Kommune

Integrationskonzept des Kreises Recklinghausen liefert Praxisbeispiele

Praxisnahe Diskussionen, partizipative Workshops, konkrete Handlungsschritte – beim Fachtag zum kreisweiten Integrationskonzept des Kreises Recklinghausen gab es für die rund 100 Teilnehmenden, die der Einladung des Kommunalen Integrationszentrums gefolgt sind, handfeste Ergebnisse mit auf den Weg. In entspannter Atmosphäre trafen sich die Expertinnen und Experten im hellen Forum des Berufskollegs Ostvest in Datteln zu der Veranstaltung, die vom Bundesprogramm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ unterstützt wurde.

Mitarbeitende aus Jugend-, Sozial- und Ausländerämtern des Kreises Recklinghausen, aus Jobcentern, von Handwerkskammern und Schulen waren nach Datteln gekommen, aber auch Akteure von freien Trägern, aus Wohlfahrtsverbänden und Sportvereinen. Die Haupt- und Ehrenamtlichen aus dem mit knapp 630.000 Einwohnern bevölkerungsreichsten Kreis Deutschlands gingen mit klaren Erwartungen in den Tag.

Positive Beispiele aus bisherigen Workshops

„Einen offenen und ehrlichen Austausch ohne Denkverbote“, wünschte sich Oliver Dembski, Flüchtlingskoordinator der Stadt Recklinghausen. Der Diplom-Sozialarbeiter hatte bereits an den städteübergreifenden Workshops des Kommunalen Integrationskonzeptes des Kreises Recklinghausen von Oktober 2016 bis Februar 2017 mitgewirkt. Das galt auch für Detlef Nathaniel-Brand, Sachgebietsleiter Soziales der Stadt Datteln. „Es war interessant zu sehen, mit welcher Methodik und welchen Werkzeugen andere Kommunen ein Ziel erreichen“, konstatierte er. Aus den Aussagen der Geflüchteten beim Abschlussworkshop habe die Stadt Datteln „ein Sportangebot und ein Angebot zur Verkehrserziehung entwickelt“, so der Sozialamtsleiter.

Petra Kulhoff als Integrationsbeauftragte der Stadt Dorsten berichtete von zwei Projekten, die aus den Workshops entwickelt wurden: „Wir haben einen Lern- und Spieltreff geschaffen, in dem Ehrenamtliche junge Geflüchtete betreuen und Nachhilfeunterricht geben.“ Zweites Beispiel aus der Lippestadt: Der Verein Athletik International Dorsten e.V. (AID), in dem geflüchtete und nicht geflüchtete Menschen gemeinsam Sport treiben. „Die Cricket-Mannschaft wird bald gegen ein Team der Stadt Essen antreten“, sagte Petra Kulhoff.

Online-Datenbank mit über 500 Angeboten

Ein weiteres Ergebnis der städteübergreifenden Zusammenarbeit ist eine Online-Datenbank zu Integrationsangeboten, die seit Februar 2017 online verfügbar ist. „Sie war das erste Produkt aus dem Integrationskonzept heraus“, sagte Katrin Petersen vom Kommunalen Integrationszentrum (KI) des Kreises Recklinghausen. Mehr als 500 Angebote aus verschiedenen Lebensbereichen speziell für Menschen mit Migrationshintergrund sind hier aufgeführt, um für mehr Transparenz zu sorgen. Die Eingabe der gesammelten Good-practice-Beispiele in die Datenbank sowie eine erweiterte Suchfunktion ist bereits geplant.

Drei Ziele des Bündnisses für Integration erreicht

„Es ist schon einiges geschafft“, sagte Moderatorin Sarah Vazquez, Kommunalberaterin im Servicebüro Köln von „Willkommen bei Freunden“. Angetreten war das Bündnis im Kreis Recklinghausen mit einer gemeinsamen Erklärung aller zehn Sozialdezernenten, um die Integration geflüchteter Menschen voranzutreiben. Das Ziel: Erstellung eines kreisweiten Integrationskonzeptes, Herstellung von Transparenz, Zusammenführung der kommunalen Integrationsarbeit für Geflüchtete. „Ich würde sagen, diese drei Ziele hat man bravourös geschafft. Sie dürfen sich heute auch auf die Schulter klopfen“, sagte Sarah Vazquez.

Integration bedeutet nicht Assimilation

Professorin Beate Küpper von der Hochschule Niederrhein empfahl in ihrem viel beachteten Impulsreferat „Vielfalt als Herausforderung und Potenzial“ den Blick über die eigene Kommune hinaus zu richten. „In Deutschland verwechseln wir Integration häufig mit Assimilation.“ Es sei wichtig, die Bedürfnisse der Neuhinzugezogenen mit einzubeziehen. „Das steht in ihrem Konzept mit drin“, lobte Küpper. „Ich rate ihnen: Vernetzen sie sich, in ihren Kommunen, in ihrem Kreis – und entwickeln sie klare Handlungsstrategien, wenn ihre Arbeit infrage gestellt wird“, sagte die Sozialpsychologin.

Teilnehmende erarbeiten konkrete Handlungsempfehlungen

Eine gute Zusammenarbeit zeigten die Teilnehmenden am Nachmittag in den Workshops zu den sieben verschiedenen Handlungsfeldern. Auf Grundlage der vorangegangenen Workshops vom Herbst bis zum Frühjahr formulierten die Teilnehmenden nun Wünsche und Ziele für weitere Handlungsschritte, die sie im abschließenden Plenum anhand konkreter Handlungsempfehlungen präsentierten.
Die Arbeitsgruppe „Wohnen“ forderte, Informationen zur Bruttokaltmiete in drei bis vier wichtigen Sprachen bereitzustellen. Unterkunftspaten und -lotsen sollten an Privatvermieter herantreten, um möglichst viele Wohnsituationen abseits von Sammelunterkünften zu schaffen. Zudem empfahlen die Expertenrunde, wichtige Informationen zur Wohnungssuche an Integrationskurse anzudocken.

Längere sprachliche Förderung bieten

Mehr und längere sprachliche Förderung, vor allem für Leistungsschwächere, zu bieten, das hatte der Workshop „Bildung ab 16 Jahren und Integration in Arbeit“ ganz oben auf seiner Ergebnisliste stehen. Darüber hinaus sei es zielführend, die Kooperation von Schulsozialarbeitern, Jobcenter und Berufsberatung zu intensivieren. Die Organisation einer Helfertätigkeitsbörse, ebenfalls in Form einer Datenbank, sahen die Teilnehmenden als weiteres Mittel zur Integration in den Arbeitsmarkt an.
Weiterhin wurden folgende Empfehlungen in den anderen Workshops erarbeitet: Geeignete Vereinsstrukturen aufbauen, um Geflüchtete die Integration in Sportangebote zu erleichtern; Dolmetscherpool für Kitas und Schulen bereitstellen; Geflüchtete stärker als Akteure in der ehrenamtlichen Arbeit mitdenken.

Ergebnisse als Forderungen formulieren

In ihrem Schlusswort lobte Fachdienstleiterin Sabine Fischer von der Kreisverwaltung die vielen interessanten Ergebnisse. „Wir werden die praktischen Ziele und Handlungsschritte ergänzen, und gucken, was wir davon an die politischen Gremien weitergeben und auch als Forderungen formulieren können.“ So ging der Fachtag ebenso praxisnah zu Ende wie er begonnen hatte.

Autor: Thorsten Langenbahn

Nach oben Zurück zur Übersicht