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Jugendbeteiligung im Kreis Olpe
Gemeinsam die Zukunft gestalten

Jugendbeteiligung im Kreis Olpe

Gemeinsam mit dem Servicebüro Köln hat sich der Kreis Olpe das Ziel gesetzt, die Integration junger Geflüchteter vor Ort weiter voranzubringen. Mit einer Sommerwerkstatt im Juni 2016 setzte die Kommune einen Startpunkt. Seitdem hat sich aus der Gruppe ein festes Bündnis gebildet, das zum Thema „Partizipation und Empowerment” arbeitet. Welche Schritte dazu notwendig waren und wie das Servicebüro Köln den Prozess unterstützt hat, erfahren Sie hier.

Anfänge der Zusammenarbeit zwischen „Willkommen bei Freunden“ und dem Kreis Olpe

Ende 2015 nahm der Kreis Olpe zunehmend unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auf. Dagmar Sprenger begleitet als Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums die Aufnahme und Betreuung der jungen Geflüchteten. „Die Aufgabe war natürlich erst einmal neu für den Kreis Olpe", erzählt sie. Auf einem Treffen des Arbeitskreises „Seiteneinsteiger“, bei dem sich Fachleute über neuzugewanderte Schülerinnen und Schüler austauschen, lernte sie „Willkommen bei Freunden” kennen. Kathrin Hanke, Leiterin des Servicebüros in Köln, stellte dort das Programm und seine Angebote vor. „Ich war sofort begeistert", erinnert sich Dagmar Sprenger. „Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch keine konkrete Idee, aber den Flyer habe ich mir direkt auf den Schreibtisch gelegt.”

Von der Idee zur Sommerwerkstatt

Dann kam der Zeitpunkt für die Zusammenarbeit: „Ich merkte zunehmend, dass wir nicht immer nur über die Jugendlichen reden und für sie etwas machen konnten ohne sie miteinzubeziehen“, erinnert sich Dagmar Sprenger. Sie wollte mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen und erfahren, was sie sich selbst wünschen. Nach ersten Gesprächen mit dem Servicebüro Köln fand ein Analyseworkshop statt. In diesem wurde gemeinsam ein Weg erarbeitet, um das Ziel, mehr Beteiligung und Empowerment der Jugendlichen, zu erreichen. Dabei wurde auch überlegt, welche Akteure im Kreis Olpe für das Gelingen noch notwendig sind. Neben dem Integrationszentrum sind das unter anderem verschiedene Wohneinrichtungen für geflüchtete Jugendliche, das Jugendamt, Jugendcafés und Beratungsstellen wie der Jugendmigrationsdienst. Diese Akteure arbeiten seitdem gemeinsam stetig daran, mehr Jugendbeteiligung im Kreis zu ermöglichen.

Ein erster großer Meilenstein war die Sommerwerkstatt 2016. Dort kamen mehr als 40 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und erwachsene Betreuerinnen und Betreuer zusammen. Motto der Werkstatt war: Was muss sich ändern, damit morgen besser wird als heute? Mit dieser Frage setzten sich die Jugendlichen in Bezug auf ihre Lebenssituation und die Erwachsenen bezüglich ihrer Arbeit auseinander. Zudem wurde gefragt, was die Fachkräfte für ihre Arbeit benötigen und was sich an bestehenden Abläufen noch verbessern kann. „Während des Workshops haben wir die Jugendlichen von den erwachsenen Begleiterinnen und Begleiter für eine Stunde getrennt“, erzählt Elena Weber, Programmmitarbeiterin im Servicebüro Köln. „In dieser Zeit konnten die Jugendlichen ihre Punkte vertiefen und die Fachkräfte über ihre Erwartungen an die Sommerwerkstatt sprechen.“

Das Ergebnis: Alle Fachkräfte haben sich darüber verständigt, dass sie sich regelmäßig austauschen und sich weiter gemeinsam als festes Bündnis für mehr Jugendbeteiligung engagieren möchten. Als weiteres Ergebnis wurden neue Angebote für die Jugendlichen geschaffen: Zum Beispiel wurden manche Jugendliche am Ende der Werkstatt dazu ermutigt, ihren Wunsch, selbst Musik zu machen, in einem Jugendklub im Kreis mit Proberaum zu verwirklichen. Für begeisterte Cricketspieler wurde außerdem ein erster Termin für eine gemeinsame Partie vereinbart.   

Vernetzung ist großer Mehrwert

Seit der Sommerwerkstatt treffen sich die verschiedenen Bündnispartnerinnen und -partner regelmäßig, um neben dem fachlichen Austausch zu überlegen, wie der Prozess im Kreis weitergehen soll. „Allein schon die Vernetzung der verschiedenen Träger der Jugendhilfeeinrichtungen ist ein Mehrwert der Bündnisarbeit“, erzählt Jens Ossendorf, Abteilungsleiter der Jugendhilfe des CJD Olpe. Diese Vernetzung erleichtert es beispielsweise, Jugendlichen den Wechsel zwischen verschiedenen Wohneinrichtungen im Kreis zu ermöglichen. „Die Jugendlichen sind da teilweise schon weiter als wir. Die kennen sich untereinander, vor allem durch die Schule“, ergänzt Jens Ossendorf.  Um das gesetzte Ziel, Jugendbeteiligung zu ermöglichen, so Ossendorf, „reicht es nicht, den Jugendlichen einfach die Möglichkeit zu geben, sich zu beteiligen.  Viele der jungen Geflüchteten können damit allein nichts anfangen. Sie müssen erst lernen, dass sie mitgestalten können“.

Winterwerkstatt 2017: Wie lernt man, sich zu beteiligen?

Anfang März 2017 organisierte das Bündnis eine Winterwerkstatt in Kirchhundem. 20 Jugendliche mit und ohne Fluchthintergrund und ihre erwachsenen Begleiterinnen und Begleiter kamen dort zusammen. Viele der Jugendlichen haben bereits an der Sommerwerkstatt teilgenommen. Nun hatten alle ein ganzes Wochenende Zeit, mehr über Beteiligung zu lernen. Wie arbeitet man gemeinsam in einem Team? Wie bringe ich meine Meinung ein? Und wie gehe ich mit anderen Meinungen um? Die gemeinsam erarbeiteten Antworten sollten den Teilnehmenden auf dem Weg zu mehr Beteiligung helfen. Unterstützt wurden sie dabei von Milena und Jochen Butt-Pośnik, die als Prozessbegleiter den gesamten Prozess im Kreis Olpe betreuen. Sie moderieren beispielsweise die Bündnistreffen und gestalteten als Trainer die Sommer- und Winterwerkstatt. Wie die Winterwerkstatt konkret aufgebaut war und welche Methoden Milena und Jochen Butt-Pośnik angewandt haben, erfahren Sie im folgenden Filmbeitrag.

Ablauf und Ziele der Winterwerkstatt

Jedes Bündnis hat individuelles Potenzial

Die beiden Prozessbegleiter Milena und Jochen Butt-Pośnik haben einen genauen Blick für die verschiedenen Ressourcen des Bündnisses. „Dieses Netzwerk besteht einerseits aus den pädagogischen Fachkräften. Andererseits sind auch das Jugendamt, kommunale Vertreterinnen und Vertreter oder auch freie Künstler Teil des Netzwerkes. Alle Partnerinnen und Partner gestalten gemeinsam das Gesamtbild und das Potenzial des Bündnisses”, berichtet Jochen Butt-Pośnik. Auf diese Weise entstehen ganz eigene Möglichkeiten, beispielsweise für die Ausgestaltung der Winterwerkstatt. So hat der Künstler Jan Backhaus, welcher sich im Bündnis engagiert, gemeinsam mit den Jugendlichen einen Film während der Winterwerkstatt gedreht. Zusammen wurde ein Script erstellt und die Szenen ausgestaltet. Entstanden ist daraus der Kurzfilm „Bei uns“ – ein Beitrag für mehr Toleranz und Weltoffenheit.

Kurzfilm: Bei uns

Ausblick: Was sind die nächsten Schritte?

Von Mai bis Oktober findet eine vierteilige Fortbildungsreihe für die Fachkräfte aus dem Bündnis im Kreis Olpe statt. Die Weiterbildungen werden an den regulären Treffen des Bündnisses, welches alle sechs bis acht Wochen zusammenkommt, stattfinden. Dabei ist der Schwerpunkt klar: zwei Fortbildungen finden zum Thema „Empowerment- und Partizipationsansätze“ statt. „In den anderen beiden Workshops geht es zum einen um die Reflexion der eigenen Haltung“, erzählt Elena Weber. „Zum anderen geht es um den Umgang mit Traumatisierungen. In allen Fortbildungen sollen die Teilnehmenden viel mitnehmen können – dafür gibt es konkrete Übungen und Anwendungsbeispiele.“