Schule

Verbesserter Zugang zu Bildung durch die Kooperation mit außerschulischen Partnern

2014 sind circa 100.000 Flüchtlingskinder im schulpflichtigen Alter nach Deutschland gekommen. Die Kultusminister gehen davon aus, dass Ende 2015 rund 325.000 geflohene Kinder und Jugendliche deutsche Schulen besuchen werden. Das stellt Schulen, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler vor große Herausforderungen. Ein Weg, um junge Geflüchtete in den Schulen besser zu fördern, kann die Kooperation mit außerschulischen Partnern sein.

Kinder und Jugendliche, wie auch Erwachsene, lernen an unterschiedlichen Orten. Solche Lernorte können neben der Schule Vereine, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und verschiedene Freizeitangebote sein. Aber auch die Familie, der Freundeskreis und die Medien bieten Lerngelegenheiten. Mit Hilfe von Kooperationen mit außerschulischen Partnern geben Schulen den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, nicht nur auf der Schulbank, sondern in ihrem gesamten sozialen Umfeld zu lernen. Das kommt besonders jungen Geflüchteten zugute. Denn oft ist es ihnen nicht möglich, zum Beispiel Vereine oder Musik- und Kunstschulen in ihrer Freizeit zu besuchen. Kurse und Projekte in Zusammenarbeit mit der Schule erreichen hingegen alle Schüler. Damit werden Brücken geschlagen, mögliche Vorurteile abgebaut und neue Talente entdeckt.

Wer kann ein außerschulischer Partner sein?

Kooperationspartner von Schulen können Vereine, Verbände, Institutionen und Organisationen sein. Grob lassen sich die Partner in vier Gruppen gliedern: 

  • Städtische und gemeindenahe Einrichtungen, wie zum Beispiel das Jugendamt, die Polizei, die Stadtbibliothek oder Kulturinstitutionen wie Theater oder Museen
  • Freie und gemeinnützige Träger, wie zum Beispiel die Arbeiterwohlfahrt, freie Träger der Jugendhilfe, Sport- oder Musikvereine, Migrantenselbstorganisationen oder auch Kirchen
  • Kommunale Wirtschaft, wie zum Beispiel Betriebe, Einzelhandel oder Handwerkskammern
  • Einzelpersonen, zum Beispiel freischaffende Künstler oder Kulturschaffende

Viele Schulen arbeiten bereits sehr eng mit der Jugendhilfe zusammen. Besonders in Ganztagsschulen sind Sozialarbeiter aus der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken.

Wie kooperieren Schulen mit außerschulischen Partnern?

In der deutschen Schullandschaft, speziell an Ganztagsschulen, haben sich vielfältige Kooperationen mit außerschulischen Partnern entwickelt. Die jeweilige Zusammenarbeit ist dabei individuell gestaltet. Die Angebote sind also auf die Schule sowie auf die unterschiedlichen Lebenswelten der Schülerinnen und Schüler abgestimmt.

Konkret übernehmen die außerschulischen Partner häufig Aufgabenbereiche wie Hausaufgabenbetreuung, sportliche Aktivitäten oder die musische, kulturelle und gestalterische Bildung. Unternehmen geben den Jugendlichen die Chance auf ein Praktikum, sie betreuen Schülerfirmen oder schreiben Wettbewerbe aus. Eine Vielzahl der Kooperationen ist projektbezogen. Dabei pflegen die meisten Schulen ein stabiles Partnernetzwerk, um die Kooperation einer Schule mit ihrem Umfeld zu verstetigen und langfristig unterstützende Bildungsstrukturen für Kinder und Jugendliche aufzubauen. 

Unter welchen Voraussetzungen Schulen mit außerschulischen Partnern kooperieren, welche Vereinbarungen mit den Schulen getroffen werden und auch Tipps und Leitlinien zur erfolgreichen Zusammenarbeit hat das Programm „Ideen für mehr! Ganztägig Lernen” der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung in Bezug auf Ganztagsschulen zusammengestellt.

Wie wirken sich die Kooperationen auf die beteiligten Partner, die Schulen und Schüler aus?

Für die Kooperationspartner liegt der zentrale Gewinn im direkten Zugang zu den Kindern und Jugendlichen. Durch die Zusammenarbeit mit Schulen erreichen sie auch Kinder und Jugendliche, die den Weg zu ihnen von allein vielleicht nicht gefunden hätten. So werden die  Lernangebote etwa eines freien Trägers, einer Initiative Kulturschaffender oder eines ehrenamtlichen Hausaufgabenvereins von mehr Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer Herkunft genutzt – für viele Kooperationspartner ein befriedigendes Erlebnis. Vereine gewinnen neue Mitglieder und sichten durch die Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern auch mal Nachwuchstalente. Die Kooperationspartner aus der Wirtschaft wiederum lernen im Rahmen der Kooperation zukünftige Auszubildende kennen.

Auch die Schulen sowie deren Lehr- und Lernkultur verändern sich nachhaltig durch die Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort. Insbesondere das soziale Lernen gewinnt an Bedeutung. Das vielfältigere Lernangebot schafft mehr Raum für individualisierte Lernprozesse und macht es möglich, besser auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Auch die Lehrkräfte und Partner selbst lernen durch die Zusammenarbeit mit anderen Fachkräften sowohl inhaltlich als auch methodisch-didaktisch dazu.

Durch die Öffnung nach außen wandelt sich auch das Selbstverständnis der Schule: Weg von der „Lerninsel“, hin zur Schule als Teil eines Bildungsnetzwerkes. Denn nur wenn alle mit Bildung, Betreuung und Erziehung der Kinder und Jugendlichen befassten Akteure an einem Strang ziehen, ist eine optimale Förderung für den Einzelnen möglich.

Das kommt vor allem den Schülerinnen und Schülern zugute. Durch einen Wechsel von Arbeits- und Freizeit, Spiel- und Entspannungsphasen, aber auch durch Arbeiten und Spielen in altersgemischten Gruppen können Schüler und Schülerinnen ein Gemeinschaftsgefühl und soziale Kompetenzen entwickeln. Die eigenverantwortliche Arbeit in kleinen Gruppen ermöglicht es den Kindern und Jugendlichen zudem Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

In der Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen lernen die Kinder und Jugendlichen beispielsweise den Berufsalltag im Praktikum kennen und bereiten sich gezielt auf Vorstellungsgespräche vor. Das erleichtert nicht nur den Übergang ins Berufsleben, sondern zeigt auch eine realistische Perspektive für die Zukunft auf.

Wie kann man bereits bestehende Kooperationen für geflüchtete Kinder und Jugendliche nutzbar machen?

Kooperationen mit außerschulischen Partnern sind an vielen Schulen bereits etabliert und haben sich bewährt, wenn es darum geht allen Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft gute Lernbedingungen zu ermöglichen. Dieser Ansatz lässt sich auch auf die Arbeit mit jungen Geflüchteten übertragen. Viele junge Geflüchtete brauchen neben einem Bildungsangebot auch die Unterstützung, um das Angebot auch tatsächlich nutzen zu können. Aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse, vorheriger Lerngewohnheiten oder auch Belastungen durch Fluchterlebnisse sind sie nicht immer in der Lage, mit den schulischen Anforderungen alleine zurechtzukommen. Auch die Eltern können hier häufig nur begrenzt unterstützen, da sie selbst mit existenziellen Herausforderungen wie zum Beispiel einem unsicheren Aufenthaltsstatus in Deutschland konfrontiert sind. Außerdem haben geflüchtete Kinder und Jugendliche in den teilweise sehr beengten Unterkünften nur selten einen Rückzugsraum, um in Ruhe zu lernen. Dafür ist eine regelmäßige und intensive Begleitung wichtig, die die Kooperation mit außerschulischen Partnern im besten Fall ermöglichen kann. 

Viele geflüchtete Kinder und Jugendliche profitieren zudem stark von den unterschiedlichen Lernzugängen und den kreativen Sprachanlässen, welche die außerschulischen  Kooperationspartner durch ihre Angebote schaffen. Hier haben sie Gelegenheit sich abseits der schulischen Leistungen zu beweisen, Erfolgserlebnisse zu sammeln und sich ohne Worte einzubringen.Wenn geflüchtete Kinder und Jugendliche zudem als gleichberechtige Partner bereits in die Konzeption eingebunden werden können, erhöht das den Erfolg solcher Angebote.

Neben den oben genannten Partnern können zum Beispiel Migrantenselbstorganisationen, Fachdienste für Migration und Integration, kommunale Integrations- und Bildungslotsen, Flüchtlingsräte, Wohlfahrtsverbände und weitere Akteure Schulen bei der Integration von jungen Geflüchteten unterstützen.

Ein Blick in die Praxis: „Bewegen, Kicken und Sprechen“ in Oldenburg

Wie die Kooperation von Schule und außerschulischen Partnern in der Praxis aussehen kann, zeigt das Institut für Sport und Bildung mit dem Projekt „Bewegen, Kicken und Sprechen“ für Flüchtlingskinder in Oldenburg. Die Initiative fördert alle schulpflichtigen Geflüchteten in Oldenburg neben dem Regelunterricht in sogenannten Sprachlernklassen. Mit diesen und weiteren interessierten Kindern wird in der Grund- und weiterführenden Schule dann auch gekickt. Dazu werden spielerisch Methoden entwickelt, um die Kommunikation und Interaktion untereinander zu erhöhen.

Auch die Berufsvorbereitung wird in Oldenburg mit dem Fußballspielen verbunden. Über einen Zeitraum von sieben Wochen erhalten die jungen Flüchtlinge einmal wöchentlich einen Einblick in verschiedene Berufsfelder, beispielsweise soziale Arbeit. Um die Herausforderungen der pädagogischen Arbeit mit Menschen besser zu verstehen, lernen die Jugendlichen in Theorie- und Praxiseinheiten die wichtigsten Grundlagen wie beispielsweise die Strukturierung einer Übungsstunde, die Bedeutung der Aufsichtspflicht oder den Umgang mit Verletzungen. Das neu erlernte Wissen wenden die Schülerinnen und Schüler direkt an, indem sie an jeweils zwei Terminen den Sportunterricht in kooperierenden Grundschulen leiten.

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