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Berlin

SolidariGee

„SolidariGee“ richtet sich in seiner Arbeit nach den Bedürfnissen der geflüchteten Jugendlichen und entwickelt seine Angebote stets weiter. Zunächst haben die Mitarbeitenden vor allem Kultur- und Freizeiteinrichtungen mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen zusammengebracht. Mittlerweile bieten sie auch Bewerbungsworkshops an und wollen ab 2017 Jugendliche und junge Erwachsen bei Alltagsfragen unterstützen.

„Wir wollen das Rad nicht neu erfinden.“

„Im letzten Jahr haben wir damit angefangen, Freizeit und Kulturvereine anzufragen, ob in ihren bestehenden Angeboten, noch Kontingente frei sind und geflüchtete Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Unterkünften daran teilnehmen können“, erzählt Lilia Becker von SolidariGee von den Anfängen. Bei einem Fußballverein hatten dann einige Jugendliche die Möglichkeit ins reguläre Training zu wechseln; einer von ihnen macht jetzt sogar einen Trainerschein.

„Wir wollen Räume und Gelegenheiten schaffen, in denen Begegnung zwischen Jugendlichen mit und ohne Fluchthintergrund möglich ist. Was sie dann daraus machen, liegt nicht in unserer Hand. Menschen müssen sich ja einfach mögen oder eben nicht“, sagt Maryam Kirchmann, die bei SolidariGee Ansprechpartnerin für unbegleitete Geflüchtete ist. Dabei ist ihr Ansatz „nicht das Rad neu zu erfinden“, sondern bestehende Angebote und Institutionen miteinander zu vernetzen.

Eigene Angebote wie zum Beispiel Schwimmunterricht für Frauen oder Kreativnachmittage mit kleinen Kindern in den Unterkünften gibt es auch. Diese sogenannten „Inselangebote“ sind aber eher die Ausnahme und meist Kurse, die nur in einem geschützten Raum funktionieren können oder logistisch nur so zu organisieren sind. „Wir haben gemerkt, dass solche Angebote, ein bisschen schwierig sind, weil dort keine Integration stattfinden kann“, erklärt Lilia.

„Wir gehen immer mehr weg von der Ersthilfe.“

Mittlerweile hat sich die Arbeit von SolidariGee weiterentwickelt: „Wir gehen immer mehr weg von der Ersthilfe. Jetzt fragen wir uns, wie können wir den Menschen helfen, ein Bestandteil der Gesellschaft zu werden. Wie können wir sie unterstützen, dass sie sich wohlfühlen und das Gefühl haben, sie haben einen Platz und eine Aufgabe in Berlin“, erzählt Maryam.

SolidariGee versteht sich als Schnitt- und Koordinationsstelle. In Bewerbungsworkshops, die sie zusammen mit Gangway e.V., einem Verein für Straßensozialarbeit in Berlin, organisieren, lernen die Jugendlichen das deutsche Bildungssystem kennen. Welche Möglichkeiten haben sie nach der Willkommensklasse? Oder welche Abschlüsse kann man machen? Außerdem schreiben sie zusammen an ihren Lebensläufen und bereiten sich auf Vorstellungsgespräche vor.

Die Workshops finden auf Deutsch statt. Manchmal sitzt ein Übersetzer für Farsi oder arabisch mit im Kurs. Einer von ihnen ist selbst ein Geflüchteter, der an Angeboten des Vereins teilgenommen hat und sich jetzt bei SolidariGee engagiert. Lilia  meint: „Das ist ein wichtiges Konzept in unserem Verein. Es geht ganz viel um Empowerment der Leute, die wir betreut haben. Viele wollen sich engagieren oder suchen nach einer Beschäftigung. So macht ein Jugendlicher auch ein Praktikum bei uns.“

Kontinuierliches Engagement ist gefragt

Gerade ist der Verein dabei, eine dritte Säule aufzubauen und vermehrt in die Beratung zu gehen. „Im Programm „Jugendhilfe und dann?“ unterstützten wir Jugendliche, die alleine nach Deutschland gekommen sind und mit Vollendung des achtzehnten Lebensjahres aus der Jugendhilfe rausfliegen. Wenn die Unterstützung der Sozialarbeiter wegbricht und sie nicht mehr ihren geschützten Wohnraum haben, wollen wir ihnen helfen. Sie haben ja keine Familie oder Freunde, die ihnen helfen und sich auskennen“, sagt Maryam.

SolidariGee möchte eine Anlaufstelle für diese Jugendlichen sein. Dort können sie Fragen wie „Wie schreibt man einen Antrag auf Bafög?“ oder „Wie finde ich eine Wohnung?“ behandeln.

Im Kernteam von SolidariGee engagieren sich meist acht bis neun Leute. Einmal wöchentlich treffen sie sich und tauschen sich über aktuelle Projekte und administrative Angelegenheiten aus. Weitere Treffen finden in den unterschiedlichen Arbeitsgruppen statt. In ganztägigen, sogenannten Visionärstreffen werden grundlegende Dinge besprochen.

Die meisten arbeiten komplett ehrenamtlich und verwenden viel Zeit in der Arbeit bei SolidariGee. „Unser Verein ist so strukturiert, dass Ehrenamt nur so funktioniert, wenn man kontinuierlich dabei ist“, erläutert Lilia das Konzept.

Eine Stelle wird auf 450 Euro Basis finanziert und zudem bietet SolidariGee bezahlte Praktika an.

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