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Ankommen für die ganze Familie: Zusammenarbeit mit Eltern in Kitas und Familienzentren

Viele Kitas und Familienzentren arbeiten eng mit Eltern zusammen. Ebenso haben einige von ihnen bereits Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Familien aus verschiedenen Kulturkreisen. Dennoch ist die Betreuung geflüchteter Kinder und die Zusammenarbeit mit ihren Eltern eine neue Herausforderung. Aber auch eine Chance.

Knapp die Hälfte aller geflüchteten Kinder und Jugendlichen, die nach Deutschland kommen, sind bis zu fünf Jahre alt. Die meisten von ihnen leben mit ihren Familien in Gemeinschaftsunterkünften. Die Unterkünfte sind in der Regel nicht darauf ausgerichtet, die jungen Geflüchteten in ihrer Entwicklung zu fördern und ihre Teilhabe zu sichern. Daher ist für sie der Besuch von Kitas oder Familienzentren besonders wertvoll. Dort finden sie eine altersgerechte Umgebung und einen strukturierten Alltag vor. Außerdem bieten Kindertagesstätten jungen Geflüchteten und ihren Eltern eine erste Möglichkeit, mit der deutschen Sprache und Kultur in Kontakt zu kommen. Hier lernen geflüchtete Kinder neue Kinder aus Deutschland und anderen Ländern kennen. Sie können dort nicht nur miteinander spielen, sondern auch voneinander lernen. In diesem Prozess sind die Eltern der geflüchteten Kinder ein wichtiger Partner. Die gezielte Zusammenarbeit mit ihnen ist daher entscheidend. Und Zusammenarbeit gelingt nur mit gegenseitigem Vertrauen.

Vertrauen als Basis einer gelingenden Zusammenarbeit

In einigen Herkunftsländern geflüchteter Familien sind Kindertageseinrichtungen in dieser Form nicht sehr weit verbreitet. Das kann zur Folge haben, dass geflüchtete Kinder von ihren Eltern erst gar nicht in Kitas geschickt werden. Aber auch durch die Erfahrungen auf der Flucht können Familien große Angst davor haben, ihre Kinder anderen Erwachsenen anzuvertrauen. Die Kinder haben möglicherweise Scheu, sich zeitweise von ihren Eltern zu trennen. Hier können Brückenprojekte Kindern und Eltern vermitteln, was der Besuch einer Kita bedeutet. DieMobile Kita(MoKi) der Stadt Gelsenkirchen ist ein Beispiel dafür. Die MoKi bietet geflüchteten Familien die Chance, den Regelbetrieb einer Kita dort kennenzulernen, wo sie wohnen. Dafür stehen an mehreren Standorten neben pädagogischem Fachpersonal mit interkultureller Kompetenz auch ein Wohnwagen mit ausreichend Spiel- und Lernmaterialien zur Verfügung. Dass es ab und an eng im Wohnwagen ist, stört die Kinder dabei nicht. Sie freuen sich über das vielfältige Angebot und lernen spielerisch zusammen Deutsch. Elternbriefe mit Informationen zur Kita in den jeweiligen Sprachen der geflüchteten Familien können ebenfalls dabei helfen, eine erste Vertrauensbasis aufzubauen. Diese können auch von Mitarbeitenden der Kitas, gegebenenfalls in Begleitung von Dolmetschern, persönlich den Eltern übergeben werden.

Umgang mit Sprachbarrieren

Die Kommunikation mit Eltern geflüchteter Kinder ist für manche Kindertageseinrichtungen eine Herausforderung. Doch oft sprechen einige Kita-Mitarbeitende mehrere Sprachen und können leicht mit den Eltern ins Gespräch kommen. Kitas und Familienzentren ohne diese Möglichkeit können zum Beispiel in ihrem Jugendamtsbezirk anregen, sich in Bezug auf Sprachbarrieren gegenseitig auszuhelfen. Der Einsatz von Dolmetschern, die je nach Bedarf in den einzelnen Kitas eingesetzt werden können, kann eine Lösung sein. Aber auch Bilder können bei Elterngesprächen unterstützen. So benutzt die Kita Pfalzgrafen im rheinland-pfälzischen Alzey Bildmotive bei jedem Einführungsgespräch mit Eltern, wenn das Gespräch weder auf Deutsch noch auf Englisch möglich ist. Ein weiterer Weg ist die Unterstützung durch die Eltern selbst. Beispielsweise kann eine syrische Mutter, die englisch spricht, die Kommunikation mit anderen arabischen Familien in der Kita erleichtern.

Vielfalt anerkennen und nutzen

Neben Offenheit und Mut benötigt die Zusammenarbeit mit Eltern geflüchteter Kinder vor allem Zeit. Diese braucht es, um herauszufinden, was die Eltern möchten, wo ihre Vorlieben und Fähigkeiten liegen. Denn jede Familie, ob aus der Heimat geflüchtet oder in Deutschland aufgewachsen, ist anders. Offene Begegnungsräume, wie zum Beispiel ein Elternfrühstück, ein internationales Elterncafé oder auch gemeinsame Kinder-Eltern-Projekte, können für das gegenseitige Kennenlernen eine ungezwungene und entspannte Umgebung bieten. Die Beachtung kultureller und religiöser Trink- und Essgewohnheiten fördert diese Atmosphäre. Kennen die Mitarbeitenden in Kita oder Familienzentrum erst einmal die jeweiligen Interessen der Familien, können sie individuell auf deren Bedürfnisse eingehen. Hier steht der Beziehungsaufbau im Vordergrund. Denn dieser ist die Voraussetzung für eine tragfähige Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Fachkräften und Eltern.

Eltern durch gemeinsame Projekte integrieren

Geflüchtete Familien leben häufig in Gemeinschaftsunterkünften. Dort finden sie oft kein ansprechendes Angebot. Über gemeinsame Angebote mit ihren Kindern in der Kita freuen sich daher manche von ihnen. Das pädagogische Fachpersonal kann Eltern geflüchteter Kinder je nach Interessen und Stärken in Projekte der Kita oder des Familienzentrums integrieren. Zum Beispiel bietet sich dafür das Vorlesen von Geschichten und Märchen oder das gemeinsame Singen von Liedern in der jeweiligen Landessprache an. So kann auch die Mehrsprachigkeit aller Eltern und Kinder bewusst und wertschätzend im Kita-Alltag eingesetzt werden. Vielleicht kochen einige Väter oder Mütter leidenschaftlich. Ein gemeinsames Kochprojekt ist dann eine gute Idee. Auf gemeinsamen Elternabenden können solche Projekte zusammen geplant werden. Zudem bekommen die Eltern aller Kinder die Chance sich untereinander kennenzulernen. Das Angebot kann so vielfältig sein wie die Eltern. Mehrsprachige Aushänge und Einladungen zu diesen und anderen Angeboten helfen den Familien, sich an den gemeinsamen Veranstaltungen auch zu beteiligen. Eine persönlich ausgesprochene Einladung kann weitere Hürden abbauen und ist oft der entscheidende Erfolgsfaktor.

Verantwortung übernehmen und Integration erleichtern

Neben dem gemeinsamen Basteln, Singen oder Kochen gibt es aber auch andere Bereiche, die Eltern geflüchteter Kinder interessieren können. Sie haben beispielsweise Fragen zu Anträgen bei der Ausländerbehörde, Formularen des Jobcenters oder Möglichkeiten, Deutschkurse in der Kommune zu besuchen. Auch hier können Kindertageseinrichtungen und insbesondere Familienzentren unterstützen und geflüchteten Familien das Ankommen erleichtern. Besonders, wenn bereits eine Vertrauensbasis zwischen der Kita und den Eltern besteht. Je nach Bedarf kann das pädagogische Fachpersonal zusammen mit Mitarbeitenden des Sozialamts oder Jobcenters, Sparkassen und Mietervereinen Informations- und Beratungsabende zu Behörden-Bescheiden, zur Eröffnung eines Kontos oder Möglichkeiten der Wohnungssuche und dem Abschluss eines Mietvertrags organisieren. Hier können die Anwesenden die Eltern auch direkt beim Ausfüllen der Formulare unterstützen. Wo eine intensivere Begleitung nötig ist, kann die Kita oder das Familienzentrum die Eltern an Beratungsstellen oder Ehrenamtliche weitervermitteln.

Netzwerke aufbauen

Das pädagogische Fachpersonal kann nicht jede Frage von Eltern selbst beantworten. Doch oft kann es Eltern an gute Ansprechpartner weiter vermitteln. Eine Adresse auf einem Zettel reicht dazu jedoch nicht aus. Hier kann ein breites Netzwerk zwischen verschiedenen Kooperationspartnern unterstützen. Das können unter anderem Beratungsstellen, Migrantenvereine, Kirchen- oder Moscheegemeinden, Kultureinrichtungen und andere Kitas in der Umgebung sein. Dafür bieten sich im ersten Schritt Vernetzungstreffen an, bei denen neben den schon erwähnten Akteuren auch der Bürgermeister, Mitarbeitende des Jugendamts, Logopäden und die Eltern aller Kinder anwesend sein können. Dort können Eltern beispielsweise ihre Beraterin beim Jugendamt kennenlernen. Dadurch werden mögliche Vorurteile abgebaut und spätere Gespräche erleichtert. Kindertageseinrichtungen und Familienzentren unterstützen mit dem zusätzlichen Blick auf die Eltern geflüchteter Kinder und einer engen Zusammenarbeit mit ihnen das Ankommen der gesamten Familie.

Was ist ein Familienzentrum?

Familienzentren sind in erster Linie Kitas, sie bieten darüber hinaus jedoch einen Mehrwert für Kinder und deren Familien an. Denn sie bündeln verschiedene Betreuungs-, Bildungs- und Beratungsangebote für Kinder und Familien an einem Ort. Neben pädagogischen Fachkräften arbeiten Familienzentren beispielsweise auch mit Sozialämtern, Schulen und Vereinen zusammen. Ein Familienzentrum wird dadurch zum Netzwerk für familienorientierte Angebote in der Kommune. Kinder und Familien werden so gezielt gestärkt und eingebunden. Je nach Bundesland heißen die Einrichtungen auch Kinderzentrum oder Eltern-Kind-Zentrum.

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