Gesundheit und medizinische Versorgung

Broschüre: „Elternschaft. Migration. Behinderung. Wie Selbsthilfe gelingen kann“

Geflüchtete Familien oder Eltern mit Migrationshintergrund, die Kinder mit einer Behinderung großziehen, kommen oft erst durch Fachkräfte in Kitas, Schulen oder anderen Einrichtungen in Kontakt mit dem deutschen Hilfesystem. Durch sie erfahren die Familien von bestehenden Fördermöglichkeiten für ihre Kinder oder von Verbänden und Vereinen, die Unterstützung anbieten. In vier Abschnitten gibt die Broschüre der Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V. Einblicke in die bestehende Forschung, empfiehlt Methoden, stellt Praxisbeispiele vor und bündelt alle Ergebnisse mit Handlungsempfehlungen im abschließenden Fazit.

Wunsch nach Aufklärung

Die vorgestellte Studie von Donja Amirpur von der Universität Paderborn macht eins besonders deutlich: Eltern von Kindern mit Behinderung wünschen sich Informationen über Unterstützungsangebote. Ob die Familien in Deutschland aufgewachsen sind oder nach Deutschland geflüchtet sind, spielt dabei keine Rolle. Der Bedarf ist identisch. Zudem stellt Amirpur fest, dass es dringend erforderlich ist, die Familien zur Selbsthilfe durch das Hilfesystem zu befähigen. Dafür brauche es geeignete Informationsangebote von Erziehern in Kitas, Lehrerinnen in Schulen, Fachkräften in Behindertenverbänden und –vereinen.

Methoden für eine vertrauensvolle Kommunikation

In der Arbeit mit geflüchteten Familien ist Vertrauen ein wichtiger Bestandteil. Nicht nur die Erfahrungen auf der Flucht, sondern auch die neue Sprache und die noch ungewohnten Abläufe und Einrichtungen in Deutschland können geflüchtete Menschen verunsichern. Sabine Krichhammer-Yağmur, Referentin für interkulturelle und inklusive Bildung beim Paritätischen Bildungswerk, zeigt im zweiten Teil der Broschüre Möglichkeiten auf, um gut mit Eltern geflüchteter Kinder ins Gespräch zu kommen. Krichhammer-Yağmur erläutert dazu die Bestandteile einer interkulturellen Kommunikation, gibt gute Tipps für ein bewusstes Sprechverhalten und informiert über die Zusammenarbeit mit Sprachmittlerinnen.

Gute Praxisbeispiele

Im dritten Teil des Informationshefts werden sieben Projekte vorgestellt, die gezielt geflüchtete Familien und Familien mit Migrationshintergrund, die Kinder mit Behinderung haben, unterstützen. Darunter ist auch der Türkisch-Deutsche Verein zur Integration behinderter Menschen (TIM). Seit 1986 engagiert sich der Verein bereits für Familien mit Migrationshintergrund, die Angehörige mit Behinderung betreuen. Alle Beispiele zeigen, wie eine selbstorganisierte Unterstützung für Familien mit Kindern mit Behinderung funktionieren kann.

Handlungsempfehlungen für die eigene Arbeit

Um das Selbsthilfepotenzial von Familien mit Flucht- oder Migrationshintergrund zu stärken, geben die Autoren am Ende der Broschüre hilfreiche Empfehlungen. Diese sind aus den Ergebnissen der vorherigen Abschnitte abgeleitet und richten sich an Fachkräfte von betreuenden Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Behindertenverbänden oder Werkstätten. Ihnen soll dadurch nicht nur die tägliche Arbeit erleichtert werden. Ganz besonders sollen durch die Handlungsempfehlungen ebenfalls die Rechte von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung gestärkt werden – unabhängig vom Aufenthaltsstatus.

Nach oben Zurück zur Übersicht