Frühe Bildung Schule

Wie Elternbeteiligung beim Kochen anfängt

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben uns gezeigt, dass Eltern mit einer Zuwanderungsgeschichte einfach nicht in die Schule kommen. So haben wir nach einem niedrigschwelligem Angebot gesucht, um den Eltern Mut zu machen und darüber Beteiligung zu erreichen. Wir haben uns nach Stärken der Mütter gefragt, und so entstand die Idee eines multikulturellen Kochkurses, der von einer Hauswirtschaftsmeisterin geleitet wurde. Diese hatte zur Vorbereitung in der Volkshochschule einen türkischen Kochkurs belegt.

Im letzten Schuljahr haben wir mit fünf Müttern und zehn Kindern mit und ohne Migrationshintergrund acht Wochen nach türkischen, arabischen, afrikanischen, aber auch deutschen Rezepten gekocht. Die Rezepte wurden entweder von uns oder den Müttern mitgebracht. Daraus hat sich eine unglaubliche Interaktion entwickelt. Zum einen ist das richtige Arbeit mit und an der Sprache des anderen. Wir mussten ja alle die Rezepte verstehen können. Zum anderen war es Warenkunde, was man wo und wie preisgünstig kaufen kann. Da wir darauf geachtet haben, dass gesund, einfach und frisch gekocht wird, war das ein Beitrag zur gesunden Ernährung. Durch die Mittel des Themenateliers waren das Kochen und Essen für Mütter und Kinder kostenfrei. Ich glaube, das ist ein sehr wichtiger Punkt, dass die Eltern sehen, wir bekommen etwas von der Schule, die verlangen nicht noch etwas. Zumal die Zielgruppe ja eher dem einkommensschwachen Milieu zuzuordnen ist. Es hat sich auch enorm etwas zwischen den Müttern und Kindern entwickelt.

Was hat sich verändert?

Die Mütter konnten sehen, wie sich ihre Kinder in der Schule verhalten, wie sie mit deutschen Freunden umgehen und sie haben gelernt, den Kindern beim Abwasch zuzugucken. Das ist zum Beispiel für eine arabischstämmige Mutter wirklich schwer, ihren Jungen abwaschen zu sehen. Die Mütter untereinander haben jenseits von politischen und kulturellen Grenzen miteinander kommuniziert und sich ausgetauscht. Wir haben das Kochen immer mit einem ausgiebigen Klönen und Beieinandersitzen verbunden. So ist eine Gruppe entstanden, die sich heute regelmäßig einmal im Monat trifft. Von diesen Müttern werde ich heute häufig gefragt, „wenn Sie Hilfe brauchen, dann kommen wir.“ Sie besuchen die Schulfeste und beteiligen sich am Schulleben. Das ist für uns ein so großer Erfolg, dass wir einen zweiten Kochkurs für sechs Mütter und 12 Kinder anbieten, dieses Mal über das gesamte Schulhalbjahr. Eine Mutter aus dem vorherigen Kurs ist wieder mit dabei. Ich leite den Kurs und wir haben ihn in das Ganztagsangebot integriert. Das bedeutet, dass er mit Lehrerstunden und Mitteln aus dem Ganztagsschulbugdet bezuschusst wird. Damit bleibt er weiter für die Kinder und Mütter kostenfrei. Ich bin begeisterte Hobbyköchin und kenne mich in der internationalen Küche gut aus, aber es ist doch etwas anderes, wenn ich von einer türkischen Mutter lerne, wie sie Pizza zubereitet

Autoren: Ute Vellguth

Ute Vellguth
Ganztagskoordinatorin und stellvertretende Schulleiterin der Albert Schweitzer Schule, Wedel

Ideen für mehr! Ganztägig lernen.

„Ideen für mehr! Ganztägig lernen.“ ist ein Programm der Deutschen Kinder und Jugendstiftung, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Das Programm unterstützt bereits seit 2004 Schulen auf ihrem Weg von einer Halbtags- zur Ganztagsschule. Schon bestehenden Ganztagsschulen soll das Programm dabei helfen, ihre Angebote weiterzuentwickeln.

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