Kommune

Kooperation an den Schnittstellen

Im Landkreis Osnabrück ist es gelungen, alle entscheidenden Akteure im Bereich Migration und Integration zusammenzubringen. Die Behörden arbeiten erfolgreich zusammen - über Rechtskreise und Zuständigkeitsbereiche hinweg. Bei einer Hospitation konnten sich Vertreter anderer Kommunen und Landkreisen einen Einblick verschaffen und Anregungen für die eigene Arbeit mitnehmen

Es ist eine Einrichtung, wie viele deutsche Kommunen und Landkreise sie sich wünschen: Der niedersächsische Landkreis Osnabrück hat ein Migrationszentrum aufgebaut, in dem sämtliche Hilfen für Geflüchtete gebündelt und koordiniert werden. In der Beratung wird beispielsweise der Bedarf an Sprachförderung festgestellt und die Plätze in den Sprachkursen zentral vergeben. Davon profitieren alle Seiten: Die Teilnehmer werden in geeignete Kurse vermittelt und der Landkreis hat mehr Kontrolle über seine Ressourcen. „Wir vermitteln die Teilnehmer passend und pünktlich zum Kursstart an die Träger. Die Arbeitsvermittler informieren wir, ob die Leute tatsächlich an den Kursen teilnehmen“, berichtet die Leiterin des Migrationszentrums, Katja Bielefeld.

Das Migrationszentrum als zentrale Schaltstelle

Entstanden ist das Migrationszentrum im Zuge eines eigenen Migrationskonzepts, das der Landkreis Osnabrück bereits 2014 unter anderem mit dem Ziel entwickelt hat, die beruflichen Kompetenzen und Potentiale von Migranten besser für den Arbeitsmarkt nutzbar zu machen. Zu den Kernaufgaben des Zentrums gehören neben dem Spracherwerb auch die Berufsanerkennung und die berufliche Ausbildung bzw. der Einstieg in den Arbeitsmarkt.  Dabei arbeitet das Zentrum eng mit allen entsprechenden Akteuren zusammen, mit Ehrenamtlichen, mit sozialen Trägern, mit der Ausländerbehörde, der Arbeitsagentur und dem Jobcenter. „Jeder, der in die Beratung kommt, soll mit einer Perspektive wieder gehen, wie es in Bezug auf Bildung oder Beruf bei ihm weitergeht“, erklärt Bielefeld. „Anschließend versuchen wir, die Menschen nicht aus den Augen zu verlieren und wenn nötig weiter zu unterstützen.“

Neugier und Bewunderung bei den Besuchern

An diesem Tag sind 13 Besucher aus anderen Kommunen und Landkreisen in Niedersachsen und aus Hamburg angereist, um von der behördenübergreifenden Integrationsarbeit im Landkreis Osnabrück zu lernen. Die Teilnehmer der Hospitation, die vom Bundesprogramm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung angeboten wird, arbeiten selbst im Bereich Migration und Integration. Sie sind beeindruckt von der Transparenz und der breiten Kooperation im Landkreis Osnabrück.

Kooperation – alle müssen dahinterstehen

Die meisten Teilnehmer versuchen am eigenen Standort die Integrationsarbeit weiterzuentwickeln, etwa durch ein neues Begegnungszentrum oder eine bessere Zusammenarbeit der verschiedenen Verwaltungsebenen. Wichtig dabei ist - darin sind sich die Teilnehmer der Hospitation einig - der beteiligungsorientierte Ansatz. Denn um Strukturen für die Kooperation jenseits der üblichen Zuständigkeiten zu schaffen, müssten alle dahinterstehen, an der Spitze der Hierarchie ebenso wie in den unteren Ebenen. Anders sei eine Umsetzung kaum möglich, bemerkt eine Teilnehmerin. Darum sei die Hospitation so eindrucksvoll, meint ein Teilnehmer aus Oldenburg: „Hier sieht man, dass es geht.“

Übergangsmanagement Schule – Beruf auch für Geflüchtete

Wie gut im Landkreis Osnabrück die Zusammenarbeit an den Schnittstellen gelingt, zeigt auch das eigens geschaffene Übergangsmanagement Schule – Beruf. Die Koordinierungsstelle sollte zunächst ganz allgemein Jugendlichen auf dem Weg in die Ausbildung und in den Beruf begleiten. Doch mit einem weitreichen Netzwerk und Kontakten zu Ämtern, Schulen und Arbeitgebern kann das Übergangsmanagement nun auch jungen Geflüchteten effektiv helfen. „Wir gehen in die Schulen und in die Wohngruppen, um die Jugendlichen abzuholen. Dabei kommt uns sehr entgegen, dass im Landkreis geflüchtete Jugendliche bis 21 Jahre die Berufsbildende Schule besuchen dürfen“, berichtet Susanne Steininger, die Leiterin des Übergangsmanagements.

Begleitung aus einer Hand

In ihrem Bereich fließen die Zuständigkeiten aus SGB II, SGB III, SGB VIII und SGB XII zusammen, wodurch eine Betreuung der Jugendlichen „aus einer Hand“ möglich ist. So ist das Übergangsmanagement zwar beim Jobcenter im Landkreis Osnabrück, „MaßArbeit“, angesiedelt. Dennoch nehmen sich die Sozialarbeiter auch derjenigen Geflüchteten an, die noch minderjährig sind und für die eigentlich die Arbeitsagentur zuständig ist. „Wir versuchen, alle UMAs zu begleiten. Wir wollen verhindern, dass die jungen Menschen irgendwo sitzen und nichts zu tun haben“, erklärt Steininger. Das in der langjährigen Zusammenarbeit entstandene Vertrauen macht sich bezahlt: „Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Betriebe sich auf die jungen Geflüchteten eingelassen haben“, sagt Steininger.

Jeder Landkreis ist anders

Tatsächlich profitieren Geflüchtete im Landkreis vom demografischen Wandel: Den Schulen fehlen die Schüler, die lokale Industrie sucht auch gering qualifizierte Arbeitskräfte. „Bei uns ist das genau umkehrt!“, wirft eine Teilnehmerin der Hospitation ein. Auch das ist eine Erkenntnis dieses Tages: Die Bedingungen für die Integrationsarbeit in den einzelnen Landkreisen und Kommunen können selbst innerhalb eines Bundeslandes wie Niedersachsen sehr unterschiedlich sein. Das gilt nicht zuletzt für die finanziellen Möglichkeiten.

Auf die Haltung kommt es an

Doch ganz gleich wie die äußeren Gegebenheiten sind, der erste Schritt in Richtung eines beteiligungsorientierten Konzeptes und kooperativer Strukturen sei es, sich der eigenen Haltung bewusst zu werden, gibt der Integrationsbeauftragte des Landkreises, Werner Hülsmann, zu Bedenken. „Wir müssen uns zur Zuwanderung positionieren, und dabei nicht nur deutlich machen, was wir fördern, sondern auch, was wir fordern. Denn diese klare Haltung hat Folgen für alle Bereiche der Arbeit mit Migranten und Geflüchteten.“ Im Landkreis Osnabrück bilden entsprechende Leitlinien die Grundlage für das Migrationskonzept – und für eine vorbildliche Integrationsarbeit.

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