Ausbildung und Berufseinstieg

Düsseldorfer Berufskolleg bereitet junge Geflüchtete auf Ausbildung vor

„Ein Traum. Die Jugendlichen sind hochmotiviert. Das ist einfach nur phantastisch. Alle Lehrer, die hier arbeiten sind glücklich“, beschreibt Heinrich Bell die Zusammenarbeit mit den jungen Geflüchteten. Studiendirektor Bell ist Abteilungsleiter der Beruflichen Einstiegsqualifizierung an der Albrecht-Dürer-Schule in Düsseldorf. Ein Berufskolleg, welches Jugendliche in Deutschland auf eine Ausbildung vorbereitet – egal, ob sie in Deutschland aufgewachsen sind oder hier neue Perspektiven suchen.

Deutschunterricht als wichtige Stütze

Seit vier Jahren unterrichtet die Albrecht-Dürer-Schule auch geflüchtete Jugendliche in ihren Internationalen Förderklassen (IFK). Mittlerweile gibt es für die fast 90 geflüchteten Schülerinnen und Schüler vier verschiedene Klassen. Eine weitere wird Anfang Mai eröffnet. Jede Klasse geht auf die verschiedenen Deutschkenntnisse der Jugendlichen ein.

„In der Regel haben wir bei vier Klassen zwei Klassen, die Erstförderung erhalten“, berichtet Heinrich Bell. „Das bedeutet, fünf Tage in der Woche sechs Stunden Unterricht. An drei Tagen gibt es morgens in den ersten beiden Stunden Differenzierungskurse. In diesen lernen Geflüchtete mit bereits länger in Deutschland lebenden Jugendlichen zusammen. In der restlichen Zeit lernen die jungen Flüchtlinge so viel Deutsch wie möglich.“

Karteikarten helfen beim Wortschatz

Für die individuelle Deutschförderung arbeitet die Schule unter anderem mit einem System aus Karteikarten. Eigentlich wird dieses Lehrwerk, entwickelt vom Pädagogen Norbert Sommer-Stumpenhorst, in der Grundschule eingesetzt. Gabriele Trappmann, Lehrerin der IFK, entwickelte das Konzept jedoch weiter und passte es an die Anforderungen der jungen Geflüchteten an. Auf der Vorderseite der Karteikarten sind ein deutsches Verb und das dazugehörige Substantiv abgebildet. Auf der Rückseite wird dieses Wort in 15 bis 20 Sprachen übersetzt. Dadurch können die Schüler selbständig untereinander arbeiten. Ziel ist es, mit den Karten einen Wortschatz von bis zu 400 Wörtern aufzubauen. Das klappt, laut Heinrich Bell, hervorragend. „Dazu herrscht eine tolle, friedfertige Stimmung, wenn die Schüler mit dem Lernen beschäftigt sind.“

Berufsorientierung durch Praktika

Die anderen beiden der vier Internationalen Förderklassen ergänzen die intensive Deutschförderung mit praktischen Einblicken in die Berufswelt. Je nach Deutschkenntnissen geschieht das bereits im ersten oder erst im zweiten Halbjahr. Die Jugendlichen gehen dann bis zu zwei Tage die Woche ins Praktikum. Der Schule ist dabei besonders wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler erst einmal selbst auf die Suche nach einem Praktikum gehen. Dazu sagt Heinrich Bell: „Wir versuchen dadurch zu vermitteln, wie schwer es ist, ein Praktikum zu bekommen. Auf diesen Weg wird ein Praktikum wirklich gewertschätzt.“ Für alle, die nicht auf Anhieb einen Praktikumsplatz finden, gibt es die sogenannte Sprungbrett-Klasse. In dieser werden die jungen Erwachsenen dabei unterstützt, schnell in ein Praktikum vermittelt zu werden.

Kooperationen und Hospitationen

Alle Jugendlichen bekommen bei der Suche nach einen Praktikum Unterstützung durch die Lehrkräfte und Sozialpädagogen. Zurzeit versucht die Albrecht-Dürer-Schule eine solide Kooperation mit den Handwerkskammern und den Industrie- und Handelskammern aufzubauen. Ziel ist es, einen Pool an Betrieben zu haben, welche den Jugendlichen einen Praktikumsplatz anbieten können. Dabei macht das Berufskolleg keinen Unterschied zwischen den Jugendlichen. „Wir geben denen Unterstützung, die es bisher noch nicht geschafft haben“, sagt Heinrich Bell. „Dabei machen wir keinen Unterschied zwischen Nationalitäten und Fluchthintergründen. Jeder Jugendliche an der Schule bekommt die gleiche Chance, optimal auf eine Ausbildung vorbereitet zu werden. Wir suchen die Potenziale, die da sind und bauen darauf auf.“

In dieser Motivation liegt die große Stärke des Konzepts zur Integration junger Geflüchteter an der Albrecht-Dürer-Schule. Das erkennt man auch an den zahlreichen Besuchen von Vertreterinnen und Vertretern unter anderem der Landesministerien, der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer und Universitäten. Diese Hospitationen helfen dabei, das Schulkonzept kennenzulernen und an anderer Stelle ebenfalls umzusetzen. Zudem können sich daraus Bündnisse entwickeln. Zurzeit spricht die Schule beispielsweise mit Hugo Kremer, Professor für Wirtschafts- und Berufspädagogik an der Universität Paderborn, über ein gemeinsames Projekt.

Klare Haltung gegen Mobbing und Rassismus

Zum Konzept der Schule gehört auch eine klare Linie gegen Fremdenfeindlichkeit. So gibt es unter den knapp 500 Schülerinnen und Schülern mit Flucht- oder Migrationshintergrund an der Schule, laut Heinrich Bell, keine größeren Konflikte. „Natürlich gibt es, wie in jeder anderen Schule auch, Fälle von Mobbing. Aber wir sind sehr sensibel dafür: Die Schule setzt hier auf eine klare Haltung. Wir sind gegen Mobbing und Fremdenfeindlichkeit. Jeder bei uns weiß, dass jedes Mobbing, jeder Ansatz von Mobbing und jede blöde Bemerkung sofort von uns aufgegriffen und angegangen wird.“

Diese klare Haltung ist mit ein Grund dafür, dass es aus Sicht der Schule ebenfalls keine Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen verschiedener Religionsgemeinschaften gibt. Anderen Schulen gibt Heinrich Bell deshalb folgende Empfehlung mit: „Ich kann nur sagen: Leute, es ist eine große Freude mit geflüchteten Jugendlichen zusammenzuarbeiten. Macht viel gemeinsam. Sprecht über mögliche Probleme, feiert zusammen und unternehmt gemeinsam etwas.“

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