Jugendarbeit und Ehrenamt

Zugänge zu Angeboten der offenen Jugendarbeit erweitern

Städte und Gemeinde verfügen über eine facettenreiche Landschaft der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Darunter zählen im Allgemeinen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, Freizeitangebote, Räume zur kreativen Entfaltung und verschiedene Projekte zur Stärkung der Potenziale junger Menschen. Im Einzelnen können das Jugendklubs, Proberäume oder auch Theaterprojekte sein. Alle Angeboten haben eines gemeinsam: Sie sind für alle Kinder und Jugendliche in Deutschland frei zugänglich.

Offene Jugendarbeit für alle Jugendlichen

Alle jungen Menschen, ob sie in Deutschland geboren, mit ihren Eltern zugezogen sind oder Schutz suchen, können uneingeschränkt die Angebote der offenen Kinder- und Jugendhilfe nutzen. Nach dem Achten Sozialgesetzbuch, in welchem die Kinder- und Jugendhilfe geregelt ist, haben Jugendliche mit einer Duldung oder einem gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland sogar einen einklagbaren Anspruch darauf. Aber auch junge Menschen mit unsicherem Aufenthaltsstatus können die Angebote der offenen Jugendarbeit nutzen. Denn in erster Linie sind junge Geflüchtete, im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention, Kinder und Jugendliche mit dem Recht auf Ruhe, Freizeit, Spiel, Erholung und der freien Teilnahme am kulturellen Leben.

Angebote weiter öffnen

Die offene Kinder- und Jugendarbeit bietet aufgrund ihrer Erfahrungen und Methoden geflüchteten und zugewanderten Kindern und Jugendlichen eine Chance mitzugestalten. Grund dafür sind Prinzipien wie Niedrigschwelligkeit in der Ansprache, Partizipation sowie die Orientierung an der Lebenswelt und den Potenzialen der Jugendlichen. Hinzu kommt, dass einige Einrichtungen bereits mit jungen Geflüchteten oder Jugendlichen mit Migrationshintergrund zusammenarbeiten. Zudem bringen viele Einrichtungen Erfahrung in der inklusiven Arbeit mit ganz unterschiedlichen Kindern und Jugendlichen mit. Aus diesem Grund ermöglichen bereits viele Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit die Teilnahme von jungen Geflüchteten.

Diese Offenheit kann weiter ausgebaut werden. Oft ist das erfolgsversprechender, als neue Angebote speziell für junge Geflüchtete zu etablieren. Zudem besteht die Gefahr, dass die Jugendlichen dadurch auf ihre Fluchtgeschichte reduziert werden. In jedem Fall empfiehlt es sich, die Angebote nach den Interessen und Stärken aller Kinder und Jugendlichen, die als Zielgruppe in Frage kommen, auszurichten und auf diesen Weg auch junge Geflüchtete anzusprechen.

Partizipation ermöglichen

Ein Grundpfeiler offener Jugendarbeit ist die Partizipation aller Jugendlichen. Was wollen die Jugendlichen mit oder ohne Fluchthintergrund machen? Was interessiert sie? Und, was stört sie vielleicht? Jeder Jugendliche bringt seinen eigenen Erfahrungsschatz mit. Um die Interessen junger Geflüchteter in Erfahrung zu bringen, können jedoch Sprachbarrieren ein Hindernis sein. Verschiedene Broschüren, Handreichungen und Arbeitshilfen können hier gut unterstützen. Eine Möglichkeit sind Zeigebücher wie „point it for Refugees“ des Türkischen Akademikerverein TAVIR. Darin werden rund 1.200 Begriffe und Situationen dargestellt. In manchen Fällen können auch Jugendliche, die bereits gut deutsch sprechen, übersetzen.

Einrichtungen sichtbar und erreichbar machen

Die Zugangsmöglichkeiten für junge Geflüchtete können vielfältig unterstützt werden. Unter anderem müssen geflüchtete Kinder und Jugendliche zunächst von den Angeboten erfahren, um sie auch nutzen zu können. Dabei können zum einen mehrsprachige Flyer oder Informationsblätter in Erst- und Gemeinschaftsunterkünfte verteilt werden. Zusätzlich bietet es sich an, diese Angebote vor Ort zu erläutern und mit Leben zu füllen. Angebote können zum Beispiel zunächst direkt vor Ort angeboten werden. Jugendliche, die bereits länger in Deutschland leben, können auf diese Weise zusätzlich die Lebenswelt geflüchteter Jugendlicher kennenlernen.

Finden danach die Angebote in den verschiedenen Jugendklubs statt, ist oftmals die Erreichbarkeit für junge Geflüchtete ein Hindernis. Nicht überall sind die Unterkünfte ausreichend an die öffentliche Infrastruktur angeschlossen. In Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Initiativen können beispielsweise Fahrdienste eine gute Lösung sein. In manche Jugendclubs finden geflüchtete Jugendliche den Weg von ganz allein. Hier kann jedoch die Herausforderung entstehen, die Angebote für eine größere Gruppe an Jugendlichen auszurichten. Denn die Anzahl der Mitarbeitenden bleibt meist gleich. Einrichtungen können dann versuchen, ihre Kräfte zu bündeln und mit anderen Partnern zusammenzuarbeiten.

Über Lebenswelt junger Geflüchteter informieren

Nicht nur für manche Mitarbeitende ist der Kontakt mit geflüchteten Kinder und Jugendlichen neu. Ebenso können Jugendliche, die bereits länger in Deutschland leben, in Jugendklubs, Jugendhäusern oder anderen Einrichtungen junge Geflüchtete kennenlernen. Informationen über die Fluchthintergründe für Mitarbeitende sowie andere Jugendliche können dabei helfen, die Lebenswelt junger Geflüchteter besser zu verstehen. Unter anderem hilft es dabei, mögliche Vorurteile abzubauen, bestimmte Handlungsweisen zu verstehen und Angebote so zu gestalten, dass junge Geflüchtete leichter daran teilnehmen können. Hierbei können Netzwerke mit dem jeweiligen Flüchtlingsrat, bürgerschaftlichen Initiativen oder Migrantenorganisationen gut unterstützen.

Themen mit Jugendfokus statt Fluchtbezug

Angebote benötigen keinen direkten Fluchtbezug. Das folgende Zitat einer befragten Fachkraft aus der Handreichung „Momentaufnahmen“ der Arbeitsgemeinschaft Jugendfreizeitstätten Sachsen macht deutlich, dass es nicht immer sinnvoll ist, gezielt Angebote für Jugendliche mit Migrations- oder Fluchthintergrund anzubieten: „Erstrebenswerter ist ja eigentlich, dass der Migrationshintergrund […] keine Rolle mehr in der Begegnung spielt, sondern man Menschen begegnet. Deswegen tue ich mich auch so schwer mit solchen Projekten, die sich gezielt an Migranten richten, weil letzten Endes das auch wieder eine gewisse Form von Diskriminierung ist.“ Themen für mögliche Angebote können sich aus der gemeinsamen Lebenswelt der Jugendlichen ergeben. Dies kann zum Beispiel die Berufsorientierung sein. Sport, Jugendkultur und Musik bieten ebenfalls gute Anknüpfungspunkte, bei denen die Sprachkenntnisse keine so große Hürde darstellen. Außerdem können solche Angebote leichter für größere Gruppen anbieten.

Ein Beispiel: Flüchtlinge werden Freunde

Das Aktionsprogramm „Flüchtlinge werden Freunde“ vom Bayrischen Jugendring (BJR) beispielsweise richtet sich direkt an bayrische Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit. Das Programm unterstützt die Mitarbeitenden der Einrichtungen gezielt dabei, ihre Angebote weiter für junge Geflüchtete zu öffnen. So informiert Flüchtlinge werden Freunde auf ihrer Webseite über bestehende Angebote von Jugendeinrichtungen, interessante Fachveranstaltungen und hilfreiche Arbeitsmaterialien.

Eine Arbeitshilfe für Jugendeinrichtungen

Mut machen, junge Geflüchtete besser in bestehende Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit zu integrieren, will auch die Publikation „15 Punkte für eine Willkommensstruktur
in Jugendeinrichtungen“ der Amadeu Antonio Stiftung. In kurzen Abschnitten gibt die Broschüre Tipps zu Themen wie „Fort- und Weiterbildungen intensivieren“, „Perspektivwechsel vornehmen“ und „Sozialraum mitgestalten, Kompetenzen bewusst einsetzen“. Dabei weist sie auch darauf hin, wie wichtig es ist, sich als Träger klar demokratisch zu positionieren. Das kann Notwendig werden, wenn es zum Beispiel zu diskriminierenden Äußerungen im Jugendclub und darüber hinaus kommen sollte. Hier empfiehlt es sich unter anderem gemeinsam mit den Jugendlichen Umgangsregeln zu entwickeln und diese im Alltag zu leben.

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