Kommune Schule

Herzlich willkommen, Kulturelle Bildung!

Hamed kommt aus Afghanistan und lebt nun in Berlin. Er spricht nicht gut Deutsch, aber auf der Bühne verzaubert er mit seinem Moonwalk die Mitschüler und Lehrer. In einer sogenannten Willkommensklasse lernt er die deutsche Sprache, bis er – spätestens nach einem Jahr – fit ist für den Übergang in den regulären Unterricht. Zwei Berliner Kulturagenten berichten, wie Kunst und Kultur den Kindern und Jugendlichen der Willkommensklassen helfen, sprachliche Barrieren abzubauen und Selbstvertrauen zu tanken.

An der Sophie-Brahe-Schule in Treptow-Köpenick gibt es derzeit vier Willkommensklassen, in denen jeweils bis zu zwölf Kinder und Jugendliche Deutsch lernen. Sie sind zwischen 12 und 18 Jahre alt und kommen aus Syrien, Rumänien und vielen anderen Ländern. Manche haben noch nie eine Schule besucht, andere sprechen mehrere Sprachen fließend. Alle haben ihre eigene, teils tragische Geschichte. „Wir wollen diese Schüler in den ganz normalen Schulalltag integrieren“, erklärt Carolin Berendts, Kulturagentin der Sophie-Brahe-Schule.

Die Projekte, die im Rahmen des Kulturagentenprogramms an der Schule umgesetzt werden, schaffen Begegnungsmöglichkeiten und Sprachanlässe. Ein Beispiel ist das Projekt „Kunst kommt von Können“. In vier Gruppen lernten die Schülerinnen und Schüler bei ihrem Kulturpartner – dem Jugendkunstzentrum Gérard Philipe – unterschiedliche kreative Techniken kennen: Trickfilm, Improvisationstheater, Druck und Keramik. „Für uns und für die Kulturpartner ist es toll zu sehen, wie diese jungen Menschen die Angebote aufsaugen und wie glücklich sie sind“, sagt Carolin Berendts.

Vorurteile abbauen durch kulturelle Projekte

Dabei kommen die Jugendlichen aus den Willkommensklassen in Kontakt mit den anderen Schülerinnen und Schülern. „Sie können zeigen: Ich bin so wie du, und ich möchte hier meinen Platz finden.“ Ob Theater oder Tanz – die kulturellen Projekte ermöglichen es ihnen, sich auszudrücken. „Sie erhalten Anerkennung für ihr Tun und sie haben Erfolgserlebnisse. Das stärkt das Selbstbewusstsein“, sagt Carolin Berendts. So war beispielsweise der 17-jährige Hamed der absolute Star der Abschlussrevue „We fly to entertain you“, die zum Ende des vergangenen Schuljahres inszeniert wurde. In der Schule am Staakener Kleeblatt in Berlin-Spandau macht Kulturagent Carsten Cremer ganz ähnliche Erfahrungen. „Durch die kulturellen Projekte werden Vorurteile abgebaut, denn die anderen sehen: Wow, die können was!“

Potenziale wecken und sichtbar machen

Im vergangenen Jahr hat die Willkommensklasse ein Theaterstück erarbeitet. Das Thema „Fuchs“ führte die Klasse zu Projektbeginn in den Spandauer Forst. Dort zeigte ihnen der Förster Fuchs- und Wildschweinspuren. Anschließend zeichneten die Schülerinnen und Schüler einen Comic. Anhand der selbst erstellten Bilder lernten sie verschiedene Begriffe und so konnte Sprache auf ganz ungewohnte, kreative Weise vermittelt werden. Am Ende des einwöchigen Projekts entstanden daraus sogar ein Theaterstück und ein Film.

„In den Kindern und Jugendlichen aus den Willkommensklassen stecken so viele Potenziale. Die Künstler können sie wecken und sichtbar machen“, sagt Carsten Cremer. Er sieht große Chancen in der künstlerischen Arbeit mit den Willkommensklassen und hofft, dass künftig mehr Projekte dieser Art entstehen – gerade weil es kein vorgegebenes Curriculum und keinen vorgegebenen Lernort gibt.

In Staaken beteiligt sich die Willkommensklasse nun an dem Projekt „Akzente und Markierungen“: Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern aus anderen Klassen und dem Oberstufenzentrum Knobelsdorff bauen sie ein Labyrinth aus Materialien, die ihnen der Schulhof bietet.

Autoren: Anne Stienen

Anne Stienen
Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Programmkommunikation

Kulturagenten

"Kulturagenten für kreative Schulen" ist ein Modellprogramm der gemeinnützigen Forum K&B GmbH, initiiert und gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Stiftung Mercator in den Bundesländern Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Thüringen in Zusammenarbeit mit den zuständigen Ministerien, der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V., der conecco UG - Management städtischer Kultur und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Für insgesamt vier Jahre betreuten 46 Kulturagentinnen und Kulturagenten jeweils ein lokales Netzwerk aus drei Schulen - insgesamt nahmen 138 Schulen an dem Modellprogramm teil.

Kontakt

Landesbüro Berlin “Kulturagenten für kreative Schulen“
Deutsche Kinder- und Jugendstiftung gemeinnützige GmbH (DKJS)
Regionalstelle Berlin
Manuela Kämmerer, Leiterin
Tempelhofer Ufer 11
10963 Berlin
Tel 030 / 25 76 76-604
E-Mail berlin@kulturagenten-programm.de

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