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Unternehmen integrieren Flüchtlinge

BÜFA, ein mittelständisches Unternehmen in Oldenburg, bietet Geflüchteten Ausbildungsplätze an. Momentan haben zwei junge Männer aus Syrien ihre Ausbildung zum Chemielaborant begonnen. Um andere Unternehmen zu ermutigen, sich auch für die Beschäftigung und Integration einzusetzen, engagiert sich BÜFA in dem Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“. 

Als immer mehr Geflüchtete nach Oldenburg kamen, haben die Firmeninhaber überlegt wie sie sich engagieren können. Erste Erfahrungen mit Menschen, die über wenig Sprachkenntnisse verfügen, hatten sie schon. 2015 haben zwei junge Frauen und ein Mann aus Spanien eine Ausbildung bei BÜFA begonnen. In ihrer Heimat hatten sie keine Perspektive mehr für sich gesehen. Nun wollte BÜFA auch Geflüchteten die Möglichkeit geben bei ihnen zu lernen.

Bürokratische Aufgaben übernimmt pro:connect

Rainer Krause, Leiter der Personalabteilung, engagiert sich ehrenamtlich beim Verein „pro:connect“, der arbeitssuchende Geflüchtete und potentielle Arbeitgeber aus der Region Oldenburg zusammenbringt. In dem Verein sind unter anderem die Stadt Oldenburg, der Arbeitsgeberverband, das Jobcenter, die Handwerkskammer und ortsansässige Unternehmen aktiv. Der Verein konnte so Auszubildende an BÜFA vermitteln. Bürokratische Aufgaben hat dabei pro:connect übernommen, so dass sich der Betrieb etwa um Angelegenheiten wie Aufenthaltsgenehmigung oder Arbeitserlaubnis nicht kümmern muss.

Voraussetzung für eine Ausbildung sind Sprachkenntnisse

Zwei junge Männer aus Syrien konnten nach einem vierwöchigen Praktikum ihre Ausbildung bei BÜFA beginnen. Voraussetzung sind ausreichende Sprachkenntnisse, mindestens B1-Niveau, um sich auf einen Ausbildungsplatz bewerben zu können. Dies bedeutet, dass die Auszubildenden selbstständig Deutsch anwenden können, indem sie die Hauptpunkte verstehen und sich in einfachen Sätzen über vertraute Themen äußern können. Der weitere Sprachunterricht wird über die Stadt Oldenburg organisiert. Eigentlich wollte BÜFA noch einen dritten jungen Mann in die Ausbildung nehmen, doch bei ihm reichten die Deutschkenntnisse nicht, so dass er noch ein Jahr wartet. Krause hat die Erfahrung gemacht, dass oft die geringen Sprachkenntnisse einer Ausbildung noch im Wege stehen.
Er möchte auch andere Unternehmen ermutigen, Geflüchtete einzustellen: „Bei pro:connect berate ich Flüchtlinge bei der Arbeitssuche und Bewerbungen. Und da ich Kontakte habe, versuche ich auch andere Firmen ein bisschen zu motivieren mitzumachen.“

Unternehmen beraten und unterstützen sich bei der Arbeit mit Geflüchteten

Im Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ geht es genau darum. Unternehmen wollen sich gegenseitig unterstützen, Erfahrungen bei der Integration von Mitarbeitern weitergeben und Praxis-Tipps austauschen. „Integration bedeutet ja nicht, das wir anderen die deutsche Kultur überstülpen, sondern dass man auch von ihnen kulturelle Dinge akzeptiert oder sogar übernimmt“, sagt Krause. „Es taucht auch immer wieder die Frage auf, ob es nicht passieren kann, dass die Flüchtlinge ihre Ausbildung abbrechen und verschwinden. Dafür gibt es natürlich nie eine Garantie. Wenn mich jemand überzeugt, dann machen wir das. Wenn er trotzdem abbricht, kann ich das nicht ändern. Die Verhaltensweise ist im Übrigen unabhängig von der Nationalität. Nur bei den Flüchtlingen redet man immer direkt darüber.“
Im Dezember leitet der Personalmanager einen Workshop im Rahmen von „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“: „Da geht es um den Austausch von Erfahrungen. Es gibt auch eine Menge Ängste. Da will ich einfach Mut machen, es zu versuchen.“
Auch möchte „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ Betriebe motivieren, das ehrenamtliche Engagement ihrer Beschäftigten zu unterstützen oder eigene Projekte wie zum Beispiel Patenschaften für Geflüchtete ins Leben zu rufen.
Momentan engagieren sich schon über 850 Firmen, vom Familienbetreib bis zum Großkonzern in dem Netzwerk.

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