Ausbildung und Berufseinstieg

Ideen für eine gelingende Berufsorientierung junger Geflüchteter

Damit sich junge Geflüchtete schnell über ihre Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt, im deutschen Ausbildungssystem oder über Studiengänge informieren können, ist eine frühzeitige Berufsorientierung und Förderung berufsübergreifender Schlüsselkompetenzen hilfreich. Hier finden Sie Hinweise, wie sich geflüchtete junge Menschen frühzeitig und systematisch auf die Berufswahl in Deutschland vorbereiten können.

Wege in den Beruf

Grundsätzlich sind alle Berufsfelder und die darauf vorbereitenden Ausbildungs- und Studiengänge auch für junge Geflüchtete offen. Zu den generellen Anforderungen, wie zum Beispiel eine abgeschlossene Schulbildung, die für alle Jugendlichen in Deutschland gelten, treten für geflüchtete Jugendliche sprachliche und rechtliche Herausforderungen hinzu. Außerdem hängt die berufliche Orientierung eng mit der eigenen Lebensplanung zusammen. Diese ist bei jungen Geflüchteten zunächst unterbrochen. Sie mussten die Schule, ihr Studium oder eine Berufsausbildung abbrechen. Nach ihrer Flucht müssen sie sich zunächst neu orientieren – neue Wege für ihre Zukunft finden.  

An die Stelle möglicher Berufe, die im Herkunftsland der Orientierung dienten, treten in Deutschland neue Berufsfelder. Das duale Ausbildungssystem ist ebenso in manchen Ländern unbekannt. Daher benötigen junge Geflüchtete, laut Aydan Özoguz (Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration), zu Beginn Zeit, um sich auf den deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zurechtzufinden. Zudem erschwert die oftmals unsichere Bleibeperspektive den Zugang zu Beruf, Ausbildung und Studium.

Die Berufsorientierung ist eine Aufgabe der Sekundarstufe I aller deutschen Schulen. Je nach Bundesland, Kommune und jeweiliger Schule unterscheidet sich die genaue Durchführung dieser Aufgabe. Kommen die jungen Menschen erst in einer späteren Altersphase nach Deutschland und besuchen hier keine weiterführende Schule, fehlt diese Orientierungsphase und muss durch spezifische Angebote ersetzt werden. Hier sind unter anderem Angebote der Ausbildungsvorbereitung beispielsweise an Beruflichen Schulen ein guter Weg.

Allgemeine Berufsorientierungsprogramme für Jugendliche

Die regulären Berufsorientierungsprogramme des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie der Agentur für Arbeit stehen den jungen Menschen mit Fluchtgeschichte offen und werden derzeit angepasst – so etwa die Unterstützung der Jugendlichen und junge Erwachsenen bei der Wahl einer Ausbildung und eines Beruf durch sogenannte Potenzialanalysen. Sie helfen dabei, die Interessen, Möglichkeiten und Fähigkeiten jedes einzelnen Jugendlichen einzuschätzen. Kooperationspartner sind dafür die Länder, das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), die Bundesagentur für Arbeit (BA) und die Wirtschaft.

Bundesweite Angebote für geflüchtete junge Menschen

Darüber hinaus gibt es berufsorientierende Angebote speziell für junge Geflüchtete. Das Angebot „Perspektiven für junge Flüchtlinge – PerjuF“ der Bundesanstalt für Arbeit soll zum Beispiel geflüchtete Jugendliche vier bis sechs Monate lang dabei unterstützen, sich im deutschen Ausbildungs- und Berufssystem zurechtzufinden. Über die Teilnahme an der Maßnahme entscheidet das jeweilige Jobcenter. Erste Informationen rund um das Thema Ausbildung bietet die App „Ankommen“ vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Auch die Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration (KAUSA) unterstützt sowohl Jugendliche mit Migrationshintergrund, die eine Ausbildung machen wollen, als auch Unternehmer mit ausländischen Wurzeln, die Jugendliche ausbilden wollen. Zudem sind junge Geflüchtete und ihr Übergang in die betriebliche Ausbildung seit Februar 2016 ein Schwerpunkt des Bundesbildungsministeriums. Dieses stellt unter anderem Elternratgeber zur Ausbildung in Deutschland in verschiedenen Sprachen (zum Beispiel Deutsch-Arabisch) zur Verfügung.

Außerdem unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung Kommunen mit so genannten Bildungskoordinatorinnen und -koordinatoren. Diese vernetzen Bildungsangebote für Geflüchtete vor Ort und stimmen diese miteinander ab: Kreise und kreisfreien Städte können sich bis zum 01.09.2016 um die Finanzierung von bis zu drei kommunalen Koordinatorinnen und Koordinatoren bewerben.

Kommunale Projekte zur Berufsorientierung

Neben bundesweiten Angeboten zur Berufsorientierung für junge Geflüchtete gibt es bereits in vielen Kommunen regionale Angebote. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (IHK) hat beispielsweise eine Publikation über ihr Aktionsprogramm „Ankommen in Deutschland – Gemeinsam unterstützen wir Integration“ veröffentlicht. Darin werden sämtliche Projekte der IHK-Zentralen vorgestellt.

Die Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben zum Beispiel hat einen Beratungsprozess für junge Geflüchtete konzipiert, in den alle Betreuenden, Verantwortliche in Schulen und Institutionen eingebunden sind. Der Prozess setzt sich aus Beratung, Kompetenzfeststellung und Vermittlung zu einer betrieblichen Ausbildung oder einem Praktikum, sowie der Betreuung von einem Berater-Tandem, zusammen. Zur Betreuung und Beratung von Geflüchteten gibt es seit dem 1. Februar 2016 eine Beraterin für Geflüchtete in der Ausbildung. Diese soll planmäßig im Jahr 2016 20 bis 40 Geflüchtete in die Ausbildung begleiten. Zusätzlich stellt die IHK Bodensee-Oberschwaben weitere Angebote für junge Geflüchtete zur Vorbereitung in das Berufsleben zur Verfügung und steht in diesem Themenfeld im Austausch mit anderen Regionen und Institutionen.

Zudem hat die IHK deutschlandweit gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium das Netzwerk „Unternehmen unterstützen Flüchtlinge“ angestoßen, das betriebliches Engagement für Geflüchtete unterstützen und sichtbar machen soll. Dabei können Unternehmen bundesweit Teil des Netzwerkes werden.

Außerdem gibt es in den Regionalstellen der Bundesagentur für Arbeit Angebote, wie beispielsweise das berufliche Übergangsjahr in Bayern. Dieses ermöglicht es jungen Geflüchteten, die nicht mehr schulpflichtig sind, innerhalb eines Jahres ihre Deutschkenntnisse zu verbessern und erste Berufserfahrungen zu sammeln. Neben der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter gibt es weitere wichtige regionale Ansprechpartner. Diese sind unter anderem: Schulen, Beratungs- und Bildungszentren für Migrantinnen und Migranten wie zum Beispiel in Hamburg, das Berliner Netzwerk für Bleiberecht „bridge“, die Ausbildungs- und Arbeitsplatzbörse für Geflüchtete „workeer“ oder das Forum Berufsbildung Berlin.

Berufsvorbereitung in deutschen Unternehmen

Die Integration geflüchteter Jugendlicher in den Arbeitsmarkt ist nicht nur für die jungen Geflüchteten ein Gewinn ist, sondern auch für die deutsche Wirtschaft. Das hat eine Vielzahl von Arbeitgebern bereits erkannt. Die Plattform „Wir zusammen“ ist ein Beispiel dafür. Die Initiative, bestehend aus 54 Unternehmen, listet sowohl bundesweite als auch kommunale Projekte von Unternehmen in Deutschland für geflüchtete Menschen auf. So zum Beispiel auch ein viermonatiger Aufbaukurs zur Berufsvorbereitung für jeweils 20 junge Geflüchtete der Bayer AG.

In der Publikation „Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt!“ des Vereins „Charta der Vielfalt e. V.“, werden Musterbeispiele von Unternehmen aufgezeigt, die versuchen Angebote für junge Geflüchtete zu schaffen. Die Initiative „Arrivo Berlin“ vom „Internationalen JugendKunst- und Kulturhaus Schlesische27“ beispielsweise hat das Projekt "Übungswerkstätten" ins Leben gerufen. Hier soll jungen Geflüchteten die Möglichkeit gegeben werden, sich in deutschen Arbeitsstrukturen zu orientieren und handwerkliche Berufe zu testen. Die Teilnehmenden können zwischen drei Angeboten wählen: einem Berufssprachkurs, einer Einführungswerkstatt oder einem Innungsfachkurs.

Die Auflistung der verschiedenen Initiativen zeigt nicht nur, dass bereits viel für die Berufsorientierung junger Geflüchteter unternommen wird. Es wird auch deutlich, was Bündnisse unter anderem aus verschiedenen Unternehmen zusammen erreichen können.

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