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Bildung und Teilhabe für geflüchtete Kinder und Jugendliche
Bilanzveranstaltung

Bildung und Teilhabe für geflüchtete Kinder und Jugendliche

Am 9. Oktober 2018 zog das Bundesprogramm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge” nach mehr als drei Jahren in Berlin Bilanz. Dabei standen die drei zentralen Themenfelder Kinderschutz, Bildung und Partizipation von geflüchteten Kindern und Jugendlichen im Vordergrund. In Kürze finden Sie hier die Dokumentation zur Veranstaltung.

3 Jahre „Willkommen bei Freunden”. Eine Bilanz in bewegten Bildern

Nach der Begrüßung durch Caren Marks, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sahen die Teilnehmenden zum Einstieg ins anschließende Podiumsgespräch einen Kurzfilm mit Fady Georges und Jamil Gandor. Die beiden geflüchteten Jugendlichen sind 2015 in Deutschland angekommen. Zwei von den bisher über 100 gegründeten Bündnissen von „Willkommen bei Freunden” unterstützen die jungen Menschen dabei. Zudem berichten die Bündnispartner, vorauf es bei der Zusammenarbeit verschiedener Akteure ankommt.

Reportage zum 6. Transferforum:
Bildung und Teilhabe für geflüchtete Kinder und Jugendliche

Mehr als 15.500 Teilnehmende aus Haupt- und Ehrenamt

„Die Bilanz kann sich sehen lassen. Wir, die wir das Programm aufgestellt und mit Leben gefüllt haben, können voller Stolz zurückblicken. Gemeinsam haben wir Strukturen gestärkt und Menschen zusammengeführt“, mit diesen Worten eröffnete Caren Marks, Parlamentarische Staatsekretärin beim Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, das sechste und letzte Transferforum des Bundesprogramms „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ in Berlin.

Hier können Sie weiterlesen.

Vor dreieinhalb Jahren startete das gemeinsame Bundesprogramm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und des Bundesfamilienministeriums. Seitdem haben über 15.500 Teilnehmende aus Haupt- und Ehrenamt an den Angeboten von „Willkommen bei Freunden“ teilgenommen. Die Mitarbeitenden der sechs Servicebüros haben mehr als 200 Kommunen dabei unterstützt, jungen Geflüchteten Bildung und Teilhabe zu ermöglichen. Sei es durch Fortbildungen, überregionalen Austausch oder Workshops. Zudem entstanden über 100 Bündnisse, bestehend aus mindestens drei lokalen Akteuren, die sich dafür einsetzen, die Situation geflüchteter Kinder und Jugendlicher zu stärken.

Was hinter diesen Zahlen steckt, welche Bilanz gezogen werden kann und wie es weitergeht, darüber tauschten sich 300 Fachkräfte und ehrenamtlich Tätige aus den Bereichen Jugend, Migration und Bildung in Workshops, bei Vorträgen und bei einer Podiumsdiskussion aus.

„Wir hatten schon das Vertrauen in den Kommunen“

Heike Kahl, Geschäftsführerin der DKJS, beschreibt während des Podiumsgesprächs die Anfänge des Programms: „Wir konnten auf ein Netzwerk aufbauen, da wir schon das Vertrauen in den Kommunen und in den Bundesländern hatten. Eine weitere gute Voraussetzung war auch die Flexibilität, die uns das Ministerium gegeben hat: das Ganze als Entwicklungsprozess zu sehen und gegebenenfalls auch an den Punkten, wo es nötig war, nachzusteuern.“ So geht es nach dem ersten Ankommen vorranging darum, den Jugendlichen Partizipation und Teilhabe vor Ort zu ermöglichen.
Neben Heike Kahl und Caren Marks nahmen Newroz Duman von Jugendliche ohne Grenzen, Fady Georges, ein Jugendlicher aus dem „Willkommen bei Freunden“-Bündnis in Olpe, der Prozessbegleiter Andreas Schmitz, sowie die Integrationsbeauftragte des Landkreises Teltow-Fläming Christiane Witt am Podium teil. Heike Kahl zog ein positives Resümee: „Es war ein guter programmatischer Ansatz, alle miteinzubeziehen, die Verantwortung für Kinder und Jugendliche haben, von den Eltern über die Jugendämter, Schulämter und so weiter. Also alle, die in der Pflicht sind und diese Verantwortung auch wahrnehmen wollen. Dabei haben wir bedürfnisorientiert reagiert, eben nicht mit einer vorgesetzten Linie. Stattdessen haben wir geschaut, was sind vor Ort die Bedingungen und auf welche Fragen suchen wir konkret eine Antwort.“ Caren Marks wies auch noch einmal darauf hin, dass das Programm Strukturen gestützt, gestärkt und neue geschaffen habe und diese mit Nachhaltigkeit verbunden habe: „Das Programm war von Anfang an darauf angelegt, dass es nicht nur drei Jahre wirkt, Stichwort Empowerment.“
Aus der Praxis des Programms berichtet der Prozessbegleiter Andreas Schmitz, der zwei Bündnisses aus Nordrhein-Westfalen begleitet hat. Auch er sieht Empowerment als einen wichtigen Baustein, damit ein Bündnis vor Ort erfolgreich ist. Zudem merkte er an: „Es ist gut, wenn Verwaltung auf Politik trifft, die auch wirklich will, zum Beispiel Integration. Es geht dabei vor allem darum, Teilhabe zu ermöglichen und vor allem Begegnungen.“
Fady Georges, ein junger Geflüchteter aus Olpe, hatte diese Möglichkeiten der Begegnungen. Während einer Sommer- und einer Winterwerkstatt konnte er sich mit anderen Jugendlichen austauschen, Neues ausprobieren und herausfinden, was sie sich für die Zukunft wünschen. Er fasst für sich kurz zusammen: „Ich habe mir immer gewünscht und wünsche es mir immer noch, dass es mehr Veranstaltungen von „Willkommen bei Freunden“ gibt. Bitte mehr davon."

Strukturen der Betreuung unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter neu ausrichten

In den letzten Jahren haben die Akteure in den Kommunen eine Menge erreicht. Bei vielen stellt sich jedoch die Frage, was passiert in Anbetracht des abnehmenden Zuzugs mit den Strukturen und Ressourcen, die sie aufgebaut haben? Auch das Kinder- und Jugendhaus in Weißenfels steht vor dieser Herausforderung. In einem Workshop mit vielen Teilnehmenden, die selbst in Einrichtungen für geflüchtete Kinder und Jugendliche arbeiten, aber auch Mitarbeitende des Jugendamtes, wurde diskutiert, wie die Strukturen der umA-Betreuung nachhaltig genutzt und für neue Zielgruppen geöffnet werden können. Das Kinder- und Jugendhaus Weißenfels ist deshalb gerade dabei, sich in ein Integrationshaus weiter zu entwickeln. Alexander Heinke, ein Mitarbeitender in Weißenfels: „Obwohl viele Jugendliche unsere Einrichtung bereits wieder verlassen haben, kommen sie immer wieder her und suchen unsere Unterstützung.“ Die Neukonzeption sieht vor, dass die Einrichtung sowohl geflüchteten als auch nicht-geflüchteten jungen Menschen ein offenes und ganzheitliches Beratungs-, Betreuungs- und Vermittlungsangebot anbietet, um sie auf ihrem weiteren Weg zu unterstützen und den Erfolg der Jugendhilfe nachhaltig zu sichern.
Das Konzept stieß auf großes Interesse. Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen, sinkt, und viele Kommunen stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Das Wissen und die Expertise, die sich in den letzten Jahren herausgebildet hat, sollte nicht verloren gehen. In der Diskussion wurde deutlich, was in der Arbeit mit jungen Geflüchteten wichtig ist und weiter ausgebaut werden muss. Dabei ging es immer wieder darum, Teilhabe zu ermöglichen.
Auch andere Workshops und Vorträgen beschäftigten sich mit Partizipation und Empowerment, weitere Themen waren unter anderem die Prävention von Menschenhandel, Schule als Ort des Ankommens, sowie die systematische Zusammenarbeit zwischen Jugendamt und Gemeinschaftsunterkünften.
Darüber hinaus konnten sich die Teilnehmenden während der Mittagspausen auf dem „Markt der Möglichkeiten“ über Praxisbeispiele informieren und in den Austausch kommen.

Ausblick

Nicht nur auf den sechs Transferforen, die in den letzten drei Jahren stattgefunden haben, ging es um Austausch. Es war auch ein Kern des Programms. In der Abschlussrunde sagte die Programmleiterin Judith Strohm: „Wir haben geschaut, dass wir gute Praxisbeispiele und Erfahrungen verbreiten, damit Fachkräfte anderer Kommunen davon profitieren können.“ Das daraus entstandene Wissen findet sich unter anderem in der „Willkommen bei Freunden“-Toolbox. Sie bündelt Instrumente, Empfehlungen und Methoden, die sich bei der Integration geflüchteter Kinder, Jugendlicher und ihrer Familien bewährt haben. So finden Interessierte dort Kommunen, die an dem Programm teilgenommen haben und für einen fachlichen Austausch kontaktiert werden können.
Auch das Thema Teilhabe und Empowerment behandelt die Toolbox. Umfangreiche Materialien zu den im Laufe des Programms entwickelten „Konsultationsworkshops“ helfen Akteuren vor Ort bei der Planung, Durchführung und Nachbereitung.

Zur „Willkommen bei Freunden“-Toolbox
Jugendbeteiligung in Olpe
Fachbeitrag „Veränderungen gemeinsam gestalten – geflüchtete Jugendliche in der Kommune konsultieren“

7 Thesen aus 7 Workshops

In sieben verschiedenen Workshops diskutierten die Teilnehmenden des sechsten Transferforums zu unterschiedlichen Themen. Als Ausgangslage der Workshops dienten folgende Thesen:

7 Thesen aus 7 Workshops

 

These 1 (Workshop 1: Neuen Herausforderungen im schulischen Alltag mit jungen Geflüchteten abgestimmt begegnen)


Netzwerke und Bündnisse „leben“ nur so lange, wie der konkrete Nutzen der Verbindung für die einzelnen Akteure erkennbar und spürbar ist. Besonders im Arbeitsfeld „Schule“ fällt auf, dass Mitglieder ihr Mandat aufgeben, sobald der konkrete Nutzen erfüllt bzw. der Druck verschwunden ist, der zur Teilnahme anregte. Gegebenenfalls müssen andere/neue Formate der Zusammenführung entwickelt werden.

Im Laufe des Workshops wurde die These folgendermaßen angepasst:

Netzwerke und Bündnisse "leben" nur so lange, wie der konkrete Nutzen der Verbindung für die einzelnen Akteure erkennbar und spürbar ist oder veränderbar und flexibel bleibt. Besonders im Arbeitsfeld „Schule“ fällt auf, dass Mitglieder ihr Mandat aufgeben, sobald der konkrete Nutzen erfüllt bzw. der Druck verschwunden ist, der zur Teilnahme anregte. Gegebenenfalls müssen andere/neue Formate der Zusammenführung entwickelt werden, wie beispielsweise eine Erweiterung der Netzwerke und Zielgruppen oder die Institutionalisierung des Themas, sodass statt einer Zusatzbelastung der Freiwilligen der Druck auf höhere Hierarchieebenen abgegeben wird.

These 2 (Workshop 2: Strukturen der Betreuung unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter nachhaltig nutzen)


Geschützte Orte, Netzwerke, interkulturelle Vermittlung und Beratung – viele UMA-Einrichtungen haben sich zu Säulen erfolgreicher Integrationsprozesse entwickelt. Grund genug, diese für neue Zielgruppen langfristig zu öffnen und die Praxiserfahrungen weiterhin zu nutzen.

Im Laufe des Workshops wurde die These folgendermaßen angepasst:

Geschützte Orte, Netzwerke, interkulturelle Vermittlung und Beratung – viele UMA-Einrichtungen haben sich zu Säulen erfolgreicher Integrationsprozesse entwickelt. Sie sind Voraussetzung, um mit Selbstvertrauen in die Welt hinauszutreten. Grund genug, diese für neue Zielgruppen langfristig zu öffnen und die Praxiserfahrungen weiterhin zu nutzen.

These 3 (Workshop 3: Unterstützung für Betroffene von Handel mit minderjährigen und volljährigen Menschen)


Es ist notwendig, alle erwachsenen Begleiterinnen und Begleiter für die Gefährdung geflüchteter Kinder und Jugendlicher durch Menschenhandel zu sensibilisieren, da diese Gruppe junger Menschen strukturell sehr gefährdet ist.

Im Laufe des Workshops wurde die These folgendermaßen angepasst:

Es ist notwendig, alle erwachsenen Begleiterinnen und Begleiter für die Gefährdung geflüchteter und neuzugewanderter Kinder und Jugendlicher durch verschiedene Formen von Menschenhandel zu sensibilisieren, da diese jungen Menschen strukturell sehr gefährdet sind.

These 4 (Workshop 4: Systematische Zusammenarbeit zwischen Jugendamt und Gemeinschaftsunterkünften)


Eine Kooperationsvereinbarung zwischen Gemeinschaftsunterkünften und Jugendamt sichert den Zugang der geflüchteten Kinder und Jugendlichen zu den Angeboten den Kinder- und Jugendhilfe.

Im Laufe des Workshops wurde die These folgendermaßen angepasst:

Eine gute Kooperationsvereinbarung zwischen Gemeinschaftsunterkünften und Jugendamt ist ein erster wichtiger Schritt, um den Zugang der geflüchteten Kinder und Jugendlichen zu den Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe zu sichern.

These 5 (Workshop 5: Die Schule als Ort für Ankommen und Austausch)


Gelingende Netzwerkarbeit im Stadtteil braucht die Initiative einzelner und deren Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen, die Zusammenarbeit auf Augenhöhe und die Gelassenheit für die Unvorhersehbarkeit eines Prozesses sowie die enge Zusammenarbeit über institutionelle Grenzen hinweg mit Entscheidungsbefugnissen der Akteure.

Im Laufe des Workshops wurde die These folgendermaßen angepasst:

Gelingende Netzwerkarbeit im Stadtteil braucht die Initiative einzelner und deren Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen, nachhaltige zeitliche und personelle Ressourcen und Strukturen, die diese entbehrlich machen, die Zusammenarbeit auf Augenhöhe und die Gelassenheit für die Unvorhersehbarkeit eines Prozesses, die enge Zusammenarbeit über institutionelle Grenzen hinweg mit Entscheidungsbefugnissen der Akteure, sowie die Beteiligung der Betroffenen.

These 6 (Workshop 6: Lokale Initiativen zur Beteiligung junger Geflüchteter)


Lokale Initiativen mit Bezug zu den Herkunftsländern geflüchteter Menschen leisten durch ihren sensiblen Zugang zu den Communities der Geflüchteten einen unersetzbaren Beitrag zur Integration und Teilhabe. Um nachhaltig wirken zu können, benötigen sie die Wertschätzung ihrer Arbeit, konstante Unterstützung und Kooperationen auf Augenhöhe.

Am Ende des Workshops wurde die These folgendermaßen angepasst:

Lokale selbstorganisierte Initiativen mit Bezug zu den Herkunftsländern geflüchteter Menschen leisten durch ihren direkten Zugang zu den Communities der Geflüchteten einen wesentlichen Beitrag zur Integration und Teilhabe.
Um nachhaltig wirken zu können, benötigen sie die Wertschätzung ihrer Arbeit, konstante strukturelle und finanzielle Unterstützung und Kooperationen auf Augenhöhe.

These 7 (Workshop 7: Partizipation geflüchteter Jugendlicher in der Kommune)


Beteiligung geflüchteter Jugendlicher beginnt beim Zuhören - für eine dauerhafte Teilhabekultur braucht es den Mut, sich auf Veränderungen einzulassen und bestehende Machtstrukturen zu hinterfragen.

Im Laufe des Workshops wurde die These folgendermaßen angepasst:

Beteiligung beginnt mit gegenseitigem Vertrauen als Basis fürs Zuhören - für eine dauerhafte Teilhabekultur braucht es engagierte Menschen, geeignete Rahmenbedingungen, eine menschenrechtsorientierte Haltung und den Mut, sich auf Veränderungen einzulassen, bestehende Machtstrukturen zu hinterfragen und zu verändern.

Dokumentation zum 6. Transferforum

Am 9. Oktober 2018 zog das Bundesprogramm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge” nach mehr als drei Jahren in Berlin Bilanz. Dabei standen die drei zentralen Themenfelder Kinderschutz, Bildung und Partizipation von geflüchteten Kindern und Jugendlichen im Vordergrund.

Im Folgenden erhalten Sie eine Dokumentation der Veranstaltung sowie die Präsentationen der Referentinnen und Referenten.

Programm

Begrüßung und Film

Nach der Begrüßung durch Caren Marks, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sahen die Teilnehmenden zum Einstieg ins anschließende Podiumsgespräch einen Kurzfilm mit Fady Georges und Jamil Gandor. Die beiden geflüchteten Jugendlichen sind 2015 in Deutschland angekommen. Die Bündnisse in Olpe und im Landkreis Elbe-Elster von den bisher über 100 gegründeten Bündnissen von „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge” unterstützen die jungen Menschen dabei.
Zudem berichten die Bündnispartner, vorauf es bei der Zusammenarbeit verschiedener Akteure ankommt.

Podiumsgespräch

Das Podiumsgespräch stand im Zeichen der Themen „Bilanz von „Willkommen bei Freunden“ – Was wurde in den kommunalen Bündnissen erreicht? Wie geht es dort weiter? Was ist noch offen?“, der Kooperation von Haupt und Ehrenamt sowie Empowerment und gesellschaftliche Teilhabe von jungen Geflüchteten. Teilnehmende waren Caren Marks, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Heike Kahl, Geschäftsführerin Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Christiane Witt, Integrations-beauftragte im Landkreis Teltow-Fläming, Fady Georges (Jugendlicher aus dem Film), Newroz Duman, Jugendliche ohne Grenzen und Andreas Schmitz, Prozessbegleiter „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“.

Keynote

Die Keynote hielt Hatice Akyün zum Thema „Buntglas statt Milchglas. Von der Integrationsgesellschaft zur Partizipationsgesellschaft“.

Abschlussrunde

Die Abschlussrunde wurde geführt mit Koray Yilmaz-Günay, Vorstandsmitglied beim Migrationsrat Berlin und Judith Strohm, Programmleitung „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“.

Gesamtmoderation

Die Gesamtmoderation des Transferforums übernahm Daniel Finger vom rbb.

Gesamtdokumentation zum 6. Transferforum als PDF

Workshop 1: Neuen Herausforderungen im schulischen Alltag mit jungen Geflüchteten abgestimmt begegnen

Das Schulnetzwerk „Integration in Schule“ im Kreis Heinsberg stellt vor, wie eine Vernetzung schulischer Akteure dazu beiträgt, Fachkräfte vor Ort im Umgang mit veränderten Bedarfen zu bestärken


Im Kreis Heinsberg bildete sich 2016 das Netzwerk Integration in Schule, bestehend aus Schulen der Sekundarstufen I und II, die geflüchtete junge Menschen in Seiteneinstiegs- und anderen Klassen zugeteilt bekommen hatten. Um den neuen Herausforderungen gut aufgestellt begegnen zu können, wurden neue kommunikative Strukturen im Kreis aufgebaut. Im Rahmen des von „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ begleiteten Bündnisses bestehend aus Berufskollegs, Gymnasien, einer Gesamtschule, einer Ganztagshauptschule, der Schulpsychologischen Beratungsstelle des Kreises und dem Kommunalen Integrationszentrum gelang es mit Unterstützung der Prozessbegleitung von „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“, eine arbeitsfähige und engagierte Steuerungsgruppe ("Netzwerkzentrum") zu installieren. Diese identifizierte die zentralen Bedarfe der Akteure und formulierte entsprechende Maßnahmen, um die zweimal jährlich stattfindenden Treffen des Gesamtnetzwerks an den tatsächlichen Bedarfen der beteiligten Akteure ausrichten zu können. So entstand eine Fortbildungsreihe, die die Austauschtreffen fachlich-inhaltlich unterfütterte und die Netzwerksteuerung komplettierte. Um eine Verstetigung der Arbeit zu gewährleisten, wurden mit Abschluss des von „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ begleiteten Prozesses die Steuerungsaufgaben in das mittlerweile etablierte Team des Kommunalen Integrationszentrums verlagert. Das Netzwerk „Integration in Schule“ ist zurzeit in der Schullandschaft des Kreises fest verankert und eine Vielzahl an Teilnehmenden nutzt die Netzwerktreffen für den regen Austausch. Herausfordernd waren und sind in diesem Prozess die zeitliche und psychische Belastung der Akteure (vor allem der Lehrkräfte und Fachkräfte der Schulsozialarbeit), die Überwindung des Nischendaseins der Lehrer und Lehrerinnen von Vorbereitungsklassen sowie die personelle Fluktuation der Akteure im Netzwerk.

Welche Vorteile bringt eine Vernetzung schulischer Akteure bei der Begegnung mit den neuen Herausforderungen, die die Aspekte des Unterrichtens und des schulischen Alltags mit jungen Geflüchteten mit sich bringen können? Welche guten und schwierigen Erfahrungen wurden während des Prozesses der Netzwerkbildung und der Verstetigung der Netzwerkarbeit gemacht? Im Workshop wurden unterschiedliche Herausforderungen analysiert und mögliche Lösungswege und Handlungsspielräume mit den Teilnehmenden bearbeitet.

Referierende:
•    Andreas Schmitz, Prozessbegleiter im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ im Kreis Heinsberg
•    Daniel Bani-Shoraka, Kommunales Integrationszentrum Kreis Heinsberg

Moderation:
•    Sarah Vazquez, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Köln im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Das Schulnetzwerk „Integration in Schule“ im Kreis Heinsberg zeigte im Workshop wie eine Vernetzung schulischer Akteure dazu beiträgt, Fachkräfte vor Ort im Umgang mit veränderten Bedarfen zu bestärken. Der Kreis Heinsberg liegt in der Nähe von Aachen an der Niederländischen Grenze im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Im gesamten Bundesland gibt es sogenannte Kommunale Integrationszentren, die die Aufgabe haben die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund im Kreis zu fördern.

Der Prozess von Willkommen bei Freunden im Kreis Heinsberg hatte im März 2016 die erste Auftaktveranstaltung mit 50 Teilnehmenden und war eine Bestands- und Bedarfsanalyse. Daraus wurde der Wunsch nach Etablierung eines Netzwerkes für Austausch, Verbindung und „kollegiale“ Unterstützung deutlich. Hinzu kam die Forderung nach schneller Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer durch Qualifizierung (z.B. Workshops zu Interkultureller Sensibilisierung, Flucht und Traumatisierung, Sprachsensibilität) und Austauschtreffen (z.B. zu Rassismuskritik und Sprachsensibilität), die später flankierend zum Prozess durchgeführt wurden. Darüber hinaus wurde eine Steuerungsgruppe als „Netzwerkzentrum“ bestehend aus 10 bis 12 Mitgliedern, die schulformübergreifend waren, etabliert. Diese setzte sich aus Lehrkräften, Schulsozialarbeit, dem Schulpsychologischen Dienst und dem Kommunalen Integrationszentrum zusammen. Das Netzwerkzentrum hatte die Aufgaben, die Treffen zu koordinieren und zu planen, den Aktionsplan zu erstellen und fortzuführen sowie den direkten Draht zu dem Kommunalen Integrationszentrum aufrecht zu halten. Ein fortlaufender Aktionsplan wurde erstellt, um Steuerungsinstrumente in der Netzwerkarbeit zu etablieren.

Weiterhin fanden halbjährliche Netzwerktreffen zu je 2,5 Stunden für alle Akteure im Bereich der Vorbereitungsklassen in den Sekundarstufen I und II. An diesen Treffen nahmen jeweils zwischen 25 und 50 Teilnehmende teil. Aufgaben, die die Teilnehmenden während der Treffen hatten, waren zum Beispiel die Arbeit an Konzepten, die Formulierung von Bedarfen für Qualifizierungen und Wissenstransfer, die Materialentwicklung und Verbesserung der Kooperation.

Um einen zielorientierten und netzwerkbildenden Prozess umzusetzen, wurden die folgenden Gelingensfaktoren identifiziert:
•    Bedarf muss aktuell sein und wahrgenommen werden („Notstand“, Hilflosigkeit, Überforderung)
•    Interdisziplinäre Zusammensetzung von Netzwerk und Steuerung
•    Kombination von Austausch und Qualifizierung
•    Minimaler Einsatz von Ressourcen maximale Effektivität durch Stärkung der Rolle, Methoden und Material
•    Wertschätzung der Expertisen der Akteure
•    Implementierung von Steuerungsinstrumenten
•    Vollständige Dokumentation
•    Externe Moderation

Herausfordernd ist/war in diesem Prozess:
•    Zeitliche und psychische Belastung der Akteure (vor allem der Lehrerinnen und Lehrer)
•    Überwindung des Nischendaseins der Lehrerinnen und Lehrer von Vorbereitungsklassen
•    Personelle Fluktuation bei den Akteuren im Netzwerk, im Netzwerkzentrum und im Kontakt zu der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung
•    Übergabe der externen Prozessbegleitung in die Selbststeuerung des Netzwerkes beim Prozessende



In der anschließenden Diskussion des Workshops wurde die unterschiedliche Handhabung der Herausforderungen in den einzelnen Bundesländern benannt.
Übergreifende Punkte waren bundeslandunabhängig zum Beispiel die Fragestellung, ob Herausforderungen durch freiwillige Fachkräfte (die bereit sind über ihr Arbeitspensum hinaus an Netzwerktreffen teilzunehmen) angegangen werden sollten oder ob der gegebene Druck an höhere Hierarchieebenen weitergegeben werden muss und Fragen der Integration stärker institutionalisiert beantwortet werden sollten. Weiter wurde diskutiert, wie und ob aufgebaute Strukturen flexibel und wandelbar sein können. Dies, um entweder immer wieder neue Netzwerkakteure einzubinden oder sich einer neuen Zielgruppe zuwenden zu können, um den sich wandelnden Bedarfen gerecht zu werden ohne jedes Mal aufs Neue Strukturarbeit leisten zu müssen.

Präsentation Workshop 1 PDF, 347KB

Workshop 2: Strukturen der Betreuung unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter nachhaltig nutzen

Am Beispiel der Konzeption des Integrationszentrums Kinder – und Jugendhaus (IBLM e.V.) in Süd-Weißenfels


Wie können Strukturen der umA-Betreuung nachhaltig genutzt und für neue Zielgruppen geöffnet werden? In Deutschland sinkt die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten. Dies führt zur Frage, welche Perspektiven Strukturen der Jugendhilfe haben, die für diese Zielgruppe aufgebaut wurden. Viele umA-Einrichtungen haben großartige Betreuungs- und Begleitungsarbeit geleistet, sind wichtige kommunale Netzwerkpartner der Integrationsarbeit und ihre Betreuungsteams haben durch die Arbeit der vergangenen Jahre wichtige interkulturelle Lernprozesse durchlaufen. Wie können diese Ressourcen für neue Aufgaben und neue Zielgruppen geöffnet werden?


Das Kinder- und Jugendhaus der Interessensgemeinschaft Bildung Leuna-Merseburg e.V. betreut seit April 2016 unbegleitete minderjährige Geflüchtete in der Stadt Weißenfels. Unterstützt wurde diese Betreuung mit einem Prozess im Rahmen von „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“, das den Landkreis seit April 2016 bei der Entwicklung ämterübergreifender Integrationsstrategien berät. Seit Mai 2017 wird die Einrichtung durch „Gemeinsam. Mittendrin. Gestalten.“, einem gemeinsamen Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und der Bertelsmann-Stiftung, bei der Verbesserung von Teilhabechancen ihrer Jugendlichen begleitet. Dies hat zu einer Neukonzeption der Einrichtung geführt: In Zukunft bietet die Einrichtung sowohl geflüchteten als auch nicht-geflüchteten jungen Menschen ein offenes und ganzheitliches Beratungs-, Betreuungs- und Vermittlungsangebot an, um sie auf ihrem Weg in Erwachsenenleben zu unterstützen und den Erfolg der Jugendhilfe nachhaltig zu sichern. „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ moderiert und begleitet diesen Prozess.

Im Workshop stellte das Kinder- und Jugendhaus den strategischen Prozess der Konzeptionsphase und die angestoßenen Veränderungen durch die Zusammenarbeit mit „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ und „Gemeinsam. Mittendrin. Gestalten.“ vor. Zusammen mit den Teilnehmenden wurden Lessons Learned und die Frage der möglichen Neuausrichtung bereits aufgebauter Strukturen der Jugendhilfe diskutiert.

Referierende:
•    Alexander Heinke, Mitarbeitende im IBLM e.V. Kinder- und Jugendhaus Weißenfels
•    Hamid Rezai, Omid Ahmadi, Natalino Bah, Aziz Tienbreogo, Jugendliche im Kinder- und Jugendhaus des IBLM e.V. in Weißenfels Süd
•    Dr. Çiçek Bacik, Programmleitung „Gemeinsam.Mittendrin.Gestalten – Geflüchtete Jugendliche stärken“, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung

Moderation:
•    Jakob Lanman, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Magdeburg im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

„Geschützte Orte, Netzwerke, interkulturelle Vermittlung und Beratung – viele umA-Einrichtungen haben sich zu Säulen erfolgreicher Integrationsprozesse entwickelt. Grund genug, diese für neue Zielgruppen langfristig zu öffnen und die Praxiserfahrungen weiterhin zu nutzen.“ Diese Arbeitsthese begleitet die Teilnehmenden durch Workshop 2.

Das Kinder- und Jugendhaus des IBLM e.V. in Weißenfels Süd betreut seit 2015 unbegleitete minderjährige Geflüchtete. Seit 2017 begleitet das Programm „Gemeinsam.Mittendrin.Gestalten – Geflüchtete Jugendliche stärken“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und der Bertelsmann-Stiftung die Einrichtung bei der Entwicklung partizipativer Strukturen. Aus dieser Zusammenarbeit ist das Konzept für ein Integrationszentrum entstanden, das von Dr. Çiçek Bacik und Alexander Heinke vorgestellt wurde.
 
Ziele des Integrationszentrums sind die Verstetigung entwickelter Strukturen für die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, Netzwerkarbeit, Beratung und Schaffung von Teilhabemöglichkeiten sowie deren Öffnung auch für weitere Zielgruppen, wie mittlerweile volljährige Flüchtlinge oder Jugendliche anderer Herkunft in Krisensituationen.
Das Konzept sieht vor, bestehende wie auch neu zu schaffende Angebote enger zu verknüpfen: Auf dem sogenannten „Campus“ des Integrationszentrums soll es neben einer umfassenden Beratungsstelle und einer Schule zur Berufsvorbereitung auch ein Freizeitzentrum, Kreativräume sowie die Möglichkeit zur Teilnahme an verschiedenen Mikroprojekten geben.
Durch diese gebündelten Angebote sollen sowohl das Sicherheitsgefühl als auch Selbstbewusstsein, Selbstbestimmung und Selbstständigkeit von Jugendlichen gestärkt werden.

Im Anschluss an die Vorstellungsphase durch die Referierenden finden Diskussionen in vier Kleingruppen statt. Um direkte Einblicke zu ermöglichen, werden diese von Tandems begleitet, die jeweils aus einem Bewohner des Kinder- und Jugendhauses sowie einem Mitarbeiter bzw. einer Mitarbeiterin vom Kinder- und Jugendhaus oder des Programms „Gemeinsam.Mittendrin.Gestalten – Geflüchtete Jugendliche stärken“ bestehen.

In der Kleingruppe „Bildung“ wird darüber diskutiert, welche Probleme bei der Spracheinstufung und hinsichtlich gezielter Nachhilfeangebote bestehen. Die Gruppe kommt zu dem Konsens, dass gute Vernetzung wie im Integrationszentrum Weißenfels dazu beiträgt, Wissen über Bildungsangebote besser zu streuen und Potenziale junger Menschen auszuschöpfen. Hürden blieben aber dennoch bestehen.

Die Diskussion in der Kleingruppe „Bündnisse“ führt zur Erkenntnis, dass die Netzwerkarbeit der Einrichtung ein erfolgreiches Beispiel ist, wie vielen jungen Menschen Teilhabe ermöglicht werden kann. Dies gelte für alle Jugendliche unabhängig der Herkunft. Ein Teilnehmer bemerkt: „So lernen wir Teilhabe neu.“

Die Kleingruppe „Empowerment“ resümiert ihre Diskussion damit, dass Empowerment von geflüchteten Jugendlichen dann gelingt, wenn ein Austausch mit Peers entsteht, die vergleichbare Geschichten erlebt haben. Diejenigen, die dann erfolgreich ihren Weg gegangen sind, sollten anderen davon berichten und ihnen Ratschläge geben. Außerdem sei es wichtig, dass Jugendliche Vertrauen in Pädagoginnen und Pädagogen und Betreuerinnen und Betreuer aufbauen.

Es herrscht unter den Teilnehmenden der Kleingruppe „Geschützte Räume“ Einigkeit darüber, dass Einzelzimmer und Privatsphäre als Rückzugsräume wichtig sind, dabei müssen geschützte Räume nicht unbedingt räumlich sein, sondern können auch Personen oder Situationen sein.
Durch strukturelle Bedingungen sei dies jedoch häufig schwer zu erreichen, weswegen eine kontinuierliche Betreuung durch vertraute Personen, wie sie im Integrationszentrum vorgesehen ist, erstrebenswert sei.

Die Erkenntnisse aus den Kleingruppen werden im Plenum geteilt und bestätigen die Arbeitsthese des Workshops, dass Strukturen der UMA-Betreuung eine große Ressource sind, die sich konzeptionell weiterentwickeln und für neue Zielgruppe öffnen können.

Präsentation Workshop 2 PDF, 1,07MB

Workshop 3: Unterstützung für Betroffene von Handel mit minderjährigen und volljährigen Menschen

Aufbau eines Netzwerks zur Begleitung von Betroffenen mit Fluchterfahrung am Beispiel der Stadt Nürnberg


Im Spätsommer 2017 entschloss sich die Stabsstelle Menschenrechtsbüro und Frauenbeauftragte der Stadt Nürnberg gemeinsam mit „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ die Zusammenarbeit im Bereich der Prävention von Menschenhandel und der Begleitung von betroffenen Geflüchteten neu zu strukturieren. Ziel war es, hierdurch den Zugang zu regionalen Unterstützungsangeboten für Menschen mit Fluchterfahrung zu erleichtern. Der Nürnberger Arbeitskreis identifizierte Asylsozialberatende, Betreuende in Einrichtungen für unbegleitete Minderjährige, Vormünder und Anhörerinnen und Anhörer des BAMF als entscheidende Vermittelnde, damit Betroffene schneller Unterstützung erhalten. Für diese Zielgruppe konzipierten Mitglieder des Arbeitskreises zusammen mit „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ und Ecpat Deutschland Sensibilisierungsworkshops. In diesen erfuhren die Teilnehmenden, welche Formen des Menschenhandels es gibt und welche Besonderheiten der Handel mit Kindern aufweist. Darüber hinaus stellte der Arbeitskreis sich in den Workshops vor, die Teilnehmenden tauschten sich aus und vernetzten sich über die Professionen hinweg.
Schutz- und Unterstützungsmaßnahmen können nur greifen, sofern Menschen mit Fluchterfahrung mit diesen in Kontakt kommen. Welche Ansätze gibt es, dafür zu sensibilisieren, dass Menschen fluchtbedingt besonders gefährdet sind, Menschenhandel zum Opfer zu fallen? Welche Wege können gegangen werden, um die Vernetzung auf kommunaler Ebene zu verbessern und Menschen mit Fluchterfahrung den Zugang zu Hilfsangeboten zu erleichtern? Diese Fragen wurden im Workshop anhand der Handlungsstrategie des Nürnberger Arbeitskreises Menschenhandel diskutiert.

Referierende:
•    Dr. Dorothea Czarnecki, Ecpat Deutschland
•    Christine Burmann, Stadt Nürnberg, Koordinatorin des Arbeitskreises Menschenhandel
•    Sabine Weimert, jadwiGa Fachberatungsstelle

Moderation:
•    Anna Burmeister, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro München im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Wie geflüchtete und neu zugewanderte Kinder und Jugendliche, die von Menschenhandel und diversen Formen von Ausbeutung betroffen sind, besser unterstützt, begleitet und geschützt werden können, darum ging es im Workshop. Dr. Dorothea Czarnecki, Referentin für Menschenhandel und Kinderschutz bei ECPAT – der Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung – hat in ihrer fachlichen Einführung dargestellt, was unter Menschenhandel zu verstehen ist, welche Formen es davon gibt, auf welcher gesetzlichen Grundlage der Menschenhandel strafrechtlich verfolgt wird und wie viele abgeschlossene Fälle es 2017 in den einzelnen Kategorien gegeben hat. Die meisten der fast 500 Fälle sind dabei sexueller Ausbeutung zuzurechnen. Ein erheblicher Teil der Betroffenen dieser Ausbeutung waren noch minderjährig. Geflüchtete Minderjährige und Volljährige sind von Handel und Ausbeutung insbesondere betroffen und wissen sich oft nicht zu wehren. Sabine Weimert von der Fachberatungsstelle jadwiGa veranschaulichte dies mit typischen Beispielen aus ihrer Beratungspraxis. Dass es in diesem Feld eine erhebliche Dunkelziffer gibt, bestätigt ihre Beratungsarbeit. Im Jahr hilft jadwiGa allein in Nürnberg bis zu 300 minder- und volljährigen, jungen, weiblichen Betroffenen von verschiedenen Ausbeutungsformen, darunter auch der Zwangsarbeit. Die meisten der Betroffenen finden den Weg in die Fachberatung durch die aufsuchende Arbeit, auch in den Gemeinschaftsunterbringungen. Oft werden der Handel und die Ausbeutung mit und von Menschen familiär organisiert und über die gängigen sozialen Medien im Internet vermittelt. Gerade wenn die hochgefährdeten Betroffenen enge Verhältnisse zu ihren Ausbeutern haben, brauchen sie eine Unterbringung in einer Schutzeinrichtung. Darüber hinaus müssen sie intensiv und langfristig betreut und beraten werden. Ein kritischer Punkt ist, dass viele Betroffene davon überzeugt sind, dass sie eine Mitschuld an ihrem Ausbeutungsverhältnis tragen. Auch andere Beweggründe können den Ausschlag dazu geben, dass Betroffene nicht selten in ihr Ausbeutungsverhältnis zurückkehren. Vieles hängt von der Sensibilisierung der Fachkräfte für die verschiedenen Formen der Ausbeutung ab: in den pädagogischen und Bildungseinrichtungen, aber auch bei der Polizei und in der Verwaltung.
Den interessierten Teilnehmenden wurden am Ende der Präsentation die zentralen bundesweiten Beratungsstellen und Informationsquellen genannt. Zur Sensibilisierung der Fachkräfte tragen auch Webinare von ECPAT bei.

Als weitere wichtige Abhilfe wurde das neue Bundeskooperationskonzept präsentiert, das in den kommenden Wochen veröffentlicht wird. Sein Grundgedanke ist, dass man diesem komplexen Problem nur durch gute interdisziplinäre Zusammenarbeit in Kommunen angemessen begegnen kann. Hier konnte Christine Burmann von der Stabsstelle Menschenrechtsbüro und Frauenbeauftragte der Stadt Nürnberg abschließend aufzeigen, wie sehr man durch gute kommunale Zusammenarbeit von Sozialamt, BAMF, jadwiGa, Polizei und anderen Akteuren Opferschutz aber auch die Präventionsarbeit in Nürnberg verbessern konnte. Mit Hilfe von „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ konnte dort eine Koordinierungsgruppe installiert werden, die einen Handlungsleitfaden, Indikatoren und ein gutes Hilfesystem in der Stadt entwickelt hat.

Einige Teilnehmende wurden im Workshop für die Thematik erst sensibilisiert. Andere konnten viele praktische und konkrete Anregungen und Antworten auf ihre Fragen mitnehmen. Sie haben außerdem Personen aus anderen Kommunen kennengelernt, an die sie sich bei weiteren Fragen wenden können.

Präsentation Workshop 3 PDF, 742KB

Workshop 4: Systemische Zusammenarbeit zwischen Jugendamt und Gemeinschaftsunterkünften

Kooperation im Berliner Bezirk Pankow zum Schutz von geflüchteten Kindern und Familien


Seit dem 1. Januar 2018 sind die Berliner Jugendämter für die Gemeinschaftsunterkünfte in ihren Bezirken zuständig. Das Jugendamt im Bezirk Pankow hat sich auf den Weg gemacht, gemeinsam mit ihren 12 Gemeinschaftsunterkünften eine Kooperationsvereinbarung zu erarbeiten, um damit Verfahrensweisen und Standards in der Zusammenarbeit festzulegen. Dies soll gewährleisten, dass die geflüchteten Kinder und Familien in den Unterkünften gut betreut, beraten, gefördert und geschützt werden. Im ersten Schritt wurde ein gemeinsames Verständnis über die Inhalte und den Prozess der Kooperation entwickelt. Eine Steuergruppe arbeitet die Kooperationsvereinbarung bis Ende des Jahres weiter aus. Diese soll anderen Berliner Bezirken anschließend als Modell für die eigene Vorgehensweise dienen.


Im Workshop wollen wir gemeinsam folgende Fragen diskutieren: Wie kann eine funktionierende, strukturierte Kooperation den Schutz von Kindern, Jugendlichen und Familien sichern? Was bedeutet beteiligungsorientierte Erarbeitung einer Kooperationsvereinbarung am Beispiel Pankow? Wie kann gewährleistet werden, dass die Erkenntnisse und guten Erfahrungen in die weiteren Berliner Bezirke fließen und zum Nachahmen anregen?

Referierende:
•    Max Anders, Koordinator für Flüchtlingsfragen beim Jugendamt Pankow
•    Bärbel Becker, Prozessbegleiterin im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“
•    Sarah Neumeyer, Leiterin Unternehmenskommunikation PRISOD Wohnheimbetriebs GmbH
•    Juliane Willuhn, Einrichtungsleiterin AWO Refugium Buch

Moderation:
•    Safa Semsary, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Berlin im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Der in Workshop 4 vorgestellte Prozess bringt das Jugendamt des Bezirks Pankow und die Betreiber/Leitungen der dortigen Gemeinschaftsunterkünfte zusammen. In einer Gesprächsrunde wurde zu Beginn des Workshops der Verlauf des gemeinsamen Prozesses dargestellt. Aufgabe im Prozess ist es, gemeinsam eine „Kooperationsvereinbarung“ hinsichtlich einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen den Akteuren zu erarbeiten. Das Ziel ist, eine verlässliche Kommunikationsstruktur aufzubauen und die Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Gemeinschaftsunterkünften so lückenlos wie möglich zu gewährleisten. Dafür ist es wichtig, dass die genannten Akteure über genügend Wissen der jeweiligen Aufgabenbereiche, Zuständigkeiten und Grenzen der Bündnispartner verfügen. Um dieses Wissen aufzubereiten, werden im Rahmen von monatlich stattfindenden Steuerungs-gruppentreffen die verschiedenen fachlichen Prozessverläufe aufgearbeitet und visualisiert. So wird eine Grundlage geschaffen, die eine besser aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit gewährleistet, darüber hinaus ermöglichen die Treffen ein persönliches Kennenlernen der Akteure. Dies wiederum trägt dazu bei, dass ein wechselseitiges Verständnis für die verschiedenen Perspektiven auf die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen zustande kommt. Die gemeinsam geteilte Offenheit gegenüber des jeweils anderen „Systems“ (Jugendamt und Betreibergesellschaften der Gemeinschaftsunterkünfte) und der geteilte Glaube daran, dass die zum Teil zeitintensive Zusammenarbeit einen Mehrwert und eine Verbesserung für die zukünftige Arbeit bedeutet, sind wichtige Voraussetzungen der Zusammenarbeit.

Die zeitlichen Ressourcen, die in die Prozessarbeit fließen, sowie die wechselnde personelle Besetzung der Steuerungsgruppe wurden als wesentliche Herausforderungen benannt. Ebenfalls stellten sich die Teilnehmenden die Frage der Verstetigung der Zusammenarbeit über den Zeitraum der Prozessbegleitung hinaus. Des Weiteren gilt es zu überlegen, wie man aus den Prozessbeschreibungen die Übersetzung in Handlungsoptionen für die alltägliche Arbeit des Jugendamts und des Betreiberpersonals gewährleistet und die Vereinbarung „mit Leben füllt“. Auch darüber, wie man das Gelernte nach außen tragen kann, haben sich die Teilnehmenden Gedanken gemacht. Dabei war Konsens, dass es eine öffentliche Veranstaltung geben sollte, auf der das fertige Produkt vorgestellt wird. Auch die Veröffentlichung auf den Internetseiten der beteiligten Akteure trägt dazu bei, dass andere Netzwerke und Bündnisse die Zusammenarbeit in Pankow als ein gutes Beispiel erkennen und für ihre Zwecke auslegen können.

Workshop 5: Die Schule als Ort für Ankommen und Austausch

Das Bündnis „Kompetenzzentrum Zuwanderung“ in Hamburg-Billbrook stellt seine Angebote für geflüchtete Kinder und deren Eltern vor


Im Hamburger Stadtteil Billbrook, der überwiegend von Zugewanderten bewohnt wird, hat sich ein großes Bündnis um den Schulstandort Am Schleemer Park zusammengeschlossen. Beteiligte Akteure sind unter anderem die Grundschule Am Schleemer Park, der Schulkinderclub, die KiTa, der Bezirk, zwei Wohnunterkünfte für geflüchtete Personen sowie eine große Bandbreite an diversen Trägern und Einrichtungen, die in Billbrook aktiv sind. Das Bündnis hat sich zum Ziel gesetzt, die Integration der Geflüchteten in Billbrook zu erleichtern. Insbesondere am Schulstandort finden diverse Angebote des Bündnisses für geflüchtete Schülerinnen und Schüler und deren Eltern statt. Dazu gehören zum Beispiel neue Sportkurse, auch ein Elterncafé ist in der Planung. Des Weiteren möchte das Bündnis Elternmentoren aus den Wohnunterkünften ausbilden und Beratungsmöglichkeiten für Eltern schaffen.
Im Workshop soll gemeinsam die Netzwerkarbeit und Angebote vor Ort in den Blick genommen und folgende Fragen diskutiert werden: Was war hilfreich zum Erreichen der gesteckten Ziele? Welche Stolpersteine gab es in der Zusammenarbeit der verschiedenen Träger? Welche positiven Nebeneffekte hat die Arbeit im Netzwerk? Wo setzen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Netzwerks ihre individuellen Grenzen, wo sind Politik oder weitere Akteure in der Verantwortung?

Referierende:
•    Stephan Giese, Schulleiter, Schule am Schleemer Park
•    Esther Bergweiler, Referentin für die kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte, Behörde für Schule und Berufsbildung der Freien Hansestadt Hamburg

Moderation:
•    Rahel Schielke, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Hamburg im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Integration durch Bildung: diese Formel wird gesellschaftlich und bildungspolitisch als eine der entscheidenden Aufgaben angesehen, um den großen Zuwanderungsbewegungen der vergangenen Jahre zu begegnen. Zweifelsohne ist die gelingende Integration im Bildungssystem eine wichtige Grundvoraussetzung, um Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung einen strukturierten Neuanfang und eine berufliche Zukunft in Deutschland zu ermöglichen.

Für die Referierenden Stephan Giese, Schulleiter in Hamburg-Billbrook, und Esther Bergweiler, Referentin für Flüchtlingsbildungskoordination, ist das gemeinsame Lernen von Kindern unterschiedlicher sprachlicher, sozialer, kultureller und religiöser Hintergründe einerseits eine große Chance für die pädagogische Arbeit. Andererseits gibt es substantielle Herausforderungen, denen sich das Netzwerk Billbrook in seiner alltäglichen Arbeit gegenübersieht.

Hamburg-Billbrook ist ein reines Gewerbegebiet mit 2.198 Bewohnerinnen und Bewohnern, davon leben 1.250 in Wohnunterkünften – die eigentlich nur als Übergang in eigenen privaten Wohnraum dienen sollen. Das Quartier entwickelt sich kaum und es gibt nur wenige Teilhabemöglichkeiten für die Bewohnerinnen und Bewohnern der Wohnunterkünfte. Häufig entsteht Streit aufgrund vieler unterschiedlicher Kulturen auf engem Raum, der teilweise auch mit in die Schule getragen wird. Die hohe Fluktuation der Schülerinnen und Schüler erschwert die Entwicklung langfristiger Projekte sowie die Unterrichtsgestaltung.

Das Netzwerk Billbrook legt seinen Fokus nicht auf die Herausforderungen, sondern auf die Chancen dieser diversen Schülerschaft und steckt inmitten der Entwicklung eines Elterncafés, das unter anderem ein Mentorenprogramm für Eltern vorsieht. Mittelfristig soll den Eltern die Leitung des Elterncafés übertragen werden. Die Schule soll, im Sinne eines Community Centers, zu einem als positiv wahrgenommenen Ort der Bildung, Begegnung, Kultur und Engagement im Stadtteil heranwachsen um die Bildungschancen seiner Bewohner zu verbessern und Grundlagen für Integration zu legen.

Während der Diskussion in der Gruppenarbeitsphase wurden drei verschiedene Ebenen beleuchtet:
1.    Woran wird am Ende der Erfolg des Projektes gemessen?
2.    Wie kann dieses Angebot tatsächlich zur Integration beitragen?
3.    Wie kann man die Bewohnerinnen und Bewohner noch stärker einbeziehen?

In allen Kleingruppen wurden deutlich, dass den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohnern ein besonders hohes Maß an Aufmerksamkeit gebührt. Zudem kann am Standort auf Grund der Anwohnerstruktur eigentlich keine Integration stattfinden. Der Fokus muss daher vor allem auf die Partizipation der Bewohnerinnen und Bewohnern gelegt werden, um sie zur aktiven Teilhabe an der Gesellschaft zu befähigen. Dies soll vor allem durch niedrigschwellige Angebote, wie sie das Netzwerk Billbrook vorsieht, erreicht werden.

Präsentation Workshop 5 PDF, 565KB

Workshop 6: Lokale Initiativen zur Beteiligung junger Geflüchteter

Das Bündnis zur Stärkung der Frankfurter Initiative „Ubuntu Haus“ stellt sich vor


Die Initiative „Ubuntu Haus“ unterstützt besonders junge Geflüchtete aus ostafrikanischen Ländern durch einen partizipativen Ansatz und Austausch auf Augenhöhe beim Ankommen und Einleben in Frankfurt. Das „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“-Bündnis hat das Ziel, die Initiative in ihrer Strategie- und Visionsentwicklung sowie ihrer Verankerung in der Frankfurter Akteurs- und Netzwerklandschaft zu stärken.
Wie können Initiativen und Migrantenselbstorganisationen, die auf lokaler Ebene mit jungen Geflüchteten arbeiten, nachhaltig gestärkt werden? Welchen Beitrag können solche Initiativen mit Bezug zu den Herkunftsländern Geflüchteter zur Beteiligung junger Menschen mit Fluchtgeschichte in den Kommunen leisten? Vor welchen besonderen Herausforderungen stehen sie? Diesen und weiteren Fragen widmet sich der Workshop am Beispiel eines Bündnisses zur Stärkung der Frankfurter Initiative „Ubuntu Haus“.

 Referierende:
•    Zerai Kiros Abraham, Gründer und Mitglied der Initiative „Ubuntu Haus"
•    Yohannes Assefa und Robel Menghestab, Mitglieder der Initiative „Ubuntu Haus"

Moderation:
•    Jana Arnold, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Frankfurt im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Das „Ubuntu Haus“ ist eine Initiative des Vereins „Moses Jugend und Sozialwerk e.V.“, die es sich zum Ziel gesetzt, im Großraum Frankfurt lebende „Newcomer“ beim Ankommen zu unterstützen und zielgerichtete Förderung zur Selbsthilfe bei der gesellschaftlichen und beruflichen Teilhabe zu leisten.
Die Referenten stellten im Workshop zunächst die vielfältige Arbeit der Initiative vor, die neben einem Informationsportal und einer Anlaufstelle mit geflüchteten Menschen verschiedene Projekte wie ein Cateringunternehmen, eine Medienwerkstatt und eine Kunstinitiative umsetzt. Die Initiative „Ubuntu Haus“ unterstützt besonders junge Geflüchtete aus ostafrikanischen Ländern durch einen partizipativen Ansatz und Austausch auf Augenhöhe beim Ankommen und Einleben in Frankfurt und kann dafür auch eigene Räumlichkeiten vorhalten.

Gemeinsam mit der Kommunalberaterin Jana Arnold von „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ wurden im Workshop die Ergebnisse des Bündnisses vorgestellt, welches gemeinsam mit dem Frankfurter Jugendring und dem Jugend- und Sozialamt gegründet wurde. Das Bündnis hatte das Ziel, die Initiative in ihrer Strategie- und Leitbildentwicklung zu stärken, sie beim Aufbau interner Strukturen und Abläufe zu unterstützen und ihre Arbeit in der Frankfurter Akteurs- und Netzwerklandschaft zu verankern. Zudem wurden durch eine gemeinsame Workshop-Reihe mit dem Titel „Angekommen. Was jetzt?“ Dialog- und Begegnungsmöglichkeiten zwischen „Newcomern“ und „Locals“ geschaffen.

Im Workshop wurde schließlich in Arbeitsgruppen diskutiert, wie die Zusammenarbeit selbstbestimmter Gruppen mit freien Trägern und Verwaltungen funktionieren kann, wie solche Initiativen und migrantische Organisationen nachhaltig gestärkt werden können und welche kreativen Ansätze die Begegnung zwischen „Newcomern“ und „Locals“ fördern.
Dabei wurde deutlich, dass weiterhin ein großer Vernetzungsbedarf besteht und angesichts der Angebote und Organisationen, in denen sich geflüchtete Menschen selbstbestimmt beteiligen können, große Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Räumen existieren.
Um Sichtbarkeit zu erlangen und nachhaltig Arbeiten zu können, benötigen selbstorganisierte Initiativen dauerhafte finanzielle Unterstützung sowie strukturelles Wissen über formale Abläufe, Förderungsanträge und Kooperationsmöglichkeiten. Zugleich brauchen sie, um ihre Arbeit mit Passion umsetzen und selbstbestimmt und flexibel agieren zu können, gewisse Freiheiten und Kooperationen auf Augenhöhe.

In einem abschließenden Diskussionsprozess zwischen allen Teilnehmenden des Workshops wurde die zu Beginn vorgestellte Entwurfsfassung einer These nochmals konkretisiert und zugespitzt:
Lokale selbstorganisierte Initiativen mit Bezug zu den Herkunftsländern geflüchteter Menschen leisten durch ihren direkten Zugang zu den Communities der Geflüchteten einen wesentlichen Beitrag zur Integration und Teilhabe.
Um nachhaltig wirken zu können, benötigen sie die Wertschätzung ihrer Arbeit, konstante strukturelle und finanzielle Unterstützung und Kooperationen auf Augenhöhe.

Präsentation Workshop 6 PDF, 1,50MB

Workshop 7: Partizipation geflüchteter Jugendlicher in der Kommune

Zusammenwirken von Empowerment und Beteiligung am Beispiel von Konsultationsworkshops


Wie lässt sich das Empowerment geflüchteter Jugendlicher („bottom-up“) mit der Verankerung von Beteiligung in den Regelstrukturen („top-down“) verbinden? Der Workshop stellt das Beteiligungsverständnis von „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ sowie dessen praktische Umsetzung am Beispiel von Konsultationsworkshops vor. Konsultationsworkshops haben das Ziel, die Perspektive geflüchteter Menschen in Planungsprozesse einzubinden und können ein erster Schritt zu ihrer Beteiligung in der Kommune sein. Die Ergebnisse der Konsultationsworkshops fließen in die lokalen Steuerungsprozesse ein und werden darüber hinaus auch bundesweit ausgewertet.
Was braucht es, damit dies gelingt? Was sind Schwierigkeiten auf dem Weg? Anhand kommunaler Praxisbeispiele zur Beteiligung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung geht der Workshop diesen Fragen nach.

Referierende:
•    Gerd Herpay, Mitarbeiter im Jugendamt, Kreisverwaltung Teltow-Fläming
•    Dirk Adams, Prozessbegleiter im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“
•    Viola Schlichting, Steffi Otterburg und Alina Ebers, Mitarbeitende im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge"

Moderation:
•    Marion Zirngibl, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Berlin im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Partizipation ist ein Recht, dass Kinder laut UN-Kinderrechtskonvention haben. Das Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ hat sich deshalb mit der Frage beschäftigt, wie auf kommunaler Ebene das Thema bearbeitet werden kann. Denn beim Thema Partizipation „geht es um das Teilen von Macht, als Aufgabe für die Gesamtgesellschaft“. Somit liegt das Ermöglichen von Teilhabe bei allen Akteuren in der Kommune.
Der Workshop stellte daher einerseits das Beteiligungsverständnis von „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ sowie dessen praktische Umsetzung am Beispiel des Konsultationsworkshops vor. An fünf Thementischen kamen die Teilnehmenden in den Austausch über ihre Erfahrungen mit Beteiligungsprozessen, wobei zwei kommunale Praxisbeispiele sich einerseits mit den Herausforderungen aus der Perspektive kommunaler Fachkräfte und andererseits mit der Überlegung, wie die Ergebnisse eines solchen Workshops in die kommunale Arbeit einfließen kann, auseinandersetzten.

Mit Bezug auf die These wurde an den Thementischen diskutiert, dass eine gesamtgesellschaftliche Teilhabe notwendig ist und diese sich nicht nur auf eine bestimmte Zielgruppe fokussieren sollte. Außerdem sei neben einem gegenseitigen Zuhören auch eine respektvolle Haltung notwendig, u.a. um Vertrauen zu den Jugendlichen aufzubauen.
Die wichtigste Erkenntnis war, dass die Einbindung von Partizipation in kommunale Prozesse ein Lernprozess sei, der Menschen braucht, die Verantwortung tragen und Strukturen schaffen. Zudem braucht es einen politischen Willen und die Bereitschaft der Akteure vor Ort.
Nur so könne eine Basis geschaffen werden, um einen Austausch auf Augenhöhe zu ermöglichen.

Präsentation Workshop 7 PDF, 0,99MB

Fachforum 1: Vom Einwanderungsland zur zukunftsfähigen Einwanderungsgesellschaft

Impulsvortrag zu den Grundlagen von Diversity


Um eine zukunftsfähige Einwanderungsgesellschaft zu gestalten, die Vielfalt als gesellschaftliches Potenzial wertschätzt und deren Anerkennung bewusst fördert, braucht es ein Bewusstsein für bestehende strukturelle Diskriminierung und Zugangsbarrieren. Dabei bildet die Auseinandersetzung mit eigenen Privilegien sowie etablierten Machtverteilungen die Grundlage für vorurteilsbewusstes Handeln. Der Impulsvortrag lieferte die Grundlagen für das Verständnis von Formen und Dimensionen der Diskriminierung, bestehenden Machtverhältnissen sowie Ansätzen, die sich kritisch damit auseinandersetzen. Ziel war es, das Bewusstsein der Teilnehmenden für die eigenen Handlungsspielräume zu erweitern und konkrete Anregungen für den Berufsalltag mitzugeben.

Referierende:
•    Žaklina Mamutovic, Bildungsteam Berlin-Brandenburg e.V.

Moderation:
•    Dagmar Gendera, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Frankfurt im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Die Referentin stellte den Kontext zwischen Rassismus und Flucht dar, ging auf die damit verbundenen gesellschaftspolitischen Macht- und Dominanzstrukturen ein und klärte die Begrifflichkeiten und Abgrenzung zu Rassismus-Kulturalismus. Sie stellte das Konzept der Abgrenzung vom normkornformen Konzept zum „Anderen“ nach Spivak dar und erläuterte die Geschichte des Diversity-Ansatzes und seiner Entstehung im gesellschaftspolitischen Kontext: Diversity als Konzept des gesellschaftlichen Zusammenlebens benenne die bestehende Diskriminierung, sei machtkritisch, inklusiv, bejahe Individuen, „Kulturen“ und Erfahrungen und ermutige zur Aufmerksamkeit, um Teilhabe zu fördern. Das Konzept der Diversity sei handlungsorientiert und ziele darauf ab, sich der bestehenden Machtstrukturen klar zu werden.

In der Arbeitsphase wurden zwei Fragestellungen zur Selbstreflexion herausgegriffen:
Hierzu wurden die 43 Teilnehmenden in zwei Gruppen unterteilt.

Bin ich mir meiner eigenen Machtposition bewusst?
Wie gelingt es, Homogenisierung und Festzuschreibungen zu vermeiden?



In Gruppe 1 wurde über den Kontext der eigenen Arbeit und die Erfahrungen der Teilnehmenden diskutiert. Die eigene Machtposition müsse in beide Richtungen verstanden werden und würde daher auch große Verantwortung bedeuten. Sie biete eine gewisse Gestaltungsmacht gerade bei Prozessbegleitungen und der Sozialbetreuung. Einige Teilnehmer beklagten allerdings auch eine gewisse Machtlosigkeit im Kontext von vorgegebenen Strukturen.

Einigkeit herrschte darüber, dass gerade in der Sozialberatung die Selbstermächtigung von Geflüchteten das Ziel sein sollte – und damit Macht abgegeben werden müsse um Empowerment zu ermöglichen (Powersharing). Professionalisierung sowie das Verständnis über die Nichtallgemeingültigkeit der eigenen Normen spielten eine große Rolle, wenn es darum geht, sich den eigenen Festschreibungen und Machtpositionen bewusst zu werden. Des Weiteren wurde die Bedeutung des Konzepts der Integration für die Sozialarbeit besprochen. Der Fokus der Politik auf Integration als Kernziel wurde kritisch betrachtet und als Ziel der Sozialarbeit abgelehnt. Viel eher gab es einen Konsens darüber, dass es in der Sozialarbeit um Empowerment, Teilhabe sowie Hilfe und Unterstützung in verschiedenen Lebensbereichen gehen müsse. Problematisch sei außerdem, dass der Begriff der Integration nicht klar durch die Politik definiert sei.

Ein weiterer wichtiger Punkt war die Erkenntnis darüber, dass auch das Loslassen ein wichtiger Bestandteil der Sozialarbeit ist. Wenn kein eigener Antrieb oder Wunsch zu Änderungen bestehe, dann müssten Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen fähig sein loszulassen und nicht zu bedrängen – aber dennoch eine Tür offenlassen.

Fachforum 2: Young Migrants – Perspektiven für eine Gesellschaft der Vielen

Im Gespräch mit den Autor*innen des youngmigrants.blog


Eigensinnigkeit und Offenheit sind zentrale Stichworte in diesem Blogprojekt. Anders als in vielen Ansätzen der Jugendbildung und -partizipation werden Jugendliche hier nicht in vorhandene Teilhabesettings eingegliedert. Vielmehr liegt die Definitionshoheit um die Perspektiven bei den jungen Autorinnen und Autoren, die zu selbst gewählten Themen Blogbeiträge verfassen. Denn sie verfügen über ein spezifisches Wissen: Sie alle haben eigene Erfahrungen mit Rassismus und gesellschaftlichen Stigmatisierungen gemacht. Im youngmigrants.blog, der im Januar 2017 mit 40 jungen Menschen startete, weisen die Autoren festgeformte und alltägliche Zuschreibungen rund um Migrationshintergründe, Kultur, Gender und vieles mehr zurück. Sie setzen damit sowohl aktuellen politischen Entwicklungen als auch offen rassistisch geprägten Diskursen eigensinnige und mehrsprachige Perspektiven der Vielen entgegen und eignen sich den digitalen Raum an.

In einem partizipativen Format kamen die Teilnehmenden mit den Autorinnen und den Initiatoren des Blogs ins Gespräch. Gemeinsam gingen sie u. a. folgenden Fragen nach: Wie funktioniert der Blog? Unter welchen Bedingungen kann dieser dauerhaft bestehen? Wie ist der Umgang mit mehrsprachigen Texten? Wie schlagen sich die alltäglichen Erfahrungen der Blogger in ihren Beiträgen nieder? Was verändert sich durch ihn für die jungen Bloggerinnen? Welche Ideen und Ansätze können kommunale Akteure für ihre Arbeit mitnehmen?  

Referierende:
•    Ann-Katrin Lebuhn, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Koordinatorin Jugendbildung
•    Massimo Perinelli, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Referent für Migration
•    Ageed Mohammad, Autor des Youngmigrants.blog
•    Bahar Oghalai, Autorin des Youngmigrants.blog
•    Vincent Bababoutilabo, Autor des Youngmigrants.blog
•    Elona Kastrati, Autorin des Youngmigrants.blog

Moderation:
•    Stephan Liebscher, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Programmbüro im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Präsentation:
•    https://Youngmigrants.blog

Im Podiumsgespräch mit anschließender Diskussion wurde das Projekt „Young Migrants Blog“ vorgestellt.
Im Gespräch erläuterten die Bloggerinnen und Initiatoren Ziele und Entstehungsgeschichte des von der Rosa Luxemburg Stiftung initiierten Blogprojekts: So soll mit dem Blogprojekt eine Plattform geschaffen werden, auf der junge migrantische Perspektiven aus dem Alltag heraus geteilt werden können. Das Wort „jung“ steht hier nicht nur für das Alter der Aktiven, sondern auch dafür, dass Leute ihre Texte veröffentlichen können, die bisher nicht publiziert haben. Die Bezeichnung „migrantische Perspektiven“ verweist dabei auf gesellschaftliche Zuschreibungen, durch welche Menschen – unabhängig von ihrer Herkunft – zu Migranten und Migrantinnen gemacht werden. Unter dem Motto „Gesellschaft der Vielen“ wehren sich die Autorinnen und Autoren mit ihren Texten gegen die immer wiederkehrende Praxis der Besonderung, indem sie homogenisierende Debatten und normierende Alltagspraktiken eigensinnige Perspektiven gegenüberstellen. So etwa Ageed, der einen Text zur Gründung seiner kurdischen Fußballmannschaft, die offen für Spieler unabhängig von ihrer Herkunft ist, vorlas (FN 1). Im zweiten Text setzte sich Elona mit medial vorherrschenden, rassistischen Schönheitsnormen und ihrem Umgang damit auseinander und verweist damit auf die Kämpfe um Deutungshoheit (FN 2).

Auch die Entscheidung für den Namen Young Migrants Blog war nicht unumkämpft und das Ergebnis eines langen Diskussionsprozesses. Für die Koordinierenden bedeutete die Entscheidung für ein Social-Media Projekt eine neue Arbeitserfahrung an der Schnittstelle von Anti-Rassismus und digitalem Raum – sowohl in der Ansprache der Zielgruppe als auch hinsichtlich der stiftungsinternen Kommunikation. Über einen Call auf Facebook wurden Interessierte angesprochen, die bisher nicht publiziert haben und ihre Erfahrungen teilen wollen. Nach einer Anlaufphase von etwa einem Jahr wird der Blog mit einer Präsenzveranstaltung im November seinen offiziellen Start mit einem sog. „hard launch“ feiern. Das geplante Barcamp-Format soll neben dem Austausch mit ähnlichen Projekten auf europäischer Ebene auch die Bekanntheit des Blogs steigern. Des Weiteren haben der Blog und die Diskussionen darum das Potenzial, dominante Denkweisen in Strukturen und Vorstellung zum Thema Migration aufzubrechen und zu hinterfragen.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs wurden Fragen nach der Möglichkeit des Transfers in andere Kommunen bzw. Regionen besprochen und wie sich Organisations- und Verwaltungsstrukturen einer solchen Aufgabe stellen könnten. Aus Sicht der Projektverantwortlichen brauche es den Willen, sich mit neuen Medien und der digitalen Arbeitsweise auseinanderzusetzen, technisches Verständnis, und den Willen zu einem partizipativen Arbeitsstil. Nicht zuletzt die Freiheit für die Autorinnen und Autoren, aus ihrer Sicht Dinge beim Namen nennen zu können.

Zu den Texten konnten die Bloggerinnen und Blogger und Initiatoren von meist positiven und bestärkenden Rückmeldungen vor allem aus der Community berichten. Doch blieben auch negative und hasserfüllte Reaktionen nicht aus. Der Schutz der Schreibenden wurde von Anfang ernst genommen, indem Veröffentlichungen mit Kürzeln versehen werden. Auch die Kommentarfunktion unterhalb der Beiträge ist nicht aktiviert, dagegen können Lesende ihr Feedback über Facebook äußern.

Das Gespräch schloss ebenso, wie es begann: mit einem Text. Vincent erörterte darin die aktuelle Bedeutung von „Schwarzer Politik“ (FN 3) und kommt zu dem Schluss: „Solidarität ist unsere gefährlichste Waffe!“

youngmigrants.blog
FN 1: Ageed „Kurdisch Kicken – die Geburt des ,FC Rojava'"
FN 2: Elona „Ich habe die Nase voll“
FN 3: Vincent „SchwaPo – Schwarze Politik!“

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