Gesundheit und medizinische Versorgung

Dolmetschen am Telefon

Mit Händen und Füßen oder unter Zuhilfenahme eines Übersetzungsprogramms im Internet: Wenn geflüchtete Menschen mit wenig Deutschkenntnissen zum Arzt gehen, kann dies für beide Seiten zu einer Herausforderung werden. Das Telearzt- Zentrum der ife-Gesundheits AG bietet daher einen kostenlosen Service an. Sprachmittler übersetzen am Telefon zwischen Arzt und Patient.

Als immer mehr Menschen aus Krisengebieten nach Deutschland kamen, wollten die beiden Vorstände der ife-Gesundheits AG Ute Glahn und Ekko Schrader die Geflüchteten unterstützen. Doch wie kann ein mittelständisches Unternehmen, das auf telefonische Beratung durch Ärzte spezialisiert ist, helfen? Geflüchtete am Telefon medizinisch zu beraten, kam aus rechtlichen und fachlichen Gründen nicht in Frage.

„In den Arztpraxen ist die Dolmetscherfrage ungelöst. Da setzen wir an.“

Hilfsbedarf zeigte sich jedoch bei ansässigen Ärzten. Kommen Geflüchtete zu ihnen in die Praxis, haben sie keinen Anspruch auf einen Dolmetscher. Während in Erstaufnahmeeinrichtungen Übersetzende bei der medizinischen Versorgung zur Verfügung stehen und auch die Finanzierung gesichert ist, müssen die Ärzte vor Ort improvisieren. Oft kommen daher Patienten mit Angehörigen oder Freunden in die Praxis, um sich die Diagnose oder Dokumente übersetzen zu lassen. Dann kann es aber auch vorkommen, dass Patienten längere Zeit warten bevor sie zum Arzt gehen, wenn gerade niemand Zeit hat, sie zu begleiten. Eine mögliche Folge ist, dass notwendige Untersuchungen aufgeschoben werden.
Und so entstand die Idee, dass arabischsprachige Menschen mit einem medizinischen Hintergrund am Telefon zwischen Arzt und Patienten vermitteln. Auch Dokumente wie Impfzeugnisse oder ärztliche Unterlagen können so leicht übertragen werden.

Zwei geflüchtete Mediziner aus dem Irak und Syrien arbeiten als Sprachmittler

Dr. Thomas Schang, medizinischer Leiter der ife-Gesundheits-AG, hat zwei geflüchtete Mediziner aus dem Irak und Syrien über persönliche Kontakte gefunden. Ahmed Hashim ist HNO-Arzt und stammt aus Bagdad. In seiner Heimat hat er in einer Klinik und einer privaten Praxis gearbeitet. Sein gesamtes Studium hat er auf Englisch absolviert. Chyar Sido aus dem syrischen Aleppo hat in St. Petersburg studiert und ist Allgemeinmediziner. So kann der kostenlose Service in den Sprachen Arabisch, Türkisch, Kurdisch (Kurmandschi), Russisch und Englisch angeboten werden. Neben ihrer Tätigkeit erhalten die beiden jeden Tag auch zwei Stunden Deutschunterricht, so dass Sido bereits von und ins Deutsche übersetzen kann.
Sie sind festangestellt und erhalten ein reguläres Gehalt.

Einer der beiden verlässt die ife-Gesundheits-AG bereits schon wieder, da er einen ganztägigen Sprachkurs besucht. „Er möchte weiterkommen, als Arzt anerkannt werden und in Deutschland arbeiten. Daher braucht er den Intensiv-Sprachkurs. Aber wir werden die Lücke wieder schließen“, sagt Schang. Mittlerweile hat die Ärztekammer in Schleswig-Holstein eine Liste, erfasst über die Erstaufnahmeeinrichtungen, erstellt, wie viele Ärzte unter den Geflüchteten sind. Sie umfasst etwa 50 Medizinerinnen und Mediziner aus Syrien, dem Irak und anderen Kriegsgebieten.

„Das Angebot und die Rufnummer haben wir über, die Ärztekammern, Netzwerke und Rundmails an Kreise und Kommunen verbreitet“, erklärt Dr. Schang. „Eine Praxis kann die Nummer zu den üblichen Praxis-Öffnungszeiten wählen und wird dann über das Sekretariat weitergeleitet. Wenn gerade kein Sprachmittler frei ist, vereinbaren wir einen Rückruf, das geht innerhalb kürzester Zeit.“

Momentan ist der Service für Arztpraxen und Rettungsstellen in Schleswig-Holstein zugänglich.

Weitere Informationen

Sprechzeiten: Mo, Di, Do, Fr: 9:00-17:30, Mi 9:00-13:00
Telefonnummer: 04526-381-370

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