Ausbildung und Berufseinstieg

Berufsorientierung auf der Lehrbaustelle Bebra

Jungen Geflüchteten möglichst unkompliziert und schnell eine berufliche Orientierung geben. Im osthessischen Bebra können Geflüchtete schon seit über drei Jahren sich bei der Lehrbaustelle Bebra auf eine Ausbildung oder eine Tätigkeit im Bauhandwerk vorbereiten.

Die Idee zu einer Lehrbaustelle kam Bebras Kreishandwerker Klaus Stöcker bereits im Herbst 2012. Zwei Herausforderungen wollte er mit seinem Projekt entgegenwirken: Auf der einen Seite droht Fachkräftemangel im Handwerk, auf der anderen Seite gibt es Geflüchtete, die gerne in Deutschland arbeiten wollen. Das Pilotprojekt „FAB – Flüchtlinge und Asylbewerber im Bauhandwerk“ startete dann im Frühjahr des folgenden Jahres. In den Hallen der Lehrbaustelle Bebra wurde gesägt und gehämmert, Mäuerchen errichtet und Fliesen verlegt.

Vorbereitung auf eine Ausbildung als Mauer oder Betonbauer

Das Amt für Migration des Landkreises Hersfeld-Rotenburg wählt gemeinsam mit der Lehrbaustelle Bebra die Jugendlichen aus. Über einen Zeitraum von sechs Monaten bereiten diese sich dann auf eine Ausbildung als Maurer, Maler, Zimmermann Straßen- oder Betonbauer vor. Für die individuelle Förderung und Begleitung stehen Lehrkräfte, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie die interkulturellen Vermittler des Landkreises Hersfeld-Rotenburg zur Verfügung. In Kooperation mit Betrieben aus der Region werden auf den Einzelnen zugeschnittene Praktika durchgeführt. Nach der Teilnahme an der berufsvorbereitenden Qualifizierungsmaßnahme können die Geflüchteten eine dreijährige Ausbildung beginnen. Sowie Soltan aus Eritrea. Der 27-Jährige ist im zweiten Ausbildungsjahr zum Maler und Verputzer. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen klappt gut und auch die Verständigung wird jeden Tag besser, dafür lernt er täglich Deutsch.

Deutschkenntnisse sind auf der Baustelle unabdingbar

Denn eine große Herausforderung für die Macher der Lehrbaustelle sind die oftmals fehlenden Deutschkenntnisse der Teilnehmer. Wenn die Verständigung nicht reibungslos klappt, kann es schnell gefährlich werden auf einer Baustelle. Daher wird in Bebra fachspezifischer Deutschunterricht angeboten. Statt Small Talk werden Maßnahmen zur Unfallverhütung geübt, statt fiktiver Alltagssituationen realitätsnahe Herausforderungen im Berufsalltag geprobt.

Qualifizierungsmaßnahmen auch für in Deutschland aufgewachsene Jugendliche

Auch für in Deutschland aufgewachsene Jugendliche, die durch das grobe Sieb des Bildungssystems gefallen sind, bietet Bebra seit Jahren eine ganz ähnliche Qualifizierungsmaßnahme auf der Lehrbaustelle, Berufsstart Bau.

In Bebra haben seit Beginn des Programms 48 Geflüchtete Vorbereitungslehrgänge absolviert. 17 Teilnehmer konnten danach mit einer Ausbildung beginnen, weitere acht konnte in Helfertätigkeiten vermittelt werden.

Mittlerweile hat das Programm einen neuen Namen IFAH (Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern im Handwerk) und wird durch den Europäischen Sozialfonds ESF, Umlagemitteln der Baubetriebe in Deutschland und Mitteln des Landkreises Hersfeld-Rotenburg finanziert.

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