Ausbildung und Berufseinstieg

Zugänge zum Arbeitsmarkt für junge Geflüchtete

Für geflüchtete Jugendliche im Alter zwischen 16 und 25 Jahren ist ein nahtloser Übergang in das Ausbildungssystem in Deutschland von großer Bedeutung. Trotz der Tatsache, dass viele der geflüchteten Jugendlichen bereits in ihren Heimatstaaten eine Schule oder eine andere Bildungsinstitution besucht haben, ist der Einstieg in das deutsche Bildungssystem für sie schwierig. Zudem benötigen junge Geflüchtete oft berufliche Qualifikationsmaßnahmen zum Einstieg in die Berufswelt.

Bedeutung des Aufenthaltsstatus für Ausbildung und Beruf

Der Zugang zum Arbeitsmarkt in Deutschland für geflüchtete Menschen ist stets mit deren Aufenthaltsstatus verbunden. Anerkannte Flüchtlinge, mit einem positiven Bescheid des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), haben uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt. Dies schließt auch die Aufnahme von Berufsausbildungen und Praktika ein. Hingegen bestehen für geflüchtete Menschen mit einer Duldung oder einer Aufenthaltsgestattung besondere Bedingungen. Für Personen mit einer Aufenthaltsgestattung, die sich  im laufenden Asylverfahren befinden, gilt diese Möglichkeit erst nach einem dreimonatigen Aufenthalt unter der Voraussetzung, dass keine Verpflichtung mehr besteht, in einer Erstaufnahmeeinrichtung des Landes zu wohnen.

Ob für ein Praktikum die Genehmigung durch die Ausländerbehörde und die Zustimmung der Arbeitsagentur erforderlich ist, wird individuell entschieden. Bei der Aufnahme eines regulären Arbeitsverhältnisses bedarf es jedoch der Genehmigung der Ausländerbehörde und der Zustimmung der Arbeitsagentur. Personen mit einer Duldung können hingegen bereits ab dem ersten Tag des Aufenthalts in Deutschland eine betriebliche Berufsausbildung aufnehmen, ohne dass die Bundesagentur für Arbeit zustimmen muss. Bei konkreten Fragen kann die jeweilige Arbeitsagentur vor Ort um Rat gefragt werden. Ebenso können sich dort Arbeitnehmer, die jungen Geflüchteten ein Praktikum, eine Ausbildung oder eine Anstellung ermöglichen wollen, beraten lassen.

Anerkennung von Abschlüssen

Für die Aufnahme einer Ausbildung oder eines Berufs benötigen alle Jugendliche in Deutschland entsprechende Schulabschlüsse. Junge Geflüchtete, welche bereits einen Schulabschluss haben, können sich diesen anerkennen lassen. Das regelt das Anerkennungsgesetz des Bundes. Dafür muss ein Antrag bei der jeweiligen Zeugnisanerkennungsstelle des Bundeslandes gestellt werden. Bei noch nicht abgeschlossenen Schullaufbahnen entscheidet die jeweilige Schule über die Einstufung der geflüchteten Jugendlichen. Das Informationsportal der Bundesregierung „Anerkennung in Deutschland“ bietet zu diesem Thema einen guten Überblick. Zudem haben Fachkräfte aus dem Ausland die Möglichkeit, ihren Berufsabschluss auf Gleichwertigkeit mit dem deutschen Referenzberuf überprüfen zu lassen.

Einstiegsqualifizierungen (EQ)

Losgelöst von dem jeweiligen Aufenthaltsstatus bieten Einstiegsqualifizierungen jungen Geflüchteten einen guten Einstiegs ins Berufsleben. Eine betriebliche Einstiegsqualifizierung beinhaltet ein betriebliches Langzeitpraktikum von mindestens sechs bis maximal 12 Monaten. Die Einstiegsqualifizierung richtet sich an Ausbildungssuchende, die bis zum 30. September eines Jahres keine Ausbildungsstelle finden konnten, sowie junge Menschen, die aktuell noch nicht in vollem Umfang für eine Ausbildung geeignet oder lernbeeinträchtigt und sozial benachteiligt sind. Betriebe haben damit die Möglichkeit, die jungen Geflüchteten an eine Ausbildung heranzuführen. Ziel ist die Übernahme in eine Ausbildung der jungen Geflüchteten. Jugendliche, die noch schulpflichtig sind, können nicht im Rahmen einer Einstiegsqualifizierung gefördert werden. Jedoch besteht für sie die Möglichkeit, sich an beruflichen Schulen für eine Ausbildung oder Anstellung vorzubereiten.
Einige Berufsschulen haben bereits Klassen für junge Geflüchtete eingerichtet. Dort erhalten sie nicht nur Deutschunterricht, sondern können je nach Schulkonzept durch Praktika erste Berufserfahrungen sammeln. So gehen beispielsweise bereits 180 geflüchtete Jugendliche an Hamburger Berufsschulen an zwei Tagen in der Woche in Betriebe und lernen die restlichen Tage in ihren Klassen.

Finanzierung während Ausbildung und Praktika

Die nachhaltige Finanzierung einer beruflichen Qualifizierungsmaßnahme und der Ausbildung ist entscheidend für das Gelingen. Die Bundesagentur für Arbeit leistet sowohl finanzielle Unterstützung (Kostenübernahme für Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen, Lohnkostenzuschüsse für Arbeitgeber, Praktika) als auch aktive Förderung (Berufsberatung, Vermittlung Ausbildungsplätze). Zusätzlich stellt sie Bildungs- und Qualifizierungsangebote bereit.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge erhalten zum Beispiel bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres Hilfen zur Erziehung. In einigen Fällen auch über das 18. Lebensjahr hinaus. Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) können für geflüchtete junge Menschen während eines Studiums oder des Besuchs einer allgemeinbildenden Schule ab Klasse zehn gefördert werden. Betriebliche Ausbildungen im dualen System fallen nicht darunter. Hingegen ist die Förderung einer mindestens 2-jährigen Ausbildung an Berufsfachschulen möglich.

Bleibeperspektive durch Ausbildung

Das Aufenthaltsgesetz sieht vor, dass geflüchteten Jugendlichen eine vorübergehende Aufenthaltssicherheit während der beruflichen Ausbildung gewährt wird. Sie bekommen damit eine Duldung. Damit wird jungen Geflüchteten ermöglicht, eine bereits begonnene oder kurz bevorstehende Ausbildung zu beenden. Eine Verlängerung des Duldungsstatus ist nach einem Jahr möglich. Aufgrund der Unsicherheiten hinsichtlich des Aufenthaltsstatus der jungen Geflüchteten ist der Beginn einer Ausbildung ein guter Weg für eine weitere Zukunft in Deutschland.

Kooperationen und Netzwerke sind entscheidend

Der Zugang zur Berufsausbildung sowie zu den Förderinstrumenten der Bundesagentur für Arbeit setzt die Zusammenarbeit unterschiedlicher Menschen in der Kommune voraus. Arbeitsagenturen, Jobcenter, Wirtschaftsverbände und Industrie- und Handelskammern sind dabei wichtige Partner. Weiterhin können Institutionen, die täglich mit den geflüchteten Jugendlichen zusammenarbeiten sehr gut unterstützen. Dazu zählen freie Träger, Migrantenorganisationen und die vielen ehrenamtlichen Netzwerke.

Einbindung der Geflüchteten als Erfolgsfaktor

Die Einbindung der Geflüchteten bei der Frage, welche Zukunftsperspektive sie sich wünschen, ist entscheidend für den Erfolg der Vermittlung in Arbeit oder Ausbildung. Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Work for Refugees“ des Paritätischen Landesverbandes Berlin und der Stiftung Zukunft Berlin. Die Initiative organisierte Januar 2016 zum Beispiel in Berlin eine Jobbörse für Geflüchtete.  Dort stellten elf Unternehmen und zwei Bildungsträger ihre Arbeit vor. Potenzielle Arbeitgebern und geflüchteten Menschen konnten sich dadurch kennenlernen.

Ein weiteres Beispiel ist das Modellprojekt "Early Intervention". Dieses wurde von der Bundesagentur für Arbeit (BA), das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und dem vom Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderten Bundesprogramm „XENOS – Arbeitsmarktliche Unterstützung für Bleibeberechtigte und Flüchtlinge“ initiiert und 2015 abgeschlossen. Es erprobte an neun Standorten zunächst mit gut qualifizierten Flüchtlingen neue Wege, die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern und zu beschleunigen. Die Ergebnisse wurden Ende 2015 in einem Abschlussbericht veröffentlicht.

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