Kommune

Gute Bündnisse in der Kommune. Wie sehen sie aus?

Die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und engagierten Bürgern zu verbessern, ist Dieter Assel, Geschäftsführer Kommunales Kompetenzzentrum für Bildungsinnovation in Weiterstadt, ein großes Anliegen. Wie man gezielt Strukturen schaffen kann und warum das gegenseitige Vertrauen hier eine zentrale Rolle spielt, schildert Dieter Assel im Interview mit „Willkommen bei Freunden”.

Willkommen bei Freunden (WbF): Die haupt- und ehrenamtlichen Akteure waren bei den Bildungslandschaften in Weiterstadt ein Kernstück, besonders ihre Zusammenarbeit spielte eine wichtige Rolle. Was würden Sie sagen, macht ein gutes Bündnis aus?

Dieter Assel: Ich glaube, die Fähigkeit der Verwaltung, sich auf die Zivilgesellschaft einzulassen. Das ist ja in der Historie nicht so angelegt, sondern wird eher als Bedrohung empfunden. Ein wichtiger Faktor ist, dass eine Vertrauenskultur im Prozess entsteht. Außerdem müssen Kommunikationsstrukturen geschaffen werden, in denen regelhafter Austausch stattfinden kann. Schlussendlich muss es gemeinsame Zielstellungen geben, an denen man zusammenarbeitet. Diese müssen klar gesetzt sein, damit eine längerfristige Zusammenarbeit möglich ist. Bei uns war es so, dass sich im Laufe der Jahre der Anteil zivilgesellschaftlicher Kräfte stetig vergrößert hat. Das ist sicher auch einer partizipativen Grundorientierung geschuldet. Gerade bei uns in der Kommune sind nicht nur im Bildungsbereich, sondern in vielen Bereichen zivilgesellschaftliche Akteure mit eingebunden. Das ist so gewollt und hilft auch.

WbF: Sie haben gerade auch von der Vertrauenskultur gesprochen. Wie kann man die fördern?

Assel: Ich glaube, die Schaffung von Strukturen, bei denen man regelmäßig miteinander kommuniziert, ist eine wichtige Voraussetzung, ebenso das Arbeiten an gemeinsamen Zielen. Dazu gehört auch die Fähigkeit, kleine Erfolge zu sichern und sie als solche auch nach außen hin zu kommunizieren. Dies trägt zu einer identitätsstiftenden Wirkung bei, durch die auch Vertrauen entsteht. Wenn man versteht, dass der andere einem nichts wegnehmen möchte, sondern die Übernahme gemeinsamer Verantwortung neue, erweiterte Handlungsmöglichkeiten entstehen lässt, dann erweitert dies die Chance einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. Darüber hinaus verbessert eine vertrauensvolle Zusammenarbeit auch die Fähigkeit der handelnden Akteure, entstehende Konflikte besser zu lösen.

WbF: Bezogen auf geflüchtete Kinder und Jugendliche: Wie stellen Sie sich hier eine gelungene Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene vor?

Assel: Gerade in diesem Bereich wird der Anteil zivilgesellschaftlichen Engagements noch größer werden. Es ist faszinierend, was im Moment passiert. Klar, da gibt es diese ewig Gestrigen, die nicht belehrbar sind. Das ist auch ein Problem, das die ganze Zeit geschlummert hat und sich jetzt Bahn bricht. Hier muss ein Riegel vorgeschaltet werden. Gleichzeitig sehen wir, dass noch nie so viel Solidarität mit Fremden stattgefunden hat, wie im Moment. Das zeigt, dass die Zivilgesellschaft durchaus gelernt hat damit umzugehen und nicht mehr alles Fremde als Bedrohung empfindet. Momentan ist das super, aber wir müssen abwarten, was passiert, wenn die Zahlen noch größer werden. Das größte Problem ist, dass der Winter vor der Tür steht und wir in keiner Weise wissen, wo und wie wir die Menschen unterbringen sollen.

WbF: Gerade bei der großen Herausforderung für Kommunen, die jetzt zum ersten Mal mit Geflüchteten in Kontakt kommen oder auch Kommunen, die mit einem großen Zustrom an Geflüchteten zu rechnen haben, fragt man sich: Wie sieht da eine gute Zusammenarbeit zwischen der Verwaltung und der Politik aus?

Assel: Die Politik setzt die Standards, welche die Verwaltung normalerweise umsetzen muss. Wenn es eine gute Verwaltung ist, dann reduziert sie sich nicht auf die Umsetzung, sondern empfiehlt der Politik selbst Fachstrategien und entwickelt Lösungsmodelle. Viel spannender ist, wie die Verwaltung fähig sein wird, zivilgesellschaftliches Engagement aufzunehmen, zu organisieren und zusammenzuführen. Das wird eine Herausforderung, da es oft viel Engagement gibt, welches meist im Sand verläuft, weil es nicht in eine Gesamtstrategie eingebunden wird. Letztere fehlt im Moment oft noch.

WbF: Es geht also darum, Strukturen zu schaffen, damit das vorhandene ehrenamtliche Potenzial auch wirklich voll ausgeschöpft werden kann?

Assel: Ganz genau. Zivilgesellschaftliches Engagement wird in der Verwaltung oft noch mit großem Misstrauen gesehen oder als lästige Einmischung empfunden. Der Gedanke, Bürger partizipativ einzubinden, ist noch recht unterentwickelt. Aber gerade hierin liegt eine große Chance, eine Situation, bei der sich alle positiv einbringen können. Die Verwaltung muss sich den anfallenden Aufgaben unter Einbindung zivilgesellschaftlicher Initiativen stellen und die Aktivitäten koordinieren im Rahmen einer definierten kommunalen Gesamtkonzeption. Die Menschen können sich dann zielorientiert engagieren und zusammen mit der Verwaltung gute Ergebnis erzielen, die eine hohe Außenwirkung haben und das Klima in der Kommune gegenüber Migranten verbessern helfen.

WbF: Danke für das Gespräch.

Assel: Gerne.

Autoren: Dieter Assel

Dieter Assel
Geschäftsführer des kommunalen Kompetenzzentrums für Bildungsinnovation im hessischen Weiterstadt

Nach oben Zurück zur Übersicht