Kommune

Weiterentwicklung im Dialog

Auf dem Weg zu einem umfassenden Berliner Integrationskonzept war die Fachtagung „Weiterentwicklung im Dialog - Vom Masterplan zum Gesamtkonzept für die Integration und Partizipation Geflüchtete“ ein wichtiger Schritt. Mitarbeitende der Senatsverwaltungen, der Berliner Bezirke sowie Bundesbehörden, von freien Trägern der Jugendhilfe, von Verbänden und Betreibern von Einrichtungen für Geflüchtete diskutierten, wie das Konzept ausgestaltet werden kann und gaben Empfehlungen.

Weiterentwicklung des Masterplans Integration und Sicherheit durch Fachtage, Bezirksdialoge und Beteiligungsworkshops

„Es ging 2015 in erster Linie um Unterbringung und Versorgung, um das praktische Organisieren. Immer noch mehr Menschen, darunter viele Familien mit Kindern und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, mussten untergebracht und versorgt werden, als damals mit einem Mindestmaß an Fachlichkeit und Vernetzung ein Masterplan entstand“, erinnert sich Sigrid Klebba, Staatssekretärin für Jugend und Familie zur Eröffnung der Fachtagung an den Entstehungsprozess des Masterplans vor über zwei Jahren. Viele Akteurinnen und Akteure kritisierten, dass es zu wenig Vernetzung und Beteiligung im Entstehungsprozess gegeben habe. Daraufhin initiierte die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, Abteilung Jugend und Familie in Zusammenarbeit mit dem Landesjugendhilfeausschuss, begleitet durch das Servicebüro Berlin von "Willkommen bei Freunden", zahlreiche Fachgespräche zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten.
In den Regierungsrichtlinien des Landes Berlin wird die Flüchtlingspolitik als zentrale ressortübergreifende Aufgabe beschrieben. Im Dialog mit der Stadtgesellschaft soll in einem breiten Beteiligungsprozess bis zum Frühjahr 2018 ein Konzept zur Integration und Partizipation auf den Weg gebracht werden. Die Fachtagung „Weiterentwicklung im Dialog – Vom Masterplan zum Gesamtkonzept für die Integration und Partizipation Geflüchteter“ am 05. Dezember 2017 im Centre Français de Berlin ist Bestandteil dieses Prozesses.
Begleitet wurde der Prozess, im Verantwortungsbereich der Abteilung Jugend und Familie, vom Servicebüro Berlin von „Willkommen bei Freunden“. In ihrer Eröffnungsrede lobte Sigrid Klebba die Kooperation: „Die Zusammenarbeit war eine wichtige und wertvolle Unterstützung, um das Zusammenkommen der unterschiedlichen Akteure zu gewährleisten, damit Fachlichkeit besser gelingen kann.“

Migration kein neues oder vorübergehendes Phänomen

Auf die Workshop-Phase wurden die Teilnehmenden mit einem Vortrag von Mark Terkessides eingestimmt. Mit einem erfrischend unverkrampften Blick zeigte er auf, dass Migration keineswegs ein neues oder vorübergehendes Phänomen in Deutschland ist, sondern ein integraler Bestandteil unserer Gesellschaft. Sein „Vielheitsplan“, soll vor allem als ein gesellschaftlicher Masterplan den Blick weg vom Problem und hin zu einer gesamtgesellschaftlichen Lösung liefern; damit die Institutionen »fit« für die postmigrantische Gesellschaft von heute werden. Dafür sei es wichtig, eine offene Fehlerkultur zu entwickeln, zudem sollte auch die Diversitäts-Kompetenz der Mitarbeitenden gefördert werden. Seine Ideen lieferten nicht nur angeregte Diskussionen unter den Teilnehmenden in den Dialogforen und der Mittagspause, sondern fanden sich auch später in den Empfehlungen der Teilnehmenden wieder.

Empfehlungen an die Senatsverwaltung

Wie auch in den anderen vier Foren stellten die Teilnehmenden im Forum „Brücken bauen – Unterstützung und Beratung von Familien“ Beispiele aus der Praxis vor. Hier ging es um Elternhilfe und Familienberatung. Hannes Rogler, der für den Caritasverband in der aufsuchenden Erziehungs- und Familienberatung in Berlin Wilmersdorf tätig ist, besucht und berät Familien in Unterkünften. Für ihn ist vor allem eine gute Zusammenarbeit mit den Unterkünften entscheidend, um die Familien zu unterstützen. Für Hannes Rogler, wie auch für die Mitarbeiterinnen von Trialog e.V., die ihre aufsuchende Elternhilfe vorstellten, ist es u.a. wichtig, dass die Finanzierung von Dolmetscher*innen gesichert ist, für die oftmals kein eigenes Budget eingestellt wird. Auch der hohe organisatorische Aufwand müsse berücksichtigt werden, es benötigt seine Zeit, um Beziehungen und Begleitung aufbauen zu können. Die Teilnehmenden der anderen Foren beschäftigten sich mit den Themen Ausbildung, Ehrenamt, mobile Jugendsozialarbeit und Selbstorganisation.
Am Nachmittag wurde in den Foren an den Empfehlungen für die Senatsverwaltung gearbeitet. Dabei ging es um die Fragen, welche Erfahrungen in der Praxis bei der Umsetzung der Maßnahmen gemacht wurden und wo und wie noch nachgesteuert werden muss? Die Diskussionen unter den Teilnehmenden zeigten u.a., wie unterschiedlich die einzelnen Bezirke mit den neuen Herausforderungen umgegangen sind. Während eine Teilnehmerin aus Friedrichshain-Kreuzberg die gute Vernetzung in ihrem Bezirk lobte, sah dies im Nachbarbezirk schon ganz anders aus und müsste aus Sicht der Teilnehmerin dringend ausgebaut werden.
Neben dem Erarbeiten der Empfehlungen kam es in den Foren zu einem regen Austausch, die Teilnehmenden lernten neue Projekte und Strategien für ihre Arbeit kennen.

Lebendes und dynamisches Gesamtkonzept

Am Ende kamen noch einmal alle zusammen, um in der Abschlussrunde die Ergebnisse aus den Foren vorzustellen. Immer wieder kam die Forderung nach mehr Planungssicherheit für Projekte auf. Weitere Empfehlungen waren unter anderem, dass sich die Leistungen und Angebote an alle richten sollten, unabhängig von der Bleibeperspektive und dass die Projekte flexibel mit einem individuellen Blick auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder, Jugendlichen und Familien gestaltet werden sollten.
Andreas Hilke, stellvertretender Leiter der Abteilung Jugend und Familie bei der Senatsverwaltung sagte zum Abschluss des Tages: „Wir danken Ihnen für ihr großes Engagement. Alle Ergebnisse werden in das Integrations- und Partizipationskonzept miteinfließen. Zudem gehen wir nicht davon aus, wenn das Konzept geschrieben ist, dass es nicht mehr angefasst wird. Es soll ein lebendes, dynamisches Konzept sein.“

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