Gesundheit und medizinische Versorgung

Frankfurter Institut bietet Unterstützung beim Umgang mit Traumata

Das Institut für Traumabearbeitung und Weiterbildung Frankfurt hat ein Programm zum Umgang mit traumatischen Belastungen nach Fluchterfahrungen entwickelt. Das Angebot basiert auf einem gruppenorientierten Ansatz. Dieser schafft Vertrauen und befähigt traumatisierte Kinder und Jugendliche zur Selbsthilfe.

Viele Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrungen leiden unter Alpträumen, Schlafproblemen, Ängsten, unkontrollierten und teilweise aggressiven Erregungszuständen und Konzentrationsproblemen. Dies alles sind häufige Folgen ihrer überfordernden Erlebnisse, die ohne eine sensible Betreuung zu psychischen Störungen führen können. Daher besteht großer Bedarf an professioneller Unterstützung, die den jungen Menschen die Verarbeitung ihrer oft traumatischen Erfahrungen erleichtert. Nicht immer ist dafür eine Psychotherapie der passende Weg. Zum einen, weil eine solche Therapie nicht in allen Fällen ohne weiteres von Einrichtungen für junge Geflüchtete bezahlt werden kann. Aber auch, weil eine Einzelbetreuung durch Therapeuten viel Zeit in Anspruch nimmt. Zum anderen und das ganz besonders, weil es eine Möglichkeit gibt, den eigenen Umgang mit traumatisierenden Erlebnissen zu erlernen. Und zwar bevor diese Erlebnisse psychische Belastungen verursachen. Die Fachwelt spricht hier von der sogenannten Psychoedukation. Darunter versteht man in diesem Zusammenhang den Vorgang, traumatisierten Menschen dabei zu helfen, ihr Trauma und die dadurch ausgelösten Reaktionen zu verstehen. Denn wer seine traumatische Belastung versteht, so der Ansatz, kann lernen besser damit umzugehen.

Gegenseitiges Vertrauen erhört die Möglichkeit zur Selbsthilfe 

In Frankfurt wurde auf Grundlage dieses Ansatzes ein Programm entwickelt, welches mit Hilfe von Gruppensitzungen eine stabile Beziehungsebene innerhalb der Gruppe aufbaut. Das dadurch gewonnene Vertrauen stärkt geflohene Kinder und Jugendliche in ihrem eigenen Umgang mit ihrer aktuellen psychischen Situation. Durch seine Strukturierung vermittelt das Angebot Sicherheit und ermöglicht den Teilnehmenden – oft zum ersten Mal – den Austausch über ihr Wohlbefinden. Dieser Austausch wirkt für viele sehr entlastend. In vertrauensvoller Gruppenatmosphäre werden typische Symptome und bewährte Unterstützungsmöglichkeiten im Umgang mit der eigenen Traumatisierung thematisiert. Geleitet werden diese Gruppensitzungen von zwei Fachkräften. Diese Gruppenleiter beobachten und moderieren jedoch vielmehr die Gruppensituation als aktiv darin einzugreifen. Ebenso verzichten sie weitestgehend auf den Einsatz von Sprache. Wichtige Informationen werden der Gruppe dennoch vermittelt – durch spielerische Übungen innerhalb der Gruppe. Das lockert die Atmosphäre in den Sitzungen auf, obwohl schwer zu verarbeitende Erlebnisse im Mittelpunkt stehen. Daher nehmen geflohene Kinder und Jugendliche das Angebot motiviert an. Die Erfahrungen zeigen, dass sich die Gruppenmitglieder gegenseitig unterstützen und dadurch jeder einzelne dazu befähigt wird, besser mit seinen erlebten Erfahrungen umzugehen. 

Keine Therapie, sondern Prävention

An den zehn eineinhalbstündigen Sitzungen nehmen bis zu 12 Geflüchtete pro Gruppe mit zwei Gruppenleitern teil. Das Angebot dient ausdrücklich zur Prävention und ist nicht als Therapie zu verstehen. Denn die Gruppensitzungen unterstützen die jungen Geflüchteten dabei, ihre traumatischen Erlebnisse zu verstehen und dadurch verarbeiten zu können – bevor sich daraus psychische Belastungsstörungen entwickeln können. Sollten einzelne Kinder und Jugendliche jedoch eine intensivere Betreuung durch Psychotherapeuten benötigen, lässt sich das während der Gruppenarbeit feststellen und darauf entsprechend reagieren. 

Das Institut für Traumabearbeitung und Weiterbildung Frankfurt bietet das beschriebene Gruppenangebot in verschiedenen Einrichtungen für junge Geflüchtete an. Interessierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen können außerdem zur eigenen Durchführung solcher Sitzungen befähigt werden. Dafür bietet das Institut spezielle Seminare zur Traumapädagogik an. Weitere Informationen dazu erhalten sie auf der Webseite des Instituts.

Autoren: Dr. rer. nat. Dipl. Psych. Regina Rettenbach

Dr. rer. nat. Dipl. Psych. Regina Rettenbach
Frau Dr. Rettenbach ist Psychologische Psychotherapeutin, tätig am Institut für Traumabearbeitung und Weiterbildung in Frankfurt. Arbeitsschwerpunkte: Therapie, Gutachten- und Seminartätigkeit sowie  Leitung und Koordination der psychoedukativen Gruppen für Flüchtlinge.

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