Gesundheit und medizinische Versorgung

„(K)eine Zukunft, Flüchtlingskinder mit Behinderungen. Menschenrechts- verletzungen in Berlin“. Eine Dokumentation

„Das Kindeswohl hat absoluten Vorrang“ so heißt es in den UN-Kinderrechtskonventionen. In der gegenwärtigen Praxis kann dieser festgeschriebene Grundsatz nicht immer umgesetzt werden. Die Broschüre „(K)eine Zukunft, Flüchtlingskinder mit Behinderungen, Menschenrechtsverletzung in Berlin“ beschäftigt sich mit der aktuellen Situation in Berlin, erläutert die Rechtslage und zeigt den politischen Handlungsbedarf auf. Sie ist das Ergebnis eines Symposiums zur „Situation von geflüchteten Kindern mit Behinderung“ an dem unter anderem Fachkräfte aus Jugendämtern, Sozialpädiatrischen Zentren und Kinder- und Jugendgesundheitsdiensten teilgenommen haben.

Beispiele zeigen den dringenden Handlungsbedarf

Mehrere Beispiele weisen auf den dringenden Handlungsbedarf hin: Hisham lag nach einer nichtbehandelten Virusinfektion mehrere Wochen im Koma und wachte mit schwersten Behinderungen wieder auf. 2012 kam er mit seiner Mutter und seiner kleinen Schwester nach Berlin. Der mittlerweile 15-Jährige muss bis heute im Kinderwagen der kleinen Schwester geschoben werden, weil die Familie noch auf die Bewilligung eines Rollstuhls wartet. Der vierjährige Ali leidet an einer zerebralen Parese und entwickelt wegen zu spät bewilligter Hilfsmittel Fehlstellungen in den Gelenken, die zu bleibenden Schäden mit Folgeoperationen führen. Die Schicksale der beiden Jungen zeigen beispielhaft, dass sich die Bearbeitungszeit für die Bewilligung und Ablehnung notwendiger Hilfen über Monate hinziehen kann.

Wunsch nach Fachstelle

Ein weiteres Thema ist, dass sich viele Fachstellen mit der Bearbeitung und Betreuung überfordert fühlen, oder die Kapazitäten nicht für eine geeignete Begleitung ausreichen. Sie wünschen sich eine Stelle, an die sie sich wenden können. Bisher bezieht sich das Fachwissen der helfenden Stellen zumeist entweder auf das Asylrecht oder auf Pflegebedürftigkeit und Behinderung: Daher fehlt das Wissen um den jeweils anderen Bereich.

Mehr Kita- und Schulplätze für Kinder mit Hilfsbedarf

Weiteren Handlungsbedarf sehen die Autoren darin, mehr Kita- und Schulplätze für Kinder mit Hilfsbedarf zu schaffen. Hinzu kommen Herausforderungen aufgrund von Traumatisierung, die durch die pädagogischen Kräfte allein nicht aufgefangen werden können.

Die Broschüre listet außerdem Anlaufstellen für besonders schutzbedürftige Geflüchtete auf und erläuterte die Rechte der Geflüchteten Kinder mit Behinderung.

Herausgeber sind die Fachstelle für die Versorgung chronisch kranker und pflegebedürftiger Kinder „Menschenkind“, die Lebenshilfe Berlin, der Humanistische Verband Deutschlands (Berlin/Brandenburg) und der Verein Global Village e.V.

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