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Übergang Schule - Beruf
Transferforum

Übergang Schule - Beruf

Am 8. Dezember 2016 widmete sich das zweite Transferforum dem Thema „Perspektiven für geflüchtete Jugendliche in Ausbildung und Beruf”. Auf diesem Transferforum wurde den Teilnehmenden aufgezeigt, welche Zugänge und Wege es für junge Geflüchtete in den Arbeitsmarkt gibt und welche Rolle eine gute Vernetzung zwischen den verschiedenen Akteuren spielt, damit eine nachhaltige Arbeitsmarktintegration gelingt. Dabei halfen praxisnahe Impulse und konkrete Beispiele.

Reportage vom Transferforum:
Stark machen und stark werden - ein Netzwerk für junge Geflüchtete auf dem Weg in den Arbeitsmarkt

Ankommen in Deutschland? Der Übergang von der Schule in den Beruf ist für junge Geflüchtete eine der wichtigsten und zugleich schwierigsten Hürden, die es auf dem Weg in ein neues Leben zu überwinden gilt. Das zweite Transferforum des Programms „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ brachte Haupt- und Ehrenamtliche unter dem Motto „Perspektiven in Bildung und Beruf“ zusammen. Das Ziel: Kooperationen und Bündnisse zu stärken, die jungen Geflüchteten Wege in den Beruf aufzeigen. Über 80 Akteure aus Kommunalverwaltung, Bildungseinrichtungen, freien Trägern, Unternehmen und Zivilgesellschaft kamen am 8. Dezember, dem „Tag der Bildung“, im Stadtteilzentrum KROKUS in Hannover zusammen.

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Zahlen, Fakten, Strategien

Barbara Schmidt vom Grundsatzreferat für Migrations- und Integrationspolitik im Bundesministerium für Arbeit und Soziales eröffnete die intensive inhaltliche Arbeit. Sie gab einen Überblick über aktuelle Daten und über die Strategie der Bundesregierung für die nachhaltige Arbeitsmarktintegration von jungen Geflüchteten. Schmidt betonte, dass die Asylverfahren seit 2015 stark beschleunigt worden seien, bei guter Bleibeperspektive würden den Neuangekommenen oft schon vor Ablauf von drei Monaten, noch in den Erstaufnahmeeinrichtungen, Angebote gemacht. „Es hat sich enorm viel getan.“ Oberstes Ziel der Bundesregierung sei es, keine Parallelstrukturen entstehen zu lassen, daher würden die Budgets für Verwaltung, Eingliederung, Sprachförderung und Förderprogramme im kommenden Jahr noch einmal erheblich aufgestockt. Ein besonderes Augenmerk lege die Strategie auf besseren Datenaustausch und auf Kontinuität bei Rechtskreiswechsel. Frau Schmidt hatte Merkblätter zum „Zugang zu Ausbildungsförderung“ für diverse Zuwanderungsgruppen auslegen lassen, die offensichtlich den Bedarf der Teilnehmer trafen. „Das ist eine super Unterstützung“, sagte eine Teilnehmerin beim Gang in die Frühstückspause, „allein für diese Übersicht hat sich die Anreise schon gelohnt.“

Trotz Sprachbarriere: Potenziale erkennen, Perspektiven eröffnen

Wer kein Deutsch spricht, kann dennoch viele Talente haben. Das Fachforum 1 widmete sich der Frage, wie sich Potenziale erkennen und die dazu passenden schulischen und beruflichen Wege finden lassen. Sien-Lie Saleh vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg stellte das Landesprogramm „Potenzial und Perspektiven“ vor. Das Pilotprojekt hat ein Kompetenzanalyseverfahren entwickelt, das derzeit an 25.000 Schülern aller Schulformen erprobt wird. Der Test findet am PC statt. Die möglichen Sprachbarrieren werden dabei berücksichtigt. Aufgaben werden zum Beispiel anhand von Comics erklärt und erst bewertet, nachdem eine Beispielaufgabe erfolgreich bearbeitet wurde.

Auch kleine Träger begeben sich mit jungen Geflüchteten auf den gemeinsamen Weg. Das Programm „KomPASS“ der Werk-statt-Schule e.V. am Berufsorientierungszentrum Hannover bietet jungen Geflüchteten die Gelegenheit, in mehrtägigen Workshops ihre Interessen, Kompetenzen und Ziele zu erkunden. Ali Raza aus Afghanistan hat das Programm selbst absolviert. Heute, anderthalb Jahre später, macht der 18-Jährige bei KomPASS eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann. „Als ich nach Deutschland kam, war ich sicher: Ich will Automechaniker werden. Durch KomPASS wurde mir klar, dass ich gute kommunikative Fähigkeiten habe, die ich nutzen will.“

Parallel zum Fachforum wurden in Workshops Themen rund um den Zugang zu unterschiedlichen Bildungsinstitutionen diskutiert: Wie schaffen es junge Geflüchtete, in Deutschland ihr Studium fortzusetzen? Was tun, wenn Dokumente und Nachweise auf der Flucht verloren gegangen sind? Nareen Ibrahim aus Syrien lebt seit zwei Jahren in Hannover. In ihrer Heimat hat sie bereits sechs Semester mathematische Statistik studiert, derzeit ist sie Gasthörerin in Hildesheim. Ihr Wunsch: An der Uni Hannover Informatik studieren. Das größte Hindernis? „Immer noch die Sprache“, sagt sie – in fast akzentfreiem Deutsch.

Zwischen Finanzierung und kultureller Öffnung

Wie kann der Schritt auf den Arbeitsmarkt gelingen? Dieser Frage widmete sich die zweite Arbeitsphase. Im Fachforum 3 kamen Arbeitgeber zu Wort. Sandra von Atens vom Aus- und Fortbildungszentrum für den bremischen öffentlichen Dienst (AFZ) gab Einblicke in das Programm „Zukunftschance Ausbildung“, mit dem die Stadt Bremen als größter Arbeitgeber der Kommune junge Migranten in die Verwaltung holen will. Die Stadt hat sich mit Unternehmen der Region sowie den Handels- und Handwerkskammern zusammengetan, um jungen Zuwanderern durch ein zusätzliches Ausbildungsjahr dabei zu helfen, fehlende Einstiegsqualifikationen zu überbrücken.

Sabine Schlüer, Personalreferentin der Mahr GmbH, berichtete von den Erfahrungen ihres Betriebs mit geflüchteten jungen Menschen als Azubis. Für sie hat sich gezeigt: „Die Agenturen organisieren viel, wir finden da immer Unterstützung.“ Die Tatsache, dass ihr Betrieb sich immer mehr für junge Geflüchtete öffnet, sei „für alle ein Gewinn, auch für die anderen Auszubildenden. Die lesen davon ja sonst nur in der Zeitung. Das ist eine echte Bereicherung.“ Diana Tasesse, 18 Jahre alt und gebürtige Äthiopierin, erzählte von ihrem Weg zu Mahr, wo sie derzeit zur Elektrotechnikerin ausgebildet wird. „Das ist eine tolle Chance“, versicherte sie.

Die richtigen Akteure zusammenbringen

In den Workshops wurden parallel weitere Themen zum Zugang zum Arbeitsmarkt bearbeitet. Die Jugendberufsagentur Hildesheim stellte ihren aufsuchenden Ansatz und das gelingende ressortübergreifende Arbeiten in der Kommune dar: Einmal pro Woche sitzen in Hildesheim Jugendamt, Ausländerbehörde und Flüchtlingsrat an einem Tisch. Themen wie „Orientierung im Angebotsdschungel“ wurden zum Beispiel diskutiert: „Auf manchen Hilfen des SGBIII steht halt nicht ‚Flüchtling’ drauf, sondern ‚ausbildungsbegleitende Hilfen’, fasst Meike Reinecke, Programmleitung von „Willkommen bei Freunden“ zusammen. Sandra Fitzen vom Regionalen Bildungsbüro Dortmund erzählte von positiven Erfahrungen mit Bildungsmonitoring in ihrer Kommune. Dortmund erarbeitet derzeit erste Ansätze, die Wege junger Geflüchteter statistisch zu erfassen und so ihren Übergang in den Beruf auf kommunaler Ebene strategisch planen und begleiten zu können.

Lawrence Somtochnkwv ist nachdenklich geworden im Laufe des Tages. „Wenn man über 18 ist, dann muss man alles alleine machen.“ Der 25-jährige Nigerianer ist seit drei Jahren in Deutschland, derzeit macht er eine Ausbildung zum Sicherheitsfachmann. Sein Asylverfahren läuft immer noch. Willkommen bei Freunden will auch Zuwanderern wie Lawrence, die aus „sicheren Drittländern“ kommen, unterstützen und setzt sich daher explizit für alle jungen Geflüchteten ein. „Wir unterscheiden da nicht nach Bleibeperspektive“, betont Meike Reinecke in ihrem Schlusswort. Auch Sera Choi vom Bundesministerium für Familie, Soziales, Frauen und Jugend betont: „Es ist nicht unser Interesse, Flüchtlingen aus sicheren Herkunftsländern die erste Orientierung zu verwehren“.


Dokumentation zum Transferforum

Fachforum 1: Kompetenzen junger Geflüchteter erfassen. Modelle für eine kompetenzorientierte Berufsorientierung

In dem Fachforum wurden zwei Modelle präsentiert: die Potentialanalyse aus Baden-Württemberg, die auch bundesweit umgesetzt werden soll, und die TalentWerkstatt aus Hannover, ein praxis- und handlungsorientiertes Verfahren, das sich an Jugendliche im Berufsvorbereitungsjahr oder in Berufseinstiegsklassen richtet.

Referentinnen

  • Sien-Lie Saleh, Oberstudienrätin, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 
  • Maren Mutschall, Werk-statt-Schule e.V., Berufsorientierungszentrum Hannover

Moderation

Renata Warzych, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Frankfurt im Programm „Willkommen bei Freunden - Bündnisse für junge Flüchtlinge”, Leiterin Servicebüro

Impuls 1: Sien-Lie Saleh, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg // 2 P - Potenzial & Perspektiven, ein Analyseverfahren für neu Zugewanderte

Voraussetzung für eine schulische und berufliche Integration ist, dass die Lehrkräfte in den Vorbereitungsklassen der allgemein bildenden Schulen und den VABO-Klassen der beruflichen Schulen effektiv, gezielt und ressourcenschonend zu einer Einschätzung der fachlichen und überfachlichen Potenziale der Jugendlichen kommen und diesen Perspektiven aufzeigen können. Ziel ist deshalb die frühe Erkennung von überfachlichen und fachlichen Kompetenzen beziehungsweise Potenzialen, um den Förderprozess gut gestalten zu können.
2P wird für Jugendliche im Alter von zehn bis 20 Jahren der VKL-Klassen (allgemein bildende Schulen) und VABO-Klassen (berufliche Schulen) sowie neu Zugewanderte im Regelangebot entwickelt. Das 2P-Gesamtinstrument ist überwiegend webbasiert angelegt, um den Entwicklungsprozess des Jugendlichen dauerhaft sichtbar zu machen - auch bei Umzug oder Wechsel an eine andere Schulart.

Die 7 Bausteine des Verfahrens
Alle Bausteine werden möglichst sprachfrei, kulturfair, altersspezifisch und wiederholbar angelegt. Jeder Baustein dauert als PC-Test ungefähr 45 Minuten. Die Bausteine können unabhängig voneinander eingesetzt werden.

  • Kognitive Basiskompetenz
  • Methodische Kompetenz
  • Lernstand Deutsch (nach GER)
  • Lernstand Englisch (nach GER)
  • Lernstand Mathematik
  • Biografische Daten
  • Berufliche Kompetenz

Projektsteuerung
Sien-Lie Saleh
Referat 56, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport    

Kontakt
2p[at]km.kv.bwl.de
Tel.: +49 (0)711-279-4211

 

Impuls 2: Maren Mutschall, Werk-statt-Schule e. V., Berufsorientierungszentrum Hannover // komPASS³ - 3 Tage Kompetenzcheck für zugewanderte junge Menschen

Das persönliche berufliche Kompetenzprofil, das über die Teilnahme an praktischen Arbeitsproben, Testverfahren und Interaktionsaufgaben entsteht, eröffnet den passenden Zugang zu Praktika und Ausbildung. Damit soll komPASS³ jugendlichen Zugewanderten den Übergang in die berufliche Erstausbildung erleichtern und sie vor prekären Arbeitsbedingungen bewahren. KomPASS³ ist ein handlungsorientiertes Kompetenzfeststellungsverfahren mit hohem berufspraktischem Bezug. Es ist ausschließlich ressourcenorientiert und soll bestehende Interessen und Fähigkeiten der Jugendlichen deutlich machen. Wir legen Wert auf viele gemeinsame Aktivitäten in Gruppen- beziehungsweise Teamarbeit. Dies soll das Selbstvertrauen der Teilnehmenden stärken und ihnen helfen, sich ihrer Potenziale bewusst zu werden. Arbeitsanleitungen, Tests und Abschlussprofile sind weitgehend nonverbal über Icons, Piktogramme und Symbole verständlich gemacht. Das Verfahren erstreckt sich über drei Tage, an denen die Jugendlichen systematisch bei den verschiedenen Übungen beobachtet werden. Jeder Jugendliche durchläuft eine individuelle Zielplanung und erhält eine Dokumentation des persönlichen Profils im sogenannten Logbuch. Das Profil dient als Ausgangspunkt für die Weiterarbeit an den persönlichen (Berufs-)Zielen der Teilnehmenden.

Zielgruppe
(Neu zugewanderte) Jugendliche zwischen 16 bis 25 Jahre

Gruppengröße
12 Teilnehmende

Methoden für Handlungsorientierte Lernprojekte
Brückenbau „Leonardo‘s Bridge“, Optimierungsübung „StackMan“, SOMA-Würfel; Praktische Arbeitsproben aus dem Handwerk, der Pflege und dem Service.

Methoden für Standardisierte Testverfahren (am Tablet/PC)
Intelligenztest (Wiener Matrizentest – WMT-2), Aufmerksamkeits- u. Konzentrationstest (d2-C), Berufsinteressentest nach John Holland

Methoden für persönliche Bilanzen
Ermittlung persönlicher Stärken und Interessen, Visionscollage, Zielplanung und Stufenplan nach „Ich schaff‘s! – Cool ans Ziel“

Kontakt
Maren Mutschall
kompass3[at]werkstattschule.de // m.mutschall[at]werkstattschule.de

Präsentation von Frau Mutschall PDF, 1,69MB
Anmeldung für die 2P-Lehrkräfte-Qualifizierung
Präsentation von Frau Saleh PDF, 1,57MB

Fachforum 2: Begleitung junger Geflüchteter im Übergangssystem. Rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit und individuelle Begleitung

Wiebke Reyels stellte in dem Fachforum am Beispiel von Sachsen-Anhalt vor, wie die rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit am Übergang Schule – Beruf im Kontext junger Geflüchteter aussehen kann. Anschließend berichtete Jessica Kneißl von Erfahrungen in der individuellen Beratung und Begleitung geflüchteter Jugendlicher.

Referentinnen

  • Wiebke Reyels, Landesnetzwerkstelle RÜMSA – Regionales Übergangsmanagement Sachsen-Anhalt, f-bb
  • Jessica Kneißl, Sozpäd. (B.A.), Caritasverband Neuburg-Schrobenhausen e.V., ESF-Modellprojekt „JUGEND STÄRKEN im Quartier“

Moderation

Timon Perabo, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Magdeburg im Programm „Willkommen bei Freunden - Bündnisse für junge Flüchtlinge”, Leiter Servicebüro

Impuls 1: Wiebke Reyels, Landesnetzwerkstelle RÜMSA – Regionales Übergangsma-nagement Sachsen-Anhalt, f-bb

Das Landesprogramm Regionales Übergangsmanagement in Sachsen-Anhalt (RÜMSA) bietet allen kreisfreien Städten und Landkreisen in  Sachsen-Anhalt die Möglichkeit, über die drei Rechtskreise und Sozialgesetzbücher (SBG VIII, SGB III und SGB II), eine übergreifende Zusammenarbeit zu gestalten und ein optimales Übergangsmanagement „von der Schule in den Beruf“ zu etablieren. 
Das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) bietet, im Verbund mit dem Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung (isw), die Landesnetzwerkstelle RÜMSA an. Hier werden die kommunalen RÜMSA-Koordinierungsstellen und Arbeitsbündnisse in ihren Aufgaben unterstützt und das verzahnte Handeln der Institutionen für berufliche Orientierung und Arbeitsmarktförderung mit weiteren Akteuren vor Ort (zumBeispiel aus Bundes- und Landesprogrammen) begleitet. Ziel ist für alle jungen Erwachsenen mit oder ohne Migrations- und/oder Fluchtgeschichte, mehr Transparenz und Zugänge zur Ausbildung zu schaffen.Insbesondere in Bezug auf die jungen Geflüchteten zeigt sich eine große Bandbreite an Initiativen, Unterstützungsstrukturen und neuen Zugängen zu Regelförderinstrumenten der Sprach- sowie der Ausbildungsförderung. Häufig fehlt es jedoch an der Übersicht bei den Akteuren und an Erprobung in der Praxis.

Durch abgestimmte Kooperationsbündnisse konnte in Sachsen-Anhalt ein flächendeckendes Angebot zur Information für Akteure und Unternehmen geschaffen werden. KAUSA-Servicestellen vor Ort (gefördert im Bundesprogramm Jobstarter Plus), die Landesnetzwerkstelle RÜMSA, die Beratungsstellen MiiDU (Migrant/innen integrieren in duale Ausbildung; gefördert im Rahmen der Integrationsrichtlinie des Bundes) und regionale Akteure bilden ein Netz, um Informationen zur Integration junger Geflüchteter in Ausbildung landesweit weiterzugeben, Wissen aufzubauen, auf Angebotslücken hinzuweisen und Good-Practice-Ansätze zu verbreiten. Im Fachforum sollen erste Erfahrungen dieser Kooperationsbündnisse mit der Umsetzung der neu etablierten Regelförderinstrumenten dargestellt und zentrale Herausforderungen im Prozess der Integration von jungen Geflüchteten in Ausbildung aufgezeigt werden.

Impuls 2: Jessica Kneißl, Sozpäd. (B.A.), Caritasverband Neuburg-Schrobenhausen e.V., ESF-Modellprojekt „JUGEND STÄRKEN im Quartier“

Trotz der vergleichsweise guten Ausbildungs- und Arbeitsmarktlage in Deutschland, scheitern junge Menschen nach wie vor beim Übergang von der Schule in Ausbildung beziehungsweise Arbeit. Die Hintergründe dieser schulischen und beruflichen Integrationsproblematik sind dabei oftmals individueller und sozialer Natur. Eine systematisch wirksame Förderung der jungen Menschen gelingt, aufgrund der häufig unzureichenden Abstimmung der Regel- und Hilfsangebote beziehungsweise sozialer, wirtschaftlicher und infrastruktureller Probleme strukturschwacher Orts- und Stadtteile, leider nicht immer. Hier hat die Jugendsozialarbeit (nach § 13 SGB VIII) unter anderem den Auftrag, individuell zugeschnittene Hilfen zu leisten, um die jungen Menschen bei der Überwindung ihrer individuellen Beeinträchtigungen und sozialen Benachteiligungen sozialpädagogisch zu unterstützen.

Mit dem ESF-Modellprogramm „JUGEND STÄRKEN im Quartier“ des Bundesministeri-ums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) sollen diese jungen Menschen im Alter von 12 bis einschließlich 26 Jahren unterstützt werden. Die Unter-stützungsleistungen zielen unter anderem darauf ab, sie insoweit zu aktivieren und stärken, dass soziale Integration gelingt, schulische Herausforderungen gemeistert und berufliche Ziele verwirklicht werden können.

Der Caritasverband Neuburg-Schrobenhausen e.V. fungiert während der gesamten Förderperiode (1. Januar 2015 bis 31. Dezember 2018) als Projektträger und ist mit der Umsetzung, der vier zur Verfügung stehenden methodischen Bausteine, betraut. Die drei Basisbausteine Aufsuchende Jugendsozialarbeit, Niedrigschwellige Beratung/Clearing und Case Management stellen ein prozessorientiertes Unterstützungskonzept dar, das mit dem Mikroprojekt Tagesstruktur kombiniert wird. An das Case Management ist zudem die Lernunterstützung, ein Projekt für aktive und passive Schulverweigerer, angegliedert.

Aufgrund der sozialräumlichen Ausrichtung des Modellprojektes, wurde von der Kommunalen Koordinierungsstelle, verortet bei der Stadt Neuburg und dem Caritasverband, neben den Neuburger Stadtteilen Ostend und Schwalbanger, der Donauwörther Berg als drittes Quartier mit erhöhtem Entwicklungsbedarf ausgewiesen. In diesem Quartier befindet sich unter anderem  die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber, in der eine Vielzahl junger Geflüchteter aus verschiedensten Herkunftsländern lebt. Da der Aufbau einer neuen Existenz in einem fremden Land eine große Herausforderung darstellt und mit vielen Widrigkeiten verbunden ist, möchte das Jugend Stärken Team mit Hilfe der methodischen Bausteine und einem bedarfsorientierten Angebot dem erhöhten Unterstützungsbedarf dieser Zielgruppe besondere Rechnung tragen.

Präsentation von Frau Reyels PDF, 1,20MB
Präsentation von Frau Kneißl PDF, 462KB
Weiterführende Informationen zu „RÜMSA”
Weiterführende Informationen zu „Jugend Stärken”

Workshop 1: Berufliche Schulen für junge Geflüchtete öffnen. Den Schuleinstieg gut gestalten

Referenten

  • Werner Nagler, Berufliches Schulzentrum Oskar-von-Miller Schwandorf, Schulbeauftragter für berufsschulpflichtige Jugendliche ohne Ausbildungsplatz junge Flüchtlinge und Asylbewerber
  • Hussein Mohammadi, Schüler der Berufsintegrationsklasse für junge Schutzsuchende am Schulzentrum Oskar-von-Miller Schwandorf

Moderation

Jakob Lanman Niese, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Magdeburg im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“, Kommunalberater

 

Die Integration durch Bildung von jungen Geflüchteten kann nur durch Begegnung und gut ausgebildete Lehrkräfte erfolgen. Werner Nagler erläuterte die Herausforderungen im Schulalltag. Neben einer hohen Heterogenität bei Kultur, Sprache und Bildung können traumatische Fluchterlebnisse, die Trennung von der Familie, die Angst vor der Abschiebung und eine Orientierungslosigkeit im deutschen Werte- und Normensystem den Schulalltag und die Bildungsabläufe erschweren. Für einen professionellen Umgang mit den jungen Geflüchteten bedarf es einer Sensibilisierung und Qualifizierung seitens der Lehrkräfte sowie der Unternehmen, die die Jugendlichen beschäftigen. Interkulturelle Kompetenzen sind hierbei ein wichtiger Bestandteil. Große Unternehmen seien genauso schlecht sensibilisiert, wie kleine. Das Wissen über Kultur und Religion sind nicht ausreichend. Interkulturelle Kompetenzen hätten sehr viele Aspekte, betonte Herr Nagler.

Besonders schwierig sei die Arbeit mit sich radikalisierenden Jugendlichen. Hierbei muss unter anderem der Unterricht als Erziehungsarbeit fungieren. Rat und Hilfe erhält das Berufliche Schulzentrum Oskar-von-Miller Schwandorf bei der Beratungsstelle HAYAT-Deutschland, welche Methoden und Ansätze entwickelt, um Eltern, Familien und Freunde von radikalisierten Personen zu beraten und mit ihnen zusammen zu arbeiten, um gegebenenfalls den Radikalisierungsprozess des Jugendlichen zu verhindern, zu verlangsamen oder umzukehren.

Eine weitere Herausforderung stellt die Sprachvermittlung dar. Denn Sprache ist elementar. Über sie läuft das Denken, so Werner Nagler. An Schulen muss Hochdeutsch gesprochen werden und keine Dialektgrammatik. Er stellt zusätzlich heraus, dass Deutsch als Zweitsprache (DAZ) ein Prozess sei und kein Unterrichtsfach.

Besonders erfolgversprechend bei der Integration durch Bildung sind gut funktionierende Netzwerke mit Ämtern, Unternehmen, Kammern, Agentur für Arbeit und anderen Akteuren. Die Polizei hilft beispielsweise bei der Aufklärung im Umgang mit Drogen oder zum Schutz gegen rassistische Übergriffe. Die ersten Erfolge in Kooperation mit Unternehmen lassen sich verzeichnen. So wurden die ersten Schüler ins Handwerk vermittelt. Aber auch weitere Unternehmen haben sich für junge Geflüchtete geöffnet. So auch das Schwandorfer High-Tech-Unternehmen Horsch, was bereits zehn Geflüchtete ausbildet.

Elementar sei Begegnung, auch im Schulkontext. Hierfür wurden vom Beruflichen Schulzentrum Oskar-von-Miller Schwandorf verschiedene Begegnungsprojekte initiiert. Wozu das Videoprojekt „Here`s my story. Wo komme ich her, wo will ich hin?“ in Kooperation mit dem BR gehört.

Hussein Mohammadi ist seit September 2015 in Deutschland und besucht seit Februar die Berufsintegrationsklasse für junge Schutzsuchende. Er hat große Fortschritte im Spracherwerb gemacht und fühlt sich sehr wohl an der Schule. Von allen Seiten werde er gut unterstützt, so dass er im Frühjahr ein Praktikum beginnen kann. Was ihn jedoch sehr belaste, sei es mitzuerleben, wie Mitschüler und Freunde abgeschoben werden. Er appellierte, dass es Perspektiven für Afghanen geben müsse. Zudem ist er der Meinung, dass  diese Ungewissheit und ständige Angst vor der Abschiebung Menschen kaputt mache.

In der anschließenden Diskussion waren Fragen zur konkreten Umsetzungen der Begegnungsprojekte und Faktoren, die zum Gelingen der Integration durch Bildung beitragen, im Fokus. Letzteres zeichnet sich dadurch aus, dass Verwaltung, Firmen, Kammern und andere Akteure in Netzwerke integriert werden und ein regelmäßiger Austausch stattfindet. Darüber hinaus sei es besonders wichtig Leuchttürme bei Betrieben zu schaffen, die junge Geflüchtete beschäftigen. Diese Vorbildfunktion kann auch andere Unternehmen für die Zielgruppe öffnen. Praktika und Betriebsbesichtigungen sind hierbei ein erster wichtiger Schritt.

Präsentation von Herrn Nagler PDF, 1,72MB

Workshop2: Vorbereitende Qualifizierung für den Übergang in eine Ausbildung. Maßnahmen und Beratungsangebote

Referentinnen und Referenten

  • Michael Tanzer, Fachbereichsleiter Ausbildungsmarkt/Reha SB, Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit
  • Claudia Geyer, Teamleiterin Arbeitsvermittlung SGBIII, Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit

Moderation

Meike Reinecke, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“, Leitungsteam

Junge Geflüchtete stehen bei dem Weg in Ausbildung und Arbeit verschiedenen Herausforderungen gegenüber. In diesem Workshop stellten Michael Tanzer und Claudia Geyer verschiedene Projekte und Maßnahmen vor, über die sich junge Geflüchtete für eine Berufsausbildung oder den Arbeitsmarkt qualifizieren können und erläuterten praxisnah, wie der Prozess für eine erfolgreiche Einmündung in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt gestaltet werden kann.

Michael Tanzer verwies bereits einführend darauf, dass aufgrund des Fachkräftemangels die Rahmenbedingungen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt grundsätzlich günstig seien. Trotz dieser günstigen Ausgangssituation sei es für junge Geflüchtete ein langer Weg zur erfolgreichen Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration. Herr Tanzer beschrieb den Prozess wie einen Staffellauf, bei dem insbesondere die Zusammenarbeit der verschiedenen an diesem Prozess beteiligten Akteure vor Ort eine wichtige Rolle spiele. Dass die Vernetzung der beteiligten Akteure und damit die Verzahnung der jeweiligen Angebote sich besonders begünstigend auswirken kann, zeigten Herr Tanzer und Frau Geyer auf, indem sie einen beispielhaften Weg mit den jeweils beteiligten Akteuren darstellten. Die Stationen in chronologischer Reihenfolge sind folgende: Integrationskurs (BAMF), PerjuF (Bundesagentur für Arbeit), Berufsorientierung für Flüchtlinge (BMBF, Erlaubnis der Ausländerbehörde notwendig), EQ (Bundesagentur für Arbeit), Ausbildung (Betriebe, Kammern).

Als begünstigende Faktoren bei diesem Staffellauf haben sich Ausdauer, Motivation und nahtlose Übergänge erwiesen. Ausdauer auf Seiten der Geflüchteten, weil unter anderem das Durchlaufen verschiedener Stationen Zeit beansprucht. Ausdauer auf Seiten der Beratenden und Begleitenden, weil die jungen Geflüchteten unterschiedliche Lebenswege haben und unterschiedliche Kompetenzen und Leistungen mitbringen und gleichzeitig eigene Vorstellungen und Erwartungen haben. Einer davon ist zum Beispiel schnell Geld zu verdienen, um ihre Familien im Herkunftsland zu versorgen oder auch Schulden zu begleichen. Die Erfahrung zeigt, so Frau Geyer, dass die Komplexität des deutschen Bildungs- und Ausbildungssystems vielen Geflüchteten nicht bekannt ist. Im Rahmen von Beratungsgesprächen müssten die Jugendlichen dahingehend informiert und aufgeklärt werden.

Viele der jungen Geflüchteten haben eine hohe Motivation für die Integration in Bildung und Ausbildung. Gleichzeitig gibt es aber beispielsweise eine hohe Analphabeten-Quote. Daher ist es wichtig, dass ein Abgleich der Kompetenzen und Entwicklungsmöglichkeiten der Geflüchteten mit den realen Perspektiven der Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration stattfindet, um Abbruchquoten gering zu halten und Frustration bei allen Beteiligten vorzubeugen. Michael Tanzer hob die Bedeutung nahtloser Übergänge hervor, die dafür sorgen können, „Menschen für den langen Weg zu gewinnen“. Hier sei auch die Unterstützung durch ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer von Bedeutung, da es diesen eher gelänge, ein Vertrauensverhältnis zu jungen Geflüchteten aufzubauen als einer Behörde.

Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen laut Frau Geyer, dass viele Geflüchtete die Arbeitsagenturen (SGB III) als Ansprechpersonen nicht im Blick haben, obwohl diese für Geflüchtete im Asylverfahren sowie Geduldete zuständig sind. Hier hat Frau Geyer mit Ihrem Team gute Erfahrungen damit gemacht, selbst die Initiative zu ergreifen: So sind sie aktiv auf Schlüsselakteure wie Sprachkursanbieter, Ausländerbehörde, Ehrenamtliche oder den Flüchtlingsrat zugegangen und haben diese auf die Zuständigkeit der Arbeitsagentur aufmerksam gemacht – damit diese wiederum die geflüchteten Menschen informieren. Durch die gute Vernetzung und direkte Kontakte können (junge) Geflüchtete nun besser erreicht und beraten sowie Abstimmungen zwischen den Akteuren beschleunigt werden. So ist beispielsweise der Flüchtlingsrat einmal in der Woche vor Ort in der Arbeitsagentur.

Länger vorgestellt und diskutiert wurde die Einstiegsqualifizierung (EQ) als Alternative zum sofortigem Ausbildungsbeginn. Die EQ ist kein Praktikum im herkömmlichen Sinne, da ein Vertrag eingegangen wird. Auch gibt es keine Vergütung, allerdings können die Leistungen nach Asylbewerberleistungsgesetz (AsylBLg) weiterhin bezogen werden. Zudem können Teilnehmende an EQ Zertifikate erhalten. Die EQ kann nach Ausbildungsgesetz auch ohne Einbezug der Arbeitsagentur abgeschlossen werden. In diesem Fall gibt es kein Taschengeld und keine Sozialversicherungserlassung. Es gibt jedoch auch Erfahrungen, vor allem im Metallbereich, dass auch im Rahmen der EQ besondere Tarifverträge ausgestellt werden.

Die Referierenden machten darauf aufmerksam, dass ausbildungsbegleitende Unterstützungsinstrumente aus dem Regelsystem auch für Geflüchtete offen sind, beispielsweise ausbildungsbegleitende Hilfen oder assistierte Ausbildungen. In diesem Zusammenhang wurde empfohlen, die bestehenden Instrumente der Arbeitsagenturen (SGB III) und Jobcenter (SGB II) nochmals anzuschauen und gegebenenfalls die örtlichen Arbeitsagenturen zu kontaktieren.

Abschließend wurde noch kurz der direkte Weg in den Arbeitsmarkt mit begleitender Qualifizierung angerissen: Dieser wird im Idealfall über mehrere Monate mittels Teilqualifizierungen und flankierendem Spracherwerb realisiert. Voraussetzung dafür ist eine große Flexibilität und Bereitschaft seitens der Betriebe, Arbeitnehmerinnen und Arbeitsnehmer zeitweise freizustellen, beispielsweise für die Sprachkurse.

Präsentation von Frau Geyer und Herrn Tanzer PDF, 361KB

Workshop 3: Zugang zu Hochschulen für (junge) Geflüchtete. Angebote und Finanzierungsmöglichkeiten

Referentinnen   

  • Christin Younso, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität Hildesheim
  • Nareen Ibrahim, Gasthörerin, Universität Hildesheim

 
Moderation

Larissa Redecker, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Hamburg im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“, Kommunalberaterin

Frau Younso stellte die Ergebnisse der 2015-2016 durchgeführten qualitativen Studie der Universität Hildesheim „Studium nach der Flucht? Angebote deutscher Hochschulen für Studieninteressierte mit Fluchterfahrung“ sowie die daraus abgeleiteten Empfehlungen vor.
Für die Studie wurden bundesweit neun Hochschulen in Form einer Dokumentenanalyse, Begehungen sowie Experteninterviews nach ihren Aktivitäten und Angeboten für Studieninteressierte mit Fluchterfahrung sowie den Herausforderungen bei der Umsetzung vor Ort untersucht.

In Folge der erhöhten Zuwanderung im Jahr 2015 wurden Angebote für Geflüchtete mit großem Engagement von Mitarbeitenden und Studierenden der Hochschulen getragen. Es wurde vor allem die Möglichkeit  einer Gasthörerschaft geschaffen. An einigen Standorten werden zudem strukturierte Programme für Geflüchtete angeboten. Besondere Herausforderungen sind neben dem Spracherwerb die Lebensumstände der Geflüchteten bezüglich der Mobilität, der Lernsituation, der Finanzierung und der Erwartungen.

Im Anschluss berichtete Nareen Ibrahim von ihren Erfahrungen bezüglich des Zugangs zur Hochschule. Sie flüchtete vor zwei Jahren aus Syrien. Derzeit ist sie Gasthörerin an der Universität Hildesheim und bewirbt sich auf einen regulären Studienplatz.
Nach einem Beratungsgespräch mit dem International Office der Universität wurde sie an einen 6-monatigen Sprachkurs vermittelt, der auch eine Vorbereitung auf das Studium beinhaltet. Aus ihrer Perspektive ist die deutsche Sprache der Schlüssel zur Integration und für ein erfolgreiches Studium. Den Sprachkurs und die Gasthörerschaft empfand sie als hilfreich. Darüber hinaus wünschte sie sich eine Vermittlung von Alltagssprache beispielsweise durch den Kontakt zu anderen Studierenden. Erschwert wird ihre Situation dadurch, dass Behörden wie das Jobcenter junge Geflüchtete schnell in den Arbeitsmarkt integrieren wollen.

In der gemeinsamen Diskussion wurden einige spezifische Fragen der Teilnehmenden geklärt. Hierbei zeigte sich der unterschiedliche Umgang der Bundesländer mit der Thematik. Im Prinzip können alle interessierten Geflüchteten unabhängig von ihrem Status studieren. Einige Bundesländer sprechen jedoch ein Studierverbot für bestimmte Personengruppen aus. Das Thema der Finanzierung ist neben der Sprache eine weitere wesentliche Herausforderung für geflüchtete Studieninteressierte. Sowohl für den BAföG-Bezug als auch die studentische Krankenversicherung gibt es eine Altersgrenze. Sollte eine interessierte Person ihre Papiere zum Hochschulzugang auf der Flucht verloren haben oder die Universität im Herkunftsland zerstört worden sein, könnten anerkannte Geflüchtete an der jeweiligen deutschen Hochschule ein dreistufiges Feststellungsverfahren beantragen, in dem ihr Status und die Plausibilität der Bildungsbiographie ermittelt werden. Hierzu wurde angemerkt, dass sich die Hochschulen bezüglich dieses Themas allein gelassen fühlten und einige Hochschulen die Ergebnisse des Verfahrens restriktiv auslegten.

Sowohl die Teilnehmenden als auch den Referentinnen sprachen sich dafür aus, die Beratung ehrlich durchzuführen, auch wenn die Chancen auf ein Studium für die jeweiligen Interessierten schlecht stehen. Sie rieten Interessierten zudem davon ab, sich zu früh (in Bezug auf die Sprachkompetenz) für ein Studium zu bewerben. Dies würde die Gefahr des Scheiterns deutlich vergrößern.

Präsentation von Frau Younso PDF, 0,90MB

Fachforum 3: Arbeitsmarktintegration aus Sicht der Arbeitgeber. Bedingungen und Herausforderungen

In diesem Fachforum wurde berichtet, wie die Arbeitsmarktintegration aus Arbeitgebersicht gelingen kann. Dabei ging es um rechtliche und finanzielle Fragen ebenso wie um Fragen der interkulturellen Öffnung.

Referentinnen und Referenten

  • Sandra von Atens, Aus- und Fortbildungszentrum für den bremischen öffentlichen Dienst (AFZ)
  • Ousman Coulibaly, Teilnehmer EQ-Maßnahme in Bremen zum Industriemechaniker
  • Sabine Schlüer, Personalreferentin Mahr GmbH
  • Diana Tadesse Gebru, Auszubildende zur Elektronikerin für Geräte und Systeme Mahr GmbH

Moderation

Jolita Rolf, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Hamburg im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“, Kommunalberaterin

Impuls 1: Sandra von Atens und Ousman Coulibaly, Aus- und Fortbildungszentrum für den bremischen öffentlichen Dienst (AFZ)

Das AFZ stellt im Fachforum Zukunftschance Ausbildung „Du bist der Schlüssel…“ ein Ausbildungsprojekt in Bremen vor, das bereits seit 3 Jahren erfolgreich den jungen Geflüchteten über eine Einstiegsqualifizierung (EQ) – eine einjährige berufsvorbereitende Maßnahme, in der erste berufliche Handlungskompetenzen vermittelt werden – den Weg in eine duale Berufsausbildung ebnet. Die EQ beinhaltet die praktische Unterweisung in dem jeweiligen Berufsbild, den Besuch der Berufsschule, Sprachqualifizierung durch einen eintägigen wöchentlichen Sprachunterricht und sozialpädagogische Begleitung. Die Freie Hansestadt Bremen ist im Projekt der größte Arbeitgeber und der federführende Partner neben der Handels- und Handwerkskammer. Über das Projekt streben zurzeit 90 junge Leute einen regulären dualen Ausbildungsplatz im öffentlichen Dienst oder in den kooperierenden Betrieben der Privatwirtschaft an. Die Wahlvielfalt für die Geflüchteten ist dabei groß. Allein der öffentliche Dienst bietet 13 verschiedene Ausbildungsberufe für Geflüchtete an. In den beiden vorherigen Jahren ist so über 60 jungen Menschen der Einstieg in die duale Ausbildung gelungen. Einer davon ist Ousman Coulibaly. Er hat seine EQ im ersten Projektjahr 2014 angefangen und wird nächstes Jahr seine Ausbildung zum Industriemechaniker absolvieren können.

Die wichstigste Projekterfahrung bisher war, dass auch in der dualen Ausbildung kontinuierliche Ansprechpartner, zusätzliche sprachliche sowie sozialpädagogische Begleitung für die Auszubildenden mit Fluchterfahrung weiterhin erforderlich bleiben und gewährleistet werden müssen. Regelmäßiger Informationsaustausch und Reflektionsgespräche mit den Auszubildenden, den Ausbildern in den Dienststellen und Betrieben, mit den Lehrerinnen des zusätzlichen Sprachunterrichts und den Berufsschullehrern sind Vorausetzung und Grundlage um zeitnah individuelle Unterstützungsangebote anzubieten.

Impuls 2: Sabine Schlüer und Diana Tadesse Gebru, Firma Mahr aus Göttingen

Mahr ist eine weltweit operierende Unternehmensgruppe mit dem Hauptsitz in Göttingen und mit 1.900 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen das weltweit größte Familienunternehmen in der Messtechnikbranche. Seit einigen Jahren wird die Ausbildung in Mahr internationaler gestaltet. Zum einen werden im gewerblich-technischen Bereich im Rahmen eines von der IHK initiierten Projektes arbeitslose spanische Jugendliche integriert, zum anderen haben einige Auszubildenden mit EU geförderten Stipendienprogrammen einen Teil der Ausbildung in anderen europäischen Standorten absolviert. Dazu werden seit dem letzten Jahr auch vermehrt Praktika für junge Geflüchtete angeboten. Über ein solches Praktikum hat Diana Tadesse Gebru zu ihrem Ausbildungsplatz für den Beruf der Elektronikerin für Geräte und Systeme bei Mahr gefunden.

Mit der Internationalisierung wurden fast ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. So konnten für Berufe, für die in den letzte Jahren deutlich weniger Bewerbungen gab, sehr motivierte Jugendliche aus anderen Ländern gewonnen werden. Aber auch für die anderen Azubis und Mitarbeitende ist das unmittelbare Erleben von kultureller Vielfalt eine echte Bereicherung und Erweiterung des Horizontes. Mahr ist im Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ engagiert und pflegt eine enge Zusammenarbeit mit den jeweils Beteiligten: IHK, dem Jugendamt, Volkshochschule sowie berufs- und allgemeinbildenden Schulen. Für den Erfolg ist eine enge Anbindung in der Peergruppe, an einen hauptamtlichen Ausbilder und (ehrenamtliche) Mentoren ausschlaggebend.

Präsentation von Frau von Atens PDF, 819KB
Präsentation von Frau Schlüer PDF, 728KB

Fachforum 4: Netzwerke zur Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen. Zur Bedeutung von Netzwerken in der Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration

Anhand von "RESQUE 2.0", einem Beispiel der bundesweit existierenden Netzwerke „Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen“, und dem Hamburger Projekt "Utkiek" wurde in diesem Fachforum auf die verschiedenen Bausteine von Netzwerken eingegangen: individuelle Qualifizierung, Fortbildungen, Vernetzung.

Referentinnen

  • Rudaba Badakhshi, Stadt Leipzig, Referat für Migration und Integration, IvAF-Netzwerk "RESQUE 2.0"
  • Franziska Gottschalk, Abteilungsleitung für den Arbeitsbereich Flucht und Bildung; UTKIEK: Projekt zur Beratung, Qualifizierung und Begleitung in Ausbildung und Arbeit, basis & woge e.V., Hamburg

Moderation

Marion Nagel, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Berlin im Programm „Willkommen bei Freunden - Bündnisse für junge Flüchtlinge“, Leiterin Servicebüro

Impuls 1: Rudaba Badakhshi, Stadt Leipzig, Referat für Migration und Integration, IvAF-Netzwerk "RESQUE 2.0"

Das Projekt „RESQUE 2.0“ wird nach der ESF-Integrationsrichtline Bund gefördert. Ziel der Initiative ist es, die Integration in Ausbildung, Arbeit für Geflüchtete und Asylbewerberinnen und Asylbewerbern zu verbessern. Zudem soll ebenfalls der Schulerfolg durch die Maßnahmen des Projekts gesteigert werden. Die verschiedenen Partner von Resque 2.0 setzen diese Maßnahmen in vier Bereichen um: Beratungs-, Qualifizierungs- und Vermittlungsangebote sowie Sensibilisierung der Akteure.

Im ersten Modul wird den (jungen) Geflüchteten das Übergangssystem zwischen Schule und Beruf erläutert. Außerdem werden ihnen Möglichkeiten der Ausbildungs- und Arbeitsaufnahme aufgezeigt. Ebenso erhalten sie Beratungsangebote zu Arbeit und Ausbildung. Das zweite Modul beschäftigt sich mit der individuellen Erstellung eines Qualifizierungsplanes. Bestandteile können zum Beispiel Übungen zur Berufsorientierung, Bewerbungstrainings, Sprachkurse oder die Anerkennung von Abschlüssen sein. Die Vermittlungsangebote bestehen darin, dass die Projektpartner teilnehmende Geflüchtete mit Unternehmen und Betrieben zusammenbringen. Ebenfalls werden sie in Programme des Bundes wie „Integration durch Qualifizierung“ (IQ) und „ESF-BAMF berufsbezogene Sprachförderung“ vermittelt. Das vierte Modul sorgt dafür, dass Akteure des Arbeitsmarkts wie Unternehmen, Arbeitsagenturen sowie Verwaltungen über die Situation, die besonderen Bedingungen und die Belange bei der Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Fluchthintergrund zu informieren und zu sensibilisieren.

Zielgruppen

  • Asylbewerberinnen und Asylbewerber, Geduldete und Flüchtlinge mit einem zumindest nachrangigen Zugang zum Arbeitsmarkt
  • Jugendliche und junge erwachsene Geflüchtete, einschließlich unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
  • Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wie öffentliche Verwaltungen, Arbeitsagenturen und Grundsicherungsstellen, schulische Einrichtungen, Akteure des Arbeitsmarktes

Operative Partnerinnen und Partner
Aufbauwerk Region Leipzig GmbH (Koordinator), Caritasverband Leipzig e.V., DAA - Deutsche Angestellten-Akademie GmbH, Referat für Migration und Integration, Stadt Leipzig

Strategische Partnerinnen und Partner
Jobcenter Leipzig & Agentur für Arbeit Leipzig, kommunales Jobcenter LK Leipzig, Regionaldirektion BA Sachsen, HWK & IHK zu Leipzig, Abendoberschule Leipzig, Berufsschulzentrum Gutenbergschule, Landkreise Leipzig & Nordsachsen, (JMD)Diakonisches Werk Delitzsch/Eilenburg, Diakoniewerk Torgau/Oschatz (JMD)Internationaler Bund Mitte gGmbH (JMD), FAIRbund e.V. ( Vormundschaften UMA)

Impuls 2: Franziska Gottschalk, Abteilungsleitung für den Arbeitsbereich Flucht und Bildung; UTKIEK: Projekt zur Beratung, Qualifizierung und Begleitung in Ausbildung und Arbeit, basis & woge e.V., Hamburg

Junge Menschen mit Fluchtbiographie unterscheiden sich unter anderem in der Herkunft, den Vorerfahrungen, dem Bildungshintergrund, der rechtlichen und finanziellen Situation sowie ihren Berufswünschen. Was sie eint, ist die herausfordernde Situation, nach Deutschland geflüchtet zu sein. Die jungen Menschen sind vor diesem Hintergrund multiplen Belastungen ausgesetzt, die einen ganzheitlichen und an den persönlichen Netzwerken der jungen Menschen ausgerichteten Beratungsansatz fordern. Das Projekt „UTKIEK“ hat zum Ziel, Geflüchteten mittels Qualifizierung, Coaching und Beratung mehr Chancengleichheit zu verschaffen und ihnen die Integration in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Durch die Angebote wird ihre aktive Teilhabe in der Gesellschaft verbessert, individuelle Kompetenzen werden erhalten, vermittelt und gestärkt. Junge Geflüchtete zwischen 16 und 27 Jahren erhalten durch die unterschiedlichen Projektangebote individuelle und passgenaue Unterstützung bei der Entwicklung ihrer beruflichen Perspektiven.

Angebote

  • Beratung/Coaching zur Berufsorientierung
  • Förderung der Ausbildungsfähigkeit
  • Suche nach einem Praktikumsplatz
  • Suche nach einem Ausbildungsplatz
  • Sozialpädagogische Beratung und Begleitung

Kontakt
Franziska Gottschalk (Projektleitung und Beratung)
franziska.gottschalk[at]basisundwoge.de

Nicole Okuomose  (Beratung)
nicole.okuomose[at]basisundwoge.de

Literaturempfehlung
Maren Gag, Franziska Voges (Hrsg.): Inklusion auf Raten. Zur Teilhabe von Flüchtlingen an Ausbildung und Arbeit. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2014.

Präsentation von Frau Badakhshi PDF, 664KB
Präsentation von Frau Gottschalk PDF, 459KB

Workshop 4: Jugendberufsagenturen als Chance für junge Geflüchtete? Faktoren für eine gute Zusammenarbeit

Referent

Klaus Siegeroth, Geschäftsführer REGE mbH, Jugendberufsagentur Bielefeld

Moderation

  • Andreas Görres, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro München im Programm „Willkommen bei Freunden - Bündnisse für junge Flüchtlinge“, Kommunalberater
  • Esther Mankin, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro München im Programm „Willkommen bei Freunden - Bündnisse für junge Flüchtlinge“, Kommunalberaterin

In der Jugendberufsagentur der REGE mbH in Bielefeld arbeiten verschiedene Akteure zusammen: Arbeitsagentur, Jobcenter und Jugendhilfe. Am Beispiel der Jugendberufsagentur Bielefeld wurde aufgezeigt, wie diese Zusammenarbeit funktioniert und welche Vorteile sie für junge Geflüchtete hat. Nach einer Vorstellung der umfangreichen Angebote für junge Menschen, der vielfältigen Aktivitäten für die Zielgruppe der jungen Geflüchteten und der organisatorischen Struktur der REGE stellte Herr Siegeroth die aktuellen Zahlen für Bielefeld vor:

  • 2015 kamen 3.397 geflüchtete Menschen nach Bielefeld, davon 674 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Zum Stichtag 01.08.2016 wurden 111 Auffang- und Vorbereitungsklassen für geflüchtete Kinder und Jugendliche eingerichtet.
  • Im Schuljahr 2015/2016 wurden 28 Internationale Förderklassen an 7 Berufskollegs eingerichtet. Im Schuljahr 2016/2017 sind es bereits 34 Internationale Förderklassen an 8 Berufskollegs.
  • Erfolgreiche Bildungsübergänge junger Geflüchteter und der Übergang Schule – Beruf sind für die Stadt Bielefeld ein wichtiges Ziel.  


Weitere Zielstellungen

  • Frühzeitige Berücksichtigung der Problemstellungen junger Geflüchteter in Gremien und Initiativen in der Stadt Bielefeld
  • Aufbau einer Netzwerkstruktur für Geflüchtete in der Stadt Bielefeld seit 2015 im Rahmen von „Bielefeld integriert“. Einbindung aller relevanten Akteure in die Fachgruppe „Ausbildung“
  • Bielefelder Ausbildungsoffensive – junge Geflüchtete als eigenes Handlungsfeld im Handlungsprogramm
  • Jugendbeirat der Stadt Bielefeld – regelmäßige Berichterstattung und Evaluation
  • Jugendberufsagentur – Abstimmung der Schnittstellen auf Leitungsebene und in einer eigenen Arbeitsgruppe
  • Aufbau eines optimierten Bildungscontrollings mit Bildungsbüro und Kommunalem Integrationszentrum  

In der anschließenden Gruppenarbeit in drei Sitzgruppengesprächen (je sechs Personen) wurden anhand der von der Moderation vorbereiteten Leitfragen zu den verschiedenen Aspekten die Erfahrungen der Teilnehmenden ausgetauscht.

Leitfragen

Welche Chancen sehen Sie in dem Modell der Jugendberufsagentur?

  • Passgenaue Angebote für die Zielgruppe
  • Verzahnung der verschiedenen Schnittstellen in einem Haus
  • Jugendliche können länger im System verbleiben
  • Förderlücken können früher erkannt und geschlossen werden
  • Zentrale Ansprechpartner für alle Belange der Integration in Ausbildung und Arbeit
  • Finanzielle Spielräume durch Synergien
  • Kein Jugendlicher fällt durch das Netz

Welche Herausforderungen ergeben sich für Sie beim Transfer eines solchen Modells in Ihre Situation?

  • Datenaustausch versus Datenschutz
  • Schulische Bildung und Jugendhilfe einbeziehen
  • Aufsuchende Arbeit
  • Beteiligung von Flüchtigen ermöglichen
  • Schwierig: Finanzierung von Verbundlösungen (rechtskreisübergreifend)
  • Bedarf an hohem Personaleinsatz
  • Umsetzung im ländlichen Raum, Versorgung großer Flächenlandkreise

Was halten Sie bei diesem beziehungsweise vergleichbaren Modellen für Faktoren einer guten Zusammenarbeit?

  • Gemeinsamer politischer Wille
  • Intensive Zusammenarbeit mit dem Schulsystem
  • Flexibilität für wechselnde Nachfrage und rechtliche Rahmenbedingungen
  • Vernetzung und Kooperation
  • „Durchhaltevermögen“

In der anschließenden Diskussion hoben die Teilnehmenden hervor, wie wichtig es für sie in ihren Arbeitsbereichen ist, die Verknüpfung der unterschiedlichen lokalen Angebote zu fördern und Kenntnisse über die rechtlichen Grenzen und Möglichkeiten für junge Geflüchtete zu haben, auf die sie sich berufen können. Außerdem wurde die Bedeutung der Kooperation und Vernetzung zwischen den verschiedenen Einrichtungen und Personen thematisiert – beispielsweise zwischen Schulen, Jobcentern, Einrichtungsträgern, Ehrenamtlichen Helfern und Behörden.

Präsentation von Herrn Siegeroth PDF, 1,01MB

Workshop 5: Arbeitsmarktintegration auf kommunaler Ebene planen. Aufbau eines Monitorings im Übergangssystem

Referentin

Sandra Fitzen, Regionales Bildungsbüro, Fachbereich Schule, Stadt Dortmund

Moderation

Meike Reinecke, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“, Leitungsteam

 

Sandra Fitzen berichtete von dem Monitoring, das die Stadt Dortmund seit 2009 etabliert hat, um mehr Wissen zum Übergang von der allgemeinbildenden Schule in den Beruf zu erhalten. Damals gab es in Dortmund ca. 1.000 Jugendliche, über deren Verbleib nach der Sekundarstufe 1 die Kommune kaum valides Wissen hatte. Daraufhin wurden die Daten aus dem Schulanmeldesystem „Schüler Online“ ausgewertet. Diese geben unter anderem Aufschluss über erworbene Schulabschlüsse, Anschlussaktivität nach Ende der Schulpflicht und Migrationshintergrund.

Die Ergebnisse dieser Auswertung werden dann im städtischen Beirat „Übergang Schule-Arbeitsmarkt“, an dem neben dem Bildungsbüro auch Arbeitsverwaltung und Kammern beteiligt sind, vorgestellt und diskutiert. Zudem werden ebenfalls weitere Schritte abgeleitet. So gab es beispielsweise den Befund, dass nur 13 Prozent aller in die Datenauswertung einbezogenen Jugendlichen (berücksichtigt wurden alle Schulformen bis auf das Gymnasium) nach Klasse 10 direkt in eine Ausbildung übergehen. Aufbauend auf diesen Daten wurde deutlich, dass Dortmund mehr weiterführende Schulplätze braucht als bis zu diesem Zeitpunkt angenommen.

Mithilfe des Monitorings kann sich die Planung von Maßnahmen im Übergangssystem am Bedarf orientieren und die einrichtungsübergreifende Planung wird verbessert. Hilfreich dabei ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen relevanten Partnern wie zum Beispiel die Kooperation mit der Agentur für Arbeit.

Auch die Bildungsangebote für Neuzugewanderte werden zukünftig über das Anmeldesystem „Schüler online“ zugängig sein. In den letzten zwei Jahren wurden in Dortmund 800 geflüchtete Jugendliche im beruflichen Schulsystem untergebracht und 44 neue Klassen eingerichtet. Daher besteht die Hoffnung, dass eine datenbasierte strategische Steuerung perspektivisch auch bezüglich der Neuzugewanderten möglich ist.  

In der Kleingruppenarbeit wurde deutlich, dass es aufgrund der heterogenen (Vernetzungs-)Strukturen und Akteure in den unterschiedlichen Bundesländern großen Austauschbedarf gibt. In der Auswertung hoben die Teilnehmenden hervor, dass die relevanten Institutionen für die Datenerfassung regional unterschiedlich ausgeprägt sind und es kaum eine systematische Zusammenführung der Daten gäbe. Außerdem äußerten sie, dass es neben der Datenerfassung auch personelle Ressourcen zur Auswertung und zur Weiterarbeit mit den Ergebnissen bräuchte. Als wichtige Partner wurden Jugendamt, Sozialamt, Agentur für Arbeit, Jobcenter, Kammern und die Schulbehörde genannt. Auch der Bedarf einer Übersicht über freie Ausbildungsplätze und weiterführende Schulen wurde geäußert. Bei der Koordination der verschiedenen Aktivitäten und Akteure in der Kommune boten die regionalen Servicebüros des Programms „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ ihre Unterstützung an. 

Präsentation von Frau Fitzen PDF, 1,11MB

Workshop 6: Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Frauen. Ein Beispiel aus dem Projekt „Stark im Beruf - Mütter mit Migrationshintergrund steigen ein”

Referentinnen

  • Ferdos Mirabadi, kargah e. V.
  • Khadija Houdzi, Teilnehmerin des Programms von kargah e.V.

Moderation

Dr. Susanne Stemmler, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“, Leitungsteam

Die Arbeitsmarktintegration von jungen geflüchteten Frauen ist mit anderen Voraussetzungen und Herausforderungen verbunden, als die von Männern. Sie verfügen viel häufiger über keine Schulbildung, haben keine oder kaum Berufserfahrungen, Sprachdefizite und sind durch die Erziehung eines oder mehrerer Kinder schwieriger in Ausbildungen oder Anstellungen zu vermitteln. Um ihnen einen Einstieg in das Berufsleben zu ermöglichen bietet der Verein „kargah e.V.“ individuelle und angepasste Angebote.

Ferdos Mirabadi erläuterte allgemein, was die Arbeit von Kargah e.V. – einem Verein für interkulturelle Kommunikation, Flüchtlings- und Migrationsarbeit in Hannover – ausmacht.
Im Fokus stand das Bundesprogramm „Stark im Beruf. Mütter mit Migrationshintergrund“, dessen Standort Kargah e. V.  ist und dessen Ziel es ist, den Erwerbseinstieg für Mütter mit Migrationshintergrund und den Zugang zu vorhandenen Angeboten zur Arbeitsmarktintegration zu verbessern. Bundesweit wurden bereits 35 Prozent der 3.800 Teilnehmerinnen vermittelt.
Die Zugangswege zum Programm sind sehr unterschiedlich und erfolgen vor allem über die Agentur für Arbeit beziehungsweise über das Jobcenter (57 Prozent). Über Eigeninitiative (17 Prozent) oder durch einen der rund 200 Kooperationspartner (16 Prozent) gelangen weitere Frauen zu den Angeboten. Frau Mirabadi betonte, wie wichtig die Freiwilligkeit der Frauen sei. Es darf kein Zwang zur Teilnahme bestehen.

Die Voraussetzungen der Teilnehmerinnen sind sehr unterschiedlich. So besitzt die Hälfte keine abgeschlossene Berufsausbildung und nur ein Teil eine Ausbildung (23,4 Prozent) oder einen Studienabschluss (20 Prozent). Für diese Heterogenität werden ganz unterschiedliche Angebote bereitgestellt. Die Teilnehmerinnen können zwischen sechswöchigen Beratungen oder einen halbjährigen Orientierungskurs wählen oder sich individuell beraten lassen. Kernelemente sind hierbei: berufliche Beratung und Qualifizierung, Anamnese und Kompetenzfeststellung, Bewerbungstraining, Sprachförderung, Vermittlung und Betreuung von Praktika und Vermittlung von Kinderbetreuung.

Anschließend berichtete Khadija Houdzi von ihrer Erfahrung als Teilnehmerin im Programm. Die Angst, nach der Erziehung der Kinder, keine Chancen im Beruf zu haben, motivierte sie sich an Kargah e. V.  zu wenden. Aber auch ihr Sprachniveau war ausschlaggebend, da sie sich bisher nicht für eine Anstellung gewappnet fühlte. Neben einem Praktikum in einer Kita bietet ihr das Programm viel mehr: Frau Houdzi sprach begeistert davon, wie viel Geduld und Liebe sie erhält, ihr die Angst vor der Zukunft genommen und sie entsprechend ihrer Stärken und Schwächen gefördert wird. Außerdem helfe das Programm Vorurteile gegenüber Frauen abzubauen, betont sie weiter.  

In der Anschließenden Diskussion wurden vor allem die Angebotsstrukturen im ländlichen Raum diskutiert. Wie können Angebote geschaffen werden? Wie können Frauen zusammengebracht werden? Welche Förderungen gibt es? In kleinen Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmenden welche nächsten Schritte sie in der jeweiligen Institution gehen können, um dieses Defizit zu beheben. Zunächst müssten die Bedarfe in den Regionen eruiert werden, so das Ergebnis. Dann müsse eine Vernetzung mit Akteuren mit viel Erfahrung erfolgen, um die ländlichen Strukturen nutzbar zu machen. Offen geblieben ist die Frage nach genderspezifischen Maßnahmen von jungen Frauen in der Berufsschule oder im Übergang in die Ausbildung.

Präsentation von Frau Mirabadi PDF, 882KB

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