© Fernanda Vilela

Wie Zusammenarbeit in der Kommune Integration ermöglicht
Transferforum

Wie Zusammenarbeit in der Kommune Integration ermöglicht

Das fünfte Transferforum im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge” fand unter dem Titel „Viele Akteure, ein Ziel: Wie Zusammenarbeit in der Kommune Integration ermöglicht” am 19. Juni in Köln statt.

Reportage vom Transferforum:
Viele Akteure, ein Ziel: Wie Zusammenarbeit in der Kommune Integration ermöglicht

170 Akteure aus den Bereichen Integration und Migration kamen in Köln zusammen

Zusammenarbeit, Austausch und Vernetzung: Das waren die Ziele des fünften Transferforums von „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für Flüchtlinge“. Wie dies in der Praxis aussehen kann und welche Kommunen bereits gute Erfahrungen gesammelt haben, darüber konnten sich die Teilnehmenden einen Tag lang in Workshops und Diskussionsrunden informieren und austauschen. Neben diesen festgelegten Formaten gab es genug Zeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu knüpfen.

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Schon die ersten Gespräche der über 170 Akteure der kommunalen Verwaltungen, von freien Trägern, von Vereinen und Migrantinnen- und Migrantenselbstorganisationen vor dem eigentlichen Beginn der Veranstaltung im Foyer des Veranstaltungsortes Komed, zeigten, wie wichtig das Thema Zusammenarbeit in der täglichen Arbeit ist. „Was kann ich tun, wenn einfach niemand Ressourcen frei hat?“ „Was mache ich, wenn ich in meinem Netzwerk das Gefühl habe, alle arbeiten eher gegeneinander als miteinander?“ Oder „Wie schaffen wir es, auch die Perspektive der geflüchteten Menschen in unsere Arbeit miteinzubeziehen?“ waren Fragen, die sie umtrieben.

Geflüchtete Menschen müssen in die Prozesse miteinbezogen werden

Claudia Keller, Referentin der Stabsstelle Flüchtlingspolitik im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wies in ihren Begrüßungsworten noch einmal darauf hin, dass Vielfalt als Normalität anzuerkennen sei und hob hervor, wie wichtig es ist, die geflüchteten Menschen in die Prozesse miteinzubeziehen: „Wir müssen mit den Menschen und nicht über die Menschen reden. Die DKJS unterstützt die Akteure auch bei sogenannten Konsultationsworkshops, die genau diese Idee umsetzen.“ In der Workshop-Phase wurde diese partizipative Bedarfsanalyse detaillierter vorgestellt. Zudem wurde präsentiert, welche visuellen Methoden sich anbieten, um mögliche Sprachbarrieren zu überwinden. Und Serap Güler, Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen machte den Anwesenden Mut und bedankte sich für ihr Engagement: „Aussiedler und Spätaussiedler, die so genannten Gastarbeiter der 1950er bis 1970er Jahre, Asylsuchende und Kriegsflüchtlinge, aber auch Studentinnen und Studenten und EU-Bürger – mehr als 25 Prozent der Menschen in NRW haben eine Einwanderungsgeschichte. Dass all diese Menschen weitgehend friedlich zusammenleben, ist der Verdienst langjähriger integrationspolitischer Bemühungen.“ Wobei sie den Verdienst vor allem bei den Menschen vor Ort sieht.

Empfehlung: Verwaltungstätigkeiten auf kommunaler Ebene prozessorientiert bündeln

Bevor die erste Workshop-Phase begann, stimmte Jörg Bogumil, Professor für Verwaltungswissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum, die Teilnehmenden mit seinem Vortrag „Integration durch Kooperation in der Kommune – Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten“ darauf ein, warum die Zusammenarbeit manchmal so schwierig ist. So sagte er: „Es ist wichtig, sich die Komplexität klar zu machen, sonst verzweifeln sie vor Ort. Sie denken immer, es würde an Ihnen liegen. Aber es liegt nicht an Ihnen. Es liegt vor allem an den Zuständigkeitsverteilungen“. In seinem Vortrag empfahl er die Verwaltungstätigkeiten auf kommunaler Ebene prozessorientiert zu bündeln und ein kommunal orientiertes Fallmanagement aufzubauen.

Haus der Integration als zentrale Anlaufstelle für alle Zugewanderten

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigte die Präsentation des „Hauses der Integration“ in Wuppertal im Workshop „Kommunale Angebote unter einem Dach“. Jürgen Lemmer, Leiter des städtischen Ressorts Zuwanderung und Integration in Wuppertal, gab in einem kurzen Input Einblick in die Entstehung und Umsetzung dieser zentralen Anlaufstelle. Das Jobcenter, die Bundesagentur für Arbeit und die Stadt Wuppertal bieten rechtskreisübergreifend unter einem Dach Dienstleistungen für Zuwanderer an. „Wir wollten Integration von der ersten Minute an. Dabei dreht sich der Kunde nicht mehr um die Mitarbeiter, sondern die Mitarbeiter drehen sich um den Kunden. Es reicht in der Regel eine Person im Hause anzusprechen und die Informationskette geht weiter, so dass die anderen Zuständigen mit an den Tisch geholt werden. Daraus gewachsen ist dann ein gemeinsames Planen von Maßnahmen.“ Das Haus ist nicht nur für Geflüchtete, sondern für alle Zugewanderten die zentrale Anlaufstelle geworden.
Das Interesse unter den Teilnehmenden war groß. Doch wie lässt sich die Idee übertragen? In Kleingruppen wurden angeregt die Gelingensfaktoren und Herausforderungen diskutiert sowie Vorschläge gesammelt. Einigkeit herrschte darüber, dass es oftmals schwierig ist, alte Strukturen aufzubrechen. Zudem sei es unabdingbar, dass Verwaltung und Politik mitgehen müssen. Unterschiedliche Meinung herrschte wiederum darüber, ob eine gemeinsame Haltung zu Beginn eines solchen Projekts stehen muss oder ob diese sich im Laufe der Zeit erst entwickelt.
Dass die Idee des „Hauses der Integration“ auf großes Interesse stieß, zeigte sich auch daran, dass die Gespräche darüber bis in der Pause fortgeführt wurden.

Widerstände in der Netzwerkarbeit überwinden

Nach der Mittagspause hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, verschiedene Methoden, Ansätze und Instrumente kennenzulernen, die sie in ihrer Arbeit und vor allem in der Zusammenarbeit vor Ort unterstützen oder stärken können. Zum Beispiel Prozessketten, unter denen man die Kombination und Verzahnung verschiedener Unterstützungsleistungen versteht und die hilfreich sein können, um jungen Geflüchteten den Weg in die Ausbildung zu ebnen. Ein anderer Workshop widmete sich der gelungenen Netzwerkarbeit und wie Widerstände und Herausforderungen überwunden werden können. Farina Eggert vom Institut für kommunale Planung und Entwicklung in Erfurt und Robert Römer von der Fachhochschule Erfurt entwickelten gemeinsam mit den Teilnehmenden „Kleine Monster“, die Störfaktoren für eine gelingende Netzwerkarbeit sein können. Sie hießen unter anderem „Motivationsschreck“, „Hierarchosaurus“ oder „Zeitfresserchen“ und fast jeder in der Runde war schon mal in einem Netzwerk mit einem von ihnen konfrontiert. Dann ging es darum, Lösungsstrategien zu entwickeln, um die gemeinsame Arbeit gut fortzusetzen und die Monster zu „besänftigen“. Nach anfänglicher Skepsis entwickelten die Teilnehmenden eine große Anzahl an „Monstern“ und Lösungsansätzen. So wurde aus dem Motivationsschreck ein Motivator, wenn ihm die Vorteile und der Mehrwert der Netzwerkarbeit klar wurde.

Übergang von Schule in Beruf gelingt, wenn alle Partner gut zusammenarbeiten

Abschließend schaute Kathrin Hanke, Servicebüroleitung von „Willkommen bei Freunden“ in Köln, gemeinsam mit dem Publikum noch einmal auf die Gesamtfrage des Transferforums, nämlich „Wie die Zusammenarbeit in der Kommune Integration ermöglicht“. Einige der in den Workshops diskutierten Thesen wurden präsentiert und zur Diskussion gestellt. Franz Pfeffer, Bildungsbeauftragter im Landratsamt Schwandorf, nahm aus seinem Workshop mit, dass zwei sehr formalisierte Stufen, nämlich Schule und die betriebliche Ausbildung, höchst individuelle Anforderungen stellen, nicht nur, aber auch im Bereich der jungen Geflüchteten. Damit der Übergang gelingt, braucht es viele Partner, die gut zusammenarbeiten.
Am Ende des Tages herrschte Einigkeit darüber, dass das Engagement und die Kreativität vieler Akteure viele gute Ansätze hervorgebracht haben, um die Integration junger Geflüchteter voranzubringen.

Thesenpapier zum 5. Transferforum

Das fünfte Transferforum im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge” fand unter dem Titel „Viele Akteure, ein Ziel: Wie Zusammenarbeit in der Kommune Integration ermöglicht” am 19. Juni in Köln statt. Die Teilnehmenden aus den Bereichen Migration und Integration konnten sich in Workshops, Diskussionsrunden und Vorträgen austauschen wie diese gemeinschaftliche Aufgabe gelingen kann.

Thesenpapier zum 5. Transferforum

In zehn verschiedenen Workshops diskutierten die Teilnehmenden des fünften  Transferforums zu unterschiedlichen Themen. Als Ergebnis der Workshops wurden Thesen formuliert, diskutiert und am Ende der Veranstaltung im Saal ausgestellt.

Thesen zum 5. Transferforum PDF, 461KB

Dokumentation zum 5. Transferforum

Das Transferforum „Viele Akteure, ein Ziel: Wie Zusammenarbeit in der Kommune Integration ermöglicht” fand am 19. Juni 2018 im KOMED im Mediapark in Köln statt. In Vorträgen und Workshops konnten sich die Teilnehmenden informieren, austauschen und Einblicke in Beispiele aus der Praxis erhalten.

Begrüßung

Das Transferforum „Viele Akteure, ein Ziel: Wie Zusammenarbeit in der Kommune Integration ermöglicht“ wurde von Serap Güler, der Staatssekretärin für Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, von Claudia Keller von der Stabsstelle Flüchtlingspolitik des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Kathrin Hanke, der regionalen Programmleitung im Servicebüro Köln der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, eröffnet.

Die Keynote kam von Prof. Dr. Jörg Bogumil von der Ruhr-Universität Bochum:  Prof. Dr. Jörg Bogumil sprach zum Thema „Integration durch Kooperation in der Kommune: Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten“.

Die Gesamtmoderation des Transferforums übernahm Kathrin Hanke, Leitung Servicebüro Köln im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.

Im Folgenden erhalten Sie eine Dokumentation der Veranstaltung sowie die Präsentationen der Referentinnen und Referenten.

Gesamtdokumentation zum 5. Transferforum als PDF

Präsentation zur Keynote „Integration durch Kooperation in der Kommune“ von Prof. Dr. Jörg Bogumil, Ruhr-Universität Bochum

Prof. Dr. Jörg Bogumil von der Ruhr-Universität Bochum sprach zum Thema „Integration durch Kooperation in der Kommune: Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten“. Die Präsentation zur Keynote finden sie im untenstehenden PDF.

Präsentation von Prof. Dr. Jörg Bogumil PDF, 1,75MB

Workshop 1: Kommunale Angebote unter einem Dach: Das „Haus der Integration“ in Wuppertal bündelt Leistungen für Zugewanderte

Um die Integration von Geflüchteten in Wuppertal zu koordinieren, wurde im Frühjahr 2018 das Haus der Integration als eine gemeinsame Anlaufstelle der lokalen Behörden für Zugewanderte und Geflüchtete geschaffen. Das gemeinsame Angebot vom städtischen Ressort Zuwanderung und Integration, dem Jobcenter Wuppertal und der Bundesagentur für Arbeit trägt dem Verständnis gesellschaftlicher Integration als kommunale Gemeinschaftaufgabe Rechnung. Jürgen Lemmer, Ressortleiter des städtischen Ressorts Zuwanderung und Integration in Wuppertal, stellte das Haus der Integration vor und zeigt den Entstehungsprozess ebenso wie die Herausforderungen und Chancen auf. Im Anschluss diskutierten die Teilnehmenden in Kleingruppen, wie Zugänge zu Behörden und kommunalen Dienstleistungen erleichtert und Angebote gebündelt und vernetzt werden können.

Referierende:
•    Jürgen Lemmer, Ressortleiter des städtischen Ressorts Zuwanderung und Integration in Wuppertal

Moderation:
•    Esther Mankin, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro München im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Für junge Geflüchtete ist die Ankunft in Deutschland auch an aufenthalts-, leistungs- und arbeitsmarktrechtlichen Fragen gekoppelt. Die bürokratischen Hürden sind aufgrund vieler verschiedener Anlaufstellen nur in seltenen Fällen alleine und ohne Beratung zu meistern.
Um geflüchteten Menschen viele Wege zu erleichtern, hat die Stadt Wuppertal sich dafür entschieden, eine gemeinsame Anlaufstelle der lokalen Behörden zu schaffen – das Haus der Integration. Zusammen mit dem Jobcenter und der Agentur für Arbeit kümmert sich das Ressort Zuwanderung und Integration der Stadt um die Förderung der deutschen Sprache, Integration in Bildung, Ausbildung und Arbeit, Beratungsangebote zur Integration sowie die Förderung des Zusammenlebens in den Stadtteilen. Um dies zu gewährleisten, bestehen zwischen dem Haus der Integration und verschiedenen, lokal ansässigen Unternehmen (zum Beispiel Bayer, Helios, Wuppertaler Stadtwerke) Kooperationen.

Hans-Jürgen Lemmer, Ressortleiter des Bereichs Zuwanderung und Integration, verwies auf die seit Jahren bestehende sehr gute Kooperation dieser Organisationen und erläuterte, wie Kundinnen und Kunden und Beschäftigte von den kurzen Wegen profitieren. Dafür müsse die Integration von Geflüchteten in die Gesellschaft von allen beteiligten Akteuren als kommunale Gemeinschaftsaufgabe gesehen werden. Die kurzen physischen Wege innerhalb des Gebäudes seien für den Informationsfluss und die erfolgreiche Beratung ebenso maßgeblich, wie eine gemeinsame Haltung.

Während der Diskussion in der Gruppenarbeitsphase wurden verschiedene Ebenen beleuchtet. Die Zusammenführung separat voneinander agierender Instanzen wurde trotz des Best Practice Beispiels aus Wuppertal als Herausforderung wahrgenommen. Zum einen sollte der politische Rückhalt dauerhaft gewährleistet sein, zum anderen sollte auf eine Vorteilsübersetzung hingearbeitet werden, sodass sowohl politischer Wille als auch Verwaltungswille befriedigt werden könne.

Abschließend wurde sich daher für folgende These entschieden: „Für eine erfolgreiche Kooperation von Behörden und kommunalen Dienstleistungen beim Thema Integration sind der politische Wille und ein Konsens, ein Konzept und ein gemeinsames Verständnis/eine gemeinsame Haltung wichtig, Integration als Querschnittsaufgabe nicht nur verwalten, sondern gestalten zu wollen. Alles beginnt mit dem ersten Schritt, aus guten Erfahrungen mit der Zusammenarbeit erwachsen weitere Potenziale für Kooperation – auch bei anderen kommunalen Themen.“

Präsentation von Jürgen Lemmer PDF, 526KB

Workshop 2: Ein kreisweites Integrationskonzept: Das Bündnis des Kreises Recklinghausen als Beispiel für die Zusammenarbeit im Landkreis

Angetreten war das Bündnis im Kreis Recklinghausen im Jahr 2016 mit einer gemeinsamen Erklärung aller zehn Sozialdezernentinnen und -dezernenten. Ziel war die Erstellung eines gemeinsamen, kreisweiten Integrationskonzeptes, die Herstellung von Transparenz sowie die Zusammenführung der kommunalen Integrationsarbeit für Geflüchtete. Angestoßen wurde der Prozess durch das Kommunale Integrationszentrum Kreis Recklinghausen. Zwei Mitarbeiterinnen gingen im Workshop unter anderem auf folgende Fragen ein: Welche Erfahrungen haben die Akteure dabei gemacht? Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit von Kommunen im Kontext der Integration (junger) Geflüchteter und wie kann eine kreisweite Zusammenarbeit gelingen?

Referierende:
•    Anja Boßert, Mitarbeiterin des Integrationszentrums Kreis Recklinghausen
•    Katrin Petersen, Mitarbeiterin des Integrationszentrums Kreis Recklinghausen

Moderation:
•    Sarah Vazquez, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Köln im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Die beiden Mitarbeiterinnen des Kommunalen Integrationszentrums Kreis Recklinghausen stellten anhand des kreisweiten Bündnisses dar, wie erfolgreiche Zusammenarbeit im Landkreis aussehen kann und beantworteten dabei die Fragen:

Wie ist es im Kreis Recklinghausen – dem bevölkerungsreichsten Kreis in NRW mit Bürgerinnen und Bürgern aus über 100 verschiedenen Nationen – gelungen, eine städteübergreifende und kreisweite Kooperation zur gemeinsamen Ausarbeitung von Handlungsempfehlungen und mehr Transparenz bei den Angeboten der Integrations- und Flüchtlingsarbeit herzustellen?

Die Integrationslandschaft im Kreis Recklinghausen ist auf Kreisebene vielschichtig und setzt sich zusammen aus Angeboten aus den Bereichen der Verwaltung, der öffentlichen Gremien, der Wohlfahrtverbände, Bildungs- und Qualifizierungsträger und der Zivilgesellschaft. Diese Zusammensetzung bleibt auf der städtischen Ebene erhalten, differenziert sich jedoch stärker aus und wird heterogener. Ein Integrationskonzept, das alle zehn Städte des Kreises erarbeiten, sollte gewährleisten, dass diese heterogene Struktur Beachtung findet, möglichst transparent dargestellt werden kann und die Akteure in der Zusammenarbeit voneinander erfahren und lernen können.

Bei der Erstellung des kreisweiten Integrationskonzeptes übernahm das Kommunale Integrationszentrum die Koordination und initiierte einen Arbeitskreis auf Kreisebene um die Vorgehensweise, relevante Themenfelder und erste Gliederungsvorschläge abzustimmen. Parallel dazu fand ein Treffen mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und dem Programm Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge statt, wodurch sich eine Prozessbegleitung ergab, die die Arbeitsschritte des Kommunalen Integrationszentrums moderierend begleitete.

Der gebildete Arbeitskreis wurde um wichtige Akteure aus den betreffenden Themenfeldern erweitert und in einem weiteren Schritt wurden wichtige Ansprechpartnerinnen und -partner in den kreisangehörigen Städten gefunden. Die so entstandene Konzeptidee wurde kreisweit allen Integrationsbeauftragten vorgestellt und die Formulierung des gemeinsamen Vorhabens mündete in einer Zielerklärung, die von allen Sozialdezernenten und Sozialdezernenteninnen der zehn kreisangehörigen Städte unterzeichnet wurde, mit dem Fokus auf der Erarbeitung eines kreisweiten Integrationskonzeptes für Neuzugewanderte, der Herstellung von Transparenz in der Flüchtlingsarbeit und der Zusammenführung der Integrationsarbeit.

Im Zeitraum von Oktober 2016 bis Februar 2017 wurden dafür neun thematische Workshops zu insgesamt sieben Handlungsfeldern mit über 300 Teilnehmenden in den Städten des Kreises durchgeführt. Ein entscheidender Erfolgsfaktor war hierbei der Einbezug der verschiedenen Akteure. Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe wurde zum Beispiel durch die verschiedenen Orte und die thematische Freiheit bei den Workshops erreicht. Die Städte waren selbst Gastgeberinnen der Workshops, wählten das Thema der Treffen aus und stellten zusätzlich eine Expertin oder einen Experten, um die Situation vor Ort zu Beginn eines jeden Workshops darzustellen.

Das Kommunale Integrationszentrum sorgte für die Dokumentation des gesamten Prozesses und veröffentlichte entsprechende Broschüren. Auf einem Fachtag im November 2017 wurden die Ergebnisse vorgestellt und mit den Teilnehmenden erneut weiter ausgearbeitet. Das Ergebnis ist eine Handlungsempfehlung für die Integration von Neuzugewanderten (statt eines Integrationskonzeptes, wie zu Beginn gedacht) welche online zu finden ist unter www.kreis-re.de/Inhalte/Buergerservice/Leben_und_Wohnen/Kommunales_Integrationszentrum/Integrationskonzept_Workshopergebnisse_final.pdf.

Außerdem wurde während des gesamten Prozesses eine Online Datenbank (www.kreis-re.de/integrationsangebote ) für alle Integrationsangebote des Kreises implementiert, die als „Handbuch der Institutionen“ und als Überblick für Multiplikatoren und Neuzugewanderte gedacht ist. Die Akteure können ihre Angebote selbst einpflegen und aktuell halten. Da die Schnelllebigkeit der Angebote eine aktuelle Übersetzung in mehrere Sprachen erschwert, wurden Angebote mit Symbolen gekennzeichnet, die helfen sollen sich auch mit wenig Deutschkenntnissen zurechtzufinden.

Handlungsempfehlung für die Integration von Neuzugewanderten
Online Datenbank für Integrationsangebote / Handbuch der Institutionen
Präsentation von Anja Boßert und Katrin Petersen PDF, 1,34MB

Workshop 3: Zusammenarbeit erwachsener und jugendlicher Akteure. Erfahrungen aus dem Jugenddialog in Hamburg Rissen

Der 2016 vom Bezirksamt Altona ins Leben gerufene Jugenddialog Rissen agiert auf zwei Ebenen: Zum einen tauschen sich Erwachsene aus Einrichtungen, Institutionen und Trägern auf regelmäßigen Treffen über ihre Angebote für Jugendliche aus. Zum anderen hat sich unter dem Namen ColOURful Rissen eine Jugendgruppe zusammengetan, um Begegnungen zwischen Jugendlichen mit und ohne Fluchterfahrung zu befördern, gemeinsam mit den erwachsenen Akteuren die Einbindung geflüchteter Jugendlicher in soziale oder Vereinsstrukturen zu stärken und neue Freizeitangebote in Rissen zu schaffen. Im Workshop berichteten Jens Zussy, Prozessbegleiter beim Jugenddialog, sowie junge Mitglieder des ColOURful Rissen-Teams, wie die Zusammenarbeit zwischen Erwachsenen und Jugendlichen gelingen kann und welche Hürden sie dabei genommen haben.

Referierende:
•    Jens Zussy, Prozessbegleiter, Planen mit Phantasie“
•    Rebecca Majewski und Anne Benkowitz, Jugendliche des „ColOURful-Rissen“-Teams

Moderation:
•    Susanne Hanzlick, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Hamburg im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Wie können Erwachsene und Jugendliche gemeinsam und auf Augenhöhe zusammenarbeiten? Wie gelingt es, geflüchtete Jugendliche partizipativ in die Sozialraumgestaltung einzubinden? Welche Gelingensfaktoren und Herausforderungen für Initiativen junger Menschen mit und ohne Fluchterfahrung gibt es? Diese Fragen griff Workshop 3 der ersten Arbeitsphase des Transferforums auf, der die Arbeit des Jugenddialogs aus Hamburg Rissen vorstellte, welcher im Rahmen eines Bündnisses von Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge aufgebaut und durch eine Prozessbegleitung unterstützt wurde.

Die Arbeit des Jugenddialogs, der sich aus einem Netzwerk erwachsener Akteure sowie der Gruppe ColOURful Rissen zusammensetzt, hat das Ziel, einen Dialog zwischen jungen Menschen mit und ohne Fluchtgeschichte zu eröffnen und sich für einen offenen Stadtteil und gegen Diskriminierung und Rassismus einzusetzen.
Die Gruppe ColOURful Rissen besteht aus engagierten Jugendlichen mit und ohne Fluchterfahrungen im Alter zwischen 13 und 22 Jahren. Selbstständig planen, konzipieren und setzen die Jugendlichen alle ihre Veranstaltungsformate, wie zum Beispiel eine Infoparty, eine Rallye und eine Jugendbildungskonferenz, um. Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge unterstützte die Jugendlichen neben der kontinuierlichen Prozessbegleitung auch durch Workshops, in denen sie in Moderationsmethoden, Layout- und Flyergestaltung sowie Projektmanagement gestärkt wurden.
 
Der Ansatz des Jugenddialogs, keine Sonderprogramme für Geflüchtete aufzusetzen, sondern Jugendliche mit Fluchtgeschichte dabei zu unterstützen, als Teil einer Gruppe eigenständig Formate und Angebote für junge Menschen im Stadtteil zu entwickeln, scheint zu überzeugen: Das Bezirksamt Altona, auf dessen Anregung der Jugenddialog entstand, unterstützt Jugendliche, die Projekte selbstständig durchführen wollen, mit einem Budget von 10.000 Euro. Die Fortführung des Jugenddialogs wird schon jetzt parallel zur Begleitung durch Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge durch die Finanzierung des Prozessbegleiters nach Willkommen bei Freunden durch das Programm „Demokratie Leben“ gewährleistet.

Deutlich wurde im Workshop: Es braucht sowohl verlässliche Personen, die mit viel Motivation und Energie solch ein Projekt unterstützen, als auch Strukturen, die eine effektive und langfristige Zusammenarbeit ermöglichen. Junge Menschen können am besten erreicht werden, wenn bereits bestehende Kontakte und Kommunikationswege genutzt werden. Wichtig bei der Zusammenarbeit mit Jugendlichen ist es außerdem, sich auf deren begrenzte zeitliche Ressourcen einzustellen und sie als gleichberechtigte und selbstverantwortliche Partnerinnen und Partner wahrzunehmen, die eigenständig über ihre Themen und Aktionen entscheiden.

Die Empfehlung der beiden Anwesenden Mitglieder des Jugenddialogs aus Rissen sowie der Teilnehmenden des Workshops lautet daher zum Abschluss: Für das Gelingen partizipativer Projekte von Jugendlichen und Erwachsenen braucht es Zeit für den Vertrauensaufbau und Empowerment der jungen Menschen mit und ohne Fluchterfahrung sowie feste Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner, die den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen.

Workshop 4: Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt: Die Bündnisse aus Nidderau und Maintal zeigen Erfolgsfaktoren und Herausforderungen auf

Wie kann eine wertschätzende und zielgerichtete Zusammenarbeit von haupt- und ehrenamtlich Tätigen gelingen? Kommunale Akteure aus den Bündnissen in Nidderau und Maintal stellten ihre Erfahrungen dar. In Maintal arbeiten Haupt- und Ehrenamtliche bereits seit vielen Jahren zusammen, in Nidderau ist diese Form der Zusammenarbeit vor allem in den letzten zwei Jahren entstanden und wird durch das neu gegründete „Bündnis Nidderau hilft“ nun auf eine neue Stufe gehoben. Die Vertreterinnen und Vertreter der beiden Bündnisse gingen auf die Erfolge der Zusammenarbeit ebenso ein wie auf die Herausforderungen. Der zweite Teil des Workshops gab den Teilnehmenden die Gelegenheit, sich zu ihren eigenen Beispielen auszutauschen und ihre Arbeit zu reflektieren.


Referierende:
•    Claudia Bollig, Silvia Genz und Martin Rüttgers als Prozessbegleitungen in den Kommunen Maintal, Nidderau und Kirkel. Zusätzlich anwesend war Alexander Frei, Mitarbeiter der Stadt Nidderau
•    Haupt- und ehrenamtliche Vertreterinnen und Vertreter des Bündnis Maintal

Moderation:
•    Therese Hertel, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Frankfurt im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Vor allem Hauptamtliche widmeten sich im Rahmen des Workshops der Frage, wie die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen für beide Seiten gewinnbringend gestaltet werden kann. Beispiele aus drei Kommunen, in denen das Ehrenamt in dem von Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge begleiteten Prozess eine zentrale Rolle spielt, gaben Einblicke in erfolgreiche Ansätze aus der Praxis. Die Prozessbegleitungen der Bündnisse in Maintal (Hessen), Nidderau (Hessen) und Kirkel (Saarland) stellten Ihre Erfahrungen dar.

Der Workshop gab Raum, gemeinsam Gelingensbedingungen für solche Prozesse zu erarbeiten. Silvia Genz, Prozessbegleiterin in Nidderau, verdeutlichte die Bedeutung einer Analyse des Ist-Standes zu Beginn. Die Verständigung auf das „Wie“ und „Warum“ der Zusammenarbeit stellt den Ausgangspunkt und die Grundlage gemeinsamer zielorientierter Arbeit dar. In Nidderau war ein wesentlicher Faktor in kleinen Schritten voranzugehen, Ressourcen zu bündeln und Doppelstrukturen zu beleuchten. Ein Vertreter aus Nidderau fasste zusammen: „Die Prozessbegleitung und die Unterstützung durch das Servicebüro Frankfurt sind für uns super zielführend und hilfreich. Wir haben ein zukunftsträchtiges Konzept entwickelt. Die Vernetzung der einzelnen Bereiche gelang über das Bündnis, jetzt ziehen alle an einem Strang und das bringt uns ein ganzes Stück weiter“.

„Alle mitnehmen und einbeziehen“ ist aus Sicht von Claudia Bollig, die den Prozess in Maintal begleitet, zentral. Ein kontinuierlicher und verlässlicher Informationsfluss, ermögliche es, Perspektiven zusammenzuführen und gemeinsam zu entscheiden. Dabei gelte es auch, Lücken zu identifizieren und nachzubessern. Der Maintaler Prozess zeige beispielweise, dass Flexibilität wichtig ist, um Anpassungen vornehmen zu können.

Wertschätzung und Zusammenarbeit auf Augenhöhe, unter Beachtung der unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Ressourcen von Haupt- und Ehrenamt, sowie die gegenseitige Wahrnehmung als wertvolle Ergänzung sehen die Teilnehmenden des Workshops außerdem als wichtige Faktoren an. Der Blick in den Kirkeler Prozess verdeutlichte dies. Die vorhandene Augenhöhe machte es laut Martin Rüttgers, Prozessbegleiter in Kirkel, für die ehrenamtlichen Akteure möglich, ihre Kritik an einer Behörde offen zu formulieren. Man erarbeitet dort jetzt gemeinsam Lösungen. Dabei gelte es stets zu beachten, dass auch Haupt- und Ehrenamtliche keine homogene Gruppe seien.

Zentrale Gelingensbedingung, als Grundlage all der anderen genannten Faktoren sei Wertschätzung. „Die Perspektive des anderen als wertvolle Ergänzung anzusehen, zu verstehen, wie die anderen arbeiteten und sich ernst nehmen“ brachte es Moderatorin Therese Hertel auf den Punkt.


Workshop 5: Von der Schule in den Beruf – den Übergang gemeinsam stemmen: Erfahrungen aus den Landkreisen Elbe-Elster und Schwandorf

Mit dem Ende des laufenden Schuljahres stehen Landkreise in Brandenburg vor der Herausforderung, eine berufliche Perspektive für geflüchtete Jugendliche zu entwickeln. Der Landkreis Elbe-Elster hat sich auf den Weg gemacht, gemeinsam mit Jugendlichen, Schulen, der Kreisverwaltung und den Kammern ein Netzwerk aufzubauen, das die bestehenden Angebote auf die Kompetenzen und Bedarfe der Jugendlichen und Unternehmen hin überprüft und neue Wege entwickeln möchte, um die Jugendlichen individuell zu fördern und die Unternehmen zu stärken. Im bayerischen Schwandorf existiert bereits ein gut funktionierendes Netzwerk, das Jugendliche sehr erfolgreich in Ausbildung vermittelt und sie auf ihrem Weg bis zum Abschluss eng begleitet. Im Workshop berichteten beide Landkreise von ihren Erfahrungen.

Referierende:
•    Dagmar Fischer, Koordinatorin Bildungsbüro Landkreis Elbe-Elster
•    Sebastian Kappa, Industrie- und Handelskammer Cottbus
•    Jamil Gandor, Schüler am Oberstufenzentrum Elbe-Elster
•    Franz Pfeffer, Bildungsbeauftragter Landratsamt Schwandorf
•    Jetti Hahn, Prozessbegleiterin im Programm „Willkommen bei Freunden“

Moderation:
•    Safa Semsary, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Berlin im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Der Übergang in Ausbildung/Beruf stellt für viele Jugendliche eine schwierige Phase dar. Geflüchtete Jugendliche stehen dabei besonderen Herausforderungen wie dem Spracherwerb und der Anerkennung bereits vorhandener Qualifikationen gegenüber. Was können Kommunen tun, um den Übergang für junge Geflüchtete zu verbessern und Anschlussperspektiven zu schaffen?

Im Landkreis Schwandorf, so berichtete Franz Pfeffer, Bildungsbeauftragter im Landratsamt, wurde ein Integrationsnetzwerk geschaffen, um Einrichtungen, Maßnahmen und Projekte im Bereich der Integrationsarbeit zu vernetzen und die Zusammenarbeit mit Blick auf die Beschulung Geflüchteter und den Übergang in Ausbildung/Beruf zu fördern. In der wirtschaftsstarken Region stellt die Anstellung von jungen Geflüchteten eine Chance dar, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Allerdings erschweren insbesondere unsichere Aufenthaltsperspektiven die Berufsausbildung von jungen Geflüchteten. Ansonsten treffen viele Problemlagen auf geflüchtete und nicht geflüchtete Jugendliche gleichermaßen zu, weswegen die Devise des Integrationsnetzwerks lautet: „Wir arbeiten nicht mit Geflüchteten, wir arbeiten mit Menschen.“

Im Landkreis Elbe-Elster wurde unter Begleitung des Programms Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge ein Bündnis gegründet, um Anschlussperspektiven zu entwickeln. Die Koordinatorin des Bildungsbüros, Dagmar Fischer, und Prozessbegleiterin Jetti Hahn realisierten gemeinsam mit jungen Geflüchteten einen Konsultationsworkshop, in dem die Wünsche, Problemlagen und Bedarfe der Jugendlichen ermittelt wurden. An Hand des Konsultationsworkshops wurden insgesamt vier Handlungsfelder identifiziert, die für das Gelingen des Übergangs wesentlich sind: 1) Orientierung und individuelle Beratung, 2) direkte Unterstützung und Begleitung, 3) Kontakt zu anderen Jugendlichen sowie 4) die Öffnung von Betrieben.

Jamil Gandor, Schüler eines zweijährigen berufsvorbereitenden Lehrgangs für junge Geflüchtete am Oberstufenzentrum Elbe-Elster, der an dem Konsultationsworkshop teilgenommen hatte, berichtete, dass es vielen Geflüchteten an Informationen über das deutsche Bildungssystem fehlt: „Wir haben nicht gewusst, dass die Schule endet und wir uns für Ausbildungsplätze bewerben müssen.“

Auf Basis der Konsultationserkenntnisse wurde ein Analyseworkshop durchgeführt, in dem wesentliche Herausforderungen im Landkreis und Lösungsideen identifiziert wurden. Eine Steuergruppe wurde ins Leben gerufen, die einzelne konkrete Vorhaben plant und umsetzt. Neben der Verlegung der Berufsberatung an das Oberstufenzentrum (OSZ) und der Berufswegeplanung für jeden Einzelnen sind Workshops zur Öffnung der Betriebe und eine Informationsveranstaltung am OSZ geplant.

Von den 40 jungen Geflüchteten, die den Lehrgang besuchten, haben bisher nur drei einen Ausbildungsplatz gefunden. „Informieren und beteiligen sind ganz wichtige Punkte in so einem Prozess“, berichtete Jetti Hahn, um auch den anderen Jugendlichen gute Anschlussmöglichkeiten zu geben.

Workshop 6: Die Dialogische Haltung in der Arbeit mit Jugendlichen: Dialogische Fähigkeiten kennenlernen, entwickeln und reflektieren

Was macht eine dialogische Haltung aus? Mit welchen dialogischen Gesprächstechniken lässt sich die Zusammenarbeit mit Jugendlichen konstruktiv gestalten? Wie können Vertrauen und Kooperationsbereitschaft gestärkt und wie kann Beteiligung ermöglicht werden? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, setzten die Teilnehmenden sich mit den Eckpfeilern der dialogischen Haltung – den dialogischen Fähigkeiten nach Johannes und Martina Hartkemeyer und Freeman Dhority – auseinander. Sie hatten außerdem die Möglichkeit, dialogische Fähigkeiten in verschiedenen praktischen Übungen auszuprobieren und zu reflektieren.

Referierende:
•    Martina Leshwange, Fachberatung Jugendförderung, LVR-Landesjugendamt Rheinland

Moderation:
•    Sarah Vasquez, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Köln im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Martina Leshwange, die im Rahmen ihrer Arbeit als Fachberaterin im Landesjugendamt Dialogzertifikatskurse für Jugendliche und Erwachsene durchführt, unterfütterte die praktischen Kommunikationsübungen mit einem theoretischen Impuls zum Konzept der dialogischen Haltung.

Sie grenzte zunächst die Begriffe Diskussion und Dialog ab. Während in der Diskussion Person A gegen Person B spricht, geht es beim Dialog darum, etwas gemeinsam zu entwickeln. Im Dialog wird der Raum für verschiedene Perspektiven und Richtungen geöffnet. Es geht dabei nicht darum, den anderen zu überzeugen, sondern die Sichtweisen der anderen Person werden respektiert. Zu den Kernkompetenzen des Dialogs zählen das Zuhören, Respektieren und Artikulieren.

Jugendliche brauchen erwachsene Gesprächspartner, die ihnen zuhören, da sie sich sonst eventuell dem Kontakt entziehen. Ein gelingender Dialog braucht Zeit und erfordert angstfreie Räume. Fachkräfte, die mit Jugendlichen arbeiten, sollten versuchen, das Setting des Dialogs entsprechend zu gestalten. Auch Jugendlichen, die sich häufig nicht regelkonform verhalten, sollte mit Respekt begegnet werden. Wichtig ist, ihre Kompetenzen zu entdecken, statt nur auf Defizite zu blicken. Auf diese Weise kann sich die Atmosphäre gleich ändern. Dies gilt vor allem auch für die Arbeit mit jungen Geflüchteten, die oft als defizitär betrachtet werden.
Jede Person hat eigene Prägungen, die den Dialog mit Jugendlichen beeinflussen. Es ist wichtig, sich diese bewusst zu machen. In der Kommunikation mit Jugendlichen sollten sich Fachkräfte immer wieder fragen, woher ihre eigenen Bewertungen und Annahmen herkommen (Suspendieren). Oft spielt die eigene Erziehung und die Verinnerlichung von stereotypen Zuschreibungen hierbei eine wichtige Rolle. Die Referentin betonte zudem, dass über Sprache eine Vertrauensbasis geschaffen, aber auch genauso kaputt gemacht werden kann. Beim Artikulieren geht es darum, eine gemeinsame Sprache zu finden.

Sie regte an, Jugendhilfepläne mit Jugendlichen dialogisch zu entwickeln anstatt sie in einen vorgegebenen Rahmen pressen zu wollen. Jugendliche seien Expert*innen ihres eigenen Lebens entsprechend sollte die Zusammenarbeit an ihrer Lebenswelt orientiert sein.
Zur Vertiefung empfahl die Referentin das Buch „Dialog als Kunst gemeinsam zu denken. Die neue Kommunikationskultur für Organisationen“ von William Isaacs.

Präsentation von Martina Leshwange PDF, 1,43MB

Workshop 7: Junge Geflüchtete in Konsultationsworkshops anhören: Wie können die Bedarfe junger Geflüchteter erhoben und einbezogen werden?

Die Durchführung von Konsultationsworkshops ermöglicht eine Analyse der Bedarfe, Meinungen und Einschätzungen geflüchteter Jugendlicher und kann ein erster Schritt zur ihrer Beteiligung in der Kommune sein. Am Beispiel der Erfahrungen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wurden Konsultationsworkshops als eine Form der partizipativen Bedarfsanalyse und Zielsetzung vorgestellt und diskutiert. Dabei wurden sowohl gelungene als auch schwierige Momente reflektiert. Auch wurde beleuchtet, welche visuellen Methoden sich anbieten, um die Konsultation weniger sprachbasiert zu gestalten.

Referierende:
•    Dirk Adams, Prozessbegleiter im Programm „Willkommen bei Freunden“
•    Stephan Liebscher, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Berlin im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge

Moderation:
•    Marion Zirngibl, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Berlin im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Der Kreis Mecklenburgische Seenplatte ist ein sehr ländlich geprägter Raum mit einer wenig ausgebauten Infrastruktur. Die Kreisverwaltung entschied sich daher, einen Teil der dem Kreis zugewiesenen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge (umF) zentral in der Stadt Neubrandenburg unterzubringen. Um die jungen Geflüchteten gut begleiten und betreuen zu können und die Zusammenarbeit zwischen Jugendamt, freien Trägern und der beruflichen Schule konstruktiv zu gestalten, entschloss sich die Stadt Neubrandenburg eine Kooperationsvereinbarung zu erarbeiten und griff dafür auf die Unterstützung des Servicebüros Berlin zurück.

Wichtig war den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Jugendamtes, die Sicht und Bedarfe der jungen Geflüchteten von Beginn an in den Prozess einzubinden. Die Jugendlichen sollten die Möglichkeit erhalten, sich über ihre derzeitige Lebenssituation auf dem Campus auszutauschen und Bedarfe zu formulieren. Hierfür wurde das Format der Konsultationsworkshops gewählt. Etwas mehr als 30 Jugendliche und 8 Fachkräfte haben an diesem Workshop teilgenommen. Die Ergebnisse der Konsultation stellten drei Jugendliche bei einem anschließenden Analyseworkshop den insgesamt 30 Fachkräften aus dem Landkreis vor. Gleichzeitig bildeten die Themen der Konsultation die Grundlage für die o. g. Kooperationsvereinbarung.

Nach einer kurzen Vorstellung des Prozesses und der Begleitung durch Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge tauschten sich die Teilnehmenden an drei thematischen Tischen aus und erhielten so drei Perspektiven auf den Konsultationsworkshop und wie dieser in die Erarbeitung der Kooperationsvereinbarung eingebettet wurde.

Prozessverlauf:
Eine große Neuerung stellte die Tatsache dar, dass das Jugendamt direkt die Jugendlichen eingebunden hat. Nach anfänglicher Skepsis waren die Mitarbeitenden von der Idee der Konsultation begeistert und entwickelten zwischenzeitlich weitere Ideen, wie bspw. einen umF-Rat zu etablieren. Dirk Adams, Prozessbegleiter für Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge, stellte fest, dass die Rückkopplung an die Jugendliche am Ende des Prozesses fehlte. Hier wäre es wünschenswert gewesen, die Ergebnisse aus dem Analyseworkshop zurück zu spiegeln, auch wenn sich dies aufgrund der hohen Komplexität und sprachlicher Hürden herausfordernd gestaltet.

Gute Praxis/gute Argumente, die die Teilnehmenden selber einbrachten:
Eine wichtige Gelingensbedingung sei es, den Rahmen der Workshops so zu gestalten, dass er für die Jugendlichen ansprechend ist (Essen, Austausch, Begegnung auf Augenhöhe). Es wäre wünschenswert, wenn aus der Beteiligung ein konkreter Mehrwert für die Jugendlichen entsteht (bspw. Mikro-Projekte). Beteiligungsprozesse innerhalb der Verwaltung zu etablieren, ist häufig und aufgrund fehlender Erfahrungswerte eine Herausforderung. Hier kommt es auf die Haltung der Mitarbeitenden an. Das situative Wissen der geflüchteten Jugendlichen selbst ist wohl eines der Hauptargumente, warum Beteiligungsprozesse notwendig und zielführend sind. Es bräuchte zudem institutionalisierte Empowerment-Strategien (bspw. Jugendjury).


Methoden:
Der Konsultationsworkshop wurde mittels der Methode „Kollektives Kartieren“ durchgeführt, welches eine gute Möglichkeit darstellte, um in der multi-lingualen Gruppe der Jugendlichen mit wenig Sprache auszukommen. Anhand eines Luftbilds des Campus und Bilder vom Grundriss der Wohngruppen konnten die Jugendlichen einzelne Orte mit Emojis bewerten und ihre Wünsche mittels thematischer Symbole eintragen, bspw. zusätzliche Sportangebote. Diese Karte sowie anonymisierte O-Töne, die im Workshop mitgeschrieben wurden, konnten genutzt werden, um den Hauptamtlichen die Situation und Bedarfe der Jugendlichen aufzuzeigen.


Präsentation von Marion Zirngibl, Dirk Adams und Stephan Liebscher PDF, 1,37MB

Workshop 8: Den Weg junger Geflüchteter in Ausbildung ebnen: Mit Prozessketten und Strukturworkshops Arbeitsfelder mit vielen Beteiligten analysieren und effektiv gestalten

Wie gelingt es, junge Geflüchtete zielgerichtet in Ausbildung zu bringen? Wie können sich dabei alle Beteiligten in einer Kommune ergänzen und gut abstimmen? Die Stadt Magdeburg stellte ihren Ansatz vor. Im Rahmen von „Willkommen bei Freunden“ hatte sie einen Strukturworkshop durchgeführt. Im ersten Schritt wurden dabei alle Akteure, die daran mitwirkten, junge Geflüchtete in Ausbildung zu bringen, einer Prozesskette zugeordnet. Anhand der Kette konnten Leerstellen und Herausforderungen im Prozess der Integration junger Geflüchteter in Ausbildung sichtbar gemacht und Lösungsansätze entwickelt werden. Im Workshop wurde dieser systematische Ansatz vorgestellt und diskutiert.

Referierende:
•    Dagmar Bremer, Kommunale Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte, Stadt Magdeburg

Moderation:
•    Timon Perabo, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Magdeburg im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Magdeburg hat sich vorgenommen, den Weg junger Geflüchteten in Ausbildung zu ebnen. Dagmar Bremer, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte der Stadt, hat zusammen mit Timon Perabo, dem Leiter des Servicebüros Magdeburg des Programms “Willkommen bei Freunden. Bündnisse für junge Geflüchtete“ im Workshop 8 die Entwicklung einer Prozesskette skizziert, um dieses Ziel zu erreichen. Das vorgestellte Instrument der Prozesskette verschafft einen systematischen Überblick über die bestehende städtische Angebotsstruktur und deren Lücken und unterstützt bei der Steuerung des Prozesses.

Die Magdeburger „Prozesskette“ ist im Rahmen einer Prozessbegleitung von „Willkommen bei Freunden“ entstanden. An diesem Prozess haben sich 68 Bildungsträger beteiligt. Sie haben im Vorfeld an einer Befragung teilgenommen und schon viele Informationen zusammengetragen, die dann in den anschließenden Strukturworkshops analysiert und besprochen werden konnten. Als Analyseraster wurden dabei sechs Phasen der Integration in Ausbildung zugrunde gelegt: Ansprache und Orientierung => Eingliederung ins (Berufs-) Schulsystem, Erreichen der Ausbildungsreife => berufliche Orientierung, Kompetenzermittlung => Einführung in das Ausbildungssystem (Berufswahl) => Vermittlung in das Ausbildungssystem => Begleitung im Ausbildungssystem. In jeder dieser Phasen wurden Zuständigkeiten, laufende Angebote, insbesondere ihre sprachliche und finanzielle Förderung genauer angeschaut und ihre Wirksamkeit kritisch betrachtet. Das Ergebnis dieser Analyse wird am Ende allen Beteiligten auf der Homepage von der Stadt Magdeburg als eine digitale Übersicht zur Verfügung stehen. Die Aktualität der Daten werden Bildungsträger selbst verantworten.

Nach dem Impuls aus Magdeburg wurde die Beteiligung des Jobcenters und der Arbeitsagentur diskutiert. Auch kam die Sorge um die Integration der jungen Menschen ohne Bleibeperspektive und das mancherorts mangelnde Interesse der Bildungsträger an der Transparenz zur Sprache. Welche Angebote wie gut nachgefragt und angenommen werden, wird nicht immer gerne offengelegt.

Nach dem spannenden Impuls aus Magdeburg wurde in kleinen Gruppen ein zentrales Problem aus einer der genannten sechs Prozessphasen kollegial beraten, das den Teilnehmenden in den eigenen Kommunen besonders häufig begegnet. Die kollegiale Expertise in den Arbeitsgruppen diente vor allem möglichen Lösungsansätzen des jeweiligen Problems, die sich bereits auf der kommunalen bzw. Land-/Bundebene anbahnen. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurden abschließend gemeinsam diskutiert. Bei manchen sehr konkreten Problemstellungen wie z.B. bei der Frage, warum an einem Ort 50 Prozent der Geflüchteten das Sprachniveau B1 nicht erreichen, wurden schon mal schnell eigene kleine „Prozessketten“ entwickelt.

Präsentation von Dagmar Bremer PDF, 727KB

Workshop 9: Gelungene Netzwerkkoordination: Mit Herausforderungen und Widerständen in Netzwerken umgehen

Nur die wenigsten Netzwerke bleiben von Konflikten und inneren Widerständen verschont. Im laufenden Prozess der Netzwerkarbeit können sich Ziele und Interessen der Netzwerkpartnerinnen und -partner verändern. Nicht selten kommt es dabei zu Konflikten und Hürden, welche eingespielte Routinen des Netzwerks ins Wanken bringen. Der Workshop beschäftigte sich mit der Koordination von Netzwerken und der Reflektion der eigenen Netzwerkarbeit. Ziel war es, Blockaden zu verstehen, diese konstruktiv anzugehen und alternative Handlungsoptionen für Konflikte zu entwerfen.

Referierende:
•    Farina Eggert, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Kommunale Planung und Entwicklung (IKPE) in Erfurt
•    Robert Römer, Prozessbegleiter und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule Erfurt
Moderation:
•    Friederike Orth, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Hamburg im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Netzwerke entstehen, wenn Menschen zusammenkommen, um an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten. Das Ziel soll dabei möglichst praxisnah und an den Bedürfnissen der Zielgruppe ausgerichtet sein. Es soll ganzheitlich durch die verschiedenen Akteure betrachtet und dialogisch bearbeitet werden. Optimalerweise entwickeln die Akteure eines Netzwerkes eine gemeinsame Haltung gegenüber des Ziels und bezüglich der Zielerreichung. Netzwerkarbeit verläuft jedoch aufgrund dieser Ansprüche und der unterschiedlichen fachlichen Perspektiven, Interessen und persönlichen Motiven der einzelnen Akteure oft nicht konfliktfrei. Dem Referenten Robert Römer zufolge ähnelt ein Netzwerk somit einem sozialen System und ist im Ergebnis flexibel. Ein respektvolles Miteinander der Akteure ist grundlegend für gelungene Netzwerkkoordination.

Im Anschluss an Robert Römers Impulsreferat folgte die Arbeitsphase unter Leitung von Farina Eggert, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Kommunale Planung und Entwicklung (IKPE) in Erfurt. Die Teilnehmenden erstellten sogenannte „Netzwerkdämonen“, die Probleme und Widerstände verkörpern, welche die Arbeit im Netzwerk erschweren. „Kalendula“ etwa, die die Terminkalender der Netzwerkakteure bewacht und verhindert, dass sich diese treffen oder „Structurus Starrus“, der Ordnung und Abfolge von Prozessen bewacht und damit verhindert, dass Dinge schnell und flexibel entschieden werden können. Die Lösungen für den Umgang mit den Netzwerkdämonen liegen nicht immer in der eigenen Hand. Widerstände können womöglich nur kreativ umgangen werden und als Herausforderung für Fortschritt angesehen werden. Jeder „Netzwerkdämon“, darin waren sich die Teilnehmenden einig, kann eine Funktion haben und damit vielleicht strategisch eingesetzt werden.

Präsentation von Robert Römer

Workshop 10: Führen auf Augenhöhe: Wie gelingt es als Koordinierungsstelle, unterschiedliche Akteure zum gemeinsamen Arbeiten anzuleiten?

Immer häufiger werden koordinierende Stellen in Verwaltungen und Organisationen geschaffen. Und nicht selten sind die Anforderungen an diese Positionen sehr vielseitig und komplex. Wie gelingt es, interdisziplinäre Arbeitsgruppen innerhalb der eigenen Organisation sowie mit externen Akteuren zusammenzuführen und zielgerichtet anzuleiten? Welche Kompetenzen sind dafür nötig? Und wie lassen sich ein tragfähiges Netzwerk und eine verlässliche Unterstützungskultur aufbauen? Im Workshop wurde gemeinsam nach Antworten gesucht und aufgezeigt, welche Haltung für das Führen auf Augenhöhe hilfreich ist.
Der Workshop richtete sich an Personen, die selbst koordinierende Positionen innehaben, sich austauschen und gemeinsam an Handlungskompetenzen arbeiten möchten.

Referierende:
•    Claudia Bollig, Prozessbegleiterin im Programm „Willkommen bei Freunden“

Moderation:
•    Therese Hertel, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Servicebüro Frankfurt im Programm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“

Die Anzahl an Akteuren, die vor Ort Integration vorantreiben, ist in den letzten Jahren gewachsen. Zudem sind die Angebote vielfältiger geworden. Darum bekamen Mitarbeitende der Verwaltung den Auftrag, die Koordination von Integrationsangeboten zu übernehmen. An anderer Stelle wurden zu diesem Zwecke neue Positionen in der Verwaltung, wie auch bei Wohlfahrtsverbänden geschaffen. Die Aufgabenstellungen, die beruflichen Hintergründe der Koordinatorinnen und Koordinatoren und die spezifischen Zusammenhänge, in denen sie arbeiten, sind sehr unterschiedlich.

Gemeinsam haben die Koordinatorinnen und Koordinatoren jedoch, dass die Zielsetzung und die Handlungsansätze nicht von ihnen allein bestimmt werden, sondern sich aus dem Zusammenspiel der Interessen und Ressourcen aller Beteiligten ergeben. Diese Gemengelage veranschaulichten die Referentinnen Claudia Bollig (Prozessbegleiterin) und Therese Hertel (Kommunalberaterin im Bundesprogramm „Willkommen bei Freunden“) anhand der Stacey-Matrix. Auf dieser verordneten sie die Koordination von Integrationsangeboten als komplex. Aus diesem Grund sind klare und transparente Rahmenbedingungen wesentlich. Nur so kann die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure unter der Koordination einer Person zielführend gestaltet werden. Das Situationsmodell von Prof. Dr. Schulz von Thun betont hierbei, dass ein gemeinsames Verständnis von den Faktoren Vorgeschichte, thematische Struktur, Teilnehmer und Ziele der Zusammenarbeit entscheidend ist, damit die Beteiligten gut kooperieren können und die gesteckten Ziele gemeinsam erreicht werden. Daher lohne es sich diesem Aushandlungsprozess am Anfang, aber auch bei sich verändernden Rahmenbedingungen im Netzwerk Zeit zu schenken.

Zur Übertragung des theoretischen Inputs des Workshops auf den eigenen Arbeitsalltag, verglichen die Teilnehmenden jene Koordinierungsprozesse, die ihnen vertraut sind. In Kleingruppen suchten sie nach den Gelingensbedingungen und den Stolpersteinen dieser Kooperationen. Im Zuge dieser Diskussion teilten sich die Meinungen der Anwesenden, ob es die Aufgabe von Koordinatorinnen und Koordinatoren sei zu führen oder nur zu koordinieren. Dass dies auch von den unterschiedlichen Aufgabenstellungen abhängt, schilderten Charlene Huxley (Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte, Stadt Kassel) und Maruschka Güldner (WIR-Koordinatorin, Kreis Offenbach). Sie schlossen mit der Feststellung, dass unter allen Umständen die eigene Haltung ausschlaggebend ist, um gut zusammenarbeiten zu können.