Kommune

Betreute Jugend-WGs für unbegleitete Geflüchtete in Saarlouis

In Saarlouis können volljährige unbegleitete Geflüchtete in Jugendwohngemeinschaften weiter betreut werden. Dafür stehen momentan zwei WGs für knapp 15 Jugendliche zur Verfügung. Das ist Teil des Jugendschutzkonzeptes. Denn bei Besuchen in Sammelunterkünften wurde festgestellt, dass sich viele der jungen Erwachsenen dort nicht optimal weiterentwickeln können.

Orientierungs-WG und Bildungs-WG

Momentan existieren in Saarlouis zwei verschiedene Wohngemeinschaften für junge Volljährige mit Fluchthintergrund. In der „Orientierungs-WG“ leben junge Geflüchtete mit Ausbildungswunsch, aber ohne konkrete Vorstellungen und Perspektiven. Jugendliche, die bereits in der Ausbildung sind beziehungsweise zur Schule gehen und klare Zukunftsvorstellungen haben, wohnen in der „Bildungs-WG“. Die Betreuungsstunden sind dabei an die jeweiligen Bedürfnisse der Jugendlichen angepasst. Pauschal lässt sich sagen, dass die Betreuung in der „Orientierungs-WG“ intensiver als in der „Bildungs-WG“ ist. Die Jugendlichen gelangen zum einen aus Wohngruppen der Jugendhilfe in die Wohngemeinschaften, wenn sie volljährig werden. Zum anderen können volljährige Jugendliche, die in Sammelunterkünften wohnen, in die WGs umziehen. Den Wunsch dazu können sie bei regelmäßigen Hausbesuchen von Sozialarbeitenden der Kommune in den Gemeinschaftsunterkünften äußern. Durch diese Hausbesuche wurde auch der generelle Bedarf für ein Jugendwohnkonzept erkannt.

Jugendamt stellt Betreuungspersonal, die Stadt den Raum, der Landkreis finanziert

Über die Jugendhilfe bekommen die Jugendlichen zwischen 25-30 Betreuungsstunden pro Monat. „Das mussten wir zunächst dem Jugendamt erläutern“, berichtet Michael Leinenbach. „Die Jugendwohngemeinschaften sind keine Jugendhilfeeinrichtungen. Wir schließen lediglich eine Lücke: Die jungen Menschen über 18 Jahre bekommen zum Wohnraum eine ergänzende pädagogische Unterstützung durch Erziehungsbeistandschaften.“ Michael Leinenbach, selbst Diplom-Sozialpädagoge, koordiniert die Saarlouiser Schnittstelle „Flüchtlingsunterstützung“ und ist zusätzlich Abteilungsleiter des Ressorts „Willkommen in Saarlouis“, welches unter anderem zur Schnittstelle gehört. Finanziert wird der Einsatz von Erziehungsbeistandschaften durch den örtlichen Träger der Jugendhilfe – dem Landkreis Saarlouis. Gleichsam werden die Fachkräfte der kommunalen Jugendhilfe anhand des Saarlouiser Modells dezentral beispielsweise bei den Kommunen und zugelassenen Freien Trägern beschäftigt. Dort unterstützen und koordinieren die Fachkräfte in den Themenfeldern Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien in der Flüchtlingsunterstützung. Der Landkreis Saarlouis bezuschusst die eingesetzten Fachkräfte mit 60 Prozent der Kosten.

Der Wohnraum wird durch die Kommune bereitgestellt: Miete sowie die Lebenserhaltungskosten werden wie gewöhnlich vom Jobcenter beziehungsweise Kreissozialamt finanziert. „Natürlich sind die Wohngemeinschaften nicht zu 100 Prozent kostendeckend. Wir zahlen als Kommune drauf“, erzählt Michael Leinenbach. „Doch auf diese Weise können wir die Jugendlichen beispielsweise auch psychosozial betreuen.“ Besonders im Hinblick auf mögliche Traumata und deren Verarbeitung sei das für ein Jugendschutzkonzept absolut notwendig.

Schnittstelle „Flüchtlingskoordination“ erleichtert bürokratische Prozesse

„Als bei uns klar war, dass die Unterbringung der Geflüchteten dezentral erfolgen wird“, erläutert Michael Leinenbach, „kam bald die Frage auf: Wer übernimmt was?“ Schnell habe man gemerkt, dass eine Verwaltung in ihrer eigentlichen Art damit überfordert sei. „Stellen Sie sich mal vor, wie lang der Weg wäre, wenn wir bei allen Projekten mit jeder Abteilung im Amt sprechen müssten. Eine Verwaltung legt sich ansonsten lahm.“ Daraufhin wurde die Schnittstelle „Flüchtlingsunterstützung“ gegründet. Darin vereint sind unter anderem die Bereiche Service und Verwaltung, Wohnraumkoordination, das Integrations- und Begegnungszentrum und die Initiative „Willkommen in Saarlouis“. Diese Willkommensinitiative plant und koordiniert spezielle Projekte für Jugendliche mit und ohne Fluchthintergrund. Ein Ziel der Schnittstelle ist die Erarbeitung eines ganzheitlichen Integrationskonzeptes. Auf diesem Weg wird Saarlouis neben „Vielfalt in Stadt und Land“ auch von „Willkommen bei Freunden“ unterstützt.

„Willkommen bei Freunden“ unterstützt bei Übergangsgestaltung

Besonders bei der Weiterentwicklung des Jugendschutzkonzeptes konnte „Willkommen bei Freunden“ die Kommune Saarlouis bisher unterstützen. Gemeinsam mit dem Servicebüro Frankfurt wurde beispielsweise eine Fachveranstaltung zum Thema Kinder- und Jugendschutz für alle Fachkräfte im Landkreis organisiert. Einen weiteren Vorteil der Unterstützung durch „Willkommen bei Freunden“ sieht Michael Leinenbach in der Fokussierung auf geflüchtete Kinder und Jugendliche: „Wir möchten den Fokus auf die Jugend richten, denn sonst geht sie unter. Das ist das Gute bei ‚Willkommen bei Freunden‘. Denn die Kommunalberaterinnen und Prozessbegleiter legen den Fokus für alle Beteiligten immer wieder auf die jungen Menschen.“ Für 2017 ist bisher noch eine weitere Veranstaltung gemeinsam mit „Willkommen bei Freunden“ geplant. Dort sollen pädagogische Fachkräfte aus Schule und Jugendhilfe im Landkreis Saarlouis die Möglichkeit bekommen, ihre Kenntnisse im Bereich der Übergangsgestaltung innerhalb des Schulbildungssystems zu erweitern.

Eine Wohnerklärung schafft nötige Verbindlichkeiten

Zum Weg in die Selbstständigkeit gehört es unter anderem auch, sich an Verabredungen zu halten und Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen. Daher müssen alle Jugendlichen, die in den Jugendwohngemeinschaften leben möchten, eine Erklärung unterzeichnen. In dieser verpflichten sich die jungen Erwachsenen beispielsweise dazu, aufeinander Rücksicht zu nehmen, gemeinsam mit den Betreuungspersonen einen Hilfeplan zu erarbeiten und Deutsch zu lernen. Für den Übergang ins Berufsleben stehe die Sprache an erster Stelle, so Michael Leinenbach: „Solange die Sprache noch nicht wirklich beherrscht wird, kann man von Ausbildung nicht reden.“

Aufsuchender Ansatz für junge Volljährige

Über die Wohngemeinschaften werden unbegleitete Jugendliche erreicht, die auch weiterhin unterstützt werden wollen. Darüber hinaus gibt es jedoch ebenso junge Erwachsene, die diese enge Betreuung ablehnen oder bei Familienmitgliedern in Vormundschaften leben. Für diese Gruppe, die nicht über den Weg der Jugendhilfe oder die WGs erreicht werden könne, brauche es, laut Michael Leinenbach, niedrigschwellige Angebote. „Ansonsten besteht die Gefahr, dass wir diese Jugendlichen verlieren“, so Leinenbach. Bisher gebe es bereits eine Kollegin, welche sich stundenweise um die Familien kümmere. Ein anderer Kollege besucht die Sammelunterkünfte. Das reiche jedoch nicht, erläutert Michael Leinenbach. „Daher arbeiten wir zurzeit an einem Konzept für aufsuchende Angebote der Jugendsozialarbeit. Wir müssen die Jugendlichen dort abholen, wo sie sich befinden und Brücken beispielsweise zu Beratungsstellen bauen.“

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