Die Teilnehmerinnen des Netzwerktreffens diskutieren über Zugangsmöglichkeiten für geflüchtete Familien zu Bildungsangeboten.
Frühe Bildung

Eltern-Kind-Gruppen erleichtern Bildungszugänge

Am 09. November 2016 fand das erste Netzwerktreffen zum Thema Eltern-Kind-Gruppen als Bildungs- und Begegnungsangebot im Landkreis Oder-Spree statt. Ziel ist es, geflüchteten Familien den Zugang in das Regelsystem der Kindertagesbetreuung und die Anbindung an den Sozialraum zu erleichtern. Dieser Prozess wird auch als Chance gesehen, die Öffnung für sowie den Umgang mit der neuen Zielgruppe für die Fachkräfte der Einrichtungen zur Normalität werden zu lassen. Wie kann dies im Sinne einer guten frühen Bildung, Betreuung und Erziehung gestaltet werden? Wen oder was braucht es dazu? Um diese und andere Fragen zu beantworten, werden zehn Eltern-Kind-Gruppen im Landkreis von der Einrichtung bis zur Ausgestaltung des Angebotes begleitet.

Gemeinsam einen Handlungsleitfaden erarbeiten

Das Schwerpunktthema dieses ersten Treffens ist die Erreichbarkeit und Ansprache von Geflüchteten. „Es ist schwierig die Familien zu erreichen“, erzählt Katja Dost vom Mehrgenerationenhaus in Fürstenwalde. „Ich kenne die Zahlen, aber die Menschen nicht.“ Gemeinsam diskutieren die Akteure des Netzwerkes Bedingungen, welche für das Gelingen ihres Vorhabens notwendig sind. Dafür rollen sie das Thema von hinten auf. „Was müssen wir tun, damit keine Eltern und Kinder zu uns kommen?“ fragen sie sich und übersetzen die Punkte dann wieder ins Positive. „Das ist eine gute Methode, um Fehler zu finden“, findet Liane Knauth, Fachkraft in der Kita Kinderland in Eisenhüttenstadt.

Erste Gruppen arbeiten bereits

Wo stehen die anderen? Welche Lösungen haben sie parat? Und was für Fragen beschäftigen sie? Die verschiedenen Vertreterinnen der Eltern-Kind-Gruppen tauschen sich auch über ihre Erfahrungen aus, besprechen offene Fragen und planen ihre nächsten Schritte. „Seit der Auftaktveranstaltung ist schon viel passiert“, Heike Christiani vom Jugendamt des Landkreises Oder-Spree ist stolz. So haben nicht nur Gespräche und Treffen vor Ort stattgefunden, sechs der zehn Eltern-Kind-Gruppen sind bereits gestartet. Und das Angebot sei vielfältig, wie Jetti Hahn, Prozessbegleiterin des Netzwerkes, betont. An dem einen Ort finden beispielsweise Sprachkurse für Eltern und Kinder statt, an dem anderen geht es primär um das Ankommen im Kita-Alltag. Direkte, niedrigschwellige Beratung bei alltagsrelevanten Fragen spielt an allen Orten eine Rolle. Auch die Landschaft an Einrichtungen ist vielseitig: Neben Kitas sind auch Horte sowie Mehrgenerationenhäuser und Familienzentren Teil des Bündnisses.

Gründe für die Zusammenarbeit

Abgesehen davon, dass einige Geflüchtete das deutsche Kitasystem nicht kennen, ist die Situation auch für die Fachkräfte ungewohnt. „Es haben sich Einrichtungen aus verschiedenen Kommunen an das Jugendamt des Landkreises Oder-Spree gewandt und eine Überforderung signalisiert“, schildert Safa Semsary, Kommunalberaterin des Servicebüros Berlin, den Beginn der Zusammenarbeit. „Frau Christiani kam dann auf uns zu.“ „Wir hatten die Idee, Eltern-Kind-Gruppen zu gründen, um die Menschen sanft zu integrieren“, erzählt Frau Christiani. Gemeinsam mit Frau Semsary und der Prozessbegleiterin haben sie dann einen Ablauf entwickelt. „Wir bringen die Expertise für die Arbeit mit Geflüchteten mit und unterstützen die Akteure bei der Umsetzung ihrer Ideen“, erklärt Safa Semsary.

So hilft der Blick von außen

Die Prozessbegleiterin Jetti Hahn hat neun der zehn Einrichtungen des Netzwerkes bereits besucht und ist begeistert: „Ich bin dankbar, dass ich offen aufgenommen wurde und mir so überall einen guten Eindruck von der Praxis verschaffen konnte.“ Als Prozessbegleiterin arbeitet sie eng mit Safa Semsary und Heike Christiani zusammen. Gemeinsam gestalten sie die Netzwerktreffen, resümieren, planen voraus und besprechen neue Herausforderungen. Außerdem begleitet sie aber auch den Prozess der einzelnen Einrichtungen, besucht die Akteure, hört zu, berät und gibt Denkanstöße. „Der Blick von außen ist toll“, erzählt Katja Dost, „wir haben uns auf einmal ganz andere Fragen gestellt“. Auch der Austausch im Netzwerk helfe ungemein, wie Frau Falk, Leiterin des Eltern-Kind-Zentrums in Grünheide, betont.

Wie es weiter geht

„Wichtig ist die persönliche Ansprache der Familien“, da sind sich alle Akteure einig. „In einem nächsten Schritt werden wir die Ergebnisse noch mal im Team durchgehen. Einige Punkte, sollten wir für unsere Einrichtung noch mal überdenken und beherzigen“, gibt Katja Dost offen zu. Und bringt damit zum Abschluss des Treffens die Stimmung der Akteure noch mal auf den Punkt. Eineinhalb Jahre werden die verschiedenen Einrichtungen bei ihren Vorhaben unterstützt. Neben regelmäßigen Netzwerktreffen und der direkten Beratung profitieren sie dabei auch von Fortbildungsangeboten.

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