© Türöffner e.V.

Gute Beispiele
Berlin

Türöffner e.V.

Ziel des Vereins „Türöffner e.V“ ist es, den Integrationsprozess zu beschleunigen, indem Geflüchtete, die im Bezirk Treptow-Köpenick leben mit lokalen Unternehmen zusammengebracht werden. Zu den Gründungsmitgliedern des Jobnetzwerks zählen lokale Unternehmen, engagierte Privatpersonen, der Wirtschaftsrat des 1. FC Union Berlin und eine Kirchengemeinde.

Suleiman Ibrahim kommt aus Mossul im Irak. Seinen Abschluss als Bauingenieur hat er in Istanbul gemacht. Noch ist sein Deutsch nicht gut genug, um in seinem gelernten Beruf zu arbeiten, aber über ein Praktikum, hat er eine feste Stelle bei einem Berliner Bauunternehmer bekommen. Hier sammelt er praktische Erfahrung auf der Baustelle. Perspektivisch soll er aber sobald wie möglich erste Arbeiten übernehmen, die ihm eine Tätigkeit als Ingenieur ermöglichen. Auf diesem Weg wird er vom Berliner Verein „Türöffner e.V.“ unterstützt.

Ein lokales Netzwerk hat viele Vorteile

Die Idee zu Türöffner e.V. entstand im Herbst 2015, als Mitglieder des Wirtschaftsrats vom 1. FC Union eine Unterkunft für Geflüchtete im Berliner Stadtteil Treptow-Köpenick besuchten. Peter Hermanns, der Leiter der Unterkunft und Vorstandsmitglied von Türöffner sagt zur Entstehung: „Bei uns wohnen Geflüchtete, die Arbeit suchen und Unternehmen brauchen Arbeitskräfte, die sie teilweise nur schwer finden. Ein lokales Netzwerk hat dabei viele Vorteile. Die Wege sind kurz, die Akteure kennen sich, alles ist ein bisschen vertrauter.“ Der Verein vermittelt Praktikums- und Arbeitsplätze und unterstützt sowohl Geflüchtete als auch die Unternehmen bei allen damit verbundenen rechtlichen, organisatorischen und vorbereitenden Angelegenheiten.

Mittlerweile hat Türöffner seine Geschäftsstelle auf dem Gelände des Fußballvereins 1. FC Union Berlin und akquiriert auch Unternehmen aus anderen Stadtbezirken, da sich nicht zu allen Berufswünschen ein passendes Angebot in Treptow- Köpenick findet.
Einmal die Woche bietet der Verein in einer Köpenicker Unterkunft ganztägig Termine für Erstgespräche an. Hier können die Geflüchteten ihre Qualifikationen einschätzen lassen und sagen, für welche Tätigkeit sie sich interessieren. Hermanns meint: „Wenn wir in der Unterkunft vor Ort sind, ist das gut, weil dann die Hemmschwelle bei den Geflüchteten niedrig ist. Perspektivisch möchten wir auch in weitere Unterkünfte gehen. Aber das ist eine Kapazitätsfrage. Seit August letzten Jahres hat der Verein eine Geschäftsstellenleiterin in Teilzeit und seit Dezember 2016 zwei Jobcoachs mit 10 Stunden in der Woche. “

Breites Netz von Ehrenamtlichen unterstützt den Verein

Außerdem wird der Verein von einem breiten Netz Ehrenamtlicher unterstützt. Hermanns erzählt, dass viele geflüchtete Menschen noch Hemmungen haben, wenn es darum geht, die ersten Schritte in das Gebäude eines Unternehmens zu machen. „Wenn wir ihnen dann sagen, sie sollten mal da oder dort hinfahren, da gibt es die Möglichkeit ein Praktikum zu machen, muss erstmal eine Hürde überwunden werden.“ Die Ehrenamtlichen begleiten die Menschen zu solchen Terminen oder bei Behördengängen. „Das mag überbehütet klingen, hat sich in der Praxis aber bewährt. Beim nächsten Mal können sie da dann auch alleine hinfahren, aber gerade am Anfang ist eine Unterstützung wichtig“, erklärt Hermanns.

„Es entsteht ein Miteinander“

Die größte Hürde ist aber meist die Sprache. Je nachdem, welche Tätigkeit die Geflüchteten ausüben wollen, ist mindestens B1 Niveau notwendig. Ist das erstmal erreicht und die rechtlichen Hürden aus dem Weg geräumt, sind viele Unternehmen offen, Geflüchtete bei sich einzustellen. Türöffner kann dabei vor allem auf das große Unternehmensnetzwerk im Umfeld des 1. FC Union zurückgreifen. „Wir hatten gerade beim 1.FC Union eine Kick-Off-Veranstaltung, wo wir Geflüchtete und Unternehmen zusammengebracht haben. Dadurch entsteht ein Miteinander. Die Unternehmen lernen Geflüchtete kennen und stellen auf einmal fest, der spricht ja doch ganz gut deutsch. Das kann man mal probieren. Oder der Geflüchtete merkt, dass das zwar nicht der Beruf ist, den er in seinem Herkunftsland ausgeübt hat, aber dennoch interessant sein könnte.“

Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales im Rahmen der bezirklichen Bündnisse für Wirtschaft und Arbeit, sowie durch Spenden von Unternehmen und Privatpersonen gefördert.
Bisher haben die Mitarbeitenden des Türöffners circa 80 Gespräche mit Geflüchteten geführt. 27 von ihnen haben ein Praktikum absolviert oder absolvieren es gerade. Sieben konnten bereits eine feste Stelle antreten.