Schule Frühe Bildung

Kulturelle Vielfalt: Empfehlungen an Pädagoginnen und Pädagogen

Ob Kita oder Schule – eine pädagogische Einrichtung ist keine Insel: Sie ist immer mit Behörden und kooperierenden Einrichtungen im Sozialraum eng verbunden. Die Haltung der pädagogischen Fachkräfte und Lehrkräfte gegenüber geflüchteten Kindern, Jugendlichen und Familien hat damit eine Wirkung auf andere Familien, mit denen die Einrichtung arbeitet. Zudem reicht der professionelle Umgang mit Vielfalt auch in den Sozialraum rein und kann dort viel bewirken.

Kleine Unterschiede in der Sprache können viel bewirken

Es ist ein Unterschied, ob man als pädagogische Fachkraft von „jungen Flüchtlingen” oder „geflüchteten Kindern” spricht. Der Begriff „Flüchtling“ ist sehr abstrakt und suggeriert eine fundamental andere Lebenserfahrung. Das stimmt zum einen. Aber wenn pädagogische Fach- und Lehrkräfte Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung in erster Linie als Kinder und Jugendliche wahrnehmen, ist schon viel gewonnen. Dafür sind sie ausgebildet und verfügen über ein umfangreiches pädagogisches Handwerkszeug, in dessen Zentrum die individuelle Förderung steht. In einer solchen Perspektive ist die Fluchterfahrung eine überaus prägende Erfahrung des noch kurzen Lebens, aber mit der Zeit wird sie eine Erfahrung von vielen sein.

Eltern mit Fluchtgeschichte lassen sich nicht verallgemeinern

Die Gruppe der Eltern mit Fluchtgeschichte lässt sich nicht verallgemeinern. Unter diesen Eltern gibt es vielerlei Vorstellungen von Erziehung und Elternschaft. Wenn das pädagogische Fachkräfte bedenken, sind sie dank ihrer bisherigen Erfahrungen mit Vielfalt bereits gut vorbereitet. Ein wichtiger Schritt ist es, anzuerkennen, dass Eltern mit Fluchterfahrung genauso wie Eltern ohne Fluchterfahrung für ihre Kinder nur das Beste wollen. Dafür benötigen sie jedoch Orientierung im und Informationen zum deutschen Kita- und Schulsystem. Die Annahme der guten Absichten und die Akzeptanz von Fluchterfahrung als einer weiteren Dimension von Vielfalt in dem sowieso schon vielfältigen Kanon der Familienbilder kann helfen, im weiteren Kreis der Eltern beziehungsweise des Sozialraums Verständnis und Unterstützung für die Neuzugewanderten zu bewirken.

Teambesprechungen helfen beim Bewusstmachen eigener Stärken

Pädagogische Fach- und Lehrkräfte sollten Teambesprechungen und etablierte Formate, wie den pädagogischen Tag, an dem die Bildungseinrichtung geschlossen bleibt und die Zeit für Fortbildungen verwendet wird, nutzen, um sich ihrer bestehenden Stärken und Erfahrungen im Umgang mit Vielfalt bewusst zu werden. Diese sind nämlich seit langem vorhanden und werden nicht erst mit der Ankunft geflüchteter Familien gefordert. Pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte sind aufgrund ihrer Ausbildung sowie ihrer hohen Fortbildungsbereitschaft und großen Selbstreflexion ihres beruflichen Handelns sehr gut auf die Arbeit mit geflüchteten Kindern, Jugendlichen und ihren Familien vorbereitet. Es ist wünschenswert, dass auch in Bildungseinrichtungen eine Expertise zu migrationsspezifischen Themen aufgebaut wird, zum Beispiel zum deutschen Asylsystem oder der Lebenssituation von geflüchteten Familien inklusive der psychosozialen Folgen der Flucht.

Kitas und Schulen sind wichtige Orte für eine gelingende Integration

Die Zukunft Deutschlands soll und darf nicht auf die Schultern von Pädagoginnen und Pädagogen abgewälzt werden. Zugleich können Kitas und Schulen im Kleinen erste Antworten auf die Frage entwickeln, wie das Miteinander in einer vielfältigen Gesellschaft funktionieren kann. Das gelingt, wenn pädagogische Fach- und Lehrkräfte in der Vielfalt das Verbindende suchen und nicht das Trennende. Alle Kinder, egal ob geflüchtet oder nicht, wollen Sicherheit, wollen die Welt entdecken, wollen lernen und Freundschaften schließen. Sich dies immer wieder bewusst zu machen und im Alltag zu leben ist eine wichtige Aufgabe mit großer gesellschaftlicher Relevanz.

Hilfreiches Material im Internet

Auf der Basis ihres pädagogischen Handwerkszeugs und spezifischer Qualifizierungen können pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte souverän, gelassen und kompetent agieren und müssen sich von Stimmen, die den Zuzug von Geflüchteten zum großen gesellschaftlichen Drama aufbauschen wollen, nicht beirren lassen. Neben Veranstaltungen, die immer die Chance zum persönlichen Erfahrungsaustausch bieten, hält das Internet inzwischen viel hilfreiches Material bereit.

Nach oben Zurück zur Übersicht