Ausbildung und Berufseinstieg

Wie das Unternehmen Reuther STC junge Geflüchtete integriert

Gerold Brunken ist kaufmännischer Leiter des mittelständischen Unternehmens Reuther STC in Fürstenwalde (Brandenburg), das Windkraftanlagen produziert. In einem Pilotprojekt hat die Firma zunächst 14 geflüchteten jungen Männern ein Praktikum angeboten, später wurden vier von ihnen weiter beschäftigt. Für ihr Engagement bei der Qualifikation von Geflüchteten wurde Reuther STC bereits mehrfach ausgezeichnet. Im Interview mit „Willkommen bei Freunden“ erzählt er davon, wie die Idee entstand Geflüchtete bei sich im Betrieb zu qualifizieren, welche bürokratischen Herausforderungen es gab und warum beide Seiten gleichermaßen profitieren.

Willkommen bei Freunden (WbF): Wie ist die Idee entstanden mit Geflüchteten zusammenzuarbeiten?

Gerold Brunken: Nur 500 Meter entfernt von unserem Betrieb gibt es eine Unterbringung für Asylbewerber, die von der GefAS (Gesellschaft für Arbeit und Soziales e.V., Anm. der Redaktion) betrieben wird. Ende 2014 haben mich Mitarbeiter der GefAS besucht und gefragt, ob es die Möglichkeit gäbe, einen jungen Afghanen bei uns auszubilden. Da sind wir dann ins Gespräch gekommen. Wir suchen ja ständig Fachkräfte, vor allem in den Bereichen „Schlosser“ und „Schweißer“ und es wird immer schwieriger gutes Personal zu bekommen. Da haben wir festgestellt, dass es von beidseitigen Nutzen wäre, wenn wir ein Pilotprojekt hier in der Region starten würden.

WbF: Wie haben Sie die Bewerber ausgewählt, die bei Ihnen ein Praktikum angefangen haben?

Brunken: Wir hatten einige Leute zum Gespräch hier. Ein wesentliches Kriterium für uns waren die Sprachkenntnisse: Sie sollten schon ein wenig Deutsch sprechen. Wichtig war uns auch, dass sie grundsätzlich in Fürstenwalde bleiben wollen und zwischen 17 und 27 Jahre alt sind. Sie sollten hochmotiviert sein und verstehen, dass es eine große Chance für sie ist.
Am Ende haben wir 14 Praktikanten bei uns angenommen. In einem dreimonatigen Lehrgang haben wir sie zusammen mit der Ausbildungsstätte in Fürstenwalde und der GefAS in den Grundzügen des Schweißens angelernt. Weitere drei Monate haben sie Praxis und Theorie bei uns gelernt.

WbF: Wie verlief die Zusammenarbeit mit den Geflüchteten?

Brunken: Wir waren überrascht wie gut das gelaufen ist. Die Jungs waren hochmotiviert und haben sich sehr klug angestellt. Ursprünglich hatten wir gesagt, dass wir zufrieden sind, wenn wir einen von ihnen übernehmen können. Es lief aber so gut, dass wir vier übernommen und angelernt haben. Diese haben wir dann auf interne und externe Weiterbildungskurse geschickt. Später haben wir vier weiteren die Möglichkeit gegeben eine komplette Ausbildung bei uns zu machen. Mittelfristig ist es für beide Seiten besser, nicht nur anzulernen, sondern eine Ausbildung anzubieten.

WbF: Wie haben sie die bürokratischen Hürden empfunden, als sie mit dem Projekt gestartet sind?

Brunken: Klar muss man die gesetzlichen Vorschriften einhalten und das ist auch mit einem gewissen Aufwand verbunden. Die Ausländerbehörden und das Arbeitsamt werden eingeschaltet und müssen ihr OK geben. Aber das geht alles. Wenn man mit einem Träger, wie wir mit der GefAS, zusammenarbeitet, der sich um die verwaltungstechnischen Angelegenheiten kümmert wie Aufenthaltsgenehmigung und die Erlaubnis für ein Praktikum, dann hat man als Unternehmer relativ wenig damit zu tun. Mein Tipp ist daher, sich einen Partner zu suchen, der gut in der Materie steckt. Die GefAS war sehr motiviert, die Leute schnell zu integrieren. Das hat sehr gut geklappt und wir haben uns die Arbeit aufgeteilt.
Wenn wir uns noch um die Behördengänge hätten kümmern müssen, dann wäre es schon schwierig. Im Gegensatz zu einem Träger kennen wir meist auch nicht die Ansprechpartner.
Zusätzlich kann man wie wir es gemacht haben, auch noch eine Ausbildungsstätte hinzuziehen. Die hatten Extra-Schweißplätze, konnten Unterricht im theoretischen Bereich oder Arbeitssicherheit geben.
In einer konzertierten Aktion kann man das sehr gut machen. Alleine ist es schwieriger, das gebe ich zu.

WbF: Sehen Sie ihr Projekt auch als Chance dem Fachkräftemangel in der Region entgegenzuwirken?

Brunken: Ja, es ist ja so, dass sich der Fachkräftemangel verschärfen wird. Und die jungen Leute sind immer weniger bereit, solche Berufe wie Anlagenmechaniker auszuüben. Daher ist es für uns eine gute Möglichkeit. Es ist ja für beide Seiten eine Win-Win-Situation. Auf der einen Seite die Integration der Menschen, die bei uns ankommen und auf der anderen Seite ist das für uns die Chance Fachkräfte zu rekrutieren, selber auszubilden und zwar gut motivierte Leute.

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