorgeben. Lieber sollen sich die Teilnehmenden selber mit Ideen einbringen. Da sich über die Monate ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hat, funktioniert das mittlerweile ziemlich gut.

Die Kontakte und Freundschaften gehen über die „Kulturbuddys“-Treffen hinaus

Mittlerweile sind Freundschaften entstanden und einige treffen sich auch unabhängig von den „Kulturbuddys“. So gibt es mittlerweile einen kleinen Arabisch-Kurs, den ein junger Syrer leitet. Andere gehen zusammen ins Kino. Und die Gruppe unterstützt sich gegenseitig, wenn jemand ein Zimmer sucht, sich an der Universität bewerben möchte oder praktische Hilfe beim Amt braucht.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) fördert das Projekt zunächst bis Ende 2016. „Das ist schön für uns, da wir auch Eintrittsgelder übernehmen können oder mal ein Zugticket, wenn wir nach Brandenburg rausfahren. Dadurch haben wir ein bisschen mehr Freiheit bei der Gestaltung des Programms“, sagt Wiedenhöft.

Wer auch gerne bei den „Kulturbuddys“ mitmachen will, kann sich über die Webseite oder Facebook melden und mitmachen.

Gute Beispiele