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Gute Beispiele
Hamburg

Yalla - rein in die Stadt

Wo finde ich spannende Veranstaltungen in meiner Nähe? Wie funktioniert der öffentliche Fahrradverleih in Hamburg? Welche offenen Sportmöglichkeiten gibt es in Hamburg? In kurzen Videos erzählen Jugendliche, die irgendwann auch mal neu in Hamburg waren von den Möglichkeiten in ihrer Stadt.

Jugendliche präsentieren in Videos Orte in Hamburg

Für viele Geflüchtete ist das Smartphone eines der wichtigsten Werkzeuge beim Ankommen. Ein digitales Projekt will sie dabei unterstützen: „Yalla – rein in die Stadt“ von GWA St. Pauli e.V., das im Sommer 2017 mit zwei Kick Off-Workshops startete. Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren zeigen in Videos Orte, an denen man etwas lernen oder Spaß haben kann, stellen Aktivitäten vor, die nichts oder wenig kosten und präsentieren Gruppen, bei denen jeder willkommen ist, auch wenn er oder sie noch nicht gut Deutsch spricht.

Jeder kann seine Ideen in den Redaktionssitzungen einbringen

Mittlerweile trifft sich ein Kern von vier bis sechs Jugendlichen zu monatlichen Redaktionssitzungen, um gemeinsam zu beschließen, worüber sie gerne berichten wollen. Jeder hat die Möglichkeit seine eigenen Ideen einzubringen und umzusetzen. Zudem gibt es eine sehr aktive „WhatsApp-Gruppe“, in der immer wieder Themen und Anregungen diskutiert werden.
 Unterstützt werden sie dabei von Gesa Becher, Medienpädagogin bei GWA St. Pauli e.V. „Bei Yalla versuchen wir gemeinsam herauszufinden wie man die Angebote, die es ja eigentlich schon gibt in Hamburg, zum Beispiel Theater-Gruppen oder Comic-Workshops, bekannter machen kann. Dabei geht es uns darum, wie die Informationen direkt bei den jungen Geflüchteten ankommen und nicht über Dritte transportiert werden. Wir versuchen dabei weniger textlastig zu sein, sondern mehr mit Bildern zu arbeiten“, erzählt Gesa Becher. Sie bringt auch selber Vorschläge für mögliche Videos mit. Beim Projekt „Zimmer frei“ können Hamburger Familien ein Zimmer einem jungen Menschen als Mitbewohner zur Verfügung stellen. „So lernen die Jugendlichen in der Gruppe auch immer wieder neue Projekte kennen“, ergänzt die Medienpädagogin.

Neben Schule und Ausbildung engagieren sich die Teilnehmenden ehrenamtlich bei Yalla

Da das Engagement der Jugendlichen ehrenamtlich ist und die meisten von ihnen sich noch in Schule oder Ausbildung befinden, stemmen sie größere Projekte in der Ferienzeit. Außerdem steht ihnen ein weiterer Projektmitarbeiter zur Seite: Mohamed Ghunaim ist Journalist und Medienaktivist. Nachdem er zunächst als Bundesfreiwilliger bei Yalla gearbeitet hat, ist er jetzt als Projektmitarbeiter beschäftigt.
Das Team wird komplettiert durch einen Schüler-Praktikanten und einen Bundesfreiwilligen. Dass beide einen Fluchthintergrund haben, erleichtert die Arbeit, gerade wenn sprachliche Hürden überwunden werden müssen. Durch ihre Mitarbeit ist auch die Konstanz bei den einzelnen Projekten gesichert. Eine spezielle Servicestelle hat GWA St.Pauli e.V. bei den Formalitäten für den Bundesfreiwilligendienst unterstützt.

Videos werden in den sozialen Medien verbreitet

Die erstellten Videos werden über You-Tube oder Facebook verbreitet, eine eigenen Webseite ist in Arbeit. Gerade arbeitet die Redaktion daran, noch mehr Follower auf Yalla aufmerksam zu machen. Außerdem plant sie eine interaktive Karte von Hamburg, auf der alle Orte verzeichnet sind, die die Gruppen bereits portraitiert hat. Noch fehlen jedoch die finanziellen Mittel dazu.

Durch die Arbeit an den Videos erhalten nicht nur andere geflüchtete Jugendliche einen Überblick über die Angebote in ihrer Stadt. Die Teilnehmenden lernen selbst Hamburg besser kennen. „Jetzt ist ihnen das Gängeviertel ein Begriff, weil sie da waren und darüber berichtet haben.“, erzählt Gesa Becher. Dadurch können sie sich immer freier in der Stadt bewegen.