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Partizipation in der Kommune
Transferforum

Partizipation in der Kommune

Das Transferforum „Partizipation in der Kommune – geflüchtete Jugendliche als Aktive vor Ort stärken” fand am 20. Juni 2017 in Frankfurt am Main statt. In Vorträgen und Workshops konnten sich die Teilnehmenden unter anderem darüber informieren, wie jungen Geflüchteten Beteiligung ermöglicht werden kann. Zudem erhielten sie Einblicke in Beispiele aus der Praxis. Geflüchtete Jugendliche diskutierten als Expertinnen und Experten in den Workshops mit und brachten ihre Erfahrungen und Ansätze für eine gelungene Partizipation ein.

Reportage vom Transferforum:
Partizipation in der Kommune – geflüchtete Jugendliche als Aktive vor Ort stärken

Wenn geflüchtete Kinder und Jugendliche ihre Umgebung mitgestalten und Verantwortung übernehmen können, ist dies ein wichtiger Schritt zur Integration. Doch wie kann dies aussehen? Wie können kommunale Strukturen Zugänge schaffen?
In Frankfurt trafen sich Fachkräfte aus den Bereichen Jugend, Bildung und Berufsorientierung, politisch Verantwortliche, Ehrenamtliche und geflüchtete junge Menschen. Gemeinsam tauschten sie sich darüber aus, wie Partizipation junger Geflüchteter in der Kommune aussehen kann. In Fachforen und Workshops hatten sie die Möglichkeit, sich über Beteiligungskonzepte zu informieren, mit anderen Fachkräften auszutauschen und zu vernetzen.

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Junge Geflüchtete wollen Dinge mitgestalten und Teil des Zusammenlebens vor Ort sein

Mehr als 160 Teilnehmende kamen im „Haus am Dom“ zum dritten Transferforum von „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ zusammen. Eröffnet wurde die Veranstaltung unter anderem von Thomas Heppener, Leiter der Gruppe Demokratie und Vielfalt im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.  Zur Begrüßung sagte er: „Es ist sehr wichtig, einmal auch das zu zeigen, was funktioniert und wo es gute Netzwerke gibt: Wo es gelingt, Geflüchtete nicht als Objekt pädagogischer Maßnahmen zu sehen, sondern als normale Menschen, die Dinge mitgestalten wollen und Teil des Zusammenlebens vor Ort sind.“ Die Beispiele aus der Praxis, die in zwei Arbeitsphasen vorgestellt würden, gäben sicherlich gute Anregungen.
Und Stefan Sydow, Leiter der Abteilung VII „Asyl“ im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration appelliert noch mal an die Teilnehmenden: „Wir haben schon so viel erreicht. Jetzt müssen wir Räume schaffen zur Teilhabe an unserer Gesellschaft, den geflüchteten Menschen die Möglichkeit des Erfahrens und Erlebens von Demokratie geben. Sonst können wir nicht erwarten, dass sie verstehen wie unsere Gesellschaftsordnung funktioniert.“

Aktivieren und stärken

„Partizipation – nur ein Recht oder Gelingensbedingung!?“ Mit dieser These startete das Fachforum 3, das sich der Frage widmete, wie die Perspektiven junger Geflüchteter bei der Ausgestaltung von Integrationskonzepten einbezogen werden können.
Heide Kröger, Integrationsbeauftragte der Stadt Norderstedt in Schleswig-Holstein, erzählte von ihrer Arbeit vor Ort. Ausgangspunkt in der Kommune war, dass die Situation in den städtischen Unterkünften verbessert werden sollte. „Wir möchten Menschen mit Fluchterfahrung ermutigen an Partizipationsprozessen teilzunehmen und das, was sie in ihrem Leben vor der Flucht an Ressourcen und Fähigkeiten erworben haben, mitzubringen und einzubringen in die kommunale Diskussion und in die Umsetzung von kommunalen Projekten.“ Menschen mit Fluchterfahrung, Ehrenamtliche, Mitarbeitende aus der Verwaltung und der Politik sowie Akteure aus verschiedenen Vereinen, Verbänden, Institutionen und der Wirtschaft haben gemeinsam auf einem „Flüchtlingsgipfel“ eine Vision für das zukünftige Zusammenleben in Norderstedt entwickelt. Bei ihrem Vorhaben wurde die Stadt vom Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ unterstützt. Der Prozess, welcher aus dem Flüchtlingsgipfel entstand, wird bis heute fortgeführt. Eine kleine Steuerungsgruppe koordiniert und treibt ihn voran.
Besonders eindrücklich waren die Schilderungen von zwei Teilnehmern des Flüchtlingsgipfels. Beide waren begeistert von der Möglichkeit sich einzubringen. Vor allem Mehran Abedi, ein junger Afghane, der mit seiner Mutter und Schwester vor zwei Jahren nach Norderstedt gekommen war, beeindruckte die Teilnehmenden mit seinem Engagement in Norderstedt. Denn Beteiligung heißt für ihn auch, dass er andere Geflüchtete nach ihrer Ankunft unterstützt. Er engagiert sich im Willkommensteam von Norderstedt, gibt Deutsch-Unterricht oder hilft bei Behördengängen.

Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit bei Partizipationsprojekten

In der Pause konnten sich alle über die Workshops und Fachforen sowie ihre eigenen Erfahrungen austauschen. Ein Ehrenamtlicher aus Schleswig-Holstein wünschte sich mehr Nachhaltigkeit bei Partizipationsprojekten: „Oftmals werden Dinge angestoßen und nach einiger Zeit, auch wenn sich die Projekte als erfolgreich erweisen, enden sie einfach wieder.“ Eine andere Teilnehmerin, die den Workshop „Kommunale Netzwerke für das Empowerment junger Geflüchteter“ besucht hat, will Anregungen für die Arbeit bei sich zuhause mitnehmen. Im Workshop wurde gezeigt, wie sich eine institutionsübergreifende Arbeitsgruppe im Kreis Olpe dafür einsetzt, eine stärkere Jugendbeteiligung von jungen Geflüchteten zu ermöglichen.
Auch wurde darüber diskutiert, was eigentlich passiert, wenn durch Partizipation Erwartungen geweckt würden, die nicht erfüllt werden können und dann zu Enttäuschungen führen. So erzählte eine Teilnehmerin von ihrer Arbeit in einer ländlichen Region Süddeutschlands. „Wenn dort die Geflüchteten gefragt werden, wie sie gerne partizipieren möchten, dann lautet die Antwort in erster Linie, dass sie wegwollen.“

Teilhabe und Partizipation werden durch interkulturelle Öffnung bedingt

Am Nachmittag konnten sich die Teilnehmenden unter anderem darüber informieren, wie sich geflüchtete Frauen und Mädchen in Berlin Pankow gemeinsam für ihre Interessen stark machen, welche Erfahrungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit Beteiligungsworkshops für junge Geflüchtete gemacht wurden und wie sich Vereine für junge Geflüchtete öffnen können. Hier diskutierten die Teilnehmenden insbesondere, wie eine interkulturelle Sensibilisierung und Öffnung des Vereinswesens aussehen kann.
Auch das Fachforum 4 „Migrantinnenenorganisationen fördern Integration und Beteiligung“ beschäftigte sich mit diesem Thema. Zunächst erzählten die beiden Mitglieder des Vereins „MigraMundi e.V.“, Zsuzsanna Dobos de Prada und Cengiz Deniz, von ihrer Arbeit. Die Migrantinnenorganisation fördert mit verschiedenen Projekten die Integration und Beteiligung von geflüchteten Menschen. Die Fluchterfahrung, die viele Mitglieder selber haben, hilft ihnen dabei.  Ein Projekt des Vereins ist „Stark vor Ort“. Es hat sich die Professionalisierung von kleineren, noch nicht etablierten Migrantenselbstorganisationen (MSO) zum Ziel gesetzt. In diesem und in anderen Projekten geht es dem Verein immer auch um die interkulturelle Öffnung. Daher diskutierten die Teilnehmenden im Fachforum auch folgende These: „Teilhabe und Partizipation werden bedingt durch eine interkulturelle Öffnung kommunaler, zivilgesellschaftlicher und auch migrantischer Strukturen, die sich auf die ,neuen‘ Bedarfe der Zivilgesellschaft einstellen.“ So merkte Cengiz Deniz an, dass nicht jede MSO per se interkulturell ausgerichtet ist. Hier müsse genau nach den Zielen und Möglichkeiten zur Förderung der Organisation geschaut werden.

Viele Anregungen für die Arbeit vor Ort

Am Ende des Tages kamen noch einmal alle zusammen, um die Ergebnisse vorzustellen. In jedem Fachforum und Workshop wurden Thesen erarbeitet, die den Teilnehmenden mit auf den Weg gegeben werden sollten.
Ein Jugendamtsmitarbeiter aus Hessen fasste die Veranstaltung für sich so zusammen:„Der Großteil der jungen Geflüchteten hatte bisher noch zu wenig Einfluss auf Entscheidungen nehmen können, die ihr Leben betreffen. Der heutige Tag hat gezeigt, wo und wie dies gelingen kann.“

Dokumentation und Thesenpapier zum 3. Transferforum

Thesenpapier zum 3. Transferforum

In den Arbeitsphasen haben die Teilnehmenden in den Workshops und Fachforen Thesen zu den bearbeiteten Themen formuliert.

Thesenpapier zum 3. Transferforum PDF, 170KB

Gesamte Dokumentation des 3. Transferforums

Die gesamte Dokumentation des 3. Transferforums im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ steht hier zum Download bereit.

Dokumentation des 3. Transferforums: Partizipation in der Kommune PDF, 14,58MB

Podiumsgespräch: Partizipation in der Kommune

Zum Thema „Partizipation junger Geflüchteter in der Kommune“ tauschten sich anhand von drei Thesen von Prof. Dr. Mechthild Wolff aus:

•    Prof. Dr. Mechthild Wolff, Leiterin des Studiengangs Kinder- und Jugendhilfe an der Hochschule Landshut

•    Dagmar Sprenger, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums Kreis Olpe

•    Avin Mahmoud, Mitglied von Jugendliche ohne Grenzen

•    Hanifa Haqani, Geschäftsführerin von Rumi imPuls e. V.

Thesen von Prof. Dr. Mechthild Wolff PDF, 42KB

Fachforum 1: Beteiligung in Gemeinschaftsunterkünften und Jugendhilfeeinrichtungen

Modellprojekte von Plan International Deutschland und dem Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF)

Referierende

Goran Ekmeščić, Landratsamt Aichach-Friedberg, Bildungsbüro (ehemaliger Mitarbeitender des Projekts „Partizipation junger Flüchtlinge in der stationären Kinder- und Jugendhilfe“ vom BumF e.V.)

Claudia Meyerhöfer, Projektreferentin für Kinderschutz bei Plan International Deutschland e.V.

Hosna Abbassy, Yahya Iskandarani, Ahmad Rayes, Mitglieder der „Community Mobilizer“/ „Youth Advocats“

Moderation

Meike Reinecke, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Programmleitung „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Impuls 1: Goran Ekmeščić, Landratsamt Aichach-Friedberg, Bildungsbüro (ehemaliger Mitarbeitender des Projekts „Partizipation junger Flüchtlinge in der stationären Kinder- und Jugendhilfe“ vom BumF e.V.)
Goran Ekmeščić stellte das Modellprojekt „Partizipation junger Geflüchteter in der stationären Kinder- und Jugendhilfe“ des Bundesverbandes Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge e.V. (BumF) vor. Von 2011 bis 2014 wurde ein Handlungskonzept zur Partizipation unter Mitwirkung junger Geflüchteter entwickelt.

Die drei Phasen des Projekts waren:

•    Junge Geflüchtete aus ganz Deutschland wurden ein Jahr lang zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in folgenden Bereichen qualifiziert: Vermittlung politischer, kultureller und sozialer Werte, Vorbereitung auf das Leben nach der Jugendhilfe, Kommunikationstechniken und -regeln.
•    Die Jugendlichen stellten ihre Ideen zu Partizipation in Workshops mit jungen Geflüchteten und Fachkräften vor.
•    Gemeinsam mit den Fachkräften formulierten die Jugendlichen Ergebnisse, die in das Handlungskonzept einflossen.

Ergebnisse im Handlungskonzept waren unter anderem:

•    In der Kommunikation und im Umgang mit Konflikten sollten die Betreuerinnen und Betreuer das Gefälle zwischen ihnen und den Jugendlichen vermindern.
•    Ohne Regeln und Konsequenzen gibt es kein funktionierendes Zusammenleben – das gilt für die jungen Geflüchteten ebenso wie für die Fachkräfte.
•    Beschwerdeverfahren sind ein hoher, aber lohnenswerter Aufwand. Um ein funktionierendes Beschwerdesystem einzurichten, ist ein großes Vertrauen der Jugendlichen unabdingbar. Kommunikationskanäle können hierfür beispielsweise ein anonymes Verfahren sein oder die Kommunikation über Ombudspersonen.

Impuls 2: Claudia Meyerhöfer, Projektreferentin für Kinderschutz bei Plan International Deutschland e.V., Hosna Abbassy, Yahya Iskandarani, Ahmad Rayes, Mitglieder der „Community Mobilizer“/ „Youth Advocats“

Claudia Meyerhöfer, Projektreferentin für Kinderschutz bei Plan International Deutschland e.V., berichtet über das Anfang 2016 initiierte „Modellprojekt zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in Hamburger Flüchtlingsunterkünften“. Neben präventiven und reaktiven Maßnahmen in den Unterkünften bietet das Projekt auch Beratung zu Gefährdungsfällen. Jugendliche werden in die Gestaltung der Unterkunft einbezogen, entwickeln Freizeitangebote und erhalten Zugang zu informeller Bildung. Grundlegend für das Projekt ist die Haltung, dass Bewohnerinnen und Bewohner Experten für ihre Belange sind.

Drei Jugendliche stellten das Modellprojekt vor, in dem sie als „Community Mobilizer“ und „Youth Advocats“ aktiv sind. Die Community Mobilizer organisieren Aktivitäten im Bereich Freizeit und informelle Bildung für andere Bewohnerinnen und Bewohner in Hamburger Gemeinschaftsunterkünften. Die Youth Advocats treten vor allem für die Rechte von geflüchteten Jugendlichen ein, zum Beispiel im Bereich Bildung und Gesundheit.

Ahmad Rayes ist 17 Jahre alt, kommt aus Syrien und ist seit sieben Monaten einer von zehn Community Mobilizern. Jeden Mittwoch macht die Gruppe eine Fotoaktion und tauscht sich über die gemachten Fotos aus. Monatlich gibt es ein Training, beispielsweise zu Videos, Präsentationen oder Bewerbungen. Außerdem organisieren die Community Mobilizer Aktivitäten wie ein Kinderkino und Sportveranstaltungen für die Bewohnerinnen und Bewohner von Gemeinschaftsunterkünften. Durch die Aktivitäten haben sich Konflikte und die Gewalt unter den Jugendlichen reduziert.

Yahya Iskandarandi ist seit 11 Monaten als Community Mobilizer und Youth Advocat aktiv. Er hat gelernt, sich politisch zu äußern und mit Politikerinnen und Politikern sowie der Presse zu kommunizieren. Eine seiner ersten Aktivitäten war der Youth-Politician-Dialog, bei dem deutsche und geflüchtete Jugendliche mit Politikerinnen und Politikern ins Gespräch kamen.

Hosna Abbassy kam im Januar 2016 nach Deutschland und nimmt im Modellprojekt als Community Mobilizer und als Youth Advocat teil. Ihr ist wichtig, dass sie ihre Meinung äußern kann – das Modellprojekt hat ihr eine Stimme gegeben. Mit den anderen Jugendlichen hat sie eine Zeitung auf Englisch und Arabisch geschrieben, um andere zu unterstützen. Zudem hat sie mit anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Bibliothek aufgebaut und betreut. Interessant war für sie ein kurzer Schüleraustausch, bei dem sie eine andere Schule besuchen konnte. Eine Lehrerin aus einer Stadtteilschule hatte zehn junge Geflüchtete aus dem Modellprojekt eingeladen, um vor Ort mit den Schülerinnen und Schülern zu sprechen.

Das Handlungskonzept des Bundesfachverbands Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge e.V. gibt es hier zum Download.
Weitere Informationen zum "Modellprojekt zum Schutz von Flüchtlingskindern" finden Sie hier.
Weitere Informationen zu "Community Mobilizer" finden Sie hier.
Präsentation von Goran Ekmeščić PDF, 438KB

Fachforum 2: Junge Geflüchtete organisieren sich selbst

Die Initiative „Jugendliche ohne Grenzen (JOG)“ stellt ihre Arbeit vor

Referierende
Avin Mahmoud und Marjona Barakaeva, Jugendliche ohne Grenzen

Moderation
Therese Hertel, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Frankfurt im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge”

„Jugendliche ohne Grenzen (JOG)“ ist ein bundesweiter Zusammenschluss junger Geflüchteter, der seit 2005 existiert. Er wurde explizit als Jugendgruppe gegründet und arbeitet weiterhin ohne die Unterstützung von Erwachsenen, die sie gegebenenfalls bevormunden könnten. Die beiden Referentinnen von Jugendliche ohne Grenzen, Avin Mahmoud und Marjona Barakaeva, merkten an, dass sonst viel über beziehungsweise stellvertretend für junge Geflüchtete gesprochen werde und diese zu wenig nach ihrer Perspektive gefragt würden. Über Jugendliche ohne Grenzen bekommen sie eine eigene Stimme und können selbst über ihre Probleme sprechen. Die Gruppe sei für die beiden Referentinnen wie eine zweite Familie, die einen Ort bietet, an dem sie beispielsweise ohne Angst vor eigenen Fehlern Deutsch sprechen können.

Jugendliche ohne Grenzen setzt sich für die Rechte und die Unterstützung junger Geflüchteter ein. Dabei bietet die Initiative keine Hilfsangebote für Geflüchtete an. Die Aktionsformen sowie die Art der Durchführung werden von den aktiven Jugendlichen selbst gewählt.

Jährlich findet parallel zur Bundesinnenministerkonferenz eine JOG-Konferenz statt. Des Weiteren führen die Jugendlichen Aktionen, Kampagnen (wie zum Beispiel „Schule für alle“) sowie Ausbildungsmessen durch. Sie sprechen gezielt Politikerinnen und Politiker an und weisen darauf hin, dass einige bestehende Gesetze von Behörden zum Teil nicht befolgt werden – zum Nachteil der betroffenen jungen Geflüchteten. Im Laufe der Jahre haben Jugendliche ohne Grenzen sich bereits mit der Bundeskanzlerin, dem Bundespräsidenten und Abgeordneten des Bundestages sowie des EU-Parlaments getroffen.

Die Referentinnen beschrieben Integration aus der Sicht junger Geflüchteter als Wege und Möglichkeiten, sich in der neuen Heimat zuhause zu fühlen. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen möchten keine Leistungsempfänger sein – sie wollen arbeiten. Für eine bessere Inklusion junger Geflüchteter in den Arbeitsmarkt wäre aus Sicht von Jugendliche ohne Grenzen unter anderem eine Verbesserung der interkulturellen Kompetenz der Verantwortlichen in den Institutionen und Unternehmen notwendig. Die Jugendinitiative kritisiert zudem die Unterscheidung Geflüchteter nach ihrer Bleibeperspektive. So erhalten diejenigen mit einer guten Bleibeperspektive durch Sprach- und Integrationskurse Chancen auf Integration. Geflüchtete mit schlechter Bleibeperspektive haben wiederum keinen Anspruch auf Sprach- und Integrationskurse.

Jugendliche ohne Grenzen verfügt über keine feste Finanzierung. In vielen Fällen können die Akteurinnen und Akteure Räumlichkeiten von Kirchgemeinden, Trägern oder Wohlfahrtsverbänden für ihre Treffen nutzen. Für die Konferenz und bestimmte Kampagnen erhalten sie Unterstützung von Stiftungen oder Organisationen wie „Pro Asyl“.

Mehr zu Jugendliche ohne Grenzen finden Sie hier.
Weitere Informationen zur Kampagne „Schule für alle“ finden Sie hier.
Präsentation von Jugendliche ohne Grenzen PDF, 405KB

Fachforum 3: Mitwirkung am Integrationskonzept ermöglichen

Perspektiven junger Geflüchteter einbeziehen

Referierende

Heide Kröger, Integrationsbeauftragte der Stadt Norderstedt

Tawfik Al-Bathigi und Mehran Abedi, Teilnehmende des Flüchtlingsgipfels

Jutta Weimar, Prozessbegleiterin für das Servicebüro Berlin im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“, u. a. zum Thema Flucht/Asyl, Migration, Diversity

Kirsten Bagusch-Sauermann, Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (Referatsleiterin UMF)

Bajro Alic, Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie

Moderation

Marion Zirngibl, Deutsche Kinder und Jugendstiftung, Servicebüro Berlin im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Katrin Steinberger, Deutsche Kinder und Jugendstiftung, Servicebüro Hamburg im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“


Im Fachforum „Mitwirkung am Integrationskonzept ermöglichen“ wurden zwei unterschiedliche Herangehensweisen der Partizipation vorgestellt und diskutiert.

Heide Kröger ist seit 2011 Integrationsbeauftragte der Stadt Norderstedt. In Norderstedt wurden 1.400 geflüchtete Menschen aufgenommen und in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Nach der Erstversorgung wurde in der kommunalen Verwaltung gemeinsam entschieden, einen Flüchtlingsgipfel zu organiseren. Bei diesem wurden alle Akteurinnen und Akteure, inbesondere die betroffenen Menschen, beteiligt, um die Situation in den städtischen Unterkünften zu verbessern. Hintergrund ist, dass es in Norderstedt nicht genügend Wohnraum gibt und die Menschen mit Fluchterfahrung in den nächsten Jahren in den Gemeinschaftsunterkünften bleiben müssen.

Ein wesentliches Ergebnis des Flüchtlingsgipfels war, dass sich viele Menschen mit Fluchtgeschichte Begegnungen mit anderen Menschen in ihrer Freizeit wünschen, um sich schneller und einfacher in Norderstdt einleben zu können. Bisher sind sie grüßtenteils unter sich, fast isoliert von der Mehrheitsgesellschaft.

Bajro Alic stellte die Konzeptentwicklung zum Masterplan Integration der Senatsverwaltung für Jugend, Bildung und Familie in Berlin vor.
2015 kamen circa 80.000 geflüchtete Menschen nach Berlin, 35 Prozent davon sind unter 18 Jahren alt. Die Herausforderung lag zunächst in der Versorgung und Unterbringung dieser Menschen, sodass ein Integrationskonzept auf Landesebene sehr kurzfristig entworfen wurde – ohne die Beteiligung der Wohlfahrtsverbände, Nichtregierungsorganisationen, Migrantenselbstorganisationen und anderer wichtiger Akteure. Die Kritik an diesem Konzept war sehr groß. Seit Anfang 2016 wurden aus diesem Grund Fachdialoge zu den unterschiedlichen Themenfeldern durchgeführt. Die Ergebnisse der Fachdialoge sollen in das neue Integrationskonzept einfliessen.

Partizipation ist dabei ein wesentlicher Bestandteil des Integrationsdiskurses.
Dies wurde in den Berichten von Tawfik Al-Bathigi und Mehran Abedi sehr deutlich. Sie berichteten aus ihrer Erfahrung als aktive Teilnehmer des Flüchtlinggipfels in Norderstdt und betonten, wie wichtig die Partizipation der Menschen mit Fluchtgeschichte ist – nicht nur, um ihre Bedürfnisse, Wünsche und Bedarfe zu erfahren, sondern vor allem auch, um ihnen Unterstützung zu bieten, ihre Selbstwirksamkeit zu befördern sowie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse, die sie vor ihrer Flucht erworben haben, zu aktivieren.

Fachforum 4: Migrantinnenorganisationen fördern Integration und Beteiligung

Der Einsatz von Integrationsassistenzen bei MigraMundi e.V.

Referierende

Zsuzsanna Dobos de Prada, Vorstandsvorsitzende von MigraMundi e.V.

Dr. Cengiz Deniz, freier Mitarbeiter bei MigraMundi e.V.

Moderation

Jana Arnold, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Frankfurt im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“, Kommunalberatung


Frau Prada, Vorstandsvorsitzende von „MigraMundi e.V.“, stellte den Verein als interkulturelle MigrantInnenorganisation in Wiesbaden vor, die gesellschaftliche Teilhabe von Migrantinnen und Migranten sowie deren Familien fördert. Migra Mundi e.V. wurde 2009 gegründet und ist parteipolitisch- und religionsunabhängig. Die Arbeitsschwerpunkte des Vereins sind Gremienarbeit, der Einsatz von Integrationsassistentinnen und -assistenten als Regelangebot sowie Projekte im Integrationsbereich (zum Beispiel „Jung und Alt zusammen kreativ“ als therapeutisches Kunstprojekt mit Flüchtlingskindern und Senioren, „Familiengruppenkonferenz“ als Betreuungsangebot für Häftlinge in Wiesbaden, „EHAP“ als Projekt zur Integration von EU-Bürgerinnen und -Bürgern in bestehende Netzwerke). Die Integrationsassistenzen sind zertifizierte, fachlich ausgebildete und kultursensible Dolmetscherinnen und Dolmetscher zwischen Migrantinnen und Migranten und Mitarbeitenden von Ämtern beziehungsweise Behörden. Migra Mundi e.V. unterstützt die Spezialisierung der Integrationsassistenzen für unterschiedliche Fachrichtungen mit den Zielen, sie a) aus der ehrenamtlichen in eine hauptamtliche Tätigkeit zu begleiten und b) als selbstverständlichen Bestandteil von Verwaltungen zu etablieren.

Der Verein hat insgesamt 24 feste Mitglieder aus 20 verschiedenen Ländern in den verschiedenen Projekten, über 90 Integrationsassistentinnen und -assistenten sowie diverse freie Mitarbeitende. Dr. Deniz ist ein freier Mitarbeiter bei Migra Mundi e.V. Er gibt Fortbildungen für Integrationsassistenzen und gab im Fachforum einen Input zum Thema interkulturelle Öffnung des Vereinswesens. Dabei handelt es sich um einen Prozess, der eine kritische Reflexion von Personen und Organisationen ermöglicht, auf diese Weise Zugangsbarrieren und Abgrenzungsmechanismen abbaut und einen gleichberechtigten Zugang der gesamten Bevölkerung zur Folge hat. MigrantInnenorganisationen sind zum Großteil Vereine mit kulturellem, sozialem und humanitärem, religiösen oder politischem Schwerpunkt. Intention und Ausrichtung sind dabei sehr unterschiedlich; nicht immer wird das Ziel der Integration und Beteiligung verfolgt. Wenn dies wie bei Migra Mundi e. V. jedoch der Fall ist, so wird der Austausch zwischen Menschen als wertvoller Bestandteil von Integration erlebt, unabhängig der ethnischen, politischen, religiösen Herkunft und Ähnlichen. Abschließend wurde folgende These entwickelt, die den Idealzustand darstellen soll: „Teilhabe und Partizipation werden bedingt durch eine interkulturelle Öffnung kommunaler, zivilgesellschaftlicher und migrantischer Strukturen, die sich auf die neuen Bedarfe der Zivilgesellschaft einstellen.“

Präsentation von Zsuzsanna Dobos de Prada PDF, 1,21MB
Präsentation von Dr. Cengiz Deniz PDF, 176KB

Fachforum 5: Empowerment und Beteiligung geflüchteter Frauen

Geflüchtete Frauen und Mädchen machen sich in Berlin Pankow gemeinsam für ihre Bedarfe und Interessen stark

Referierende

Annika Seibt, Zukunftswerkstatt Heinersdorf, begleitet die Frauengruppe in Berlin Pankow

Rajaa Al Klefawi, Mitglied der Frauengruppe in Berlin Pankow

Moderation

Viola Schlichting, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Programmbüro des Bundesprogramms „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge”

Wird von Partizipation geflüchteter Frauen gesprochen, so wird deren Umsetzung häufig als besondere Herausforderung diskutiert. Denn: Geflüchtete Frauen seien schwerer zu erreichen und nähmen Angebote weniger häufig an als geflüchtete Männer. Als Gründe werden aufgezählt, dass sie für die Kinderbetreuung und die tägliche Hausarbeit zuständig seien, von ihren Männern keine Unterstützung in Sachen Beteiligung erführen und manchmal weniger selbstständig seien.

In der ehemaligen Notunterkunft Wichertstraße in Berlin (heute überführt in die Gemeinschaftsunterkunft Treskowstraße) ist das nicht der Fall. Dort war Partizipation von geflüchteten Frauen nie ein Problem und ist es bis heute nicht. Warum?„Wir haben alle Projekte von Anfang an unter Beteiligung von Geflüchteten umgesetzt – Frauen wie Männern“, so Annika Seibt, die zunächst ehrenamtlich und später hauptamtlich unterstützte. Egal, ob es darum ging, Trennwände zu errichten, einen Raum zur medizinischen Versorgung einzurichten, Feste zu organisieren – alle Aufgaben wurden unter Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner organisiert. Jeder wurde mit seinen Kompetenzen einbezogen, das Engagement aller war gefragt und wichtig. Es gab ein Klima von Beteiligung und, wie es Annika Seibt nennt, einen „starken persönlichen Bezug“.

Als weiteren wichtigen Erfolgsfaktor nennt sie die Bedarfsorientierung: „Es ging immer um die Themen der Frauen und Männer, die bei uns gewohnt haben. Wir haben uns mit unseren Themen stark zurückgehalten.“ Und sie hätten, so die Referentin weiter, Beschwerden im Heim immer unterstützt und nicht als Undankbarkeit abgetan. Das Verständnis seitens der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei von Anfang an gewesen, Beschwerden ernst zu nehmen und die Bewohnerinnen und Bewohner darin zu stützen, Missstände und Probleme zu dokumentieren. Als Teil der Beschwerdekultur wurde deshalb die Wahl eines Bewohnerbeirates organisiert. Dieser war altersgemischt und repräsentierte unterschiedliche Nationalitäten. Frauen und Männer wurden gewählt. Die 14 Vertreterinnen und Vertreter des Bewohnerbeirates waren fortan bei allen Teamsitzungen der Notunterkunft dabei.

Mit dem Umzug eines Teils der Bewohnerinnen und Bewohner in die Gemeinschaftsunterkunft Treskowstraße und der Auflösung der Notunterkunft, löste sich auch der Bewohnerbeirat auf und wurde auch nicht neu gewählt, da die Gemeinschaftsunterkunft Treskowstraße erheblich größer und die Wahl schon in der Notunterkunft „ein großer Kraftakt war“, so Annika Seibt. Stattdessen etablierte sich in der neuen Gemeinschaftsunterkunft ein eigener Frauenrat. Schon in der Notunterkunft gab es für Frauen nach einiger Zeit einen selbstverwalteten Raum: „Dort haben wir telefoniert, ein bisschen Sport gemacht und über die Themen gesprochen, die uns Sorgen machen“, so die Bewohnerin Rajaa Al Klefawi. Aus dieser Frauengruppe ging der Frauenrat in der späteren Gemeinschaftsunterkunft hervor. Neben rechtlichen Fragen, Familienzusammenführung und bezahlbarem Wohnraum nach der Anerkennung wurde sehr häufig die Wohnsituation im Heim thematisiert. Und diese ist im Gegensatz zu den anderen beiden Themen gestaltbar. Diesen Gestaltungsspielraum haben sich die Frauen zu eigen gemacht.

Entstanden aus dem Engagement der Frauen ist nun ein sogenanntes „partizipatives Monitoring für Gemeinschaftsunterkünfte“, welches das Land Berlin fördern will. Im Monitoring sollen Antworten auf folgende Fragen festgehalten werden: Ist das, was in den Verträgen der Betreiber und der Security steht, auch tatsächlich umgesetzt? Welche Beschwerden haben die Bewohnerinnen und Bewohner? Kennen sie ihre Rechte? Die neuen Stellen, die das Land schaffen will, sollen ausschließlich von geflüchteten Frauen besetzt.

Präsentation von Annika Seibt PDF, 93KB

Fachforum 6: Innovative Wohnformen für Partizipation und Beteiligung

Modellprojekte für einen begleiteten Übergang in die Volljährigkeit und Teilhabe im urbanen Raum

Referierende

Michael Leinenbach, Sozialplaner und stellv. Amtsleiter, Abteilungsleiter Familien und Soziales im Amt für Familien, Soziales, Schulen und Sport der Stadt Saarlouis und Entwickler des Modellprojekts „Willkommen in Saarlouis“

Laura Pelizzari, staatlich geprüfte Produktdesignerin, Studentin für Industriedesign an der Burg Giebichenstein und Mitinitiatorin des Projekts „Habibi House“

Monaf Dahdal, Engagierter im Projekt „Habibi House“

Ezra Dilger, Engagierter im Projekt „Habibi House“

Moderation

Marion Nagel, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Magdeburg im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Impuls 1: Michael Leinenbach, Sozialplaner der Kreisstadt Saarlouis
und stellvertretender Amtsleiter, Abteilungsleiter Familien und Soziales im Amt für Familien, Soziales, Schulen und Sport der Stadt Saarlouis und Entwickler des Modellprojekts „Willkommen in Saarlouis“


Michael Leinenbach stellte im Fachforum das Projekt „Willkommen in Saarlouis“ vor. Ziel von „Willkommen in Saarlouis“ ist, insbesondere die Zielgruppe der unbegleiteten Geflüchteten bis 27 Jahre dabei zu unterstützen, um in Deutschland anzukommen und ihnen die Teilhabe in der Gesellschaft zu ermöglichen. Dabei setzt das Projekt auf die Schwerpunktthemen Übergänge im Leben (Schule, Beruf, Studium), Teilhabe und Partizipation (unter anderem in Jugendtreffs) sowie soziale Teilhabe. So entstanden unter dem letztgenannten Schwerpunkt sogenannte Bildungs- und Orientierungs-WGs, in denen junge männliche Geflüchtete nach ihrem 18. Geburtstag weiterhin betreut wohnen können. Die unbegleiteten volljährigen Jugendlichen, die sonst in Sammelunterkünften leben würden, können sich unter dem Grundsatz der Freiwilligkeit für eine Jugend-Wohngemeinschaft entscheiden. Momentan leben 15 junge Geflüchtete in zwei WGs, die neben den Zweibett-Zimmern sowie Küche und Bad auch über einen Lernbereich sowie einen Raum für gemeinsame Aktivitäten verfügen. Somit bieten die WGs deutlich mehr Raum und Ruhe als die Gemeinschaftsunterkünfte, um sich auf die Schule oder Ausbildung zu konzentrieren. Der Wohnraum wird durch die Kommune bereitgestellt. Dabei werden die Miete sowie die Lebenshaltungskosten vom Jobcenter beziehungsweise Kreissozialamt finanziert. „Natürlich sind die Wohngemeinschaften nicht zu 100 Prozent kostendeckend. Wir zahlen als Kommune drauf“, sagt Michael Leinenbach. Doch das Projekt ist es ihnen wert. Dabei wird auf eine eingeschränkte Jugendhilfemaßnahme gesetzt, ohne die Jugendlichen zu bevormunden. Die Jugendlichen werden beteiligt. So ist auch die Schaffung des Freizeitraums auf ihren Wunsch entstanden.

Die Einrichtung von Bildungs- und Orientierungs-WGs wurde durch die Umstrukturierung der Jugendhilfe und einer ämterübergreifenden Zusammenarbeit möglich. Eine Herausforderung ist jedoch, diejenigen jungen Erwachsenen, die diese enge Betreuung ablehnen oder bei Familienmitgliedern in Vormundschaft leben, nicht zu verlieren. Dafür braucht es jedoch laut Michael Leinenbach niedrigschwellige Angebote.


Impuls 2: Laura Pelizzari und Ezra Dilder, Studenten für Industriedesign an der Burg Giebichenstein, Halle/Saale und Mitinitiatoren des Pojekts „Habibi House“ sowie Monaf Dahdal, Engagierter im Projekt Habibi House

„Habibi“ bedeutet auf Arabisch „meine Liebe“. Die Idee des „Habibi House“ entstand während eines dreimonatigen Semesterprojekts der beiden Studierenden Laura Pelizzari und Ezra Dilder. In einem partizipativen Prozess entwickelte, gestaltete und baute ein Team aus einheimischen und geflüchteten jungen Menschen einen Wohnbungalow als Modell für ein Wohnen der Zukunft. Während dieser drei Monate arbeitete auch Monaf Dahdal, der seinen Bachelor in Architektur in Syrien gemacht hatte, aktiv mit. Gestartet wurde das Projekt mit einem Workshop, bei dem Geflüchtete ihr Traumhaus als kleines Modell aus Pappe und Papier bauen durften. „Man sollte die Person verstehen, für die man als Architekt etwas entwirft“, sagt Ezra Dilder. Über den Workshop erkannten die Studierenden die Bedürfnisse und Wünsche der Geflüchteten. Ziel des Projektes war, das Habibi House gemeinsam mit Geflüchteten zu entwerfen und dadurch ein nutzerorientiertes Design entstehen zu lassen. Als Beispiel nannte Monaf Dhadal unter anderem die unterschiedlichen Wünsche bei der Fenstergröße in Räumen: „In der arabischen Welt gibt es eher kleine Fenster in den Wohnungen. In Deutschland soll alles ganz hell sein, sodass die Fenster viel größer sind.“
Um die Idee in ein begehbares Modell umsetzen zu können, bedienten sich die Studierenden aus den verschiedenen Einflüssen der Traumhausmodelle – dies immer in Absprache mit der Baugruppe und mit dem Blick der Machbarkeit hinsichtlich des Materials. Gebaut wurde die lebensechte Konstruktion aus Holz als sogenannter „fliegender Bau“. Das bedeutet, dass es mit Hilfe von Modulbauplatten möglich war, den Aufbau ohne große Maschinen in Handarbeit zu realisieren und der Bau sehr leicht wieder abzubauen ist. Geflüchtete haben sowohl die Module prodiziert wie auch des Interieur umgesetzt. Handwerkliches Wissen aus Deutschland und anderen Ländern konnten somit einfließen, die Geflüchteten bekamen Einblick in die regionalen Arbeitsprozesse und hier üblichen Vorgehensweisen, sodass ein Einstieg in den Arbeitsmarkt etwas erleichtert wurde. Am Ende des Projektes stellte die Hochschule an der Burg Giebichenstein Halle/Saale Zertifikate aus. Monaf Dhadal hat das Zertifikat zum Beispiel geholfen, sich bei der Universität Aachen für einen Studienplatz zu bewerben. Die größte Herausforderung war, laut Laura Pelizzari, die Finanzierung des Habibi Houses. „Teilweise haben wir die Nächte durchgearbeitet, um Sponsoren zu finden“, sagt Ezra Dilder. Dabei lief das Materialsponsoring etwas besser. Jedoch fanden die Studierenden keine Geldsponsoren. „Wir hatten sogar Kontakt zu einer Brauerei, die wollten es sich jedoch nicht mit ihren Kunden verscherzen“, so Ezra Dilder. Auch wenn die Suche nach der Finanzierung sehr schwierig war, blieben die Studierenden dran. Am Ende unterstützte die Hochschule Burg Giebichenstein Halle/Saale sowohl mit Geld als auch mit hilfreichen Hinweisen durch Mitarbeitende der Hochschule, so Laura Pelizzari.

Die Studierenden gewannen für das Habibi House den Nachwuchs-Designpreis der Hochschule. Und aus dem Semesterprojekt entstand etwas Neues: „meyouwedo“ – eine temporäre Installation als Begegnungsort, aufgebaut aus sechs verschiedenen Kuben mit unterschiedlicher Funktion, beispielsweise einer Bühne, einer Fahrradwerkstatt und Platz zum gemeinsamen Essen. Ziel dieser Installation ist es, auf praktische Art und Weise die Gestaltung einer vielseitigen und transkulturellen Gesellschaft erlebbar zu machen und Begegnung zu ermöglichen. Das Projekt ist noch bis zum 31.7.2017 auf dem Johannisplatz in Leipzig zu sehen.

Themendossier „Übergänge in die Volljährigkeit“
Website von „meyouwedo“
Präsentation von Michael Leinenbach PDF, 792KB

Workshop 1: Jugend partizipiert: Selbstorganisation von Jugendlichen ermöglichen

Anregungen aus dem Jugendforum Lüneburg von „Jugend für Geflüchtete“ und dem Stadtjugendring Lüneburg e.V.


Referierende

Thorben Peters, Projektkoordinator der Jugendprojektchallenge des Stadtjugendring Lüneburg e.V.

Julia Thöring, Mitglied von Jugend für Geflüchtete und Initiatorin des Jugendworkshops von Ankunft bis Zukunft

Muhammadi Amad Zaki, Jafar Karimdad und Mohammad Amin Aslan, Mitglieder mit Fluchterfahrung bei Jugend für Geflüchtete

Moderation

Friederike Orth, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Hamburg im Programm „Willkommen bei Freunden - Bündnisse für junge Flüchtlinge”, Leiterin Servicebüro


Im Workshop 1 wurden am Beispiel der Gruppe „Jugend für Geflüchtete“ diskutiert, welche  Bedingungen für die Beteiligung junger Geflüchteter auf Augenhöhe erfüllt sein müssen. Das oberste Ziel der Inititative aus Lüneburg ist es, Begegnungen und Freundschaften zwischen jungen Menschen mit und ohne Fluchterfahrung zu fördern. Inzwischen sind in der Gruppe 40 Jugendliche aktiv. Die Gruppe bietet regelmäßig Hausaufgabenhilfe, gemeinsames Kochen sowie „Kindertage“ für kleinere Kinder an. Sie veranstaltet aber auch viele spontane Aktionen, wie Fußballspiele oder Klettern und organisiert Demonstrationen gegen Rassismus und Abschiebung. Die Aktivitäten der Gruppe werden vom Stadtjungendring Lüneburg unterstützt, der Selbstorganisation von Jugendlichen fördert und vielfältige Formate dafür anbietet.

Der bisherige Höhepunkt von „Jugend für Geflüchtete“ war ein Workshop-Wochenende mit 70 jungen Menschen mit und ohne Fluchthintergrund. Den Workshop haben die Jugendlichen selbst geplant und organisiert. Es wurde sich dort mit Themen wie globalen Fluchtursachen und -wegen, Diskriminierung und Rassismus auseinandergesetzt. Anschließend analysierten die Jugendlichen die konkrete Situation in Lüneburg: Was fehlt Jugendlichen mit Fluchthintergrund in der Stadt und was möchten sie selbst gern ändern und gestalten? Aus der Analyse sind viele Ideen für weitere Projekte entstanden, die nun gemeinsam umgesetzt werden.

Die Mitglieder der Gruppe mit Fluchthintergrund berichteten aus ihrer Sicht, dass sie aus ihrem Herkunftsland solche Beteiligungsformen nicht kannten und sich zunächst damit vertraut machen mussten. Sie hätten aber schnell gemerkt, wie gut ihnen das tut. Ein Teilnehmer sagte: „Zu den Jugendlichen habe ich mehr Vertrauen als zu den Erwachsenen. Endlich bin ich in einer gemischten Gruppe (nicht nur mit Geflüchteten) und fühle mich sehr wohl“.

Wie Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrung motiviert werden können, aktiv zu werden, war das Leitthema in der Diskussion des Workshops. Im Austausch über verschiedene Erfahrungen der Teilnehmenden wurden die zentralen Aspekte gesammelt:
•    vielerorts ist die persönliche Ansprache der Gleichaltrigen ausschlaggebend,
•    der Enthusiasmus Einzelner erzeugt schnell die gewünschte Kettenreaktion,
•    niedrigschwellige und praktische Beteiligungsangebote (wie Kochen und Sport) bauen unmittelbar die erforderlichen Brücken,
•    gemeinsam Ziele zu verfolgen, bringt die jungen Menschen sehr schnell zusammen,
•    die geflüchteten Jugendlichen sollten am besten noch im Vorfeld einer Veranstaltung mitgestalten,
•    durch Sprachmittlung fühlen sich auch diejenigen, die noch kein Deutsch können, gut mitgenommen,
•    in der Würdigung der Heimatsprache stecken viele Potentiale,
•    die eigene Geschichte zu erzählen, möglicherweise mit theaterpädagogischen Mitteln, trägt enorm zu Empowerment der Geflüchteten bei,
•    selbstgestaltete (Frei-)Räume könne zur Aktivierung der Jugendlichen beitragen,
•    um Mädchen und junge Frauen zu aktivieren, braucht es Angebote mit speziellem Augenmerk auf ihre Bedarfe; dabei ist es sinnvoll, die Eltern stärker mit einzubeziehen.

Die Erfahrungen der Teilnehmenden bündelten sich abschließend in einer gemeinsamen These:
Jugendbeteiligung auf Augenhöhe benötigt die persönliche Ansprache (Peer-to-Peer), eine „Mischung“ von jungen Menschen mit und ohne Fluchterfahrung, Möglichkeiten für erste Beteiligungserfahrungen, dass Heimatsprachen auch gewürdigt werden und die Ermöglichung durch die Kommunen (Finanzen und Räume).

Weitere Informationen zu „Jugend für Geflüchtete“
Präsentation zur Selbstorganisation von Jugendlichen PDF, 517KB

Workshop 2: Kommunale Netzwerke für das Empowerment von jungen Geflüchteter

Wie die Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen Empowerment-Prozesse befördern kann


Referierende

Milena und Jochen Butt-Pośnik, Prozessbegleiterin und -begleiter für das Servicebüro Köln im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Moderation

Ece Sarisaltik-Aydin, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Köln im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“


Milena und Jochen Butt-Pośnik begleiten seit Mai 2016 den Kreis Olpe als Prozessbegleitung im Rahmen des Programms „Willkommen bei Freunden“. Dagmar Sprenger, die Leiterin des Kommunalen Integrationszentrum Kreis Olpe, wurde über eine Programmvorstellung des Servicebüro Köln auf „Willkommen bei Freunden“ aufmerksam und wandte sich im Sommer 2016 an die Mitarbeitenden in Köln mit der Idee, in den Ferien einen Tag mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten zu gestalten. Nach einer ersten Beratung durch das Servicebüro fand sich schnell eine institutionenübergreifende Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern des Kommunalen Integrationszentrums, des Kreisjugendamtes, des regionalen Bildungsbüros, des Jugendmigrationsdienstes sowie Einrichtungen freier Träger, die mit Unterstützung durch das Servicebüro sowie Milena und Jochen Butt-Pośnik gemeinsam eine Sommerwerkstatt planten und durchführten. Knapp 50 minderjährige Geflüchtete sowie 20 erwachsene Fachkräfte aus dem Kreis nahmen daran teil. Durch erlebnispädagogisches Arbeiten konnten die Jugendlichen gemeinsam mit den Fachkräften eigene Wünsche, Ziele und Ideen formulieren und entsprechend ihrer Interessen Gruppen zu den Themen Ehrenamt, Politik, Journalismus, Sport, Kunst, Computer/IT, Ausbildung und Musik gründen. Ein Jugendlicher hat seine Wünsche für eine gute Zukunft eindrucksvoll und prägnant zusammengefasst: „Damit morgen besser wird als heute.“


Im Rahmen des Nachtreffens haben sich die Akteure dazu entschieden, an den Erfolg anzuknüpfen und mit Hilfe des Programms „Willkommen bei Freunden“ einen Prozess mit dem Ziel des stärkeren Empowerments und der Partizipation von jungen Geflüchteten ins Leben zu rufen. Hierzu wurden zunächst die Projektideen, die im Rahmen der Sommerwerkstatt entstanden sind, durch die Netzwerkpartner begleitet. Zum Austausch dienten die regelmäßig stattfindenen Netzwerktreffen. Aber auch die erwachsenen Begleiterinnen und Begleiter brauchen Untersützung, um die Jugendlichen Geflüchteten besser begleiten zu können. Daher hat das Netzwerk sich dazu entschlossen, nicht nur das erfolgreiche Werkstattformat im Winter zu wiederholen, sondern auch Qualifizierungsmaßnahmen für die Fachkräfte selbst zu entwickeln. Hierzu hat sich das Netzwerk auf die Themen Reflexion der eigenen Haltung, Traum und Traumata, Empowerment und Partizipation geeinigt. Die Maßnahmen finden in der Zeit von Mai bis Oktober 2017 statt.  

Multimedialer Bericht: Jugendbeteiligung im Kreis Olpe
Präsentation von Milena und Jochen Butt-Pośnik PDF, 465KB

Workshop 3: Vereine für junge Geflüchtete öffnen

Interkulturelle Sensibilisierung als Grundlage für Begegnung und Partizipation


Referentin

Elke Heublein, Gründerin und Trainerin bei Working Between Cultures

Moderation

Andreas Görres, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro München im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“, Kommunalberatung


Der Workshop „Vereine für junge Geflüchtete öffnen“ ging der Frage nach, wie Begegnung und Partizipation von jungen Geflüchteten in Vereinen gestaltet werden kann. Hierbei ging die Referentin Elke Heublein von den Erfahrungen aus, die sie im Rahmen ihrer Prozessbegleitung in der niederbayerischen Kommune Taufkirchen a. d. Vils sammelte. Ihre zentrale These lautete: Damit Begegnung und Partizipation in Vereinen gelingen kann, bedarf es zweierlei. Zum einen hilft eine interkulturelle Sensibilisierung aller dabei, aufeinander zuzugehen. Zum anderen ist die interkulturelle Öffnung der Vereinsstrukturen ausschlaggebend, damit die Beteiligung von jungen Geflüchteten längerfristig gelingen kann.

Elke Heublein stellte zunächst den theoretischen Hintergrund von interkultureller Sensibilisierung, interkultureller Öffnung und Partizipation vor. Hierauf aufbauend ergab sich in der Gruppenarbeitsphase eine Diskussion über die Herausforderungen im Umgang unterschiedlicher Kulturen miteinander. Die Bedeutung der interkulturellen Sensibilisierung wurde unterstrichen. Diese wurde jedoch sowohl als ein individueller, als auch ein gemeinschaftlicher Prozess beschrieben, der wiederum Voraussetzung für eine institutionelle Öffnung von gesellschaftlichen Institutionen wie Vereinen sei. Die Teilnehmenden schrieben Vereinen in dieser Phase verschiedene Rollen zu: Teilweise wurden Vereine als Strukturen verstanden, die Stabilität geben und in denen bestehende Ängste und Überforderung bearbeitet werden können, wenn nicht sogar müssen. Somit wären Vereine ein wesentlicher Ort, an dem Begegnung und interkulturelle Sensibilisierung stattfinden können. Andererseits wurde immer wieder die Meinung geäußert, dass Vereine eher starre, bürokratische Einheiten seien, die einhergehend mit Partizipation und Öffnung einen Kontrollverlust befürchten. Diese Zwischenbilanz warf die Fragen auf: Was können Anreize für interkulturelle Öffnung von Vereinen im ländlichen Raum sein? Und inwieweit können Vereine der großen Aufgabe der Integration und Beteiligung gerecht werden, wenn das Umfeld hierbei nicht mitzieht?

Abschließend wurde festgehalten, dass interkulturelle Öffnung ein langwieriger Prozess ist, der vor Ort getragen werden muss. Damit dieser gelingt, ist das Engagement von Schlüsselakteuren genauso wichtig wie die Bereitschaft der Vereinsmitglieder, sich darauf einzulassen. Zudem ist es hilfreich, Barrieren abzubauen. Die Verwendung von einfacher Sprache, das Bereitstellen von Ressourcen für neue Räume der Begegnung, die Weiterbildung der Jugendleiterinnen und -leiter, aber auch eine persönliche Ansprache und Patenprogramme unterstützen diesen Prozess. Im Fall von Geflüchteten ist eine Sensibilität für deren spezifische Herausforderungen unumgänglich. Die Feststellung, dass es Jugendlichen meistens wesentlich leichter fällt, mit interkulturellen Situationen umzugehen, brachte die Teilnehmenden wieder auf das Kernziel zurück – Jugendlichen die Möglichkeit des gemeinsamen Erlebens zu geben.

Weiter Informationen zum Prozess in Taufkirchen a. d. Vils
Präsentation von Elke Heublein PDF, 1,67MB

Workshop 4: Nachhaltige Beteiligung in der Kommune

Beteiligungsworkshops nutzen, um Sorgen und Wünsche junger Geflüchteter zu erkennen

Referierende

Marlen Niesing, Mitarbeiterin der offenen Jugendhilfeeinrichtung Villa Lampe und Koordinatorin des Stadtjugendparlaments

Mehdi Aledelbi und Mohammed Ali Hashash, Teilnehmende am Workshop „Nachhaltige Beteiligung in der Kommune sichern“ in Heilbad Heiligenstadt

Steffi Otterburg, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Magdeburg im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Moderation

Steffi Otterburg, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung


Das Servicebüro Magdeburg von „Willkommen bei Freunden“ führt in allen Landkreisen und kreisfreien Städten, die das Programm im Rahmen einer Prozessbegleitung unterstützt, Zukunftswerkstätten mit jungen Geflüchteten durch. Seit Herbst 2016 haben auf diese Weise bereits zehn Workshops mit mehr als 160 Jugendlichen in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt stattgefunden. Weitere folgen in den kommenden Monaten.

Steffi Otterburg, Programmmitarbeiterin von „Willkommen bei Freunden“ in Magdeburg, skizzierte im Workshop „Nachhaltige Beteiligung in der Kommune sichern“ den Ablauf der Zukunftswerkstätten und stellte zentrale Ergebnisse und Erfahrungen aus den Workshops sowie die Einbindung der Ergebnisse in den Prozess der kommunalen Strategieentwicklung für die Integration von jungen Geflüchteten vor.

Die Zukunftswerkstätten sind in drei Abschnitte unterteilt: eine Kritik-, eine Wunsch- und eine Handlungsphase zur Situation junger Geflüchteter vor Ort. Die Jugendlichen berichten vor allem von ihrer Situation an der Schule, in den Einrichtungen, in der Freizeit und über ihre Begegnungen mit nicht-geflüchteten Gleichaltrigen. Die Erzählungen der Jugendlichen werden genau dokumentiert, insbesondere über das Sammeln von O-Tönen. Die anonymisierten Ergebnisse werden unter anderem den Prozessverantwortlichen aus der Steuerungsgruppe vorgestellt – und haben damit bereits konkrete Veränderungen bewirken können. Die Steuerungsgruppe lenkt den Prozess der Strategieentwicklung für junge Geflüchtete im Rahmen von „Willkommen bei Freunden“, schreibt die Zielsetzungen fest und koordiniert die Maßnahmen, die vor Ort notwendig sind, um jungen Geflüchteten Teilhabe zu ermöglichen. An ihr sind die Leitungen oder andere entscheidungsbefugte Personen verschiedener Ämter beteiligt. Die Jugendlichen werden über den weiteren Verlauf der Arbeit in der Steuerungsgruppe informiert.

Dieses Vorgehen wurde am Beispiel der Prozessbegleitung im Landkreis Eichsfeld (Thüringen) verdeutlicht, in dem im Februar 2017 Zukunftswerkstätten durchgeführt wurden. Mehdi Aledelbi und Mohammed Ali Hashash, die an den Workshops in Heilbad Heiligenstadt teilgenommen hatten, und Marlen Niesing, Mitarbeiterin der offenen Jugendhilfeeinrichtung Villa Lampe und Koordinatorin des Stadtjugendparlaments, berichteten von der offenen Atmosphäre der Workshops. Zudem erzählten sie von den Veränderungen, die seitdem erreicht wurden – unter anderem sind die Jugendlichen mittlerweile im Stadtjugendparlament aktiv. Allerdings betonte Marlen Niesing, dass sie sich mehr Transparenz im Umgang mit den Ergebnissen in der Steuerungsgruppe wünschen würde.
In der Diskussion wurde unter anderem die Frage thematisiert, ob es nicht möglich sei, die Jugendlichen direkt in der Arbeit der Steuerungsgruppe zu beteiligen. Gleichzeitig wurde zu bedenken gegeben, dass die Treffen der Steuerungsgruppe in ihrer jetzigen Form nicht jugendgerecht sind. Dies äußere sich etwa in der technokratischen Sprache, die in der Steuerungsgruppe verwendet wird. Unter diesen Umständen, fasste Marlen Niesing zusammen, könne sie den Jugendlichen die Mitarbeit in der Steuerungsgruppe nicht empfehlen.

Weitere Informationen zu einem der Zukunftsworkshop im Burgenlandkreis
Präsentation von Steffi Otterburg und Jakob Lanman Niese PDF, 522KB