Ausbildung und Berufseinstieg

Berufliche Bildung braucht die Zusammenarbeit vieler Akteure

Rund 80 Schülerinnen und Schüler der Internationalen Förderklassen des Berufskollegs Olpe erhielten Anfang Juli 2017 ihre Abschlusszeugnisse. Damit haben sie ihren ersten deutschen Schulabschluss erworben und können sich auf den Weg in die Berufswelt machen. Innerhalb eines Jahres haben die jungen Geflüchteten nicht nur die deutsche Sprache erlernt, sondern auch erste berufliche Erfahrungen sammeln können. Damit das gelingt, arbeiten viele kommunale Akteure zusammen. Das sind neben den Lehrkräften, dem Schulsozialdienst sowie den Schülerinnen und Schülern des Berufskollegs vor allem lokale Betriebe und, im Falle von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, Betreuungspersonen der Kinder- und Jugendhilfe.

Internationale Förderklassen als Start in die Berufswelt

Im Kreis Olpe besuchen geflüchtete Schülerinnen und Schüler im Berufsschulalter das Berufskolleg in Olpe. Unterrichtet werden sie zunächst in sogenannten Internationalen Förderklassen (IFK). Hauptziel der auf ein Jahr angelegten Förderklassen liegt im Erlernen der deutschen Sprache – dafür stehen zehn Wochenstunden bereit. Zusätzlichen werden unter anderem Wirtschaftslehre, Politik und Mathematik unterrichtet. „Zwei Mal die Woche“, erzählt Elisabeth Loske, Leiterin der IFK am Berufskolleg Olpe, „haben die Schüler praktischen Unterricht in unseren Werkstätten. Dort sammeln die Schüler erste Erfahrungen in den Bereichen Metall, Holz, Ernährung und Versorgung, Kfz und Elektro.“

Berufskolleg bietet viele Wege nach der IFK

Im zweiten Halbjahr der Förderklasse vertiefen die Jugendlichen ihre praktischen Erfahrungen in Langzeitpraktika bei lokalen Betrieben. „Die Plätze dafür haben wir als Schule gemeinsam mit den Schülern selber gesucht“, erzählt die Leiterin der IFK am Berufskolleg Olpe. „Dafür führen wir Einzelgespräche mit jedem Jugendlichen, um herauszufinden, welche beruflichen Qualifikationen und Vorstellungen sie haben.“ Nach der IFK gibt es für die Schülerinnen und Schüler verschiedene Möglichkeiten: Manche können die einjährige Berufsfachschule oder bei besonderer Eignung sogar die gymnasiale Oberstufe besuchen, um einen höheren Bildungsabschluss zu erhalten. „Denn nicht immer reicht für eine Ausbildung der Hauptschulabschluss Klasse 9 aus“, sagt Elisabeth Loske. Viele Schülerinnen und Schüler beginnen nach der IFK eine Einstiegsqualifikation (EQ) – ein einjähriges Praktikum mit Berufsschulunterricht als Vorbereitung auf die Ausbildung. Andere wiederum finden durch ihr Praktikum während der IFK einen Ausbildungsplatz. Frau Loske blickt zufrieden auf das letzte Schuljahr zurück: „Es ist beeindruckend und anerkennenswert, was die geflüchteten Schüler hier in einem Jahr gelernt haben.“

Starkes Netzwerk und Engagement ist entscheidend für Bildungserfolg

Frau Loske ist der Meinung, dass es nicht reicht, die Schüler in den Unterrichtsstunden zu unterrichten. „Damit sie bei uns gut ankommen können und eine Ausbildung finden, ist es sehr wichtig, dass man das Beziehungsgeflecht pflegt“, erzählt sie. Mit diesem Beziehungsgeflecht meint sie den Austausch und die Zusammenarbeit mit Ausbildungsbetrieben, Betreuungspersonen der Jugendhilfe und den Jugendlichen selbst. Dies sei jedoch ohne persönliches Engagement, das über die beruflichen Verpflichtungen hinausgeht, nicht zu leisten. Elisabeth Loske erzählt, dass sie und ihr Team oft nach ihren Unterrichtsstunden in der Klasse bleiben, um Fragen der Schüler zu beantworten. Außerdem seien sie auch nach dem Unterricht und am Wochenende zum Beispiel für Betreuer der Jugendhilfe erreichbar.

Zusammenarbeit zwischen Berufskolleg und Jugendhilfe

Jens Ossendorf betreut als Abteilungsleiter der Jugendhilfe des CJD Olpe 14 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die das Berufskolleg Olpe besuchen. Der direkte Austausch mit Frau Loske und den anderen Klassenlehrern ist aus seiner Sicht besonders wichtig und entscheidend für den weiteren Weg der Jugendlichen: „Wir haben die Möglichkeit, zum Beispiel bei Nachfragen zu speziellen Fördermöglichkeiten oder anderen Fragen, die im Schulalltag aufkommen, schnell und unkompliziert mit den Lehrkräften zu sprechen.“ Eben dieses Beziehungskapital, erzählt Jens Ossendorf, sei ein entscheidender Faktor für den Erfolg der beruflichen Bildung: „Die verschiedenen Bezugspersonen, wie Lehrkräfte, Betreuer oder Ausbildungsleiter, sind, neben den persönlichen Ressourcen, das wichtigste Kapital für die Jugendlichen. Sie tauschen sich aus, um den jeweiligen Jugendlichen passend auf seinem beruflichen Weg zu begleiten.“

Weitere Unterstützung durch Kommunalen Integrationsdienst

Neben den direkten Bezugspersonen für die Schülerinnen und Schüler gibt es weitere Akteure, mit denen das Berufskolleg bezüglich der beruflichen Bildung für junge Geflüchtete zusammenarbeitet. Zum einen ist das die Sozialpädagogin Angelika Link, welche beim Jugendmigrationsdienst Olpe Jugendliche mit Migrationshintergrund unterstützt. Jugendliche, die mit ihren Familien nach Deutschland geflüchtet sind, erhalten nicht die enge Betreuung durch die Jugendhilfe wie unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Daher ist die Schnittstelle über die Sozialpädagogin zu den Familien für das Berufskolleg sehr wichtig. „Besonders bei begleiteten Jugendlichen, bei denen wir Schwierigkeiten sehen, ist der Kontakt zu Frau Link besonders wichtig“, sagt Elisabeth Loske. „Sie geht dann in die Familien und spricht mit ihnen.“

Aber auch auf Elternsprechtagen habe man die Möglichkeit, die Eltern kennenzulernen und über Herausforderungen und Chancen zu sprechen. Dafür wurden zudem Sprechtage speziell für geflüchtete Familien eingerichtet. Zum anderen gibt es auf Kreisebene das Kommunale Integrationszentrum (KI), welches unter anderem Schulen mit Fortbildungen, besonders im Bereich Deutsch als Zweitsprache, unterstützt. Außerdem vermittelt das KI auch ehrenamtliche Unterstützerinnen und Unterstützer an das Berufskolleg.

Motivation der Schüler ist entscheidender Faktor

Trotz der Zusammenarbeit und dem großen Engagement der beteiligten Akteure, ohne die eigene Motivation der Schülerinnen und Schüler geht es nicht. „Eine ganz wichtige Sache ist“, betont Frau Loske, „wie hoch die Schüler selber motiviert sind, sich hier auf alles einzulassen: Deutsch zu lernen, unser Bildungssystem zu akzeptieren und sich praktisch anzustrengen. Das ist meiner Meinung nach das A und O.“ Dazu komme noch, so Elisabeth Loske, dass die Schülerinnen und Schüler zusätzlich eine neue Kultur kennenlernen und einige von ihnen traumatische Erfahrungen verarbeiten müssen. „Das ist eine ganz schön große Hausnummer, was die Jugendlichen zu bewältigen haben. Daher benötigen sie unsere Unterstützung.“

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